Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Februar 2019: Schluss mit staatlichen Monopolen

by Florian

Aufgabe: Bilde einen Satz, der das Wort Regvor nicht enthält.

Kein Problem: Wir haben auch im Februar manchmal gespielt, was uns Spaß macht.

Jump Drive

Ich war mal Mitglied im Traveller-Hilfswerk. Klingt nach Heilsarmee, ist aber ein exklusiver Club für Weltraumreisende. Wer das Science-Fiction-Rollenspiel Traveller von Marc W. Miller kennt, versteht mich.

Warum ich das erzähle? Das Traveller-Hilfswerk hat mich mit der Sprungtechnik vertraut gemacht. Wenn Raumschiffe im leeren Raum auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, nennt man das einen Sprung, Englisch Jump. Das Schiff benötigt für dieses Kunststück einen Sprungantrieb: einen Jump Drive.

Jump Drive von Tom Lehmann ist, nun ja, unter den Spielen das, was der Jump Drive unter den Raumschiffmotoren ist. Es beschleunigt von null auf Lichtgeschwindigkeit in höchstens zehn Minuten. Wobei Lichtgeschwindigkeit hier die siegbringenden 50 Punkte sind.

Mach dir keine falsche Vorstellung: Jump Drive ist nicht einfach schnell. Es ist schon vorbei, bevor du deine Stoppuhr gestartet hast. Sechs oder sieben Runden, höchstens 14 gespielte Karten, Schluss! Wir sind da. Ihr Zielplanet Efate im Regina-Subsektor ist erreicht. Bitte hinterlassen Sie Ihre Kälteschlafkammer in dem Zustand, in dem Sie sie selbst vorzufinden wünschen. Thank you for travelling with the Hilfswerk.

Codenames Duett

Hurra, sie singen wieder! Der Nachbarshund jault schon ganz neidisch, wenn wir die alten Plättchen auflegen.

Das Orakel von Delphi

So definiert Stefan Feld die zwölf Aufgaben des Herkules neu: Baue einen antiken Paketdienst auf, stelle drei Opfergaben zu, liefere drei Säulen an einen von mehreren Interessenten, besiege drei Nachbarshunde Monster und finde drei unleserliche Adressen.

Herkules hatte es gut: Damals gab es noch das Postmonopol. Er konnte sich Zeit lassen. Heute konkurrieren die Paketdienste, jeder zahlt schlechter als der nächste, sie schnappen sich die Päckchen weg und streiten sich um die Ablageorte. Wer zuerst liefert, gewinnt.

Das Spiel für zwei bis vier göttliche Zusteller gibt es neuerdings auf Yucata. Davon animiert, haben Nicole und ich es letzten Monat abgestaubt und im Wohnzimmer bereitgestellt. Am Ende kam es doch nur einmal auf den Tisch. Zu viele Päckchen, zu viele Spiele. Aber Delphi ist richtig, richtig gut. Es kommt wieder. Der Paketbote hoffentlich auch.

Keiner dieser Herren heißt Sergej

Keiner dieser Herren heißt Sergej

Meisterdiebe

Und dann gab es noch etwas Besonderes. Ein Spiel, das mehr wegen der Mitspieler Spaß macht. Und als Objekt, weil es aus massivem Holz aufwändig gefertigt ist. Ein mächtiges Kästchen voller Wendeschubladen, in denen wir Edelsteine deponieren, aus denen wir Edelsteine herausklauen oder sie achtlos zu Boden fallen lassen, zur Freude der Schnorrer.

Das ist Meisterdiebe von Czarnè. Ein 3D-Rätsel, ein Gedächtnisspiel, gepaart mit dem Chaos des blinden Auswählens von Rollenkarten. Ehrlich gesagt, kein Super-Spiel. Aber neulich im Vierkirchner Spieletreff waren dennoch alle dabei.

Der Grund: Meisterdiebe gehört unserem Mitspieler Sergej. Unserem Noch-Mitspieler. Er spricht schon lange von seinem Wunsch, mit seiner Familie in eine Gegend mit niedrigeren Mieten zu ziehen. Diesen Sommer soll es so weit sein.

„Ich wollte das unbedingt noch mal mit Sergej spielen“, sagte Christian. Recht hat er. Wir werden Meisterdiebe vermissen, wenn der Möbelwagen es endgültig mitnimmt.

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Ein nicht ganz durchschnittlicher Sonntag

by Florian

Gestern, am Sonntag, 24. Februar, wurde in München die Regvor gespielt: das regionale Vorentscheidungsturnier zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel. Auf dem Programm standen gute Turnierspiele (Russian Railroads, Azul) und weniger gute (Mystic Vale, Machi Koro). Es waren nette Leute da, wir saßen im Wirtshaus und haben ein wenig geplaudert. Ich bin erst Dritter geworden, dann dreimal Zweiter, was 11 Punkte ergab – das exakte Durchschnittsergebnis, weil erste Plätze einen Extrapunkt bringen.

Wie immer fährt das Team U++ zum Finale, dazu der Turniersieger Ohne Risiko mit vier Nebenwirkungen. Das eine war vorher abzusehen, das andere zumindest nicht auszuschießen.

Es war also ein durchschnittlicher Sonntag. Und damit könnte dieser Bericht enden. Aber zwei Dinge möchte ich doch noch erwähnen.

Die Großen Alten 2019 Die Großen Alten 2019

Mein mystisches Tal

Nichts hat für mich die Regvor 2019 und das Üben vorher so geprägt wie Mystic Vale. Ich mag das Spiel nicht, ich mag sein Plastikmaterial nicht und nicht den hohen Glücksanteil, das Ökofantasy-Thema gefällt mir nicht, und ich will mir auch grundsätzlich keine Spielkarten während der Partie selbst zusammenbasteln.

Aber.

Man kann Mystic Vale üben, kann sich zäh und langsam verbessern. Es hat eine Lernkurve. Eine flache, lange. Ohne eingebaute Sieggarantie. Das Glück kann auch einem erfahrenen Spieler immer noch die Partie zerstören.

Gestern hatte ich kein rechtes Glück in Mystic Vale. Die Umstände waren, ehrlich gesagt, schrecklich. Wir hatten den dunkelsten Tisch des dunklen Wirtshaussaals. Es war das letzte Spiel des Tages, und manche Mitspieler (übrigens nette Leute, die meine Abneigung für Mystic Vale teilten) waren schon mit sich und dem Turnier fertig. Als die selbsterfüllende Prophezeiung eintraf und es für sie nicht lief, nahmen die Gespräche zu, die Konzentration sank.

Auch bei mir lief es nicht. Aber ich hatte das Spiel unverhältnismäßig oft geübt. Ich hatte gelernt, wie man sein Deck schneller macht, indem man möglichst oft das dritte Vergängnissymbol vom Stapel herunternimmt. Ich hatte geübt, einzelne gute Karten aufzubauen und möglichst oft auf die Hand zu bekommen. Das konstante Üben hatte mich in seinen Bann gezogen – das Üben mehr als das eigentliche Spiel.

Ich bin überzeugt: Ohne diese Übung wäre ich gestern nicht Zweiter in Mystic Vale geworden. Und ich glaube übrigens, auch in Machi Koro hätte ich den zweiten Platz verpasst, wenn ich nicht trotz allem an meiner Molkereien-Strategie festgehalten hätte. Die Wahrscheinlichkeit war auf meiner Seite, die Erträge waren es lange Zeit nicht.

Zweite Plätze sind eher bescheidene Erfolge, derer ich mich gar nicht weiter rühmen will. Ich mag Mystic Vale immer noch nicht, und die Partie selbst war eher unangenehm. Erst jetzt, im Rückblick, bin ich froh, mich trotz Abneigung in das Spiel hineingefuchst zu haben.

