Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Kategorie: Spielbericht

April 2020: Bericht muss entfallen

by Florian

Nein, ich kann nichts schreiben. Diesen Monat habe ich nichts zu erzählen. Immer die gleichen alten Spiele. Und die neuen Spiele sind auch wie die alten. Und ab der zweiten Partie nicht mehr neu. Und immer habe ich nur daheim gespielt, im Vierkirchner Wohnzimmer. Immer mit derselben Mitspielerin. Nicht dass ich mich beschweren möchte. Manche sitzen schließlich ganz ohne Mitspieler in ihrer Wohnung und vermissen ihren wöchentlichen Brettspieltreff.

Race for the Galaxy

Was könnte ich schon erzählen? Hey, wir haben Race gespielt. Ein Spiel, über das hier im Blog jede Menge dummes Zeug steht. Und andernorts erst …

Ich könnte euch schildern, wie ich heute die verlorene Partie herumgerissen habe. In der es von Anfang an schlecht für mich lief. Und gut für Nicole. Ständig habe ich erkundet, meist +5. Auf der Suche nach militärischer Stärke. Auf der Suche nach Militärwelten. Gefühlt war es nie genug.

Selbst in der letzten Runde habe ich mit der Hand voll wertloser Karten Erkunden +5 und Entwickeln gespielt. Mein Vorsatz: Die beste 6er-Entwicklung, die ich erwische, baue ich. Es kam die neue galaktische Ordnung, die zu meiner unsichtbaren Festung passte. Wir zählten. Das Spiel stand auf dem Kopf. 42 zu 39 für mich.

Ja, die Geschichte könnte ich euch erzählen. Ausgerechnet 42 Punkte! Das alles konnte kein Zufall sein. Aber würdet ihr das lesen wollen, dummes Zeug über Race for the Galaxy?

Der Herr der Ringe – das Kartenspiel

Ich könnte euch einmal mehr von diesem Living Card Game vorschwärmen. Sicher, das Herr der Ringe-Kartenspiel lässt FFG in China herstellen, und die internationalen Warenflüsse sind mit Schuld an der schnellen Verbreitung des Virus. Und sicher kennt ihr dieses Spiel entweder aus eigener Erfahrung und habt viel bessere Kartenkombos als wir, oder ihr scrollt eh jeden Monat über meine begeisterten Berichte hinweg, weil ihr es nicht mehr hören könnt und so ein LCG außerdem auf niedrige Sammelinstinkte setzt und viel zu teuer kommt, oder weil Arkham Horror LCG eurer Meinung nach die besseren Szenarien hat.

Ist ja gut. Lasst uns nicht streiten.

Carcassonne

Einen Geheimtipp würde ich noch loswerden. Carcassonne. Schon davon gehört? Spiel des Jahres 2001. Klaus-Jürgen Wrede. Innovativer Mechanismus: Plättchen legen, Figuren abstellen, werten.

Nein, nicht so. Natürlich kennt ihr Carcassonne. Aber ganz neu ist die offizielle Solo-Variante, und die ist noch besser als die inoffiziellen, die ich auch schon Dutzende Male gespielt habe. Die ist so schwer, dass ich mich mit so bescheidenen Punktzahlen abfinden musste, dass ich sie nicht veröffentlichen kann. Und schwer ist bei solo immer gut.

Aber wenn ihr selbst auch gern solo spielt, habt ihr sicher davon gehört, die Variante vielleicht sogar ausprobiert? Es war zu befürchten. Oder alles ist anders, und es geht euch wie diesem Spielbox-Kritiker, der die 7 (von 10) für die Durchschnittsnote hält – und Solospiele für dämlich.

So oder so, mit Carcassonne solo brauche ich euch wahrscheinlich auch nicht zu kommen.

Kneipenquiz

Ich könnte sogar von einem Spieleabend in großer Runde erzählen. Kneipenquiz zu acht, dazu eine Spielleiterin. Kein Problem mit Mindestabstand. Sandra hat’s auf Twitter angeleiert. Sie macht das jede Woche. Über Discord.

Ich hätte auch gar nichts Schlechtes zu sagen. Es war nett. Etwas schade, dass man die Leute nicht sehen konnte, die man da kennenlernte und mit denen man im Team war. Aber hmm, Kneipenquiz übers Chatprogramm? Mit fremden Leuten und ohne Smalltalk? Ohne Bier, oder zumindest ohne Anstoßen?

Das alles fühlte sich seltsam an. Das Schlimmste waren aber einige Quizfragen, die ich kannte. Wir haben das Kneipenquiz ja auch schon öfter gespielt, und einige Fragen hatte ich garantiert schon einmal gehabt, das wusste ich sicher.

Aber die Antworten, die wusste ich nicht mehr. Darum breite ich über die Geschichte auch lieber den Mantel des Schweigens.

Vielleicht nächsten Monat wieder.

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März 2020: Keiner verliert allein

by Florian

In diesem Monat gab es zehntausende Neuanmeldungen auf Yucata. Weil sich die Leute nicht treffen können, spielen sie online miteinander. Das ist eine nette Sache. Plötzlich habe ich dort erstmals Partien mit Twitter-Bekannten – oder auch mit alten Freunden, die früher um keinen Preis webbasiert und asynchron spielen wollten, sondern grundsätzlich nur am Tisch.

