Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Village

SV5 vor SV7 vor SVM

by Nicole

22. Februar, 8.35 Uhr: Die S-Bahn kommt in zwei Minuten, zwei Mann fehlen noch, dazu ein kompletter Spielesatz, Michael wird nervös. Nicht so die U15. Die hat komplett bei ihm genächtigt, letzte Teambuilding-Maßnahme vor der Regvor. Prächtige Stimmung bei Karen, Felix, Lukas und Nico.

U15

Die U15 rückt zusammen

Philipp sitzt in der S-Bahn bei seinen U17-Freunden, mit denen er heuer nicht in einer Mannschaft spielt. Die Mixed Masters brauchen den Gymnasiasten. Und zu den Masters, Sportdeutsch für Senioren, geht er jetzt nach hinten. „Nicole, was ist unser Ziel?“

Vier Spiele – drei Ziele

Gut, dass mich jemand fragt. Ich bin der Kapitän der Mixed Masters. Das war ich schon vergangenes Jahr. Da hatte ich auch genaue Vorstellungen, was mindestens herausspringen muss bei der Regionalvorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft, doch eine Bronchitis verhinderte meinen Auftritt. Das vergangene Jahr habe ich genutzt, um die Erfolgsschritte zu formulieren. 1. Fünf Punkte, also maximal drei vierte Plätze, denn dafür gibt es jeweils einen Punkt, und dazu ein dritter Platz. 2. Wenn das geschafft ist, peilt jeder seinen ganz persönlichen ersten Platz an, also fünf Punkte auf einen Schlag. 3. Danach darf die Punktzahl auch noch zweistellig werden.

Philipp zuckt bei der Erwähnung eines ersten Platzes zusammen. Ein solcher war ihm vergangenes Jahr versagt geblieben: „Das wird schwer.“ Ich will ihn nicht unter Druck setzten: „Zwei zweite Plätze à drei Punkte sind genauso gut wie ein erster und ein vierter Platz.“ Er sieht nicht überzeugt aus.

Vierkirchner Duell bei Village

Das erste Vierkirchner Duell bei Village

Am Veranstaltungsort angekommen, machen wir uns mit unseren Kürzeln vertraut. Die U17 heißt SV7, die U15 folglich SV5, die Masters fast wie die Stadtwerke: SVM. Darauf folgt jeweils die teaminterne Nummer des Spielers: SV52 beispielsweise ist der zweite Spieler der Mannschaft „Spielvereinigung Vierkirchen verspielt U15“. Einen ganz so umständlichen Namen haben wir eigentlich nicht, aber wir wissen, wer gemeint ist. Und dürfen weiter Felix zu ihm sagen.

Tisch 7 im Nebenraum ist der Stammplatz der Mixed Masters. Als Nummer eins, SVM1, begrüße ich 4IG1, Zug4 und NGA3 zu Village. Alle konzentriert – und nett. Wer Getreide holen will, aber kein Manschgerl auf dem Hof hat, darf sich noch mal überlegen, ob er nicht besser woanders ein Klötzchen nimmt. Im Lesen der Messe bin ich großartig. Immer kommt mein Gelber aus dem Sack, nur der Blaue und der Weiße verstecken sich hinter den vier Schwarzen. Das kostet Blau in der letzten Runde nach eigener Aussage fünf Punkte. Es reicht trotzdem noch für Rang zwei hinter Weiß und vor Gelb.

Auf Espresso folgt Würfeln

Dritter Platz, das Primärziel ist geschafft. Die Gegner waren wirklich gut. Links und rechts wird noch gespielt. Langsam trudeln Ergebnisse ein. Michael (SVM) Zweiter – er hat zum Schluss das falsche Manschgerl sterben lassen. Christian (SVM) Zweiter, Jochen (SV7) Zweiter, Sarah (SV7) Dritte, Lukas (SV5) Zweiter, Karen (SV5) Vierte. Noch kein einziger Sieger. Bis Simon (SV7) seine Partie beendet. Im Vorjahr Letzter der internen Vierkirchner Wertung, startet er exzellent ins Turnier. Und das mit der Reise-Strategie, die bei uns als allzu aufwändig gilt. Vor der Auswertung der Marktplättchen elf Punkte vorne, reicht ihm der Vorsprung, um den ersten Platz zu verteidigen.