Um bei einer Regvor erfolgreich zu sein, können Glück und etwas Talent reichen. Aber wie ich auf der Online-Plattform Yucata sehen konnte, hat eine ganz bestimmte Mannschaft, die jedes Jahr oben steht, Mystic Vale hunderte Male gespielt und vermutlich durchanalysiert. Sie hat sich nicht auf das ohnehin vorhandene Talent und ihre klugen Köpfe verlassen. Diese Mannschaft war in Mystic Vale die beste. Davor ziehe ich meine Mütze – und freue mich ganz bescheiden über meinen hart erkämpften zweiten Platz.

Die besten Mitspieler

Nicht nur andere Mannschaften waren gut, auch zwei meiner Mitspieler. Nur Carmela erwischte einen schwarzen Tag. Das kann auf einer Regvor ebenfalls passieren: Manchmal hilft alles Üben nichts, und man landet Spiel um Spiel auf einem der hinteren Plätze.

Aber.

Thomas holte zwei erste Plätze, in Azul und Mystic Vale. Nett, wie er ist, betonte er mir gegenüber anschließend, in Azul meine Strategie umsetzt zu haben. In Russian Railroads jedenfalls holte er mit seiner eigenen Strategie (Devise: spät, aber dafür auf allen Linien punkten) einen zweiten Platz und insgesamt 14 Punkte. Zwar nicht die 16 Punkte, die die Online-Statistik ihm zuschrieb, aber ein dicker Erfolg.

Das konnte nur Nicole übertreffen, die gleichauf mit drei anderen Spielern 18 Punkte einfuhr und als beste Spielerin einen Preis überreicht bekam: das von uns vorab als Wunsch genannte Tribes von Rustan Hakansson.

Nicole gewann drei von vier Turnierpartien. Ausgerechnet in ihrem seit Jahren herausragenden Spiel, Russian Railroads, machte sie nur den zweiten Platz. Aber das war ihr dann auch egal. Zumal sie erstmals das Glücksspiel für sich entscheiden konnte, was sie besonders freute.

Da sich gerade die ersten Plätze relativ stark übers Mittelfeld der Mannschaften verteilten, genügte uns eine Summe von 49 Punkten für den dritten von zwölf Plätzen. Das bedeutete: keine Expedition nach Bad Nauheim, wo im Mai das Finale stattfindet, aber Spielepreise. Ja, unglaublich, zwei weitere Spiele für uns. Thomas angelte sich Photosynthese, Nicole griff nach Adventure Island.

Hübsche Ausbeute

Mit fünf Spielen in der Sporttasche waren wir gekommen: Das fünfte neben den Turnierspielen war die Hobbit-Edition von Love Letter für die S-Bahn-Fahrt gewesen. Auf der Rückfahrt hatten wir acht zu schleppen. Thomas und ich nahmen jeder einen Henkel.

Zwei neue Spiele liegen nun hier in Vierkirchen im Regal. Eine ganz hübsche Ausbeute für eine mittelmäßige Leistung an einem mittelmäßigen Sonntag, wie ich gerne zugebe. Aber dann sage ich mir, dass ich die Spiele quasi als Preis für die besten Mitspieler gewonnen habe.

Zumal ich in der S-Bahn, in Love Letter, an dem Tag einfach unschlagbar war.

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Ältere Regvor-Berichte:

Januar 2019: Üble Tricks und geringere Übel

by Florian

Ich kann es gut verstehen, wenn jemand sich nicht für die Deutsche Brettspiel-Meisterschaft und ihre regionalen Vorausscheidungsturniere begeistert. Das Turnierspielen ebenso wie das Üben vorab haben ihre Nachteile. Vor allem für Spieleblogger: Was soll ich denn über Azul, Mystic Vale, Machi Koro und Russian Railroads noch schreiben, was ich noch nicht geschrieben habe?

Diese vier waren meine meistgespielten Spiele im Januar. Ich schweige trotzdem dazu – und erzähle von vier anderen. Alle vier wurden im Januar zwar gespielt, aber alle aus ganz unterschiedlichen Gründen zu wenig.

Rosenkönig

Zum Beispiel eines meiner Lieblingsspiele. Im Januar konnte ich Nicole zu drei Partien überreden. Zu ihrer Überraschung gewann sie zwei davon. Leider gefällt ihr Rosenkönig trotzdem nicht besonders. Ich nehme mir mal vor, es im Januar 2020 wieder zu versuchen.

Rosenkönig kennt ihr hoffentlich alle? Es ist ein Zweierspiel aus der besten Zeit der Kosmos-Serie, ein einfaches Steine-Einsetz-Spiel von Dirk Henn. Bis zu fünf Karten geben die mögliche Sprungrichtung und -reichweite vom aktuellen Standort des Königs aus an. Wer am Zug ist, kann eine Karte ziehen oder spielen. Viermal im Spiel lassen sich auch gegnerische Steine umdrehen. Gebiete punkten exponential nach Größe. Besonders reizvoll sind die Zugzwang-Situationen: Wer fünf Karten auf der Hand hat, muss eine davon spielen – notfalls unter Zuhilfenahme einer seiner vier Umdrehkarten. Daher wählen erfahrene Spieler oft schon mit vier Karten in der Auslage das geringste Übel, um sich nicht vom hundsgemeinen Gegner in eine unerwünschte Ecke manövrieren zu lassen.

A Fake Artist Goes to New York

In einer Seltenspielerrunde anlässlich eines Geburtstags kam das so hübsche wie unpraktische kleine Spiel Fake Artist von Jun Sasaki aus Japan zum Einsatz. Alle außer einem wissen, was gemalt werden muss. Gleichzeitig gilt es, den Hochstapler im Künstlerkreis zu entlarven.

Ich habe es leider diesmal etwas zu gut erklärt. Alle versuchten, bloß nicht den Fake Artist aufs vorgegebene Thema kommen zu lassen. In keiner der fünf Partien hätte der Betrüger sagen können, was eigentlich gemalt werden sollte – aber er wurde auch in keiner enttarnt.

Wenn dieses Spiel also einen Nachteil hat, dann den, dass man ein Quäntchen Erfahrung braucht, um es gut zu spielen. Ich habe jetzt Selten- ebenso wie Vielspieler in den ersten Partien viel zu konkret, aber auch viel zu abstrakt malen sehen. Spaß macht es trotzdem. Es ist nur ein wenig wie bei Hanabi: Irgendwann hatte ich da keine große Lust mehr, mit Anfängern auf 20 oder 22 Punkte zu spielen. Lieber öfter in gleicher Besetzung. Aber die Geburtstagsgäste kommen so auch nur ein-, zweimal im Jahr zusammen.

Gaia Project

Den Nachfolger von Terra Mystica gab es bei uns zu Weihnachten. Ich habe aber noch erhebliche Koordinationsschwierigkeiten, gilt es doch, alle Siegpunktquellen, Wertungsplättchen, Sondereigenschaften der Völker, strategischen Optionen und Regelfragen der Mitspielerin gleichzeitig im Auge zu behalten. Die ersten drei Partien waren ein Anfang – aber ein etwas chaotischer.

Der Heidelbär

Dieser Aal ist hier Spielprinzip: Die Hinweiskarten enthalten tierische KAALauer. Eine glänzende Gelegenheit, als Geisteswissenschaftler gegen studierte Informatiker zu bestehen, die bei typischen Optimierungsspielen eine hohe Gewinnquote aufweisen … Die beiden Informatiker haben den üblen Trick durchschaut, aber trotzdem mitgespielt. Und sich sogar amüsiert.

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Reimlingen: Update

by Nicole

Das Interesse am langen Brettspielwochenende vom 30. Oktober bis 3. November 2019 in Reimlingen ist erfreulich groß. Aktuell sind wir zu zwölft. Da aber bisher keiner Lust auf Vierbettzimmer hat, sind von den neun sicher zur Verfügung stehenden Zimmern bereits siebeneinhalb weg.

