Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Juni 2019: Geschichten zum Lesen und Spielen

by Florian

Im Juni ging meine Spielestatistik nach oben. Nördspiel in Nördlingen! Bei Starkregen blieben wir gern in der Jufa, profitierten vom großen Spieleangebot und der Zahl der Mitspieler.

Durchs Ries geradelt bin ich dieses Jahr kaum, habe aber in der örtlichen Buchhandlung zwei Romane erworben und einen gleich vor Ort ausgelesen. Von drei Hobbys konnte ich also zwei ausleben.

Aber halt, da gibt es noch einen Zusammenhang: Ich habe in Nördlingen auch beim Spielen erstaunlich viel gelesen …

Consulting Detective, Deckscape und Babylon

Viel zu lesen

Sherlock: Der Fluch des Qhaqya

Zunächst zu einer Spielereihe, die wir schon auf unserer Deutschlandtour kennengelernt haben, die ich aber im Mai-Bericht verschwiegen habe. Unter Sherlock hat Abacus eine Serie kooperativer Kriminalfälle in Kartenform im Angebot. Bis auf den Titel gibt es keinen Zusammenhang mit dem Detektiv Sherlock Holmes, obwohl man einwenden mag, auch er habe Kriminalfälle gelöst.

Mechanisch ist jedes der Sherlock-Spiele eine Sortierübung. Es gibt hilfreiche Karten und überflüssige. Die hilfreichen müssen wir auslegen, die überlüssigen ablegen. Dummerweise bekommen wir sie zufällig auf die Hand, jeweils drei haben wir, und über die Handkarten dürfen wir in Diskussionen mit den Mitspielern nur Andeutungen machen. Die Autoren haben das Q-System getauft.

Jede Runde legt jeder eine Karte aus oder ab und zieht eine nach. Und spekuliert fleißig, unter geheimnisvollen Andeutungen. Das ist angenehm schlank und macht Spaß, wenn der Fall taugt. Allerdings habe ich mir bei der Auswertung eine dritte Karten-Kategorie gewünscht, für solche, die nicht unentbehrlich sind, aber nützlich sein können und daher in der Auslage keine Minuspunkte geben.

Die Fälle haben mir bisher alle getaugt: Der Qhaqya-Fluch, der sich mit dem berühmten Archäologen Edward Carter beschäftigt, der Letzte Aufruf über einen Todesfall an Bord eines Flugzeugs und der im Fachhandel kostenlos erhältliche Probefall Verbleib unbekannt, der zwar nicht ganz realistisch sein mag, aber doch eine gute, eine sinnvolle Geschichte ergibt.

Sechs, sieben Euro zahlt man pro Fall. Einen gibt es noch auf Deutsch, den Tod am 13. Juli, der aber der schwächste der anfänglichen Serie sein soll. Im spanischen Original liegen zwei weitere vor.

Für mich ist Sherlock die bessere Alternative zu Exit- und Escape-Spielen, die zwar teilweise gute Rätsel haben, aber kaum eine Geschichte.

Deckscape: Hinter dem Vorhang

Wo ich gerade darüber spreche. Eine Escape-Reihe haben sie bei Abacus auch im Programm, nämlich Deckscape, und auch die haben wir im Juni ausprobiert, in Nördlingen, zusammen mit Carsten. Der Fall Hinter dem Vorhang gilt als einer der besten der Reihe, die Geschichte wird gelobt, die Rätsel sollen toll sein.

Und Pustekuchen. Eine Pseudo-Geschichte gibt es, um Rätsel wie Perlen an einer Schnur zu reihen. Überwiegend unterdurchschnittliche Rätsel. Mit den Exit-Rätseln von Kosmos kann das längst nicht mithalten. Der Meinung war auch Carsten, der kurz darauf mit einer anderen Gruppe den Exit-Fall Das geheime Labor ausprobierte.

Dummerweise habe ich noch einen Deckscape-Fall ungespielt im Regal: Raub in Venedig. Sonst würde ich sagen: Nie wieder Deckscape.

Mythos Tales

Ist nur meine Meinung, klar. Ich mag gute Geschichten. Und Spiele, die eine Geschichte zu erzählen versuchen, aber scheitern, fallen bei mir automatisch durch. Dann bitte lieber ohne.

Bis heute ist Sherlock Holmes: Consulting Detective (oder in der deutschen Fassung Criminal-Cabinet) mein liebstes Kriminalspiel. Dumm nur, dass auch hier – wie bei beiden vorgenannten – jeder Fall nur genau einmal gespielt werden kann, denn dann kennt man die Lösung.

Gut, auf Gedächtnislücken warten ist auch möglich. Jeden Fall von Consulting Detective habe ich mindestens zweimal gespielt: 1987 und 2017. Aber bevor die Wartezeit zu lang wird, bin ich froh, wenn es neue Spiele mit gleicher Mechanik gibt.

Mythos Tales ist die Lovecraft-Horror-Variante von Consulting Detective. Statt einen Mord zu lösen, verhindern wir die Beschwörung eines Großen Alten. Es gibt ein paar mechanische Drehs, etwa ein anderes Wertungssystem, einen Kalender und Tageszeiten. Aber das Prinzip ist identisch. Wir besuchen Häuser auf einem Stadtplan, bis wir glauben, die Lösung zu kennen. Dann stellen wir uns dem Fragenkatalog.

Ich habe in den Achtzigern und Neunzigern öfter mal das Rollenspiel Call of Cthulhu gespielt und seither ein gespanntes Verhältnis zur Lovecraft-Thematik im Spiel. Wenn mit Feuerwaffen auf Monster geschossen wird, ist das für mich nicht ein sinnlicher Schrecken, sondern schrecklicher Unsinn. Dann doch lieber Orks und Trolle metzeln.

Von Mythos Tales habe ich auf der Nördspiel nur ein Abenteuer gespielt. Das war nicht besonders gruselig, aber thematisch stimmig. Auch erweist sich Lovecraft-Vorwissen als zweischneidiger Vorteil, was ich gut finde. Ja, ich glaube, Mythos Tales wird bei Gelegenheit angeschafft, wenn wir eines Tages nicht mehr fünf andere Deduktionsspiele mit ungelösten Fällen herumliegen haben.