Und dann die nächste gute Nachricht: Philipp Erster! Ziel eins ist kein Thema mehr, Ziel zwei schon vor dem Mittagessen erreicht. Rechts wird endlich Felix (SV5) fertig, Dritter mit 42 Punkten, einen Punkt vor Ralf. Ralf gehört zu den Schrobenhausenern, wohnt aber in Unterschleißheim. Und was liegt auf der Landkarte in der Mitte? Vierkirchen. E-Mail-Adressen werden ausgetauscht, Blog-Links verschickt.

Der Großteil isst bereits, links von mir kämpft Nico (SV5) immer noch. Aber es lohnt sich: erster Platz mit 53 Punkten. Damit hat aus jedem Vierkirchner Team einer den Strategiekracher zum Auftakt des Turniers gewonnen. Bitte weiter so.

U17

Die U17 spielt in Rautenformation

Im Wandel der Zeiten – das Würfelspiel an Tisch 8, zu Gast bei Gipfelistürmer 3 aus der Zentralschweiz. Es gäbe noch viel mehr zum Volksentscheid zu sagen, aber die Nebentische sind schon durch, bevor wir überhaupt anfangen. Der Espresso hilft nicht, die Würfel machen, was sie wollen. Zu viele Seuchen, die nur mich betreffen, weil ich ja unbedingt die Architektur statt der Medizin kaufen musste. Zwölf Punkte, vierter Platz.

Sarah (SV7) geht es nicht besser. Michael (SVM) liegt in der Schlussabrechnung auf Rang zwei, der Meldezettel ist unterzeichnet, da fällt einer Mitspielerin auf, dass sie noch einkaufen gehen könnte, wenn man sie denn ließe. Man lässt sie, und Michael ist nur noch Dritter. Damit hat er immer noch einen Punkt mehr als Sarah, meine Wenigkeit oder Lukas (SV5). Der schießt den Vogel ab: minus sechs. Bei Karen (SV5) läuft es besser als in Village: Platz zwei mit 14 Punkten. Felix (SV5), der Tempo macht, reichen zehn zum ersten Platz, und Nico (SV5) setzt sich mit 29 Punkten und dem zweiten Sieg in Folge an die Spitze der Vierkirchner.

Ordnung im Weltall

Die Mogelmotte 4 aus dem Badischen begrüßt mich an Tisch 5 zu Race for the Galaxy. Wow, die Karten sind sauber eingetütet. Und statt eines abgekauten Kugelschreibers steht ein ganzes Federmäppchen zur Verfügung. Da leihe ich mir doch gleich mal Grün aus, um Notizen für den Blog zu machen. Zum ersten und einzigen Mal treffe ich außerdem auf einen Vierkirchner: Felix (SV5). Der hat schon sieben Punkte geholt, ich erst drei, trotzdem gebe ich mich selbstbewusst.

Die Emmeringer Hölzlhexe 1 an Position zwei siedelt, was das Zeug hält. Felix‘ (SV52) Strategie kann ich nicht nachvollziehen, auch was die Mogelmotte so treibt, verstehe ich nicht, nur dass sie öfter erkundet und ich dann dank Sondereigenschaft eine Karte mehr behalten darf, finde ich gut. Gleich am Anfang habe ich zwei Sechser-Entwicklungen, zu früh, um sie aufsparen zu können. Danach kommt nichts mehr. Mit doppelten Siegpunkten lässt sich das eine oder andere Pünktchen machen.