Stand 29. Januar ist noch ein Platz in einem Zweibettzimmer für einen Nichtschnarcher frei und ein Zimmer, in das zwei bis vier Spieler passen. Eine Einzelzimmer-Warteliste gibt es auch schon.

Zimmer, die von anderen Gruppen storniert werden, werden für uns reserviert. Gut möglich also, dass noch ein paar Plätze hinzukommen. Wer aber sicher dabei sein möchte, sollte nicht mehr allzu lange zögern.

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Dezember 2018: So lang ist das schon her?

by Florian

Der Januar ist bald herum. Weshalb es Zeit wird, etwas zum Dezember zu sagen.

Das ist jetzt schon der dritte Monatsbericht in Folge nach der großen Blogpause. Einige grundsätzliche Überlegungen scheinen nicht unangebracht. Ich stelle mir vor, auch künftig jeden Monat genau vier Spiele vorzustellen, die uns beschäftigt haben, weil sie so gut oder so schlecht oder so ungewöhnlich waren. Manchmal wird das kurz ausfallen, ein anderes Mal kann es passieren, dass ich abschweife. Tipp: Scrollräder an der Maus sind eine tolle Erfindung.

Monatsberichte können am Monatsende erscheinen, müssen aber nicht. Wie gerade bewiesen.

Außerdem weise ich darauf hin, dass Suchmaschinen diesen Blog neuerdings für ihren Index durchleuchten dürfen. Der Jugendschutz des Spieletreffs Vierkirchen ist kein hinreichender Grund mehr, sich vor der Welt zu verstecken, denn die Jugend ist erwachsen geworden.

X-Code

Das neue Echtzeit-Kooperativspiel von Kasper Lapp enthält Erweiterungsboxen im Stil von Pandemic Legacy. Die haben wir beim Spieletreff Vierkirchen nicht gleich geöffnet, aber alle vier Einsteigerszenarien geschafft. Hoffentlich einigermaßen regelkonform.

Gegenüber Magic Maze vom gleichen Autor fällt X-Code ab. Es ist zwar weniger stressig, aber auch weniger konkret. Statt über einen Plan zu eilen, sammeln wir identische Zahlenkarten, um sie auf einer Old-School-Telefontastatur abzulegen. Drei beziehungsweise vier gleiche müssen bei einem Mitspieler eintreffen, damit er seines Amtes walten und die Taste belegen kann. Nur der Tastenton fehlt.

Jede Karte gibt vor, ob man sie nur linksherum oder nur rechtsherum tauschen darf – ja, nie einfach weitergeben, immer nur tauschen gegen eine andere Karte. Also sitzen vier Leute da, geben Bestellungen ab – „Fünfer und Rauten zu mir!“ – oder instruieren ihre Nachbarn zu den Karten, die sie ihnen hinhalten: „Die Eins ist für Christian!“

An den höheren Leveln von Magic Maze sind wir im Spieletreff Vierkirchen gescheitert. Einmal auch am zweiten Level, wie ich mich mit Schaudern erinnere. X-Code ist leichter. Aber mir persönlich haben die vier Partien schon gereicht. In den geheimnisvollen Boxen sind sicher lauter Gemeinheiten versteckt, und dann fallen wir doch wieder auf die Schnauze.

In der Vierkirchner Diskussionsrunde sagte ich noch, dass ich eine andere Grafik bevorzugt hätte, und schlug die Tiere von Zoff im Zoo vor. Wie ich seither gelesen habe, war das Sammeln von Tieren tatsächlich das ursprüngliche Thema des Spiels. Der Prototyp hieß „Fotosafari“.

X-Code und Dungeon Saga

X-Code und Dungeon Saga

Dungeon Saga

Es ist das Ergebnis ausführlicher Recherchen. Seit vielen Monaten weiß ich, dass Dungeon Saga das richtige Spiel für mich ist, wenn ich unbedingt einmal nachspielen möchte, wie eine Heldengruppe in ein unterirdisches Verlies einbricht, dort die Bewohner als Monster beschimpft, beraubt und ermordet. Also genau das, was die Amerikaner ein „thematisches Brettspiel“ nennen.

Warum gerade dieses und nicht ein anderes? Vielleicht Descent 2, Massive Darkness, Kingdom Death: Monster oder Swords & Sorcery? Einfache Antwort: Es liegt an der Komplexität. Dungeon Saga ist ein lustiges Würfelspiel, man kann nebenher Bier trinken. Und ein Szenario dauert etwa so lange wie bei Gloomhaven der Aufbau allein.

Dungeon Saga war mir nur zu teuer. Im Dezember wurde der Preis im Rahmen einer Adventskalender-Aktion um 60 Prozent gesenkt. So habe ich jetzt ein weiteres Spiel im Schrank, für das mir eigentlich die Mitspieler fehlen: Idealerweise sollte man zu fünft sein. Erste Partien gab es trotzdem schon. Ich werde weiter berichten.

Russian Railroads

Gottseidank, im Dezember gab es eine Viererpartie mit 521 Punkten. Ich kann es noch. Auch wenn ich schon wieder nicht mehr weiß, wie ich es gemacht habe.

Neu ist, dass wir jetzt auch mit möglichen Regvor-Gegnern üben. Zum Beispiel in Emmering. Während es schwieriger geworden ist, im Vierkirchner Spieletreff Trainingspartner zu finden.

Festung

Friedemann Frieses Festung war das lustigste Spielerlebnis im Dezember. Stefan und Sabine besuchten uns zum Adventsmenü. Stefan spielte oft auf ein frühes Spielende durch die dritte Sanduhr und brach in Jubel aus, wenn sie tatsächlich kam. Neue Karten, die keiner gekannt hatte, sorgten für überraschte Gesichter und konzentrierte Mienen. Wer gewann, wer verlor, war gar nicht so wichtig. Außer natürlich als Anlass für neuen Jubel.

Spielen kann so schön sein, wenn Gruppe und Spiel zusammenpassen.

Reimlingen

Nein, ich stelle kein fünftes Spiel vor. Obwohl ich finde, dass „Reimlingen“ ein Stefan-Feld-Spieletitel sein sollte.

Nicole veranstaltet, wie im Jahresrückblick angekündigt, ein Spielewochenende. Ab 30. Oktober 2019 in, ihr ratet richtig, Reimlingen. Wer dies liest, ist herzlich eingeladen, muss aber sein Zimmer selbst zahlen … Anmeldungen werden ab sofort entgegengenommen.

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Gedankenlesen im Duett: 2018 war anders

by Nicole

Neue Namen, neue Spielmechaniken, neue Orte, neue Mitspieler – 2018 ist anders. Umso mehr schätze ich zwischendurch Vertrautes. Wie die Kiew-Medaille in Russian Railroads oder die Anreise per Rad zum langen Spielewochenende, das immer im Frühsommer in Nördlingen über die Bühne geht.

Neue Namen

Wir heißen nicht mehr Vierkirchen verspielt Mixed Masters. Wir sind jetzt Die Großen Alten. Mit Carmela und Thomas vom Stuttgarter Brettspieletreff bilden wir 2018 erstmals ein baden-württembergisch-bayerisches Regvor-Team, werden Ende Februar in München Dritter und sind zufrieden. So zufrieden, dass wir 2019 eine Neuauflage planen, obwohl nicht nur ich von den vier Turnierspielen Russian Railroads, Azul, Mystic Vale und Machi Koro lediglich eines klasse finde.