Lovecraft Letter

Zum Schluss noch ein Lovecraft-Spiel, das mir im Juni Freude gemacht hat: Lovecraft Letter. Klar ist das „nur“ eine Love Letter-Variante, aber a) für bis zu sechs Spieler, b) mit längeren Kartentexten und c) mit etwas mehr Einfluss, etwas mehr Story. Ich könnte euch Geschichten erzählen vom einsamen Kampf gegen den Wahnsinn, aber auch von den enormen Möglichkeiten, der gewaltigen Macht, die ein Wahnsinniger so hat …

Aber probiert es doch lieber selbst aus. Ich muss jetzt noch etwas lesen. In einem schwarz eingebundenen Wälzer mit dem Titel Von unaussprechlichen Kulten. Der Autor heißt Friedrich Wilhelm von Junzt. Kennt den wer? Ich sage euch gleich mal ein Gedicht daraus auf mit dem Titel „Die Befreiung des Reisenden der Lüfte“. Achtung, es geht los: Iä …

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So viel zu wenig Zeit

by Nicole

Vindication und Herr-der-Ringe-Kartenspiel mit Tilo, Speicherstadt, Endeavor, Snowdonia und natürlich Race for the Galaxy mit Thomas, Goa, Fürsten von Florenz und A Brief History of the World mit Carsten, Steam sowohl mit Thomas, als auch mit Carsten: Flori und ich haben ganz schön viele Verabredungen getroffen für die vier Tage, die Nördspiel 2019 dauert. Wir halten sie längst nicht alle ein, genießen aber auch andere Spiele, ich Azul, Gaja Project und Thurn und Taxis, Flori sein geliebtes Dungeon Saga.

Das geht gar nicht alles

Nach 115 heißen Radkilometern schaffen wir es am 19. Juni, rechtzeitig zu Michaels Rede um 17.30 Uhr den großen und hellen Raum im Jufa-Hotel zu betreten, der bis Sonntag unser Lieblingsaufenthaltsort sein wird. Michael hat nicht nur wieder alles top organisiert und dazu eine tägliche Versorgung mit Gratiswasser herausgehandelt. Er denkt auch schon an 2020 und 2021. Als das Brainstorming vorbei ist, gibt es Essen. Nach dem Gulasch geht für uns die Spielerei los. Um nicht in den To-do-Listen-Modus zu verfallen, starten wir mit Nusfjord. Einem Rosenberg-Spiel, dem Thomas eine zweite Chance gibt und das Tilo gerne lernen möchte. Tilo versteht schnell und hat am Ende am meisten aus Fisch, Holz und Gold gemacht.

Danach wollen Tilo, Flori und ich unsere Herr der Ringe-Decks erst mal nur zusammenbauen, dann probieren wir sie doch gleich aus und stürzen uns „In die schwarze Grube“. Nicht einmal mein Lieblingszwerg Dain Eisenfuß kann uns im Angesicht der vielen Orte helfen, die wir erkunden müssten. Wir scheitern, verbessern unsere Decks – und spielen bis zum Abschiednehmen am Sonntag kein einziges Mal mehr Herr der Ringe.

Nicht, weil wir nicht wollen. Es gibt nur so viele andere Spiele zu spielen. Tilo zum Beispiel hat zwischendrin eine ganztägige Kolonisten-Verabredung. Uns steht mehr der Sinn nach Kürzerem. So wie Steam. Dazu kommen wir sogar zweimal. Erst beliefern wir Ted Alspachs „America“ mit Warenwürfeln, immer nur einen pro Runde. Auf der Karte startet man mit Lokreichweite sechs, was alles leichter macht. Ich komme inzwischen mit dem Addieren der Streckenbaukosten besser zurecht, mache es mir an der Westküste gemütlich und freue mich wie ein Schnitzel, als ich am Ende vor den drei Eisenbahnspiel-Profis lande.

In der zweiten Partie am übernächsten Tag probieren wir die Rückseite aus und tun uns in Alspachs „Europe“ um, wo die Donau nicht durch Wien fließt. Carsten erschließt die iberische Halbinsel, ich baue den Tunnel nach Großbritannien als essentiellen Bestandteil meiner Direktverbindung Dublin-Sarajewo. Am besten jedoch funktioniert Floris mitteleuropäischer Kreisel.

Ein Race geht immer

Was immer geht, ist ein Race. Um zu überbrücken, dass Tilo noch frühstückt, während Thomas und ich auf seine Erläuterungen zu Vindication warten. Schließlich kegeln wir uns selbst aus der Kickstarter-Runde, doch unsere Plätze sind schnell besetzt. Thomas gewinnt die zweite Race-Partie, dann zeigt uns sein Sohn Florian, wie man Endeavor spielt, mit Kolonien-Erweiterung.

Ein weiteres Race findet statt, weil Thomas noch in einer Game-of-Thrones-Kartenspiel-Partie steckt und die A Brief History of the World-Runde auf ihn warten muss. Zur Strafe bekommt er Grün. Gelb habe ich mir gesichert. Ich spiele dieses Rumklopp- und Dumme-Sprüche-reiß-Spiel zum dritten Mal und zum ersten Mal zu sechst. Zur Brief-History-Besetzung aus dem Herbst haben sich Thomas K. und Thomas B. gesellt.

Wir weichen ein klein wenig vom historischen Vorbild ab. Diesmal ist es Alexander der Große, der die Elefanten über die Alpen treibt. Die Chinesische Mauer bleibt ungebaut, weil sich dort gerade die Falschen niedergelassen haben. Die Turanian Plain bekommt zwei Epochen lang null Aufmerksamkeit, dann entwickelt sie sich zum Hotspot. Ragnar-Mausi Lodbrok kann zwar mit seinen sechs Wikinger-Armeen nicht viel reißen, schickt aber den Schwarzen Tod voraus und nimmt dann ein leeres Europa ein. Dschingis Khan reitet zur Musik der gleichnamigen Band durch die Steppe, was die Ganz schön clever-Runde am Nebentisch ein wenig irritiert. Und schließlich findet die letzte Epoche ohne die Deutschen statt, als ob sie nicht den Ersten und Zweiten Weltkrieg losgetreten hätten.

Fünf spielen Brief History

Late Night History of the World

Mitternacht ist vorbei, als die Japaner ihre letzten Punkte gezählt haben. Zeit für den Absacker der Nördspiel 2019: Just One. Erobern hat Geisteskraft gekostet. Mit Glück schaffen wir es, nicht mit null Punkten aufzuhören. Glück ist zum Beispiel, dass Thorsten aus „Ereignis“ und „Thesen“ nach etwas Nachdenken „Reformation“ folgert. Die beiden identischen Hinweise, die ihm vorenthalten werden, lauten übrigens nicht etwa „Luther“, sondern „Zwingli“. Ich hätte mit dem Namen des Schweizers nichts anfangen können. Ich hatte aber auch schon in einer anderen Runde massive Probleme mit „Zungenreden“ und „Vézelay“. Letzterer Begriff wies auf einen gemeinsamen Urlaub von Flori und mir hin. Vergebens, ans Tympanon mit dem Pfingstwunder konnte ich mich partout nicht mehr erinnern. Hilfreicher waren „christlich“, „Montag“ und „Schulferien“.