Allerdings ist bei mir gar nicht das Spielen selbst der Antrieb. Ich besuche Yucata dieser Tage hauptsächlich, um mal unter die Leute zu kommen. Ähnlich wie Twitter. Nur dass es auf Twitter keine Spiele gibt. Dafür ist auf Yucata nicht jeder zu einem Schwätzchen aufgelegt.

Das richtige Spielen, das gibt es bei uns immer noch. Ohne Tablet oder Computer, fern der jüngsten Vorschriften und Statistiken und Nachrichten. Abends, nach dem Essen. Oft müde und unkonzentriert. Am liebsten kooperativ, damit keiner allein verliert.

Schade eigentlich, dass es keine Koop-Spiele auf Yucata gibt.

Hanabi

Wenn die äußeren Umstände uns verunsichern, suchen wir Menschen Trost bei Bewährtem. Kein Wunder, dass Nicoles und meine Hanabi-Sucht zurück ist. Auch wenn die Erfolgsquote schon einmal höher war. Schließlich sind für uns nur 25 Punkte ein Sieg. Können wir die nicht mehr erreichen, werfen wir zusammen – und geben höchstwahrscheinlich gleich neu.

Hanabi ist von Antoine Bauza, und ich muss es wohl nicht mehr vorstellen.

Jump Drive

Noch ein Rückfall: Tom Lehmanns Jump Drive war 2019 mein meistgespieltes Solospiel. 2020 liegt es schon wieder in Führung. Noch einmal habe ich die ersten drei Kampagnen von Boardgamegeek-Nutzer Epyo in Angriff genommen.

Mehrfach, wie ich zugeben muss. Weil es nicht gleich klappte. Die Konzentration ist nicht die alte.

Zur Erklärung: Eine Kampagne besteht aus vier Partien in Folge. Jede dauert sieben Runden, in jeder Partie muss der Spieler 50 Punkte erreichen plus eines der vier Zusatzziele. Sind nach vier Partien alle vier Ziele abgehakt, gilt die Kampagne als gewonnen.

Die erste Kampagne fordert einen militärischen und einen zivilen Sieg und einen mit mindestens 60 Punkten. Das ist eigentlich leicht zu schaffen. 2019 habe ich sie dreimal gewonnen, nie verloren. Für 2020 stehen die ersten Niederlagen im Logbuch.

Die Crew

Geschafft! Eine Strohpuppe namens Jarvis, Kommandantin Nicole und Funker Florian haben ihr Raumschiff erfolgreich an den Rand des Sonnensystems und zurück zur Erde navigiert. Keine Panne konnte sie stoppen.

Die letzten Missionen waren gar nicht so schwer. Nur Nummer 49 mussten wir dreimal spielen, die 50 gelang wieder auf Anhieb.

Das bleibt mein einziger Kritikpunkt: Thomas Sings Stichspiel Die Crew ist, außer zu fünft, einen Tick zu leicht. Etwas mehr Widerstand, etwas mehr Schwierigkeit wäre gut gewesen. Ansonsten: klasse. Falls es 2020 überhaupt ein Spiel des Jahres geben sollte – die Jury kann ja nicht im üblichen Umfang sondieren und testen -, ich würde mich wundern, wenn es nicht Die Crew wäre.

Roll for Adventure

Ein Spieler findet immer einen Anlass, ein neues Spiel zu kaufen, obwohl er keines braucht. Geburtstag, Ostern, Geburtstag der Oma, Beförderung, Geburtstag des Meerschweinchens, gute Laune, demnächst Wochenende, schlechte Laune – oder es gibt irgendwo ein Sonderangebot.

Auch Corona. Wenn wir schon daheim bleiben müssen, können wir uns doch wenigstens ein neues Spiel leisten.

Roll for Adventure

Unserem Roll for Adventure fehlten zwei graue Würfel.

Roll for Adventure von Matthew Dunstan und Brett J. Gilbert ist Nicoles und mein Corona-Spiel. Gemeinsam gegen Monster kniffeln, nicht zu hirnverzwirbelt, nicht zu lang und jede Menge Abwechslung durch Heldenfiguren, optionale Monster, die Rückseiten der Einsetzfelder.

Klar, der Glücksanteil. Und ja, ausgeschlafen und im Vollbesitz meiner Kräfte könnte ich mich bei Roll for Adventure auch mal unterfordert fühlen. Es ist kein Spiel für die Ewigkeit, sondern eines, von dem wir in den nächsten Wochen ein bis zwei Dutzend Partien spielen werden. Eines, das sich irgendwann ausgespielt anfühlt. Eines fernen Tages. Wenn man sich wieder mit anderen zum Spielen treffen kann. Das würde passen.

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Februar 2020: Es geht in die Verlängerung

by Florian

Die Zeit fliegt wieder mal. Wir haben schon den 35. Februar 2020. Schnell noch den Monat zusammenfassen, bevor er vorbei ist.