Nach dem 22. Langen Brettspielwochenende des Stuttgarter Brettspieletreffs im Juni 2017 in Nördlingen hat Organisator Thorsten einen Schlussstrich gezogen. Wir spielen 2018 trotzdem in gewohnter Umgebung im Ries. Michael kümmert sich jetzt um alles und verpasst den Jufa-Tagen einen neuen Namen: Nördspiel. 2018 noch am gewohnten Christi-Himmelfahrt-Termin, 2019 dann über Fronleichnam.

Neue Spielmechaniken

Lange waren wir skeptisch, 2018 probieren wir’s: das Legacy-Prinzip. Spiele durch Aufkleber und Zerreißen von Karten dauerhaft zu verändern, widerstrebt mir. Bei Pandemic Legacy Season 1 funktioniert es. Jede der 22 Partien packt mich, gegen Ende des Abenteuers werden es auch schon mal drei, vier an einem Tag. Zum Glück haben wir Straßensperren, Forschungszentren und Seren bedächtig eingesetzt, sonst gäbe es die Menschheit längst nicht mehr. Sie wäre eingegangen an Fußballfieber, Morbus Corax, Logorrhoe oder COdA-403d. Wir gaben nicht nur den Krankheiten, sondern auch den Charakteren Namen. Von Marie Miau war ich etwas enttäuscht. Verena Vau, Nilsi Wow und Bella Ciao waren es wohl auch.

Pandemic Legacy von Matt Leacock und Rob Daviau ist nur deswegen unser erstes Legacy-Spiel, weil das vorbestellte The Rise Of Queensdale einfach nicht kommen will. Im Nachhinein bin ich froh, denn als das Päckchen endlich eintrifft, erweist sich die Rettung der Königin im Vergleich zur Rettung der Menschheit als fad bis ärgerlich. 16 Partien brauchen wir, bis wir es hinter uns gebracht haben.

Karten in aufsteigender Reihenfolge abzulegen, ist keine Kunst. Außer man hält die Klappe dabei. The Mind von Wolfgang Warsch ist unglaublich einfach und, in der richtigen Runde, unglaublich spannend. 38-mal kommt es 2018 auf den Tisch, zu zweit, zu dritt, zu viert und sogar zu fünft. Letzteres in einer vom Blutmond beschienenen Julinacht auf einer Hotelterrasse in Niederbayern, untermalt von den Klängen einer Band, die im angrenzenden Festsaal bei einer Hochzeit aufspielt. Bis zum siebten Level kommen wir, rauchend, mitsingend und Cocktails trinkend. Ich mag unsere Neffen und Nichten, die zu jedem Familientreffen voller Vorfreude auf Spieleabende anreisen. Zu zweit gewinnen Florian und ich The Mind öfter und haben dann noch einen Riesenspaß, wenn wir auch blind die eine oder andere Bewusstseinsstufe nehmen. Zu viert schaffen wir es nur ein einziges Mal, im November in Rotenburg an der Fulda, doch davon später mehr.

Pandemic Legacy Season 1 und The Mind sind neu, extrem verschieden, einfach nur großartig. Aber nicht unser Spiel des Jahres. Der Titel gebührt Codenames Duett von Vlaada Chvátil und Scot Eaton. Codenames fanden wir schon überragend, Codenames Duett schickt uns auf eine schier nicht enden wollende Weltreise, auf der wir verflixt oft über Hawaii stolpern und trotz etlicher Fehlversuche nicht müde werden, auch noch Singapur zu erreichen. Am 9. Oktober, nach zweieinhalb Monaten Kampagne und 69 Partien, kommen wir endlich an. Zum Jahresausklang werden wir es noch einmal spielen, mit den Begriffen aus dem Grundspiel. Ohne Hawaii, dafür vielleicht mit Elf, Schneemann, Nuss und Schokolade.

Unser Spiel des Jahres ist Codenames Duett

Neue Orte, neue Mitspieler

Unser Spiel des Jahres ist bekannt gegeben, und trotzdem höre ich nicht auf zu schreiben. Weil ich vom Spielen und Entspannen am Brombachsee erzählen will, vier Tage lang im Juni. Mehr Entspannen als Spielen, aber mit liebgewonnenen Mitspielern aus Stuttgart. Sogar Spiele kann man in der Gegend kaufen, Florian entdeckt ein verstaubtes San Marco in einem Laden, in dem ein, zwei Kunden pro Woche vorbeischauen dürften. Wir anderen stehen derweil vor der Tür des Geschäftes, um das schlafende Baby im Laden nicht zu zu wecken mit unseren Mutmaßungen über die Unwahrscheinlichkeit, in solch einem Örtchen etwas Interessantes zu finden.

Im Juli radeln wir in dreieinhalb Wochen von Karlsruhe nach Saarbrücken. Mit Umweg über Frankreich, einmal quer durch bis Bayeux und zu den Landungsstränden der Alliierten. Als wir fast schon wieder zurück in Deutschland sind, treffen wir uns in Thionville mit Jenny und Thierry. Zum Dank für ihre Gastfreundschaft und das geschenkte Star Realms schicken wir ihnen später Die Quacksalber von Quedlinburg. Jenseits des Rheins hat man durch die gerade verliehene Auszeichnung Kennerspiel des Jahres überhaupt erst von dessen Existenz erfahren und ist neugierig.

Kurz nach der Regvor im Februar hatte mich eine Mail von Regelguru und Dauer-DM-Qualifikant Stephan erreicht, eine Einladung, doch mal beim Brucker Spieletreff vorbeizuschauen. Ende September nehme ich sie an und mache mich Freitag nach der Arbeit auf nach Emmering. Ich lerne nette Mitspieler kennen, dazu Photosynthese und Pioneers. Zwei Wochen später schlagen wir zu zweit auf. Und Anfang Dezember ein drittes Mal. Nächsten Sommer wollen wir mal nachts aus Emmering heimradeln. Unterwegs im Dunkeln lässt es sich vortrefflich über Züge , Taktiken und Würfelglück quatschen.

Spielen an Allerheiligen, zwischen Essen und den Weihnachtsfeiern der Adventszeit, ist eine ganz wunderbare Idee. Zweimal hat Marcus ein verlängertes Wochenende auf der Schwäbischen Alb organisiert. Als er für Herbst 2018 buchen will, hat das Gästehaus in Ruppertshofen keine Kapazitäten mehr. Schade, ich mag den kleinen Kreis und die überschaubare Anreise.

Wir probieren Rotenburg an der Fulda aus. Der Spieletreff Oberhof ist inzwischen hierher gewandert. Sein Herbstableger ist mit 50 Doppelzimmern fast intim. Mir kommt er trotzdem riesig vor. Ich mache die Bekanntschaft von Kristina, Krass kariert, Lift off und Carpe Diem, zähle mit Florian und Carsten Schritte auf Wanderungen durch den goldenen Herbstwald, stolpere auf dem Weg zum Klo über den Carcassonne-Autor Klaus-Jürgen Wrede, den ich nicht als solchen erkenne, und sehe aus den Augenwinkeln Stefan Feld, dem ich am liebsten sagen würde: Ey, Bubu ist einfach nur geil. Aber das werden ihm schon 1000 andere vor mir gesagt haben. Klassiker spielen wir auch, Brief History of the World, natürlich Burgen von Burgund, Fürsten von Florenz. Die Zeit ist zu knapp, um auch noch mit Goa fertig zu werden. Dann müssen wir schon wieder zum Zug. Auf der Rückfahrt klappt sogar fast alles. Trotzdem erscheint mir eine halbe Deutschlandreise hin, eine halbe zurück sehr lang für viereinhalb Tage Spielen.