Just One ist wunderbar dynamisch und kommt ohne große Grübeleien aus. Decrypto ist da ein anderes Kaliber, Codenames kombiniert mit Captain Sonar. Es ist das letzte Spiel des Wochenendes, nach unserem heißgeliebten Snowdonia. Mit Florian, der entschieden besser Kontinente in Endeavor entdecken kann, als das bisschen Geröll auf dem Weg zum Mount Snowdon wegzuräumen. Carsten nutzt die Partie zur Vorbereitung seines nächsten Urlaubs. Zumindest im Spiel herrscht überwiegend Nebel. Thomas und Flori holen sich diesmal die fähigsten Arbeiter aus dem Pub und kommen als Einzige über 100 Punkte.

Zurück zu Decrypto: klasse Sache. Muss ausgebaut werden. Also, Carsten, bring es bitte unbedingt im Herbst nach Reimlingen mit!

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Mai 2019: Mit 250 Gramm Ballast durchs Land

by Florian

Im Mai habe ich mit dem Rad 250 Gramm Extragepäck nutzlos erst von Würzburg nach Bremen und dann Rhein und Neckar hinauf bis nach Stuttgart transportiert. So verlief nämlich unsere Urlaubsroute. Der Ballast, das war natürlich ein Spiel: eine Deckbox mit Star Realms: Colony Wars darin.

Star Realms ist wahrhaft kein Schwergewicht. Ich meine jetzt, so als Spiel. Und doch war es uns am Ende eines Radtags stets zu mühsam, die Karten auszulegen, Startdecks auszugeben, Schiffe zu kaufen und aufeinander loszuballern.

Ja, es klingt kaum glaubwürdig. Ich kann es mir selbst nicht mehr vorstellen, jetzt, entspannt im Bürostuhl zurückgelehnt. Zu müde für Star Realms, hahaha. Und doch war es so.

Knister

Stattdessen begann der Abend zumeist mit der Wahl von Speisen und Getränken in einem Restaurant irgendwo in Deutschland. Und während der Wartezeit spielten wir Knister.

Für Knister braucht jeder ein Blatt vom Wertungsblock, einen Bleistift und zwei Würfel. Würfel klackern laut, Leute könnten sich gestört fühlen, also würfelten wir virtuell auf meinem Mobiltelefon. Das hatte ich sowieso dabei, um mich täglich über die Ergebnisse des Giro d’Italia zu informieren. Und um Fotos zu machen. Wozu man Mobiltelefone halt so benutzt.

25-mal fallen bei Knister von Heinz Wüppen die beiden Würfel. Jeder trägt jede Zahl auf seinem Wertungsblatt ein. Am Ende erhält er Punkte für jede Waagrechte, Senkrechte und Diagonale. Bis wir durch sind, stehen längst die Getränke auf dem Tisch, und wir können auf den Sieger anstoßen.

Blogger auf Rad

Word Mastermind

Knister hat einen weiteren Vorteil: Die Rückseite der Wertungsblätter ist leer. Jeder schreibt nun ein Wort mit vier Buchstaben darauf. Schon sind wir bereit, Word Mastermind zu spielen.

Mastermind kennt jeder, der in den Achtzigerjahren alt genug war zum Spielen, oder? Ein Spieler muss hier eine Farbkombination erraten. Sein Partner übernimmt die Rolle des Computers, er markiert mit schwarzen Steckern Volltreffer und mit weißen korrekte Farben, die an falscher Position sind.

Genauso funktioniert Word Mastermind. Nur halt mit Buchstaben statt Farben.

Beispielsweise schreibe ich als mein geheimes Wort MOND auf. Nicoles erster Rateversuch lautet NIMM. Ich melde ihr „zwei Weiße“: M und N sind korrekt, aber an der jeweils falschen Stelle. Dann rate erst einmal ich. Nach zwei bis sechs Tipps ist das Wort erkannt. Wer weniger Versuche benötigt hat, gilt für die Statistik als Gewinner der Partie. Aber eigentlich gewinnen beide. Es macht Spaß, und spätestens zu Spielende sind die Bestellungen da. Wir können unseren gewaltigen Radfahrerhunger stillen.

Die für den Tippenden schönsten Runden sind übrigens solche, wo er auch mal null Treffer hat – und zwei- oder dreimal bloß einen Weißen. Dann fängt das große Grübeln an. Und nach zehn Minuten Nachdenken, schwupps, findet man endlich ein passendes Wort. Dem Gegner klappt die Kinnlade herunter und er sagt: „Vier Schwarze“. Das passiert gar nicht so selten.

Lama

Ein Lama von Reiner Knizia hatten wir auch im Gepäck. Wir brachten es unserer alten Freundin Sabine mit, die wir in der Nähe von Bremen besuchten.

Besonders Sabines Tochter Clara begeisterte sich für Lama. Speziell am ersten Abend, als sie den Vielspieler-Besuch Partie für Partie ablederte. Am zweiten Abend lernte sie dann etwas über Frau Fortunas Launen.

Übrigens waren wir gerade in einem Wald in der Nähe von Osnabrück, als wir erfuhren, dass Lama auf der Liste der Nominierten fürs Spiel des Jahres 2019 steht. Ebenfalls nominiert sind Just One und Werwörter. Da hatten wir den Rest des Tages ordentlich was zu besprechen. Gepriesen seien Mobiltelefone.

Verflucht

In Soest führte uns unser Freund Jost ins Museum. Wir erfuhren, wie die Belagerung des Erzbischofs von Köln in der Soester Fehde endete, wie man einen Zahn zulegt, um den Kochtopf über der Herdglut abzusenken, und an welcher Stelle die auf dem Abort abgesonderten Exkremente einst die Hausmauer hinuntergerutscht kamen. Und natürlich hatte Jost ein Spiel im Gepäck.

Es war Verflucht von Steffen Benndorf, und wir haben es letztes Jahr daheim oft gespielt. Aber Jost war mit unseren Fähigkeiten nicht zufrieden. Wir hätten nicht begriffen, sagte er, dass wir nicht immer nur rote Karten vom verdeckten Nachziehstapel ziehen dürften.

Selbst machte Jost es allerdings nicht besser. Ich erklärte ihm mit dem ganzen Charme meiner Aufrichtigkeit, auch er habe wohl die nötige Strategie nicht ganz drauf. Die besteht schließlich darin, grüne Karten nachzuziehen.