Foothills

Einige Monate stand der Zwei-Personen-Ableger von Snowdonia im Regal. Dann kam der lange Februar, und siehe da, wir haben Foothills dreimal gespielt.

Ich nehme mal an, Snowdonia kennt jeder, der hier liest? Die Rohstoffe Geröll, Eisenerz und Stein sind die gleichen, aber es ist in Foothills von Ben Bateson und Tony Boydell nicht mehr nötig, Erz in Stahl zu konvertieren. Gut so: Wir bauen nicht mehr nur eine, sondern sechs walisische Eisenbahnstrecken gleichzeitig. Und statt Arbeiter einzusetzen, spielen wir in jedem Zug eine unserer fünf Karten. Die müssen wir anschließend herumdrehen. Auf der Rückseite findet sich eine ganz andere, etwas schwächere Aktion.

Hier fängt das Gegrübel an. Das heißt nämlich, dass einige für meine Planung wesentlichen Informationen verdeckt vor mir liegen. Zwar weist jede Vorderseite auf die Rückseite hin, aber erst nach einer Übungspartie hat man die Möglichkeiten seines Kartensatzes so halbwegs im Blick. Zumal sich Aktionskarten ersetzen lassen.

Wie in Snowdonia gibt es zum Schluss Extrapunkte für bestimmte Karten. In Foothills müssen sie vorher ausgemustert werden. Karten ausmustern ist die neue Funktion des Pubs.

Es macht Spaß, sich in das Spiel hineinzufuchsen. Das Thema ist liebevoll umgesetzt. Allerdings habe ich leise Zweifel, ob es mich auf Dauer reizt, verdeckte Kartenrückseiten in meinen Planungen zu berücksichtigen – und ob dieser Kniff den Wiedereinstieg nach einer Pause nicht massiv erschwert.

Collage: Spielen im Februar

Spielen und andere Faschingsvergnügen

Tatort: Hotel

Im Greenrock-Hotel sind 15 Morde passiert. Sieben haben wir vor Jahren gelöst. Die unerledigten nehmen wir jetzt in Angriff, um irgendwann den Deckel final schließen zu können.

Diesmal ging es um einen Boxclub und seinen toten Manager. Die Story war nicht der Rede wert, als Rätsel aber in Ordnung. Nur den Witz mit dem Boxeraufstand hätte sich Autor Arthur Tebbe schenken können.

Ich hatte den Fall frühzeitig gelöst und entsprechend punkteträchtige Tipps abgegeben, aber leider machte mir Nicole einen Strich durch die Rechnung: Schockschwerenot, sie war die Handlangerin des Täters! In diesem Fall sind alle Tipps wertlos. Nur die Kartenpunkte zählen – und da habe ich die Wertigkeit der Alibis für die Verdächtigten leider überschätzt. Wir Unschuldigen sehen das anders, aber wir beugen uns den Spielregeln.

Just One

Auf das Regvor-Wochenende folgte eine Geburtstagsparty. Zu neunt versuchten wir in Just One, Runde für Runde Dopplungen zu vermeiden. Sollte es in großer Besetzung endlich einmal gelingen, die Höchstpunktzahl von 13 zu erreichen?

Wir sammelten sechs Punkte, dann neun. Der spannendste Moment war in der großen Gruppe jedesmal der Vergleich der niedergeschriebenen Begriffe. Hat noch einer mein Wort? Und wenn ja – reicht es trotzdem zur Lösung?

„Ohh, leicht“, hieß es dann meistens. Das schüchterte so manchen Ratenden ein, aber am Ende fand er doch den richtigen Begriff. Wir kamen auf zwölf Punkte. Dann die verflixte 13. Karte. Und Pustekuchen. Ausgerechnet für den letzten Begriff fanden wir nicht genug Umschreibungen. Alle Tipps bis auf einen, nämlich „Jacke“, flogen raus.

Wärt ihr draufgekommen? Der gesuchte Begriff war „Ärmel“.

Commands & Colors: Medieval

Parallel zu der ganzen Spielerei habe ich ernsthafte Studien frühmittelalterlicher Taktiken aufgenommen. Ich lese bei Robert Graves und Prokopios von Caesarea über die Feldzüge des oströmischen Feldherrn Belisar. Und ich spiele sie nach. Im Duell mit Thomas ist es mir nach anfänglich schweren Verlusten gelungen, die massierte sassanidische Schlachtreihe zu durchbrechen und das Zentrum des Gegners in die Flucht zu treiben.

Hach, wie schön kann Blutvergießen sein, wenn es fast 1500 Jahre zurückliegt.

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Sunday Bloody Sunday

by Nicole

Es ist Montagmorgen, 1.59 Uhr. Die Regvor liegt acht Stunden zurück. Ich schlafe schlecht, wenn ich viel spiele. Also auch in der Nacht vor der Regvor und in der danach. Eigentlich könnte ich noch dreieinhalb Stunden im Bett liegen bleiben, bevor wir eine Kanne Kaffee kochen, damit Thomas nicht ohne Frühstück nach Stuttgart fahren muss. Falls S-Bahnen und Züge verkehren. Die Deutsche Bahn versorgt uns seit Donnerstag gefühlt im Minutentakt mit Warnungen vor Sturmtief Sabine und den zu erwartenden Beeinträchtigungen im Schienenverkehr.