2018 ist das Jahr, in dem trotz aller Vertrautheiten einiges neu und anders ist. 2019 wird zumindest schon einmal eine Neuheit bringen: Ich will mich als Spieletreff-Organisatorin versuchen. Allerheiligen irgendwo zwischen Stuttgart und Vierkirchen, aber nicht in Ruppertshofen. Da ist schon wieder alles voll. Vielleicht kann ich neue Mitspieler für ein Brettspiel-Wochenende gewinnen und alten eine lange Fahrt ersparen. Ob’s klappt? Ich weiß es nicht. Aber einen Versuch ist es wert.

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November 2018: Gemeinheiten werden bestraft

by Florian

Nach vier Tagen war der Monat November halb herum. Nicht laut Kalender natürlich, aber laut Spiele-Statistik. Knapp die Hälfte aller Novemberpartien habe ich in den ersten Tagen des Monats in Rotenburg an der Fulda auf einem großen Spielertreffen gespielt.

Die Fürsten von Florenz

Fünfzig Hotelzimmer hatten die Veranstalter für uns Spieler gebucht. Knapp hundert Leute also verteilten sich auf einen zweiflügligen Saal und einige kleine Nebenzimmer.

Drei Gruppen Spieler gab es in Rotenburg. Die erste bestand aus Autoren und Verlagsleuten, die sich tagsüber in eines der kleinen Nebenzimmer zurückzogen, um ungestört Prototypen zu diskutieren und zu verbessern. Bei der zweiten Gruppe handelte es sich um die Neuheitenspieler, die möglichst viele neue Eindrücke sammelten. Schließlich lag die Messe in Essen mit ihren Hunderten Neuerscheinungen keine Woche zurück.

Ich zähle mich zur dritten Gruppe: Wir bildeten den Klassiker-Tisch, wie es unser Freund und Regvor-Mitspieler Thomas formulierte. Wir spielten Altes und Bewährtes wie Die Burgen von Burgund, Snowdonia, Hansa Teutonica, Brief History of the World (das beste mir bekannte Spiel, das ich nicht selbst im Regal habe) und am letzten Tag auch noch Die Fürsten von Florenz sowie Goa.

Die Fürsten von Florenz von Richard Ulrich und Wolfgang Kramer aus dem Jahr 2000 ist ein trotz einfacher Regeln komplexes Versteigerungsspiel. Man muss Zusammenhänge erkennen, die Preise einschätzen. Zwei Partien reichen nicht, um es zu durchschauen – naja, mir haben sie zumindest nicht gereicht. Dafür hat es eine Tiefe, die es auch 18 Jahre nach Erscheinen noch spielenswert macht.

Spieler in Rotenburg

Häuser, Fulda und Spieler in Rotenburg

Nicole und ich haben uns nach mehrjähriger Pause diesen Sommer noch einmal in das Spiel hineingearbeitet. In Rotenburg fanden wir dafür zwei erfahrene Mitspieler, nämlich Kristina („mein Lieblingsspiel“) und Carsten, die uns als Neulinge auch ein wenig coachten. Tatsächlich hielten sie uns von manchen Missgriffen ab. Der Wert eines Gauklers wurde mit 1200 Dukaten spezifiziert, was zumindest für die erste Spielhälfte gelte, und Kristina hinderte mich einmal am Aussteigen aus einer Gaukler-Auktion: Ich hätte sonst Schwierigkeiten bekommen, die Werkskarten auf meiner Hand überhaupt noch zu spielen. Dabei sind diese Karten die Hauptquelle für Punkte.

Sie coachten uns zum Sieg. Nicole gewann, ich kam mit einer von mir erstmals gewagten Architektenstrategie auf den zweiten Platz, punktgleich mit Carsten, aber per Tiebreaker vor ihm. Kristina wurde Letzte in ihrem Lieblingsspiel und hätte am liebsten sofort eine Revanche gespielt.

Zuletzt lasse ich doch einen Namen fallen, aber es ist so eine nette Erinnerung: Während der Partie kam einmal Stefan Brück von Alea an uns vorbei, und wenn ich sein Lächeln richtig gedeutet habe, hat er sich ein wenig gefreut, sein altes Spiel auf dem Tisch zu sehen.

Neom

Ein paar Neuheiten habe ich schon auch gespielt in Rotenburg. Etwa Lift off, das Neue bei Hans im Glück, und 18Lilliput, also Gullivers Reise mit der Eisenbahn vom 18er-Spezialisten Leonhard Orgler aus Wien. Die interessanteste Neuheit fand ich aber Neom, ein Drafting-Spiel, das mit dem expliziten Anspruch entwickelt wurde, 7 Wonders besser zu machen.

In einem Blogbeitrag erzählt Neom-Autor Paul Sottosanti, die wechselnde Weitergaberichtung in 7 Wonders beispielsweise sorge immer wieder für Momente der Irritation auch bei erfahrenen Spielern. In Neom habe man den Wechsel daher vermieden. Das ist richtig, aber kurios, denn in 7 Wonders wird kurz innegehalten, dann lässt jemand einen der bewährten Sprüche vom Stapel, und es geht weiter. In Neom hingegen muss sich jeder Spieler immer wieder die Anleitung geben lassen, die die komplexen Funktionen der Gebäude, besonders der vor dem eigentlichen Spielbeginn herumgereichten Siegpunktgebäude, erklärt. Das heißt also, schon vor Spielstart ist zumindest für Neom-Neulinge eine Viertelstunde blättern und Anleitung draften angesagt. Selbst wenn man sich Spielhilfen für alle (die nicht beiliegen) basteln würde: Dies kostet ein Tausendfaches der kurzen Irritation, wenn im zweiten Zeitalter von 7 Wonders die Richtung wechselt.

Ich will damit weder das Spiel noch den Text von Sottosanti kritisieren. Ich finde es nur frappierend, wie der konzentrierte Versuch, eine Kleinigkeit zu verbessern, blind für die Verhältnismäßigkeiten machen kann.

Ebenfalls kurios: Einer der Kritikpunkte von Sottosanti an 7 Wonders ist, dass man seine erste Kartenhand beim Draften mit sechs oder mehr Spielern nicht wiedersieht. Damit geht eine Planungs- und Spekuliermöglichkeit verloren. Tja, leider kann man Neom in der veröffentlichten Fassung überhaupt nur zu fünft spielen.

Zwischenfazit: Neom macht 7 Wonders vielleicht in mancher Hinsicht besser. Es ist aber während der Entwicklung zu einem weit komplexeren Spiel mit ganz neuen Stolperfallen geworden.

Und damit zum Spiel selbst. In Neom sind es nicht Karten, sondern Gebäudeplättchen, die wir weiterreichen (und jeweils eines behalten). Aus ihnen bauen wir eine Stadt im Stil von Suburbia, aber noch eins kommt drauf, wir müssen auch noch ein Wegenetz schaffen, das alle Plättchen verbindet.

Neom enthält coole Einfälle dutzendweise. So darf man Rohstoffe billiger bei einem Nachbarn kaufen, zu dessen Spielplanseite hin man eine durchgängige Straße gebaut hat. Die Rohstoffe sind in drei Gruppen unterteilt: Die selteneren bringen an sich mehr Punkte und ermöglichen zudem den Bau besonders starker Industriegebäude.

Vor allem gibt es extrem unterschiedliche Wege zum Ziel. Mit der Auswahl der drei Siegpunktplättchen vorneweg hat man eine Orientierung, da man sie aber nicht bauen muss (oder realistischerweise: nicht alle drei), sind unterwegs noch Modifikationen möglich.

Ein großes Fragezeichen hinterlassen die Sabotageplättchen: Wenn ein Spieler einen Brand auslöst, sollten alle anderen ihre Gebäude durch Feuerwehren geschützt haben, oder es wird teuer. Wer ein solches Plättchen spielt, hat sonst nichts davon, ist aber zumindest selbst nicht betroffen. Das hört sich nach heftigen Konflikten an. Meine Kritik geht aber in eine andere Richtung. Eine Feuerwehr schützt nämlich nur umliegende Gebäude. An der Stelle wird es mir zu kompliziert. Bei der Anlage der Stadt und ihres Wegenetzes sind schon dermaßen viele Dinge zu beachten, es war wahrlich nicht nötig, die Schutzgebäude durch eine so hohe Anforderung noch zu entwerten. Zumal es mehrere potenzielle Bedrohungen und Gegenmaßnahmen gibt.

