Präsidenten lieben Diamanten

von Florian

Der Spieleabend vom 4. März war ganz nach meinem Geschmack. Ich bekam gleich zwei Chancen, reich zu werden.

Erst schipperte ich mit meinen zwei alten Kähnen über den Niagara und sammelte Diamanten. Ich startete vorsichtig, fuhr nur ein Stück den Fluss hinunter. Die Boote von Carmen und Christian lagen parallel. Der andere Florian schoss mit vollem Risiko die Strömung hinunter. Schon nach drei Runden war er zweimal gekentert und die Fälle hinuntergestürzt!

Tja, wer’s mag. Soll ja erfrischend sein. Ich muss mir eine Teilschuld geben, ich hatte als Erklärer wohl nicht ausreichend auf die Gefahren des Stroms hingewiesen. Was tut man nicht alles für Diamanten.

Den Vorsprung holte Florian nicht mehr auf. Christian hatte am Ende sechs Edelsteine. Vier blaue darunter – das war der Sieg. Aber ich konnte noch in der gleichen Runde meinen fünften Edelstein ins Ziel retten. Von jeder Sorte hatte ich einen. Geteilter Sieg… Carmen verpasste es um nur ein Feld, mit uns gleichzuziehen.

Gestohlen wurde übrigens nichts, wir konzentrierten uns wohl zu sehr aufs Hamstern.

Junta - Viva el Presidente

Anschließend ging es um Millionen Pesos – und natürlich auch darum, das zarte Pflänzchen der Demokratie in der Republica de las Bananas sprießen zu lassen. Als erster Präsident dieses jungen Staats ließ ich meine Minister großzügig am Etat teilhaben. Doch die Undankbaren fielen über mich her. Kein Vorbild fürs Volk! Aber ich sagte mir, die Zivilisation hat auch in Athen und Rom nur langsam Einzug gehalten, und gab meine humanitäre Mission nicht gleich auf.

In der nächsten Runde – unter Präsidentin Carmen – bekam ich kein Budget, nur die Verantwortung für ein paar Proteststudenten mit ihren Flugblättern. Aus diesem Material hätte selbst Napoleon keine Armee schmieden können. Trotzdem raubte ich dem anderen Florian per Attentat seine einzige Truppe. Danach rüstete er auf. Bis Spielende würde er mit der Maximalzahl von vier Truppen spielen.

Eine Drohkulisse für das geschundene Volk. Und auch die Laune von uns vier Regierenden war mäßig. Noch hatte keiner einen Swimmingpool, keiner einen Tennisplatz, und kein Wachturm sorgte für Sicherheit. Wer sollte da den schweren anstehenden Aufgaben gewachsen sein. Schlimm stand es besonders um mich: Die Präsidentin ließ mich links liegen – was auch der tatsächlichen Sitzreihenfolge entsprach.

Die anderen beiden fütterte sie großzügig. Auch Christian stockte bald seine Privatarmee auf.

Ich riss den Präsidentenposten mit Christans Hilfe wieder an mich (die Luxuskarrosse der Expräsidentin bekam ich obendrein) – und wurde ihn ewig nicht los. Dabei habe ich es ehrlich versucht. Ich behielt die meisten Karten für mich. Tut mir Leid, erklärte ich, aber in Zeiten wie diesen ist eine solche Politik alternativlos. Das stimmte leider. Es kam kaum Geld auf meine Hand. Dafür erhielt ich ausreichend Kanonenboote und Attentate, um die anderen zu ärgern. Die Presse hätte viel zu schreiben gehabt über die Privatkriege der Junta, nehme ich an. (Eine freie Presse ist etwas für reife Demokratien.)

Ich trieb es bunt, ich trieb es bunter, Carmen wurde rot vor Zorn, und das Volk lief vor Hunger blau an. Ganz im Gegensatz zu Christian, der es satt hatte – und vier Siegpunkte. Er entriss mir den Präsidentenposten für den fünften. Doch wer baute da auch noch einen Wachturm in seinen Garten? Es war Florian, der zusammen mit der Yacht auf seiner Hand überraschend auf sechs Siegpunkte kam. Erster!

Nie war er Präsident gewesen. Keine politische Verantwortung, stets auf Verteidigung bedacht, stets von seinen Leibwächtern umgeben. Raffen und verteidigen. So funktioniert Demokratie. Ich glaube, das Volk hat das jetzt auch verstanden.