Das waren aber nicht die einzigen eingehenden Nachrichten. Noch nie haben uns so viele Leute Glück, Erfolg oder Spaß gewünscht vor einer Regionalen Vorentscheidung zu Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel. Ihnen allen, vom Kollegen über die Freundin und unseren Edeljoker Carsten, dessen Bereitschaft einzuspringen wir nicht in Anspruch nehmen mussten, bis hin zu Annett, unserer Erdinger Spieletreff-Bekannten, sei gesagt: Tilo hat die Erwartungen erfüllt, die der Rest des Teams an ihn hatte. Mit zwei ersten und zwei zweiten Plätzen war er der beste Große Alte. Wir alle vier konnten uns mindestens einmal als Sieger fühlen. Das ist uns eigentlich das Wichtigste, ein Spiel zu gewinnen.

51 Punkte reichten zu Platz vier der 20 Mannschaften beim Turnier in München. Und der brachte uns sogar das von uns im Vorfeld gewünschte Newton als Preis ein. Zur Qualifikation für die Meisterschaft im Juni in Bad Nauheim reichten sie nicht. Dorthin fahren der Turniersieger Team Kaiserschmarrn (64,5 Punkte) und die Rauchenden Würfel (53,5) auf Platz zwei. Glückwunsch!

Blau voll

This song is not a rebel song. This song is Sunday Bloody Sunday. In der S-Bahn auf dem Weg zum Wirtshaus im Isartal, wo Jo Jahr für Jahr souverän die Münchner Regvor ausrichtet, kommen wir auf U2 und die Worte, die Bono dem Lied bei Auftritten vorausschickt. Florian findet, das sei ein schlechtes Omen, aber ein guter Titel für den Turnierbericht. Finde ich auch. Ein Eyecatcher in der Unübersichtlichkeit des Internets. Dabei geht es wenig blutig zu am Isarufer, wenn man von Pauls Steak absieht, das er „medium rare“ bestellt. Paul sitzt an meinem Marco Polo-Tisch. Dazu gleich mehr.

Begrüßen, Hände schütteln, umarmen – die Regvor hat inzwischen etwas von einem Klassentreffen. Von meinen Ganz schön clever-Mitspielern kenne ich FF3 (The fab four) noch von First Class vor zwei Jahren. Er ist mit Abstand der Jüngste in der Runde und so nett, uns auf vergessene Wiederwürfler hinzuweisen. Nur mein Blatt sieht er schlecht, da steht mein Kamillentee im Weg. Als mir mit Verspätung ein Wiederwürfler auffällt, ist das aber auch kein Problem. Das einzige Manko sind die ausgelaugten Minifilzstifte, zum Glück ich bin mit eigenem Faserschreiber ausgerüstet.

Es läuft, wie laufen soll. Blau voll, dazu die beiden mittleren Reihen in Gelb, die 28 in Grün, 35 Punkte in Orange, 26 in Lila und vier Füchse, macht 279 Punkte. Für D&A2 (Dani & die Ackermänner) sieht es lange Zeit noch besser aus, doch am Ende entscheiden die Füchse. Mit zweien kommt er auf 259 Punkte und wird Zweiter.

Perfekter Vormittag

Ganz schön clever ist das Spiel der Großen Alten. Noch nie hat unsere Mannschaft drei Siege und einen zweiten Platz geschafft. Tilo erwürfelt sogar 290 Punkte, Florian reichen 234, um zu gewinnen. Mit dem Glück des Dreisten, der im letzten Wurf eine blaue Zwei oder Sechs braucht und auch bekommt. Thomas hat das Pech, in der letzten Runde weder in Gelb noch in Weiß die Drei zu schaffen, die er so dringend benötigt.

Auf den Spuren von Marco Polo führt mich an den Tisch von <Hier Teamname einfügen> aus Tüßling. Ihre violetten Hoodies mit dem Mannschaftsnamen in Pink vorne und dem Spielernamen hinten bekommen den Preis fürs coolste identitätsstiftende Outfit. Caro gibt einen hervorragenden Tischchef und bringt es fertig, mit ihren beiden Zielkarten 25 Punkte zu machen. Als Startspielerin hat sie nur zwei Charaktere zur Auswahl und entscheidet sich für Berke Khan – den, der nie draufzahlt. Vor ihr hat Lukas von den Kellerkindern 2 aus Lindau Raschid ad-Din Sinan gewählt, der seine Würfel dreht, wie er mag. Paul (Bodensee Brettspiel Trolle) sucht sich Wilhelm von Rubruk aus.