Ich habe Neom nur einmal gespielt. Ich kann kein Urteil abgeben außer diesem: Ich würde es gern wiederspielen und mehr darüber herausfinden.

Azul

Die Regvor wirft ihre Schatten voraus. Nicole und Carmela haben schon in Rotenburg Azul geübt. Ich bin danach eingestiegen. Auch im Vierkirchner Treff kam unser neu erworbenes Exemplar sogleich zum Einsatz.

Azul von Michael Kiesling ist ein Spiel, das man gut üben kann. Ein gutes Regvor-Spiel. Ein gemeines Spiel, bei dem Gemeinheiten bisweilen auf einen selbst zurückfallen. Wenn ein Spieler eine Wahl trifft, um seinem Nachbarn zu schaden, und dann selbst mit unpassenden Steinen bestraft wird, finde ich das immens befriedigend. Außer, ich bin dieser böse Spieler.

Was gibt es noch über Azul zu sagen?

Azul ist nicht irgendein Spiel. Es ist Spiel des Jahres und Gewinner des Deutschen Spielepreises. Aber das ist noch längst nicht alles. Azul ist ein Spiel für alle, meint die Jury Spiel des Jahres, auch für Flüchtlinge. Unsere Erfahrungen im Spiel mit Flüchtlingen lassen mich daran zweifeln, aber gut, die Jury wird ihre eigenen Erfahrungen haben – oder machen.

Ach ja, die Haptik. Das Wort darf nicht fehlen in einem Text über Azul. Schwer ist das Material, sicher, aber gewiss nicht so einmalig, dass man als Zuschauer während eines laufenden Spiels in die Mitte fassen und einen Stein in die Hand nehmen müsste.

Ich persönlich finde übrigens die monochromen Fliesen hässlich – also Blau und Rot. Die gemusterten sehen gut aus.

Mystic Vale

Geneigter Leser, erinnerst du dich an meine Bemerkung oben über Brief History of the World? Das Gegenteil davon ist Mystic Vale, denn ich habe es im Regal, ohne es im Geringsten zu schätzen. Die Regvor hat mich zum Kauf gezwungen.

In Mystic Vale von John D. Clair setzen wir unsere Karten selbst zusammen, und ich habe vor zwei Jahren schon mal geschrieben, dass das bitte der Autor machen soll, weil es sein Job ist, nicht meiner, und dass ich Kartenhüllen hasse und dicke Finger habe und die Sleeves (Spieler-Slang für Kartenhüllen) mich beim Mischen in die Handfläche pieksen.

Aber das ist noch gar nichts. Das Schlimme an Mystic Vale ist das Gameplay.

(Ja, genau, das ist auch Spieler-Slang und steht für Nervenzerrüttung während einer vermeintlich lustigen Freizeitaktivität.)

Mystic Vale, das kann ich nach einem Dutzend Partien mit Zuversicht behaupten, wird fast immer innerhalb des ersten Drittels entschieden. Es gibt mehrere Wege zum Sieg, aber selten liegt mehr als einer aus. Wenn doch, kann es ausnahmsweise spannend werden.

Ein Beispiel für einen solchen Weg ist eine mächtige Zusatzkarte, die aus einer Auslage nicht für Geld, sondern für Symbole zu haben sind: Jemand kommt über eine „Quelle“ (eine Kartenaufwertung mit gleich zwei Symbolen) früh an einen „Azurblauen See“. Diese Zusatzkarte gibt jede Runde ein Einkommen mehr und ist zu einem frühen Zeitpunkt ein Sieggarant, da sie jede Runde das Einkommen um letztlich 20 bis 50 Prozent erhöht. Es gibt nur zwei dieser Seen im Spiel, aber oft genug liegt einer in der Startauslage.

Oder es liegen Aufwertungen aus, die eines der limitierenden Roter-Baum-Symbole („Verfall“) zunichte machen. An die kommt heran, wer zuerst das Glück hat, mit seinen mickrigen Startkarten den Preis zusammenstottern zu können. Mit mehreren solchen Aufwertungen wird es ihm gelingen, sein Deck so zu optimieren, dass er wenigstens in den letzten Runden alle Karten auf einmal zieht. Wer das Pech hat, die geforderte Summe nicht oder zu spät ausliegen zu haben, kriegt keine solchen Karten und ist raus.

Oder es liegt eine 10 Mana teure „Aurora“ aus. (Mana ist die Geldeinheit in Bio-Fantasyland.) Damit kann man sehr viele Punkte scheffeln, vor allem in einem Deck mit einem oder zwei Wachstumssymbolen und sonstigen Verfall-Stoppern. Dann versucht jeder, Mana-Symbole auf seine Karten zu bekommen. So schnell wie möglich und so viele wie möglich. Wer als erster zehn auf einen Schlag ausliegen hat, wird wahrscheinlich gewinnen.

Das Perfide an Mystic Vale ist nun nicht der Glücksanteil. Ich mag Glücksspiele. Manche zumindest. Aber Mystic Vale macht Verlieren zur Tortur. Der Verlierer selbst macht extrem kurze Züge, der absehbare Sieger braucht für jeden Minuten. Je erfolgreicher ein Spieler ist, desto länger dauern nämlich seine Kettenzüge. Das macht Spaß, wenn man selbst ein tolles Deck zusammen hat und wenig Skrupel, die anderen warten zu lassen, aber beim Zuschauen kommen bisweilen negative Gefühle auf, zu denen man sich gar nicht fähig hielt.

Bevor ich keine Mitspieler mehr finde, muss ich dringend anmerken, dass sich diese intensiven Gefühle gegen das Spiel richten. Nicht gegen die Mitspieler!

Wegen der im Februar anstehenden Regvor werde ich Mystic Vale nämlich weiterhin in den Spieletreff Vierkirchen mitbringen, um mich mit minimalen taktischen Vorteilen gegen den Zufall zu wappnen. Ich verspreche, ich werde mich unabhängig von Sieg und Niederlage um kontemplative Gelassenheit bemühen. Besser Mystic Vale spielen als gar nicht spielen.

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Oktober 2018: Weltreise beendet

by Florian

Willkommen zurück, meine Damen und Herren, liebe Mitspieler. Wir fahren langsam und vorsichtig den Server wieder hoch, um über vier Spiele zu berichten, die unseren Oktober 2018 geprägt haben.

South African Railroads

Dieses Spiel von John Bohrer aus dem Jahr 2011 gilt heute als eines der besten Winsome-Spiele. Es wurde wie bei diesem Kleinverlag üblich als Teil eines Essen-Sets verkauft, als Katze im Sack mit insgesamt drei, vier neuen Eisenbahnspielen oder Erweiterungen zum Einheitspreis von 100 Euro. Abholung nur am ersten Messetag bis 12 Uhr!

Ganz so heftig in die Eisenbahnspielerszene involviert bin ich nicht, und nach Essen kriegt mich auch kein Winsome-Spiel, aber 2013 gab es einen Nachdruck, der von Pittsburgh aus um die Welt versandt wurde. Auf dem A4-Umschlag, den ich erhielt, stand übrigens wegen des Zolls als Wertangabe 20 Dollar. Drin waren handgeschnittene Tonpapier-Aktien und Holzwürfel für Streckenausbauten. Ein hässliches Sammlerstück. Ich legte es stolz ins Regal, wo es bis zu diesem Monat Staub ansetzte, und ignorierte die auf Boardgamegeek regelmäßig eingehenden Kaufanfragen. Das Spiel wurde nie wieder aufgelegt.