Zwei Partien verloren wir, der Spaß hielt an, das Geschimpfe ließ nicht nach. Verflucht ist ein Glücksspiel, aber man muss sich schon auch gut absprechen. In der dritten Partie hatten wir ein Quäntchen mehr Glück, sprachen uns ein Quäntchen besser ab – und gewannen. Zufrieden konnte Jost das Spiel in die Tasche packen, und wir zogen weiter in ein hervorragendes Restaurant, wo schon Josts Frau Simone auf uns wartete. Gespielt wurde nicht mehr, weshalb der Bericht an dieser Stelle abbricht. Tschüss und bis frühestens Ende Juni.

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April 2019: Manche sagen …

by Florian

Monat vorbei. Viel Arbeit. Wenig Zeit. Muss es kurz machen. Kann nicht schweigen.

Tribes

Tribes kommt, wie ich höre, furchtbar schlecht an. Ich frage mich: warum? Für mich ist das Spiel an der Grenze zur Perfektion. Nicht trocken, sondern minimalistisch, im Knizia-Style reduziert aufs Wesentliche.

Dazu ist Tribes redaktionell perfekt umgesetzt: schön, funktional, praktisch. Ein ausreichend großer Sack zum Nachziehen. Plättchen, die man ständig schieben muss, aber die sich auch leicht schieben lassen, anders als etwa die Karten in Parade oder Majesty, die ein gewaltiges Schiebeproblem haben.

Manche sagen: Es gibt keinen Spannungsbogen. Manche sagen: Man gewinnt nur mit verbrannter Erde. Ich sage: Was nun? Der Spannungsbogen ist genau der, das Spielende rechtzeitig anzusteuern, durch verbrannte Erde noch einmal fette Punkte zu machen oder Minuspunkte zu vermeiden.

Manche sagen: Verbrannte Erde ist unthematisch. Ich sage: Brandrodungswanderfeldbau. Mich überzeugt auch das Thema.

Ich vermute, Tribes von Rustan Håkansson ist ein Opfer der Neuheiten-Hektik. Einmal spielen kann, aber muss nicht genügen, um seine ganze Eleganz zu erleben, seine Stärken zu bemerken.

Ozeanien

Der Autor von Siedler von Catan und Löwenherz, Klaus Teuber, kann auch bei Solospielen als Pionier gelten. Ozeanien war zugleich eine der ersten Handy-Umsetzungen eines Brettspiels – drei Jahre, bevor Apple das iPhone auf den Markt brachte.

Heute gibt es viele Solospiele und noch mehr Brettspiel-Apps. Ozeanien ist ziemlich vergessen. Vielleicht zu Recht, auch wenn es immer mal wieder fünf Minuten Spaß bringt.

Vor mehr als zehn Jahren hatte ich Ozeanien schon einmal eine Weile als Mittagspausenspiel im Einsatz. Jetzt wieder. Und mit 597 Punkten habe ich im April 2019 einen Highscore für die Ewigkeit geschafft. Nehme ich an. Das theoretische Maximum sind 1225 Punkte.

Qwixx

Ein schnelles Würfelspiel am Abend rundet oft Nicoles und meinen Tag ab. Qwixx von Steffen Benndorf hat einen wichtigen Mechanismus eingeführt: Einer würfelt, alle können den Wurf nützen. Keiner langweilt sich, nur weil der andere dran ist.

Trotzdem hat sich Qwixx ein wenig überlebt. Der Glücksfaktor war mir schon früher zu hoch, heute erst recht. Im Mai spielen wir lieber wieder Ganz schön clever.

Lama

Wir haben ein Exemplar dieses einfachen Knizia-Kartenspiels gekauft, um es zu verschenken. Selbst spielen wir mit einer Eigenbau-Variante aus Rommékarten.

Bisher nur zu zweit. Uns macht das Spaß. Die Strategie „Passen, wenn der Gegner nachzieht“ funktioniert nicht, wenn man etwa eine 5, eine 6 und ein Lama auf der Hand hält. Risiko abschätzen, das macht das Spiel aus. Auch zu zweit.

Lama wird gern mit Mau-Mau und Uno verglichen. Damit tue ich mich schwer. Klar: Der triviale Legemechanismus ist der von Mau-Mau. Aber was wäre Lama ohne den Bluff- und Aussteigemechanismus aus Poker?

März 2019: Allein auf der Wiese

by Florian

Im März haben wir die ersten Partien von Hadara und Die Tavernen im tiefen Thal gespielt, denn in Emmering trainiert man für die Deutsche Meisterschaft. Und wenn ich über diese hoch gehandelten Neuerscheinungen etwas schriebe, würden sich vielleicht mehr Leute für diesen sonst so ruhigen Blog interessieren.

Aber der März war der Monat nach dem Wettbewerb. Ein ruhiger Monat. Ein Monat für kooperative Spiele und Solo-Varianten.

Roll Player, Steam, Adventure Island

Carcassonne

Carcassonne für eine Person geht ganz einfach: Fang in der Mitte an. Bau ein Feld aus 7 mal 7 Plättchen. Das Spiel endet mit dem letzten, oder wenn du das dritte Plättchen beiseite legen musst, weil es nicht passt. Ab 130 Punkten zählt es als Sieg.

„Carc Island“, so heißt die Variante, hat einige Vorteile gegenüber dem Standardspiel. Erstens entsteht eine geschlossene Landschaft. Ästhetisch stören mich die Lücken, für die gute Carcassonne-Spieler mit fiesen Zügen bewusst sorgen.

Zweitens dauert „Carc Island“ eine Viertelstunde. Das passt gut in die Mittagspause. Und drittens macht mir auf der Insel keiner die Wiesenwertung streitig. Ich muss nur rechtzeitig daran denken, einen Bauern abzulegen.

„Carc Island“ ist jetzt mein zweitliebstes Carcassonne. An erster Stelle steht das steinerne Original.

Age of Steam: Barbados

Ich kickstarte keine Spiele, aber dass gerade eine neue Version von Age of Steam vorfinanziert wird, ist mir nicht entgangen. Zehn Karten sind dabei. Toll sieht sie aus.

Während die Unterstützer noch Monate und vielleicht Jahre warten müssen, bevor sie für ihr Geld etwas bekommen, habe ich die Gelegenheit genutzt, mal wieder die Solo-Karte Barbados von Ted Alspach zu spielen – und zwar erstmals nach den Age-of-Steam-Regeln statt denen des Nachfolgers Steam.

Ja, es ist kompliziert: Nach einem Rechtsstreit der Autoren gibt es zwei sehr ähnliche Spiele, Age of Steam oder kurz AoS von John Bohrer und Steam von Martin Wallace. Das ist jetzt auch schon wieder Jahre her. Ich will da keine toten Hunde ausgraben. Oder wie geht der Spruch?