„Ja!“ Arme in die Höhe, Irritation an den Nachbartischen, meine Freude über den Sieg mit 34 Punkten fällt nicht lautlos aus. Felix verpasst den zweiten Platz um einen Punkt. Ein paar Tische weiter beutet dagegen seine Schwester Karen (SV5) eine Sechser-Entwicklung optimal aus, die ihr über 20 Punkte beschert – und damit Rang eins. Christian (SVM) bringt es an seinem Tisch auf 38 Punkte, was aber nur zum vierten Platz reicht. Trotzdem macht ihm Race von allen Spielen an diesem Tag am meisten Spaß. Das kann man von seinem Teamkollegen Michael nicht sagen: Die Karten laufen gegen ihn, Rang vier, kurz kommt die Erinnerung an 2013 hoch. Für ihn als einen der stärksten Vierkirchner Spieler war die Regvor damals eine Enttäuschung.

Mixed Masters

Anders als 2013 werden die Mixed Masters ihrem Namen gerecht

Doch es folgt noch Kingdom Builder. Und in diesem Spiel sichert sich Michael seinen ersten ersten Platz. Christian (SVM) trägt mit einem geteilten dritten Platz eineinhalb Punkte zum Mannschaftsergebnis der Mixed Masters bei. Die Bürger sind so gar nicht seins. Felix (SV5) trifft auf Simon (SV7). Arbeiter, Händler, Bergarbeiter. Da lässt sich was machen. Tatsächlich beendet Simon das Turnier, wie er es begonnen hat: als Erster. Mit einem Punkt weniger landet Felix auf Rang zwei. Ebenfalls Vize wird Sarah (SV7), die nach einem dritten und zwei vierten Plätzen die Pause vor der letzten Partie des Tages zur Meditation genutzt hatte – mit einem dicken Buch auf den Knien. 62 Punkte. Drei mehr schafft Dominik (SV7) und teilt sich damit in seiner Runde den ersten Platz.

Und ich? Als ich es vor zwei Jahren kennenlernte, lag mir Kingdom Builder gar nicht. Immer wurde ich Letzte, bis ich begann, am Tablet gegen Künstliche Intelligenzen anzutreten. Eine Sucht und eine exzellente Vorbereitung. Fischer, Arbeiter und Bauern, keine Pferdchen, keine Schiffe, dafür Hütten, Oasen, Grenztürme und Wiesen. Ich sitze an vierter Position, eigentlich ein Nachteil, wenn man nicht gerade bei den Lords mit einem Häuschen hier und da Entscheidungen im letzten Zug herbeiführen kann. Erst eine Wiese, dann ein Grenzturm, schließlich eine Hütte. Und immer die Bauern im Auge, bloß keinen Quadranten frei lassen. Ich bin schnell in allen vier Teilen vertreten, sonst läuft es so lala. Nur achten die Mitspieler mehr auf die Nähe zum Wasser und zur Stadt als auf eine gleichmäßige Verteilung. Michael (SVM) kommt, um die letzten Züge mitzuverfolgen. Er sieht, dass ich Schwarz habe, schaut sich die Gewinnziele an, die Positionen auf dem Spielplan und fängt zu lächeln an. Tatsächlich liege ich schon vor der Bauern-Zählerei in der Schlusswertung knapp vorne. Und dann kommen noch mal 27 Punkte dazu, während die Konkurrenz neun, sechs und null macht.

Senioren freuen sich zu früh

Vierkirchner verfolgen die Siegerehrung

Spannung vor der Siegerehrung

Während Jo vom Veranstalter Spuiratzn die letzten Ergebnisse eingibt, rechnet die U15 (SV5) die Vierkirchen-Rangfolge im Kopf aus. Jubel! Die Jüngsten kommen auf 45 Punkte und damit Rang eins vor der U17 (SV7) und den Masters (SVM), die beide 44 Punkte vorweisen können.

Dann zählen die Senioren nach – und klatschen sich begeistert ab: Der Kapitän, nur bis zur fünften Klasse wirklich gut in Mathe, ermittelt ein Ergebnis von 46 Punkten. Jo später bei der Siegerehrung leider nicht. Es sind tatsächlich nur 44, und aufgrund des Tiebreakers – je weniger erste Plätze, desto besser – springt Vierkirchen-intern der dritte Platz sowie im Gesamtklassement der 18 Teams Rang neun heraus. Hinter der U17 und der U15. Damit bleiben wir auch meilenweit hinter den Herne-Plätzen eins und zwei zurück. Aber an dem Wochenende feiert sowieso mein Neffe Konfirmation.

Respekt, zwei Teilnehmer holen die maximalen 20 Punkte. Dafür gibt es ein Spiel als Preis. Russian Railroads sucht der eine aus. Gute Wahl, sagen wir – zum Glück ist es in Vierkirchen schon vorhanden. Das Siegerteam kommt auf beeindruckende 60 Punkte. Das wäre mal ein Ziel. Einen fantastischen Tag hatten wir ja schon. Und für die geschlossene Mannschaftsleistung gab’s sogar vom Veranstalter Lob und netterweise viel Applaus von der Konkurrenz.

Dreimal 14 Punkte

Dreimal 14 Punkte verabschieden sich

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Auf geht’s, Jungs und Mädels

by Nicole

Kapitäne und Mannschaften, der große Tag steht kurz bevor. Monate haben wir darauf hingearbeitet, nicht nur die Anzahl der Übungseinheiten verdoppelt, sondern auch immer wieder den vorgesehenen Zeitrahmen überzogen, am Wochenende mit Sparringspartnern Taktik und Technik vertieft, ja sogar ein Höhentrainingslager veranstaltet. Wir haben Theorie gepaukt, Regeln diskutiert, Spielpläne vermessen und fast jeden Zug analysiert. Am 22. Februar ist es so weit: Der Spieletreff Vierkirchen verspielt nimmt zum zweiten Mal in seiner Geschichte an der Regionalvorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft teil. Zeigen wir, dass wir unsere Stärken auch unter Wettkampfbedingungen abrufen können!

Vierkirchen verspielt: energisch, ...

Die Vorbereitung begann bereits im Herbst, die Teams wurden jedoch erst in den vergangenen Wochen zusammengestellt, dreimal jeweils die Besten zu einer Einheit geformt. Mannschaftliche Geschlossenheit kennzeichnet U15, U17 und die Mixed Masters. Einer für alle, alle für einen, und wie wessen Race-Karton eingeräumt werden muss, weiß jeder blind. Doch auch die individuellen, fast magischen Qualitäten der Spieler sind beeindruckend. Der eine beherrscht die Würfel, würfelt Getreide, wenn er Getreide braucht, und Arbeiter, wenn der Obelisk kurz vor der Vollendung steht. Der andere schafft es ohne Investitionen immer wieder, dass genau sein Männchen aus dem schwarzen Kirchen-Beutel gezogen wird.

Die U15 wird angeführt von Karen, die schon im vergangenen Jahr durch ihre ruhige und zielstrebige Art etliche Regvor-Gegner verzweifeln ließ. Auch bei ihrer ersten Race-Übungspartie bestach sie durch ihre schnelle Auffassungsgabe und ließ dank Doppelte-Siegpunkte-Strategie die Mitspieler Lichtjahre hinter sich. Die U17 musste kurzfristig umbesetzt werden, doch die beiden Neuen, Dominik und Jochen, bewährte Edeljoker von 2013, haben sich blendend eingefügt. Von einer Schwächung kann gar keine Rede sein, auch wenn beide deutlich Ü17 sind. Village-Spezialistin Sarah wurde zur Mannschaftsführerin bestimmt. Sie besitzt die Fähigkeit, ihr Team so mitzureißen, dass jeder über sich hinauswächst.

... strategisch ...

Nicole trägt die Kapitänsbinde bei den Mixed Masters. Ihr wurde diese Ehre zuteil, obwohl sie als Einzige im Team Regvor-Neuling ist. Sie ist sich der Verantwortung bewusst und hat größtes Vertrauen in ihre drei erfahrenen Kameraden.

Das Abschlusstraining ist gelaufen. Michael (Mixed Masters) hat in Race for the Galaxy sagenhafte 67 Punkte geholt. Oder waren es 68? Auf jeden Fall Spieletreff-Rekord. Jochen (U17) setzte sich in Village durch, Christian (Mixed Masters) gewann Im Wandel der Zeiten – Das Würfelspiel, Nicole (Mixed Masters) konnte zumindest am Tablet in Kingdom Builder die künstlichen Intelligenzen deklassieren, wenn sie sich auch am Montag live am Tisch Nachwuchsstar Vincent geschlagen geben musste.