Jetzt im Oktober gab es im Vierkirchner Spieletreff die erste Partie. Drei Männer boten für die Aktien der sieben Gesellschaften. Ich erwarb die Central South African und führte sie Richtung Johannesburg. Michael kaufte eine Aktie der Cape Midland und machte sie so attraktiv, dass Christian einstieg. Sie entwickelte sich zur einzigen Gesellschaft, die im Lauf des Spiels alle fünf Aktien los wurde.

Die Regeln sind nicht kompliziert. Die Marktdynamik ist es. Wir stocherten im Nebel, jedoch immerhin jeder nach seinem System. Michael hatte die wenigsten, aber wertvolle Aktien und forcierte ein schnelles Spielende. Christian versuchte es mit Streubesitz und einer soliden Gesellschaft, die er allein für sich hatte. Ich lag dazwischen und verpasste, eine Versteigerung auszurufen, als die anderen beiden gerade kein Geld hatten.

Bei der Abrechnung vertaten wir uns erst einmal. Michael demonstrierte die hohe Kunst des Kopfrechnens, indem er die korrekte Dividende ausrechnete und die fälschlich ausgezahlten Beträge gleich wieder abzog. Fast gemein, dass er trotzdem nur auf dem dritten Platz landete. Christians breiter Aktienbesitz setzte sich am Ende durch.

Codenames Duett

Noch ein Codenames? Ich war skeptisch, als Codenames Duett vor einem Jahr die Spieleshops erreichte. Eine kooperative Zweispielervariante klingt ja gut, aber Nicole und ich spielen das normale Codenames doch schon oft und gern kooperativ.

Die positiven Stimmen im Web und Bekanntenkreis häuften sich. Ich erfuhr: Beidseitige Hinweiskarten sorgen für weniger Wartezeit. Ein Kampagnenmodus führt rund um die Welt. Hey, das ist ja fast wie Pandemic Legacy.

Zu meinem Geburtstag war es dann da. Ende Juli wurde die erste Partie gespielt. In achtzig Tagen wie bei Jules Verne, bis Mitte Oktober, spielten wir noch genau 68-mal und reisten dabei einmal mit Codenames Duett um die Welt.

Die Kampagne war geschafft: In allen Schwierigkeitsgraden, die Städtenamen tragen, hatten wir mindestens einmal gewonnen. Eines Tages werden wir das wiederholen. Aber dann mit den Karten aus dem Codenames-Basisspiel. Denn eine Beschwerde habe ich an den Verlag: Es sind einfach zu wenige Karten für fast 70 Partien in rund 10 Wochen. Wie oft lagen Hawaii und Bermuda auf dem Tisch. Ich kann sie nicht mehr sehen.

Die Frage, ob man zwei Codenames braucht, kann ich klar mit ja beantworten. Wer grübellastige Wörterspiele mag und sowohl zu zweit als auch in Gruppen zu vier oder mehr Leuten spielt, kann seinen Regalplatz nicht besser belegen als mit diesen beiden Schachteln.

Nur eine Warnung: Zu zweit hat Duett gegenüber dem normalen Codenames den riesigen Nachteil, dass nun nicht mehr einer die Küchenarbeit machen kann, während der andere über seinen Hinweis nachdenkt.

Istanbul – das Würfelspiel

Istanbul fand ich so lala, ganz nett, ein solides Spiel. Ich wollte es erst nicht kaufen, es wurde aber später zwecks Regvor-Vorbereitung angeschafft.

Im Herbst letzten Jahres kam das Würfelspiel auf den Markt. Ich lernte es auf der Spielwiesn. Nett, aber muss ich nicht daheim haben, war mein Urteil.

Elf Monate später gewann ich ein Exemplar.

Ja, seht ihr, über die Spiele für die Qualifikation zur Deutschen Brettspielmeisterschaft kann jeder mit abstimmen. Und unter allen, die abstimmen, verlost der Veranstalter zwei Spielepakete. Im Herbst 2018 war ich einer der Glücklichen. Mein Paket enthielt eben das Istanbul-Würfelspiel, Woodlands und Cuboro: Tricky Ways.

Keines dieser Spiele hat mich umgehauen. Alle drei machen Spaß. Aber richtig klasse ist es, so ein Spielepaket zu gewinnen. Wenn die Post die Wunderkiste bringt, und man weiß nicht, was drin sein wird. Ein paar Ladenhüter von vor vier Jahren, die die Verlagssponsoren loswerden mussten? Denkste. Drei aktuelle, drei richtig interessante Spiele. Einfach eine Kiste neues Material, um sich reinzulesen, reinzuspielen.

Nur die Wahl der Regvor-Spiele ist nicht ganz nach meinem Geschmack ausgegangen.

Star Realms

Im Juli waren wir wieder mal per Rad in Frankreich. Auf dem Rückweg kurz vor der Grenze trafen wir uns in Thionville mit Jenny und Thierry für einen Spieleabend. Zum Abschied gab uns Jenny Star Realms samt Erweiterung Colony Wars mit: Das würden sie nicht spielen, sagte sie, sie brauche Platz im Regal.

Wir revanchierten uns übrigens bald mit einem Paket, das die Quacksalber von Quedlinburg enthielt. Das Glückskeksspiel des Jahres fühlte sich für uns zu häufig frustrierend an.

Auch mit Star Realms wurde ich nicht gleich warm. Es ist ein Deckbauspiel, Dominion in einfach: Man kauft eine Karte, dann noch eine, möglichst von der gleichen Sorte, und hofft, beide zusammen auf die Hand zu bekommen, weil sie dann stärker sind. Hoher Glücksfaktor, wenig Entscheidungsspielraum.

Den Grundregeln nach spielt man Star Realms zu zweit mit dem Ziel, sein Gegenüber zu zerstören, vom Plan zu fegen beziehungsweise (so heißt es offiziell) seine Autorität zu untergraben.

Im Oktober entdeckte ich, dass man Star Realms auch solo und kooperativ spielen kann. Das geht zum Beispiel mit der neuen Erweiterung Frontiers, die mehrere Szenarien an Bord hat. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, sie zu kaufen, aber eines der Szenarien, eigentlich einfach nur eine doppelseitige Karte, ist im Blog des Verlags zu finden. Man kann die Regelgrafik herauskopieren und drucken und den Kampf gegen das „Nemesis Beast“ aufnehmen.

Zugegeben, gerade solo ist Star Realms ganz schön schwer, man darf sich nicht von der ausliegenden Kartenauswahl auf Abwege führen lassen. Einige verlorene Solopartien haben mich zu einem besseren Star-Realms-Spieler gemacht. Als nächstes probierten wir es gemeinsam gegen die Bestie und gewannen sogar neuen Spaß daran, ganz ohne das Beast mit dem Standardspiel aufeinander loszugehen.

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Spielend für Toleranz

by Florian

Spielend für Toleranz

Kennt Ihr dieses Gefühl: Ich bin klein und schwach und kann nicht viel erreichen? Wenn ich auf einer Demo stehe mit 30.000 Menschen, denke ich mir: Ohne mich wären es 29.999 gewesen. Die Presse hätte wahrscheinlich aufgerundet.

Aber wenn alle so gedacht hätten, wäre keiner da.

Wir sind nur ein kleiner, nicht bei Google gelisteter Spieleblog, der außer aktuellen Terminen des örtlichen Treffs derzeit keine Updates erfährt. Aber auch uns ist Toleranz wichtig. Am Spieltisch und im restlichen Leben. Für jeden Menschen müssen die gleichen Regeln gelten: die Menschenrechte.

Gewalt ist keine Lösung. Ausgrenzen ist keine Lösung. Wegschauen ist keine Lösung.