Nur eines kann man ohne Versteigerungen spielen. Nur eines erlaubt es den Spielern, Kredite zurückzuzahlen. Der entscheidende Unterschied ist aber nach meiner Ansicht, dass AoS einen automatischen, zufallsgesteuerten Warennachschub vorsieht, während bei Steam die Spieler alles selbst in der Hand haben. Für eine Solo-Karte wie Barbados bedeutet das: In Steam könnte man ab Runde eins die komplette Partie durchplanen, wenn man den Kopf dafür hätte. Es ist ein Rätsel ohne Unwägbarkeiten. Dass man überhaupt noch spielt, liegt an der Unübersichtlichkeit des Entscheidungsbaums.

AoS ist anders: Ich weiß von Anfang an, wo welche Waren landen müssten, aber nicht, ob und wann. Ich muss meine langfristige Planung anpassen, muss reagieren. Und jetzt, da ich beides ausprobiert habe, weiß ich: Solo gefällt mir AoS mit seinem taktischen Element wesentlich besser. Wenn ich keinen Mitspieler habe, der mich zum Improvisieren zwingt, muss es der Zufall tun.

Adventure Island

Hier endet der Solo-Teil des Monatsrückblicks. Das kooperative Adventure Island von Lukas Zach und Michael Palm könnte man zwar solo spielen, indem man mindestens zwei auf einer Robinson-Insel gestrandete Charaktere übernimmt. Ich habe das aber nicht probiert. Nein, Nicole und ich haben Adventure Island zu zweit durchgespielt. 14 Partien haben wir gebraucht, um alle fünf Szenarien zu bestehen.

Wie der Name schon sagt: Es ist ein Abenteuerspiel. Es lebt von der Überraschung, von Karten und Ereignissen, die man nicht kennt. Von Würfelproben, deren Ausgang spannend ist. Wer strategische Entscheidungen erwartet, wird nicht glücklich werden.

Ich habe eine Geschichte und Überraschungen erwartet. Beide Hoffnungen wurden erfüllt. Nach der ersten Partie war ich begeistert. Adventure Island ist das Spiel, das TIME Stories sein wollte. Spannender, einfacher, eleganter.

Aber dann wurde es schwieriger. Schwierigere Aufgaben, das fand ich gut. Die komplexeren Karten weniger. Texte mit Lücken, halb ausformuliert in der Kürze, die Karten halt erfordern. Nein, das ist nicht „bei einem solchen Spiel immer so“, wie es irgendwo auf Boardgamegeek entschuldigend heißt. Fantasy Flight Games macht es (meistens) vor: Auch kurze Kartentexte können eindeutig sein.

Am Ende würde ich also doch nur drei von fünf Sternen vergeben. Oder nein, sagen wir vier, mit einem Extra-Sternchen: Auf Twitter hat einer der beiden Autoren, Michael Palm, geduldig meine Regelfragen beantwortet.

Roll Player

Super Wortspiel, oder? In diesem Spiel würfeln wir uns wie in D&D-Tagen mit 3W6 eine Rollenspielfigur aus. Nicht wirklich … aber das ist das Spielthema. „Roll Player“, hahaha!

Nicole und ich haben noch einen draufgesetzt. Es begann nämlich mit dem Entschluss, mal den Spieleladen Gunship Games in Freising zu besuchen. An einem sonnigen Märzsamstag. Mit den Rädern.

Hat jemand von euch schon mal einen gutsortierten Spieleladen zum ersten Mal aufgesucht und nichts gekauft? Genau, wir auch nicht. Die Entscheidung fiel auf Roll Player. Wir packten es in die Ortliebtasche und radelten heim, um loszuspielen. Und die ganze Zeit sangen wir auf unseren Ledersätteln: „Rolling, rolling, rolling …“

Tatsächlich beschreibt das aus Blues Brothers bekannte Lied „Rawhide“ das Spiel ganz genau. „Move’em on, head’em up, head’em up, move’em on“: Würfel werden genommen, platziert, umgedreht, manipuliert und wieder und wieder umgesetzt. Am Thema vorbei serviert Autor Keith Matejka uns eine komplexe Rechenübung: „My heart’s calculatin'“. Nur das Versprechen „My true love will be waitin‘, be waitin‘ at the end of my ride“ stimmt so nicht. Am Ende haben wir eine neurotische, mit einer Armbrust bewaffnete und in Kettenrüstung gekleidete Zwergin, die auf dem Bauernhof aufgewachsen ist. Damit endet das Spiel. Wir kassieren Belohnungpunkte. Nicht mehr, nicht weniger.

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Februar 2019: Schluss mit staatlichen Monopolen

by Florian

Aufgabe: Bilde einen Satz, der das Wort Regvor nicht enthält.

Kein Problem: Wir haben auch im Februar manchmal gespielt, was uns Spaß macht.

Jump Drive

Ich war mal Mitglied im Traveller-Hilfswerk. Klingt nach Heilsarmee, ist aber ein exklusiver Club für Weltraumreisende. Wer das Science-Fiction-Rollenspiel Traveller von Marc W. Miller kennt, versteht mich.

Warum ich das erzähle? Das Traveller-Hilfswerk hat mich mit der Sprungtechnik vertraut gemacht. Wenn Raumschiffe im leeren Raum auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, nennt man das einen Sprung, Englisch Jump. Das Schiff benötigt für dieses Kunststück einen Sprungantrieb: einen Jump Drive.

Jump Drive von Tom Lehmann ist, nun ja, unter den Spielen das, was der Jump Drive unter den Raumschiffmotoren ist. Es beschleunigt von null auf Lichtgeschwindigkeit in höchstens zehn Minuten. Wobei Lichtgeschwindigkeit hier die siegbringenden 50 Punkte sind.

Mach dir keine falsche Vorstellung: Jump Drive ist nicht einfach schnell. Es ist schon vorbei, bevor du deine Stoppuhr gestartet hast. Sechs oder sieben Runden, höchstens 14 gespielte Karten, Schluss! Wir sind da. Ihr Zielplanet Efate im Regina-Subsektor ist erreicht. Bitte hinterlassen Sie Ihre Kälteschlafkammer in dem Zustand, in dem Sie sie selbst vorzufinden wünschen. Thank you for travelling with the Hilfswerk.

Codenames Duett

Hurra, sie singen wieder! Der Nachbarshund jault schon ganz neidisch, wenn wir die alten Plättchen auflegen.

Das Orakel von Delphi

So definiert Stefan Feld die zwölf Aufgaben des Herkules neu: Baue einen antiken Paketdienst auf, stelle drei Opfergaben zu, liefere drei Säulen an einen von mehreren Interessenten, besiege drei Nachbarshunde Monster und finde drei unleserliche Adressen.

Herkules hatte es gut: Damals gab es noch das Postmonopol. Er konnte sich Zeit lassen. Heute konkurrieren die Paketdienste, jeder zahlt schlechter als der nächste, sie schnappen sich die Päckchen weg und streiten sich um die Ablageorte. Wer zuerst liefert, gewinnt.

Das Spiel für zwei bis vier göttliche Zusteller gibt es neuerdings auf Yucata. Davon animiert, haben Nicole und ich es letzten Monat abgestaubt und im Wohnzimmer bereitgestellt. Am Ende kam es doch nur einmal auf den Tisch. Zu viele Päckchen, zu viele Spiele. Aber Delphi ist richtig, richtig gut. Es kommt wieder. Der Paketbote hoffentlich auch.

Keiner dieser Herren heißt Sergej

Keiner dieser Herren heißt Sergej

Meisterdiebe

Und dann gab es noch etwas Besonderes. Ein Spiel, das mehr wegen der Mitspieler Spaß macht. Und als Objekt, weil es aus massivem Holz aufwändig gefertigt ist. Ein mächtiges Kästchen voller Wendeschubladen, in denen wir Edelsteine deponieren, aus denen wir Edelsteine herausklauen oder sie achtlos zu Boden fallen lassen, zur Freude der Schnorrer.

Das ist Meisterdiebe von Czarnè. Ein 3D-Rätsel, ein Gedächtnisspiel, gepaart mit dem Chaos des blinden Auswählens von Rollenkarten. Ehrlich gesagt, kein Super-Spiel. Aber neulich im Vierkirchner Spieletreff waren dennoch alle dabei.

Der Grund: Meisterdiebe gehört unserem Mitspieler Sergej. Unserem Noch-Mitspieler. Er spricht schon lange von seinem Wunsch, mit seiner Familie in eine Gegend mit niedrigeren Mieten zu ziehen. Diesen Sommer soll es so weit sein.

„Ich wollte das unbedingt noch mal mit Sergej spielen“, sagte Christian. Recht hat er. Wir werden Meisterdiebe vermissen, wenn der Möbelwagen es endgültig mitnimmt.

Ein nicht ganz durchschnittlicher Sonntag

by Florian

Gestern, am Sonntag, 24. Februar, wurde in München die Regvor gespielt: das regionale Vorentscheidungsturnier zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel. Auf dem Programm standen gute Turnierspiele (Russian Railroads, Azul) und weniger gute (Mystic Vale, Machi Koro). Es waren nette Leute da, wir saßen im Wirtshaus und haben ein wenig geplaudert. Ich bin erst Dritter geworden, dann dreimal Zweiter, was 11 Punkte ergab – das exakte Durchschnittsergebnis, weil erste Plätze einen Extrapunkt bringen.

Wie immer fährt das Team U++ zum Finale, dazu der Turniersieger Ohne Risiko mit vier Nebenwirkungen. Das eine war vorher abzusehen, das andere zumindest nicht auszuschießen.

Es war also ein durchschnittlicher Sonntag. Und damit könnte dieser Bericht enden. Aber zwei Dinge möchte ich doch noch erwähnen.

Die Großen Alten 2019 Die Großen Alten 2019

Mein mystisches Tal

Nichts hat für mich die Regvor 2019 und das Üben vorher so geprägt wie Mystic Vale. Ich mag das Spiel nicht, ich mag sein Plastikmaterial nicht und nicht den hohen Glücksanteil, das Ökofantasy-Thema gefällt mir nicht, und ich will mir auch grundsätzlich keine Spielkarten während der Partie selbst zusammenbasteln.

Aber.

Man kann Mystic Vale üben, kann sich zäh und langsam verbessern. Es hat eine Lernkurve. Eine flache, lange. Ohne eingebaute Sieggarantie. Das Glück kann auch einem erfahrenen Spieler immer noch die Partie zerstören.

Gestern hatte ich kein rechtes Glück in Mystic Vale. Die Umstände waren, ehrlich gesagt, schrecklich. Wir hatten den dunkelsten Tisch des dunklen Wirtshaussaals. Es war das letzte Spiel des Tages, und manche Mitspieler (übrigens nette Leute, die meine Abneigung für Mystic Vale teilten) waren schon mit sich und dem Turnier fertig. Als die selbsterfüllende Prophezeiung eintraf und es für sie nicht lief, nahmen die Gespräche zu, die Konzentration sank.

Auch bei mir lief es nicht. Aber ich hatte das Spiel unverhältnismäßig oft geübt. Ich hatte gelernt, wie man sein Deck schneller macht, indem man möglichst oft das dritte Vergängnissymbol vom Stapel herunternimmt. Ich hatte geübt, einzelne gute Karten aufzubauen und möglichst oft auf die Hand zu bekommen. Das konstante Üben hatte mich in seinen Bann gezogen – das Üben mehr als das eigentliche Spiel.

Ich bin überzeugt: Ohne diese Übung wäre ich gestern nicht Zweiter in Mystic Vale geworden. Und ich glaube übrigens, auch in Machi Koro hätte ich den zweiten Platz verpasst, wenn ich nicht trotz allem an meiner Molkereien-Strategie festgehalten hätte. Die Wahrscheinlichkeit war auf meiner Seite, die Erträge waren es lange Zeit nicht.

Zweite Plätze sind eher bescheidene Erfolge, derer ich mich gar nicht weiter rühmen will. Ich mag Mystic Vale immer noch nicht, und die Partie selbst war eher unangenehm. Erst jetzt, im Rückblick, bin ich froh, mich trotz Abneigung in das Spiel hineingefuchst zu haben.

Um bei einer Regvor erfolgreich zu sein, können Glück und etwas Talent reichen. Aber wie ich auf der Online-Plattform Yucata sehen konnte, hat eine ganz bestimmte Mannschaft, die jedes Jahr oben steht, Mystic Vale hunderte Male gespielt und vermutlich durchanalysiert. Sie hat sich nicht auf das ohnehin vorhandene Talent und ihre klugen Köpfe verlassen. Diese Mannschaft war in Mystic Vale die beste. Davor ziehe ich meine Mütze – und freue mich ganz bescheiden über meinen hart erkämpften zweiten Platz.

Die besten Mitspieler

Nicht nur andere Mannschaften waren gut, auch zwei meiner Mitspieler. Nur Carmela erwischte einen schwarzen Tag. Das kann auf einer Regvor ebenfalls passieren: Manchmal hilft alles Üben nichts, und man landet Spiel um Spiel auf einem der hinteren Plätze.

Aber.