Mir verhelfen Matteo Polo und sein weißer Zusatzwürfel fast jede Runde zu zwei Reisen. Der neue Auftrag zu Rundenbeginn bleibt meistens unerfüllt. Ich habe einfach nicht genug Würfel. Meine Punkte mache ich über Xian, wo die drei Siegpunkte liegen. Über die Nordroute kommend, treffe ich dort in der dritten Runde ein. Dank der Stadtaktion in Karakorum kann ich sie mehrfach einheimsen. Dazu zehn Punkte durch zwei Aufträge, sieben als Zweiter in Peking, 15, weil ich alle Häuschen auf den Plan gebracht habe, und 18 für die Zielkarten: Moskau – Xian und Lhan-Zhou – Kochi. Ach, in Karachi hole ich in der letzten Runde noch Punkte für meine Häuschen. Ich würfle eher mäßig, kein einziges Mal kann ich mir drei Gold und einen Reiseschritt leisten, aber diesmal wird dank des Kamels, mit dem ich das Wiederwürfeln finanziere, aus einer 1 eine 5.

71 Punkte sind nicht die Welt, aber weil es bei Paul so gar nicht läuft (13), Lukas (57) seine Zielkarten lediglich als Anregung versteht und Caro (64) massiv investieren muss, um von Sumatra nach Adana zu kommen, gewinne ich. Perfekter Vormittag. Tilo wird Zweiter mit Raschid, Thomas Vierter mit Johannes Caprini und Florian (Matteo Polo) spielt noch, da habe ich schon mit meinen Espresso nach dem Schnitzel getrunken. An ihm liegt es nicht, dass sein Tisch als letzter fertig wird.

Leider kommt der Nachmittag

Leider kommt noch der Nachmittag. Und mit ihm 6 nimmt. Um es kurz zu machen: Hannes vom Turniersieger Team Kaiserschmarrn gewinnt wegen der Regvor-Regelmodifizierung, dass die Summe der Plätze in den einzelnen Runden entscheidend ist. Die wenigsten Hornochsen hat Andreas von den Kellerkinden. Ihm bleibt aber nur Platz drei hinter Agnes und vor mir.

Der alte Go-Spieler Tilo und auch Thomas gewinnen jeweils ihre Partien. Sie sind so früh fertig, dass sie kiebitzen kommen und ich mit einem herzhaften „Haut ab!“ erst irritierte Blicke, dann zaghaftes Lachen an meinem Tisch ernte. Sie hauen übrigens tatsächlich ab, meine Autorität als Kapitänin ist unangefochten, aber das hilft mir auch nicht. Florian wird wie in Marco Polo und schließlich noch in Alhambra Dritter. Er findet den Nachmittag ebenso mühselig wie ich.

Tja, Alhambra. Noch ein letzter Platz. Tilo hat das Spiel erst an unserem Trainingswochenende Anfang Januar gelernt und erreicht in der vierten Partie seines Lebens den zweiten Rang. Für ihn fühlt es sich an wie ein Sieg. Ich find‘s großartig, ebenso wie Thomas‘ zweiten Platz. Zum Abschluss noch einen Haselnussschnaps im Team samt Erinnerungsfoto (danke David!), und das war‘s dann.

Haselnussschnaps Haselnussschnaps

Sabine naht

Es ist 4.06 Uhr. Der Wind ist stärker geworden. Sturmtief Sabine naht. Falls Vierkirchen noch ÖPNV-technisch von der Außenwelt abgeschnitten wird, hoffe ich stark, dass Tilo im Dachgeschoss die Newton-Regeln gelesen hat, statt zu schlafen. Das Spiel wollte ich schon lange mal probieren. Als bester Großer Alter wird Tilo es vorbereiten und im Juni zur NördSpiel mitbringen.

4.13 Uhr. Ob ich mir schon mal einen Kaffee koche?

Zehn Stunden später. Sabine hat uns noch einen Vormittag mit Race for the Galaxy, Pax und – ja tatsächlich – Ganz schön clever beschert. Allerdings mit dem neuen Block „Challenge 1“ mit Minuswerten in Orange und zwei Siebenern in Blau. Für Newton fehlte die Konzentration. Inzwischen sitzen Tilo und Thomas im Zug. Es ist fast drei.

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Ältere Regvor-Berichte:

Januar 2020: In 6 nimmt fast unschlagbar

by Florian

Uwe Rosenberg ist vor unserer Haustür unterwegs. Zumindest spielerisch. Im Herbst erscheint bei Lookout sein neues Werk Hallertau – lass mich raten, ein komplexes Arbeitereinsetzspiel rund um Hopfen und Malz? Das ist so gut wie gekauft …

6 nimmt

Der Januar begann mit einem Übungswochenende unserer Regvor-Mannschaft Die Großen Alten. Ich kann die Konkurrenz nur warnen: Unser Neuzugang Tilo ist ein ganz Abgezockter und in 6 nimmt schwer zu schlagen. Die merkwürdige Regvor-Regeländerung, dass nicht die Minuspunkte, sondern die einzelnen Rundengewinne über die Platzierung entscheiden, wird seinen Gegnern auch nicht helfen, sie verwirrt schließlich alle gleichermaßen.

Nicole, Thomas, Florian und Tilo

Die Großen Alten

Auf den Spuren von Marco Polo

Gut, in anderen Regvor-Spielen haben wir als Mannschaft noch Defizite. In Ganz schön clever werde ich immer schlechter, schaffe oft nicht mal mehr die 200-Punkte-Grenze. In Alhambra verliere ich auch jede Partie, egal ob gegen Künstliche Intelligenzen oder gegen Nicole.

Dagegen lief es in Marco Polo zwischenzeitlich ganz gut. Insbesondere als sich Michael im Spieletreff Vierkirchen freundlicherweise zu einer Übungspartie bereit erklärte. Ich fürchte aber, meine Leistungsspitze überschritten zu haben. Es kann nur noch bergab gehen. Ich habe da auch so eine klitzekleine Schwachstelle: Ich komme eigentlich nur mit drei der sieben Charaktere klar. Am schlimmsten finde ich den Schnorrer alias Mercator ex Tabriz. Der sollte sich eigentlich von selbst spielen, aber ich verzettle mich, wenn ich so viele Geschenke kriege.

Pitchcar Mini

Das Freizeit-Highlight des Trainingswochenendes war ein Autorennen. Klassische Aufgabenverteilung: Nicole kochte, Tilo, Thomas und ich schnippten die PS-starken Boliden um den Rennkurs. Seither denke ich über eine Erweiterung nach … oder gleich ein zweites Exemplar, um doppelt so lange Strecken zu bauen. Aber vielleicht lohnt es sich auch nicht, beim nächsten Mal habe ich womöglich Küchendienst.

Die Crew

Ich habe ja schon öfter über die Kartenqualität des bei Kosmos erschienenen Die Crew gelästert. Weitere zwanzig Partien später kann ich sagen: Mh, die Karten flutschen jetzt und lassen sich wieder besser mischen. Muss so eine Schweiß-und-Fett-Patina sein. Kenne ich! Haben die Karten unseres ersten Hanabi-Exemplars auch …

Im Januar sind wir zu zweit beim 9. Planeten angekommen, untersuchen ihn aber noch und nehmen ein paar Proben. Die letzten, die härtesten Missionen folgen im Februar. Parallel konnten wir dem Spiel bei Annetts und Christinas vierteljährlichem Treff in Erding ein paar neue Freunde gewinnen.

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Dezember 2019: Alte Spiele aller Klassen

by Florian

Das Jahr ist aus. Ich muss mich beeilen. Nicole will nachher noch einen Jahresrückblick schreiben. Gut, dass wir erst 2013 mit dem Blog angefangen haben, sonst bräuchten wir womöglich noch einen Text übers Jahrzehnt.

Auf geht’s

Im letzten Spieletreff Vierkirchen des Jahres 2019 wurden Klassiker gespielt. Auf dem Nebentisch lag Klaus Teubers Die Sternfahrer von Catan, wenn auch in der Neuausgabe. Ich saß mit Karen und Felix und Michael zusammen, um unsere Tradition zu pflegen: das Biathlonspiel Auf geht’s.

Felix war extra für das Biathlonspiel nach langer Zeit mal wieder gekommen. Das Schießen hatte er nicht verlernt, musste sich im Spurt der Spitzengruppe aber seiner ebenso treffsicheren Schwester Karen geschlagen geben.

Traditionen sind schön, sie haben nur einen Nachteil. Altbekannte Spiele gehen manchmal allzu zackig von der Hand. Da saßen wir, das Highlight schon hinter uns. Es war noch nicht mal eine halbe Stunde vergangen.

Spiele im Dezember 2019

The Game

Ein Kingdomino folgte. Karen gewann wieder, Felix gab nun auf und ging heim. Wir drei versuchten, uns auf dem einbrechenden Packeis am Pol ein paar schöne Fische zu schnappen. Michaels Pinguin fraß am meisten. Und jetzt?

Wir packten The Game aus, spielten zu eilig, scheiterten, und ich dachte schon, tja, das war also 2019.

Noch mal?, fragte Michael. Okay, sagten wir.

Diesmal hörten wir besser hin, wenn andere über ihre Hand sprachen. Vielleicht hatten wir auch etwas schlechter gemischt. Jedenfalls beendeten wir das Jahr mit einem kooperativen Sieg und dem herrlichen Gefühl, ihn uns verdient zu haben. Das zählt. 2020 bitte mehr davon.

Der Herr der Ringe – das Kartenspiel

Gemeinsam gegen das Spiel, das mögen wir auch daheim. An den Wochenenden haben Nicole und ich meist nichts anderes als das Herr-der-Ringe-LCG von Nate French gespielt. Wir gingen die Erben von Numenor-Box ein zweites Mal an, kämpften uns durch die Belagerung von Cair Andros, freuten uns über neue Konzepte. Eine Verschwörung aufdecken in Die Furcht des Truchsess? Dorfbewohner vor Plünderern retten in Begegnung am Amon Din? Das ist doch mal was anderes als nur kämpfen. Auch wenn es nirgends so spannende Kämpfe gibt wie in diesem LCG.

Das Grundspiel ist von 2011, die gespielte Kampagne Gegen den Schatten kam in den Jahren 2012 und 2013 nach und nach heraus. Die Entwicker waren nun experimentierfreudiger, legten ganz andere Schwerpunkte und suchten nach Wegen, bisher missachtete Karten aufzuwerten.