Also stellt sich dieser kleine, verschlafene Blog in die hinterste Reihe der vielköpfigen Demo und ruft, so laut er eben kann: Spielend für Toleranz.

Nur zum Spaß geübt

by Florian

Wir unterbrechen unsere Sendepause für einen kurzen Bericht. In München ist am vergangenen Sonntag die regionale Vorentscheidung zur Deutschen Brettspiel-Meisterschaft (Regvor) gefallen.

Während Vierkirchen in der Vergangenheit bis zu drei Mannschaften zur Regvor entsandte, war es 2018 nur eine halbe: Nicole und ich bildeten zusammen mit Freunden aus Stuttgart, nämlich Carmela und Thomas, Die Großen Alten. Woran lag es? Die Antwort hat auf der Regvor ein Mitglied eines anderen Teams gegeben. Es sagte zu seinen Freunden: „Das nächste Mal müssen wir aber üben, so macht mir das keinen Spaß.“

Ich habe über diesen Satz gelacht, als ich ihn im Vorbeigehen aufschnappte. Ihm aber war es bitter ernst. Und es stimmt schon, das war eine Regvor, für die sich das Trainieren lohnte – anders als zumindest laut Bericht im Vorjahr. Das hat niemand deutlicher gezeigt als das mit großem Abstand siegende Team von U++, das in den beiden strategischen Spielen First Class und Orléans hervorragend vorbereitet war.

Auch in Vierkirchen hat dieses Jahr der eine oder andere gesagt, er habe keine Lust auf diese Spiele, auf so viel Üben. Andere bereiteten sich auf andere Prüfungen vor – Abitur und Studium etwa.

Wir Großen Alten

Die Spieleauswahl fanden wir herausragend, aber wie fleißig wir üben wollten, das haben Carmela, Nicole, Thomas und ich durchaus diskutiert, als wir im Herbst unser Team formierten. Vor zwei Jahren hatten Nicole und ich zu viel Ehrgeiz in die Regvor gesteckt, das war weder erfolgreich noch vergnüglich. Das wollten wir vermeiden. Wir ließen es also zumindest lockerer als damals angehen. Carmela zeigte ordentlich Ehrgeiz, sie war schließlich schon mal in Herne beim Finale, und auch Neuling Thomas übte mit Ausdauer. Er informierte uns aber vor Turnierbeginn, zum Finale wolle er gegebenenfalls nicht mitkommen, es reiche ihm jetzt mit Training.

Aufgrund der Entfernung übten wir nur zweimal gemeinsam – sozusagen ein intensives Intervalltraining. So manches Mal sagte einer von uns mit Deniz Yücel: „Wir sind ja nicht zum Spaß hier.“ Aber das war dann auch nur Spaß.

Die Großen Alten

Das erste Spiel war dann auch gleich dasjenige, das Nicole und ich am häufigsten gespielt und am gründlichsten analysiert hatten: First Class. Es lohnte sich, beide gewannen wir unsere Partie mit rund 100 Punkten Vorsprung vor den jeweils Zweiten. Auch Carmela holte einen Sieg, Thomas wurde Dritter und hatte damit sein Ziel – „nicht in jedem Spiel Letzter“ – erreicht.

Es folgte Einfach genial – der Name ist Programm, dieses Spiel erforderte die wenigste Vorbereitung. Um zu gewinnen reicht es, genial zu sein. Nun ja. Wir schnitten recht mittelmäßig ab, als achtes von zwölf Teams. Abhaken, weiterspielen, wer interessiert sich schon für Einfach genial.

Als Nächstes setzten wir uns zu Orléans an die Tische. Wir alle lieben dieses Spiel, Nicole und ich sind im vergangenen Jahr sogar auf seinem Spielplan herumgeradelt, wie man im Radforum ausführlich nachlesen kann. Wie befürchtet ist Orléans aber kein Spiel, das mir als Turnierspiel große Freude bereitet. Wenn Mitspieler minutenlang wegen einem Punkt mehr oder weniger rechnen und mit dem Einsatz all ihrer Plättchen warten, bis jeder vor ihnen die seinen platziert hat, fühlt sich das klebrig an wie heißer Asphalt unter den Fahrradreifen. Mich packt da die Ungeduld, ich will endlich weiter.

Leider stellte sich aber auch heraus, dass wir uns auf Orléans nicht ausreichend vorbereitet hatten – und manche Mitspieler auf der Regvor, grübelnd oder nicht, schlicht viel besser waren.

So hatte ich im Training Ergebnisse zwischen 130 und 155 Punkten. Mir war klar, 130 würden nicht für einen Sieg reichen. 155 wohl eher schon, dachte ich.

Das stimmte im konkreten Fall zwar fast, war aber eine grundsätzlich falsche Annahme. Ich wurde mit 133 Punkten gerade noch Zweiter. Der Sieger an meinem Tisch machte 159 Punkte. Aber das war Glück mit der Auslosung. Meine Teamkollegen hatten dieses Glück nicht. Mannschaften wie Spuiratz’n und U++ hatten Orléans-Strategien entwickelt, die 184 oder gar 238 Punkte brachten. Wir belegten in der Teamwertung für Orléans den letzten Platz.

Zwölftes Team von zwölf in einem Lieblingsspiel – das klingt furchtbar. War aber gar nicht so schlimm. Nach dem Start mit First Class schwebten wir weit oben, wo uns schlechte Nachrichten kaum noch erreichen konnten. Und im letzten Spiel, Isle of Skye, legten wir nach – mit noch einmal drei Siegen. Carmela fuhr wie ich einen zweiten Sieg ein und war zu Recht überglücklich. Und Thomas hatte nun auch eine Partie gewonnen. Er ist sicherlich der erfahrenste Isle-of-Skye-Spieler in unserem Team, und jeder hatte ihm den Sieg zugetraut – nur er selbst nicht.

Quadropolis für die Drittplatzierten

Eine günstige Verteilung brachte uns mit 49,5 Punkten auf den dritten Platz der Gesamtwertung: den für uns perfekten Platz. Es ist dies nämlich der erste Platz, der nicht für einen Start bei der Deutschen Meisterschaft qualifiziert. Und dafür wollte Thomas ja nicht auch noch trainieren.

Zwei Spiele bekommt man als drittplatziertes Team als Preis. Turnierleiter Jo Weigand überreichte uns gleich Riverboat von Michael Kiesling, das wir uns gewünscht hatten. Dazu kam auch noch ein Quadropolis.

So verließ jeder von uns die Regvor mit einem Strahlen. Und dazu trugen neben dem Erfolg die vielen Kleinigkeiten bei, die ich vor lauter Analyse noch nicht erwähnt habe: nette Mitspieler, alte Bekannte, neue Gesichter. Für mich ungeduldigen Radfahrer waren die Runden für First Class und Isle of Skye die schönsten: Da passte das Tempo perfekt. Mit Isle of Skye waren wir sogar als Erste fertig und schlugen Jo vor, beim nächsten Mal Bonuspunkte für alle an dem Tisch zu vergeben, der ein Spiel als Erster beendet.

Die Bürgerwehr brachte mir dann noch das lustige Spiel Exploding Kittens bei. Wir haben vereinbart, im kommenden Jahr dafür als Regvor-Kartenspiel zu stimmen. Bevor ich es vergesse: Die Zugspitzzocker lassen unseren Vierkirchner Michael grüßen. Besonders fröhlich waren wie in früheren Jahren Wo ist das Gehirn? und die Kellerkinder. Und gibt es eigentlich etwas, was Jo aus der Ruhe bringen würde?

Es hat sich also wieder einmal gelohnt. Das Üben. Und das Mitmachen. Es hat Spaß gemacht. Beides.

Ältere Regvor-Berichte: