Der Weizen ein Lichtblick

von Nicole

Alle zwei Jahre lasse ich mich auf eine Partie Siedler ein, nicht das Kartenspiel, nicht das Würfelspiel, sondern so richtig mit Häuschen, Räuber und Handelsstraße. Am Montag war es wieder so weit, diesmal sogar mit Schiffen. Ob beim Aufbau der Insel im Meer der Seefahrererweiterung alles mit rechten Dingen zuging, kann ich nicht sagen. Zumindest waren sich Julian, Lukas und Simon ziemlich schnell einig, was wo hinkommt, aber auch großzügig genug, mal schnell Seeteile umzulegen, wenn es nicht passte. Ich schaute zu und versuchte, mir die lange nicht mehr angewandten Regeln zu vergegenwärtigen. Ehrlich gesagt hatte ich sogar vergessen, dass man für Straßen Holz und Lehm zahlen muss, und dachte, dass man in bester Transeuropa-Manier immer schön zwei legen kann.

Man sagt, bei Siedler haben der Erste und der Letzte in der Reihe der Häuschensetzer die größten Vorteile. Ich war die Letzte, und viele Möglichkeiten gab es nicht mehr. Ein Platz mit Wüstenanteil, aber immerhin Schaf und Weizen. Dann Erz und Weizen, weder Holz noch Lehm. Dazu echt mäßige Zahlen: zwei, drei, neun und zehn. Julian und Lukas bauten recht schnell ihre Schiffslinien aus, für die beiden lief es ausgezeichnet. Simon und ich saßen am falschen Ende der Insel, hatten Pech beim Würfeln und etliche Runden, in denen wir so gar nichts gebacken bekamen. Wir beschränkten uns darauf zuzuschauen, wie die beiden anderen versuchten, sich gegenseitig die längste Handelsstraße abzujagen. Ein Lichtblick war aber immer wieder die Neun für mich: Fünf Weizen auf einen Schlag, da konnte kein anderer mithalten.

Die Siedler von Catan mit Seefahrererweiterung

Als Simon um halb zehn nach Hause musste, tauschte er so mit Lukas, dass dieser mit einer Siedlung auf einem Eiland fernab der Hauptinsel und unerreichbar für die Außenseiter Simon und mich den 13. Punkt holen konnte.

Ende der 90er Jahre dachte ich, es gibt nichts Besseres als Die Siedler von Catan. Aber damals kannte ich auch nur Monopoly, Risiko und Trivial Pursuit. Inzwischen weiß ich, dass das Spiel des Jahres 1995 nur dann Spaß macht, wenn es gut läuft. Es reicht wieder für zwei Jahre.

Und was gab es sonst so: Hab und Gut am Tisch gegenüber dem Eingang, Der Pate ganz hinten rechts an der Fensterfront. Die Niagara-Runde schaffte auch noch Junta – Viva el Presidente. Am längsten brauchten die Village-Spieler. Michael verbrachte die letzten Runden damit, mit seinem Rathaus-Manschgerl Geld gegen Siegpunkte einzutauschen. Dominik überrundete ihn am Ende auch dank seiner Reisenden und gewann mit zwei Punkten Vorsprung. Nicht gespielt wurde: Die Tore der Welt. Schade eigentlich, da hatte ich mir eigens vorher die Anleitung durchgelesen, um zum ersten Mal im offenen Spieletreff Vierkirchen fehlerfrei Regeln erklären zu können. Vielleicht beim nächsten Mal.