... und stets konzentriert.

Das ist vielversprechend. Es besteht absolut kein Anlass, nervös zu werden. Vermeidet Eigenfehler. Überlasst in Village niemandem alleine den Markt, behaltet in Kingdom Builder alle drei Gewinnziele im Auge, passt in Race for the Galaxy eure Strategie den Karten an und beschert den Gegnern in Im Wandel der Zeiten großzügig die Seuche. Aber erst am Samstag. Entspannt euch jetzt, schaltet die letzten Stunden vor dem Turnier ab und spielt dann konzentriert, aber locker auf. Wir haben nichts zu verlieren, und wenn wir gewinnen, ist es umso schöner. Es kommt nicht darauf an, um jeden Preis Erster zu werden. Wir wollen am Ende sagen können: „Was für ein fantastischer Tag!“

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Opa erzählt

by Florian

„Man gewöhnt sich an alles, auch ans Sterben“, sagt Opa Weiß und streicht sich mit der Hand über die große schwarze Eins auf der Brust. „Zumindest habe ich vorher meinen großen Auftritt, kann wirklich etwas reißen. Mein Urenkel ist gestern wieder gar nicht erst ins Spiel gekommen. Das ist dann schon bitter.“

Familien Weinrot, Himmelblau und Weiß (von links)

Familien Weinrot, Himmelblau und Weiß

Am Vortag hat Opa Weiß seine Aufgabe wieder glänzend erfüllt. Er hat lange allein auf dem Hof geackert. Und zwar im Wortsinn. Ohne Ochse oder Pflug musste er jahrelang die schweren Kornsäcke füllen, die auf dem Markt so gut zu verkaufen sind. Dann hat er eine neue Aufgabe bekommen und seine Zeit in der Kirche abgesessen. Für höhere Weihen war es zu spät, aber zum Pfarrgemeinderat brachte er es noch – und konnte in der Kirchenhierarchie einen seiner Enkel etablieren.

Dann ist er wieder mal gestorben – gerade rechtzeitig, um sich einen Platz in der Dorfchronik zu sichern und nicht etwa im Armengrab zu landen. Zur berühmtesten Familie im Dorf sind die Weiß trotzdem nicht aufgestiegen. Die Nachbarn vom Südrand des Dorfs, die Weinrot, haben sich wieder mal vorgedrängt. Wenigstens an die Nachbarn zur Rechten, Familie Himmelblau, wird man sich nicht so lange wie an die Weiß erinnern.

Woran lag es? „Am Markt waren wir diesmal die erfolgreichsten. Aber manchmal haben wir vielleicht zu früh verkauft. Gut, wir wollten die anderen unter Druck setzen, aber mit einem Ochsen und einem Pflug hätten wir einfach mehr Getreide geerntet.“ Opa Weiß reibt die Hände. „Das wäre schon eine Erleichterung für mich gewesen.“ Man glaubt es ihm gern: Mit 23 Millimetern Höhe ist der alte Mann nicht gerade eine beeindruckende Gestalt.

Nachbardorf

Fasching im Nachbardorf

Familie Weiß bekam aber noch ein anderes Problem. „Im Rathaus hat mein Bruder versucht, Karriere zu machen, der ist aber jung gestorben. Der Papierstaub war nichts für ihn. Er wäre lieber auf Reisen gegangen, wie Gevatter Himmelblau, das sonnige Gemüt. Seine jüngere Tochter dagegen, meine Nichte, war ja wirklich auf dem besten Weg. Sie hatte immer eine schöne Handschrift für die Akten. Aber für Frauen ist es dermaßen schwer in der Politik. Man hat sie einfach nicht mehr befördert. Sie sollte lieber weiter die Protokolle verfassen.“