Nach etlichen Anläufen schafften wir am ersten Feiertag das letzte Abenteuer: Das Morgul-Tal. Der Nazgul ist besiegt. Nach einer kurzen Pause und der Regvor im Februar wollen wir gleich den Ringmacher-Zyklus angehen, der rund um Sarumans Zitadelle Isengart spielt.

Pairs

Pairs von James Ernest und Paul Peterson ist von 2014, aber mit Wenigspielern immer wieder ein Hit. Bei einer Vorweihnachtsfeier im Familienkreis konnten wir ihm neue Fans gewinnen. Ich weiß mit Sicherheit, dass es dieses Jahr unter mindestens einem Weihnachtsbaum in Ingolstadt lag.

Konkret wurde ich das zwar nicht gefragt, aber falls es jemanden interessiert: Ich empfehle die immer noch hier und da erhältliche Ausgabe des Truant-Verlags. Paaranoia von Amigo käme mir schon des Titels wegen nicht ins Haus. Außerdem fehlen ihm die besten Regelvarianten. Ich habe bei meinen Bekehrungsversuchen mit Port viel mehr Erfolg als mit Standard-Pairs gehabt. Die liegt in gedruckter Form nur dem Piraten-Set bei, wo „Port“ übrigens als „Hafen“ übersetzt wurde, auch wenn „Backbord“ gemeint ist.

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November 2019: Die Crew kann bald nicht mehr

by Florian

In Reimlingen hat der November begonnen, dann kam die Spielwiesn, und für die Regvor im Februar üben wir auch schon. Also manchmal wird es mir fast zu viel mit Spielen, liebe Freunde. Außer natürlich, eins der folgenden Spiele liegt auf dem Tisch …

Adventure Island

Wie ein Spiel ankommt, hängt nicht immer nur von der Arbeit des Autors und der Redaktion ab. Oder wie soll man sich den Erfolg von Adventure Island in Vierkirchen erklären? Michael schenkt es seiner Familie zu Weihnachten, Dominik seinem Freund Tom, während die Vielspieler-Community es als mehr oder weniger durchgefallen abgehakt hat, wenn ich den Noten und Kommentaren auf den Online-Plattformen glauben darf. Auch der Preis hat zu fallen begonnen, und ich würde mich nicht wundern, wenn es in den nächsten Tagen in irgendeinem Spieleshop-Adventskalender für unter 15 Euro auftauchte.

Woran lag es? Die Gruppe muss passen. In Vierkirchen hatten wir die nötige lockere Stimmung, um die Schicksalsschläge des Unheilstapels, die Ungerechtigkeit des Ortsdecks auszuhalten, das Beste draus zu machen und sogar drüber zu lachen. Außerdem war gewiss von Vorteil, dass ich von Autor Michael Palm schon alle Regelfragen beantwortet bekommen hatte, sodass wir flüssig spielen konnten.

Spieler auf der Spielwiesn 2019

Auf der Spielwiesn

Die Crew

Die Karten sind längst hinüber, aber wir spielen noch regelmäßig Thomas Sings Die Crew. Nicole und ich sind, wenn ich mich recht entsinne, zu zweit aktuell bei Level 33, und auf der Spielwiesn habe ich es Dominik und Kiki erfolgreich beigebracht. Vielleicht sollte ich es mal mit in den Pfarrsaal nehmen, dann legt das Christkind hier und da noch ein kleines Extra unter die Weihnachtsbäume.

Die Crew macht in jeder Besetzung Spaß, aber am besten hat sie mir damals in der Fünferrunde in Emmering gefallen. Zu fünft ist es ordentlich schwer – das reizt mich enorm. Wir hatten aber auch eine gute Runde mit erfahrenen Stichspielern beisammen. Ja, da ist es wieder: Die richtige Runde braucht man. In dem Fall: die richtige Mischung aus Gelassenheit und Ehrgeiz. Nachtarocken gehört zum Stichspiel, man will ja besser werden, aber ohne zu viel Ernst, und es soll sich auch keiner persönlich angegriffen fühlen.

SOS Titanic

Das Gute an Solospielen ist, dass die Gruppendynamik passt. Jetzt mal so grundsätzlich. Außer, man ist mit sich selbst im Unreinen, aber dann sollte man lieber eine Runde laufen gehen als spielen.

SOS Titanic von Bruno Cathala und Ludovic Maublanc hat eines mit der Crew gemeinsam: Die Qualität der Karten ist mäßig, nach knapp 100 Partien sind sie total runter, an manchen hängen schon die Ecken weg. Nee, es ist echt schade, die Illustrationen von Sandra Fesquet sehen so hübsch aus, man kann sich fast die Lebensgeschichte der Menschen ausmalen, die man da ins Rettungsboot bringt. SOS Titanic war vor einigen Jahren eins meiner liebsten schnellen Solospiele, und im November habe ich wieder ein paar Mittagspausen damit verbracht. Nicht einmal ist es mir gelungen, alle Passagiere zu retten. Null Siege, zehn Niederlagen. Jetzt mag ich nicht mehr. Sollen sie schwimmen, wenn sie sich nicht von mir helfen lassen.