Thomas holte zwei erste Plätze, in Azul und Mystic Vale. Nett, wie er ist, betonte er mir gegenüber anschließend, in Azul meine Strategie umsetzt zu haben. In Russian Railroads jedenfalls holte er mit seiner eigenen Strategie (Devise: spät, aber dafür auf allen Linien punkten) einen zweiten Platz und insgesamt 14 Punkte. Zwar nicht die 16 Punkte, die die Online-Statistik ihm zuschrieb, aber ein dicker Erfolg.

Das konnte nur Nicole übertreffen, die gleichauf mit drei anderen Spielern 18 Punkte einfuhr und als beste Spielerin einen Preis überreicht bekam: das von uns vorab als Wunsch genannte Tribes von Rustan Hakansson.

Nicole gewann drei von vier Turnierpartien. Ausgerechnet in ihrem seit Jahren herausragenden Spiel, Russian Railroads, machte sie nur den zweiten Platz. Aber das war ihr dann auch egal. Zumal sie erstmals das Glücksspiel für sich entscheiden konnte, was sie besonders freute.

Da sich gerade die ersten Plätze relativ stark übers Mittelfeld der Mannschaften verteilten, genügte uns eine Summe von 49 Punkten für den dritten von zwölf Plätzen. Das bedeutete: keine Expedition nach Bad Nauheim, wo im Mai das Finale stattfindet, aber Spielepreise. Ja, unglaublich, zwei weitere Spiele für uns. Thomas angelte sich Photosynthese, Nicole griff nach Adventure Island.

Hübsche Ausbeute

Mit fünf Spielen in der Sporttasche waren wir gekommen: Das fünfte neben den Turnierspielen war die Hobbit-Edition von Love Letter für die S-Bahn-Fahrt gewesen. Auf der Rückfahrt hatten wir acht zu schleppen. Thomas und ich nahmen jeder einen Henkel.

Zwei neue Spiele liegen nun hier in Vierkirchen im Regal. Eine ganz hübsche Ausbeute für eine mittelmäßige Leistung an einem mittelmäßigen Sonntag, wie ich gerne zugebe. Aber dann sage ich mir, dass ich die Spiele quasi als Preis für die besten Mitspieler gewonnen habe.

Zumal ich in der S-Bahn, in Love Letter, an dem Tag einfach unschlagbar war.

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Ältere Regvor-Berichte:

Januar 2019: Üble Tricks und geringere Übel

by Florian

Ich kann es gut verstehen, wenn jemand sich nicht für die Deutsche Brettspiel-Meisterschaft und ihre regionalen Vorausscheidungsturniere begeistert. Das Turnierspielen ebenso wie das Üben vorab haben ihre Nachteile. Vor allem für Spieleblogger: Was soll ich denn über Azul, Mystic Vale, Machi Koro und Russian Railroads noch schreiben, was ich noch nicht geschrieben habe?

Diese vier waren meine meistgespielten Spiele im Januar. Ich schweige trotzdem dazu – und erzähle von vier anderen. Alle vier wurden im Januar zwar gespielt, aber alle aus ganz unterschiedlichen Gründen zu wenig.

Rosenkönig

Zum Beispiel eines meiner Lieblingsspiele. Im Januar konnte ich Nicole zu drei Partien überreden. Zu ihrer Überraschung gewann sie zwei davon. Leider gefällt ihr Rosenkönig trotzdem nicht besonders. Ich nehme mir mal vor, es im Januar 2020 wieder zu versuchen.

Rosenkönig kennt ihr hoffentlich alle? Es ist ein Zweierspiel aus der besten Zeit der Kosmos-Serie, ein einfaches Steine-Einsetz-Spiel von Dirk Henn. Bis zu fünf Karten geben die mögliche Sprungrichtung und -reichweite vom aktuellen Standort des Königs aus an. Wer am Zug ist, kann eine Karte ziehen oder spielen. Viermal im Spiel lassen sich auch gegnerische Steine umdrehen. Gebiete punkten exponential nach Größe. Besonders reizvoll sind die Zugzwang-Situationen: Wer fünf Karten auf der Hand hat, muss eine davon spielen – notfalls unter Zuhilfenahme einer seiner vier Umdrehkarten. Daher wählen erfahrene Spieler oft schon mit vier Karten in der Auslage das geringste Übel, um sich nicht vom hundsgemeinen Gegner in eine unerwünschte Ecke manövrieren zu lassen.

A Fake Artist Goes to New York

In einer Seltenspielerrunde anlässlich eines Geburtstags kam das so hübsche wie unpraktische kleine Spiel Fake Artist von Jun Sasaki aus Japan zum Einsatz. Alle außer einem wissen, was gemalt werden muss. Gleichzeitig gilt es, den Hochstapler im Künstlerkreis zu entlarven.

Ich habe es leider diesmal etwas zu gut erklärt. Alle versuchten, bloß nicht den Fake Artist aufs vorgegebene Thema kommen zu lassen. In keiner der fünf Partien hätte der Betrüger sagen können, was eigentlich gemalt werden sollte – aber er wurde auch in keiner enttarnt.

Wenn dieses Spiel also einen Nachteil hat, dann den, dass man ein Quäntchen Erfahrung braucht, um es gut zu spielen. Ich habe jetzt Selten- ebenso wie Vielspieler in den ersten Partien viel zu konkret, aber auch viel zu abstrakt malen sehen. Spaß macht es trotzdem. Es ist nur ein wenig wie bei Hanabi: Irgendwann hatte ich da keine große Lust mehr, mit Anfängern auf 20 oder 22 Punkte zu spielen. Lieber öfter in gleicher Besetzung. Aber die Geburtstagsgäste kommen so auch nur ein-, zweimal im Jahr zusammen.

Gaia Project

Den Nachfolger von Terra Mystica gab es bei uns zu Weihnachten. Ich habe aber noch erhebliche Koordinationsschwierigkeiten, gilt es doch, alle Siegpunktquellen, Wertungsplättchen, Sondereigenschaften der Völker, strategischen Optionen und Regelfragen der Mitspielerin gleichzeitig im Auge zu behalten. Die ersten drei Partien waren ein Anfang – aber ein etwas chaotischer.

Der Heidelbär

Dieser Aal ist hier Spielprinzip: Die Hinweiskarten enthalten tierische KAALauer. Eine glänzende Gelegenheit, als Geisteswissenschaftler gegen studierte Informatiker zu bestehen, die bei typischen Optimierungsspielen eine hohe Gewinnquote aufweisen … Die beiden Informatiker haben den üblen Trick durchschaut, aber trotzdem mitgespielt. Und sich sogar amüsiert.