Vielleicht schon nächsten Montag wird Opa Weiß wieder versuchen, ein ruhmreiches Dorfleben zu führen und pünktlich zu sterben. Wie kann er sich allwöchentlich motivieren? „Ach, in Village hat man als Spielfigur ja eigentlich ein abwechslungsreiches Leben. Kennen Sie Carcassonne? Da liegen die Bauern den ganzen Tag nur auf der Wiese, bis am Ende ihre Landfläche vermessen wird. Das wäre mir einfach zu langweilig.“

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Große Erwartungen

by Nicole

Montag, 13. Januar 2014, 18.33 Uhr
Ich bin gerade von der Arbeit nach Hause gekommen. Noch 87 Minuten, bis der erste Spieletreff des Jahres beginnt. Und damit das erste ernsthafte Training für die Regionalvorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft Ende Februar. Die Spiele sind eingepackt, natürlich Village, Kingdom Builder, Race und Im Wandel der Zeiten – das Würfelspiel, dann noch die eine oder andere Ergänzung, nicht zu kompliziert und für Zweier-, Dreier- oder Viererrunden geeignet. Doch Fette Autos, Drachenherz, selbst Qwixx interessieren mich heute weniger. Ich will Village. Und zwar zu viert.

Zum zweiten Mal in meinem Leben übrigens. Die Vierer-Premiere in den Weihnachtsferien misslang. Da gibt es Optimierungspotenzial. Ich habe mir so meine Gedanken gemacht. Diesmal will ich auf jeden Fall ein Familienmitglied der ersten Generation auf dem Hof behalten, damit es von dort in die Dorfchronik wandert. Das Rathaus ist auch ganz wichtig, für die Chronik und zum Punkten. In der Kirche soll es ebenfalls besser laufen, am liebsten mit drei, vier Verwandten, die dank ihrer reichlichen Getreidespenden immer mehr Einfluss gewinnen. Die praktisch Veranlagten lernen ein Handwerk, und wann immer es passt, verkaufe ich Ochse und Schriftrolle auf dem Markt. Die Wagen allerdings behalte ich, um einen der Meinen auf Reisen zu schicken. Möglichst überall hin. Der einzige Ort in unserem Dorf, den ich nicht besuchen will, ist der Armenfriedhof.

Willidsch

22.26 Uhr
Die Jugend sagt auch Massengrab zu den hinter der Kirche ausgehobenen Gruben. Sie zu meiden, gelingt mir tatsächlich. Michael, Florian und Jana teilen die namenlosen Gräber unter sich auf. Ich bringe fünf Mann in der Familienchronik unter und hole die maximalen zwölf Siegpunkte heraus, Florian ebenfalls. Doch der Reihe nach: Bevor meine Familienmitglieder das Zeitliche segnen, haben sie sich durchaus nützlich gemacht.

Dank meiner Schriftrollen ziehe ich sofort ins Rathaus ein, Jana bringt sogar zwei Figuren in der ersten Runde in der Dorfverwaltung unter. In der Kirche tun wir beide uns ebenfalls um, doch für die Reise reicht die Zeit vorerst nicht. Florian schaut sich dafür in der Welt um, und Michael beginnt gleich, mit Ochs und Pflug Getreide zu scheffeln. Eher aus der Not heraus, denn eigentlich wollte er wie jedesmal den Bürgermeister geben. Doch ins Rathaus traut er sich ziemlich schnell nicht mehr rein, das haben Jana und ich für uns. Dafür beginnt Michael, Waren auf dem Markt zu verkaufen, immer und immer wieder. Florian versucht, mitzuhalten, Jana zieht nach, als ihr größerer Bruder ihr rät, möglichst viele Marktplättchen zu sammeln. Nur ich ignoriere das bunte Treiben um die Stände. Dafür reise ich dann doch ein wenig, allerdings erst mit der zweiten Generation. Und mangels Geld kann ich das höchste Rathaus-Privileg, Münzen in drei Siegpunkte umzuwandeln, nur einmal nutzen.