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Reimlingen: Update

by Nicole

Das Interesse am langen Brettspielwochenende vom 30. Oktober bis 3. November 2019 in Reimlingen ist erfreulich groß. Aktuell sind wir zu zwölft. Da aber bisher keiner Lust auf Vierbettzimmer hat, sind von den neun sicher zur Verfügung stehenden Zimmern bereits siebeneinhalb weg.

Stand 29. Januar ist noch ein Platz in einem Zweibettzimmer für einen Nichtschnarcher frei und ein Zimmer, in das zwei bis vier Spieler passen. Eine Einzelzimmer-Warteliste gibt es auch schon.

Zimmer, die von anderen Gruppen storniert werden, werden für uns reserviert. Gut möglich also, dass noch ein paar Plätze hinzukommen. Wer aber sicher dabei sein möchte, sollte nicht mehr allzu lange zögern.

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Dezember 2018: So lang ist das schon her?

by Florian

Der Januar ist bald herum. Weshalb es Zeit wird, etwas zum Dezember zu sagen.

Das ist jetzt schon der dritte Monatsbericht in Folge nach der großen Blogpause. Einige grundsätzliche Überlegungen scheinen nicht unangebracht. Ich stelle mir vor, auch künftig jeden Monat genau vier Spiele vorzustellen, die uns beschäftigt haben, weil sie so gut oder so schlecht oder so ungewöhnlich waren. Manchmal wird das kurz ausfallen, ein anderes Mal kann es passieren, dass ich abschweife. Tipp: Scrollräder an der Maus sind eine tolle Erfindung.

Monatsberichte können am Monatsende erscheinen, müssen aber nicht. Wie gerade bewiesen.

Außerdem weise ich darauf hin, dass Suchmaschinen diesen Blog neuerdings für ihren Index durchleuchten dürfen. Der Jugendschutz des Spieletreffs Vierkirchen ist kein hinreichender Grund mehr, sich vor der Welt zu verstecken, denn die Jugend ist erwachsen geworden.

X-Code

Das neue Echtzeit-Kooperativspiel von Kasper Lapp enthält Erweiterungsboxen im Stil von Pandemic Legacy. Die haben wir beim Spieletreff Vierkirchen nicht gleich geöffnet, aber alle vier Einsteigerszenarien geschafft. Hoffentlich einigermaßen regelkonform.

Gegenüber Magic Maze vom gleichen Autor fällt X-Code ab. Es ist zwar weniger stressig, aber auch weniger konkret. Statt über einen Plan zu eilen, sammeln wir identische Zahlenkarten, um sie auf einer Old-School-Telefontastatur abzulegen. Drei beziehungsweise vier gleiche müssen bei einem Mitspieler eintreffen, damit er seines Amtes walten und die Taste belegen kann. Nur der Tastenton fehlt.

Jede Karte gibt vor, ob man sie nur linksherum oder nur rechtsherum tauschen darf – ja, nie einfach weitergeben, immer nur tauschen gegen eine andere Karte. Also sitzen vier Leute da, geben Bestellungen ab – „Fünfer und Rauten zu mir!“ – oder instruieren ihre Nachbarn zu den Karten, die sie ihnen hinhalten: „Die Eins ist für Christian!“

An den höheren Leveln von Magic Maze sind wir im Spieletreff Vierkirchen gescheitert. Einmal auch am zweiten Level, wie ich mich mit Schaudern erinnere. X-Code ist leichter. Aber mir persönlich haben die vier Partien schon gereicht. In den geheimnisvollen Boxen sind sicher lauter Gemeinheiten versteckt, und dann fallen wir doch wieder auf die Schnauze.

In der Vierkirchner Diskussionsrunde sagte ich noch, dass ich eine andere Grafik bevorzugt hätte, und schlug die Tiere von Zoff im Zoo vor. Wie ich seither gelesen habe, war das Sammeln von Tieren tatsächlich das ursprüngliche Thema des Spiels. Der Prototyp hieß „Fotosafari“.

X-Code und Dungeon Saga

X-Code und Dungeon Saga

Dungeon Saga

Es ist das Ergebnis ausführlicher Recherchen. Seit vielen Monaten weiß ich, dass Dungeon Saga das richtige Spiel für mich ist, wenn ich unbedingt einmal nachspielen möchte, wie eine Heldengruppe in ein unterirdisches Verlies einbricht, dort die Bewohner als Monster beschimpft, beraubt und ermordet. Also genau das, was die Amerikaner ein „thematisches Brettspiel“ nennen.

Warum gerade dieses und nicht ein anderes? Vielleicht Descent 2, Massive Darkness, Kingdom Death: Monster oder Swords & Sorcery? Einfache Antwort: Es liegt an der Komplexität. Dungeon Saga ist ein lustiges Würfelspiel, man kann nebenher Bier trinken. Und ein Szenario dauert etwa so lange wie bei Gloomhaven der Aufbau allein.

Dungeon Saga war mir nur zu teuer. Im Dezember wurde der Preis im Rahmen einer Adventskalender-Aktion um 60 Prozent gesenkt. So habe ich jetzt ein weiteres Spiel im Schrank, für das mir eigentlich die Mitspieler fehlen: Idealerweise sollte man zu fünft sein. Erste Partien gab es trotzdem schon. Ich werde weiter berichten.

Russian Railroads

Gottseidank, im Dezember gab es eine Viererpartie mit 521 Punkten. Ich kann es noch. Auch wenn ich schon wieder nicht mehr weiß, wie ich es gemacht habe.

Neu ist, dass wir jetzt auch mit möglichen Regvor-Gegnern üben. Zum Beispiel in Emmering. Während es schwieriger geworden ist, im Vierkirchner Spieletreff Trainingspartner zu finden.

Festung

Friedemann Frieses Festung war das lustigste Spielerlebnis im Dezember. Stefan und Sabine besuchten uns zum Adventsmenü. Stefan spielte oft auf ein frühes Spielende durch die dritte Sanduhr und brach in Jubel aus, wenn sie tatsächlich kam. Neue Karten, die keiner gekannt hatte, sorgten für überraschte Gesichter und konzentrierte Mienen. Wer gewann, wer verlor, war gar nicht so wichtig. Außer natürlich als Anlass für neuen Jubel.

Spielen kann so schön sein, wenn Gruppe und Spiel zusammenpassen.

Reimlingen

Nein, ich stelle kein fünftes Spiel vor. Obwohl ich finde, dass „Reimlingen“ ein Stefan-Feld-Spieletitel sein sollte.

Nicole veranstaltet, wie im Jahresrückblick angekündigt, ein Spielewochenende. Ab 30. Oktober 2019 in, ihr ratet richtig, Reimlingen. Wer dies liest, ist herzlich eingeladen, muss aber sein Zimmer selbst zahlen … Anmeldungen werden ab sofort entgegengenommen.

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