Die Dorfchronik füllt sich, das Massengrab ebenfalls. Zwei Reisestationen fehlen mir noch, als Michael den letzten armen Schlucker verbuddelt. Jeder andere kommt noch genau einmal dran. Das bringt mir die fünfte Station und damit 14 Punkte. In der Schlussabrechnung liege ich lange vorne, bis dann die Marktplättchen ausgewertet werden: Jana, die erst spät umgesattelt hat aufs Händlertum, bringt es auf 16 Punkte, Florian auf 18 und Michael setzt sich mit sagenhaften 39 Punkten an die Spitze der Siegpunktleiste. Jetzt habe ich viel, worüber ich bis nächste Woche nachdenken kann. Aber heute nicht mehr. Mir brummt der Kopf.

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Der Weizen ein Lichtblick

by Nicole

Alle zwei Jahre lasse ich mich auf eine Partie Siedler ein, nicht das Kartenspiel, nicht das Würfelspiel, sondern so richtig mit Häuschen, Räuber und Handelsstraße. Am Montag war es wieder so weit, diesmal sogar mit Schiffen. Ob beim Aufbau der Insel im Meer der Seefahrererweiterung alles mit rechten Dingen zuging, kann ich nicht sagen. Zumindest waren sich Julian, Lukas und Simon ziemlich schnell einig, was wo hinkommt, aber auch großzügig genug, mal schnell Seeteile umzulegen, wenn es nicht passte. Ich schaute zu und versuchte, mir die lange nicht mehr angewandten Regeln zu vergegenwärtigen. Ehrlich gesagt hatte ich sogar vergessen, dass man für Straßen Holz und Lehm zahlen muss, und dachte, dass man in bester Transeuropa-Manier immer schön zwei legen kann.

Man sagt, bei Siedler haben der Erste und der Letzte in der Reihe der Häuschensetzer die größten Vorteile. Ich war die Letzte, und viele Möglichkeiten gab es nicht mehr. Ein Platz mit Wüstenanteil, aber immerhin Schaf und Weizen. Dann Erz und Weizen, weder Holz noch Lehm. Dazu echt mäßige Zahlen: zwei, drei, neun und zehn. Julian und Lukas bauten recht schnell ihre Schiffslinien aus, für die beiden lief es ausgezeichnet. Simon und ich saßen am falschen Ende der Insel, hatten Pech beim Würfeln und etliche Runden, in denen wir so gar nichts gebacken bekamen. Wir beschränkten uns darauf zuzuschauen, wie die beiden anderen versuchten, sich gegenseitig die längste Handelsstraße abzujagen. Ein Lichtblick war aber immer wieder die Neun für mich: Fünf Weizen auf einen Schlag, da konnte kein anderer mithalten.

Die Siedler von Catan mit Seefahrererweiterung

Als Simon um halb zehn nach Hause musste, tauschte er so mit Lukas, dass dieser mit einer Siedlung auf einem Eiland fernab der Hauptinsel und unerreichbar für die Außenseiter Simon und mich den 13. Punkt holen konnte.

Ende der 90er Jahre dachte ich, es gibt nichts Besseres als Die Siedler von Catan. Aber damals kannte ich auch nur Monopoly, Risiko und Trivial Pursuit. Inzwischen weiß ich, dass das Spiel des Jahres 1995 nur dann Spaß macht, wenn es gut läuft. Es reicht wieder für zwei Jahre.

Und was gab es sonst so: Hab und Gut am Tisch gegenüber dem Eingang, Der Pate ganz hinten rechts an der Fensterfront. Die Niagara-Runde schaffte auch noch Junta – Viva el Presidente. Am längsten brauchten die Village-Spieler. Michael verbrachte die letzten Runden damit, mit seinem Rathaus-Manschgerl Geld gegen Siegpunkte einzutauschen. Dominik überrundete ihn am Ende auch dank seiner Reisenden und gewann mit zwei Punkten Vorsprung. Nicht gespielt wurde: Die Tore der Welt. Schade eigentlich, da hatte ich mir eigens vorher die Anleitung durchgelesen, um zum ersten Mal im offenen Spieletreff Vierkirchen fehlerfrei Regeln erklären zu können. Vielleicht beim nächsten Mal.