Alhambra

Ich gebe zu, Dirk Henns Alhambra würden wir nicht spielen, wenn es nicht zum Regvor-Spiel gewählt worden wäre. Aber so muss es eben sein, und ehrlich gesagt, von mir aus jeden Abend. Ich spiele ab und zu mal eine Partie auf dem Tablet, gestern habe ich ausnahmsweise sogar gewonnen, und Michael bringt jetzt hoffentlich recht häufig sein Exemplar zum Spieletreff Vierkirchen mit.

Im November zeigte sich dort, dass Nicole ihre Hausaufgaben am iPad schon gründlich gemacht hat. Michael, Dominik und ich konnten nicht mal mehr hinterherwinken, so schnell flitzte sie die Siegpunktleiste hinauf. Übrigens, das fand ich besonders bitter, hat sie mir im letzten Zug gleich zwei sicher geglaubte Mehrheiten abgenommen. Dann wurden die letzten drei Plättchen an die Spieler mit den besten Restkarten verteilt, und ich war in zwei Farben um je eins zurück …

Alhambra ist ein gutes, aber undankbares Spiel. Genau richtig für die Regvor. Wahrscheinlich werde ich wieder jammern. Bis Februar habe ich noch etwas Zeit, das Glück zwingen zu lernen – oder meine Illusionen zu verlieren.

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Jetzt schon ein Halbklassiker: Radrennen und Reformation in Reimlingen

by Florian

Es war einmal ein gar nicht so fernes Land, dem fiel der Himmel auf den Kopf. Außen herum freuten sich alle: Das Land war nun flach und rund wie ein Pfannkuchen. Es hatte fruchtbare Böden und ließ sich leicht bebauen. Die Leute siedelten dort, sie pflanzten Dinkel und Flachs und Rüben und nannten es das Ries.

Das Land war flach, bis auf einige merkwürdig geformte Hügel. Auf einen davon stellten die Menschen ein Schloss, das hieß Reimlingen. Während die Jahrhunderte vergingen, kamen sie immer wieder im Herbst in Reimlingen zusammen und unterhielten sich. Die eine las Gedichte vor, ein anderer einen Brief, den er erhalten hatte. Nachdem sie so vorgelesen hatten, erzählten sie sich Erlebnisse und alte Geschichten.

Um die Tradition aufrechtzuerhalten, entstand gegenüber dem Schloss im Jahr des Herrn 1922 ein neubarockes Bildungshaus. Hier war es, dass im Oktober 2019 eine Schar von Spielern zusammenkam. Sie aßen Kekse aus einem gläsernen Topf, von dem viele dachten, dass er keinen Boden habe, aber dann ging der Vorrat doch zu Ende. Sie nahmen Apfelschorle und Wasser von einem Bord, Wein und Bier aus einem Schrank, und o Wunder, am nächsten Morgen waren Bord und Schrank wieder voll.

So konnten sich diese Gäste zu Reimlingen ganz ihrer Beschäftigung widmen: dem Spielen. Und es ergab sich aus dem Verlauf ihrer Partien so manche Geschichte voller Überraschungen und Wunder, die es mit den Erzählungen aus alter Zeit aufnehmen konnte.

Ave im Colosseum

Die erste Stunde waren wir zu dritt in Reimlingen: Nicole, Sabine und ich. Wir hatten zwei kurze Sachen gespielt, um die Wartezeit überbrücken. Nun fingen wir Colosseum an. Es gilt, im römischen Theater Veranstaltungen durchzuführen und möglichst viele hochrangige Besucher anzulocken. Je mehr, desto besser. Die meisten Punkte gibt der Kaiser.

Wie es immer ist: Kaum dass wir angefangen hatten, trafen die ersten und dann immer mehr Leute ein. Wir sahen kurz auf und begrüßten, Nicole informierte über Essenszeiten und dergleichen, ohne die Partie ganz aufzugeben. Colosseum ist ein hübsches Spiel. So kam es, dass eine Reihe Mitspieler zusah. Bei der nächsten Wertung forderte ich Bonuspunkte für die Zuschauer, die zwar nicht in meine Arena gekommen waren, aber doch unseren Tisch umstanden.

So viele Zaungäste hatte wohl am ganzen Wochenende keine Partie mehr, aber angenehm an unserem hellen, großen Raum fand ich, dass man sich mit einem Blick orientieren konnte, was die anderen gerade so auf dem Brett hatten. Es war nicht möglich, sich in einem Nebenraum von Geräuschen abzuschotten, aber dafür kommunizierte es sich leicht. Nach einer kleinen Pause Mitspieler zu finden, war kein Problem. Nicole hat mir begeistert erzählt, wie schön sie es fand, mit einer Latte macchiato in der Hand in den Spieleraum zu kommen und von Sabine angestrahlt zu werden: „Bei uns wär noch ein Platz frei.“ Bubu lag auf dem Tisch: eines ihrer Lieblingsspiele.

Ahnungslos in Besançon

Vielen wird zu Ohren gekommen sein, dass Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zur Reformation der Kirche an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg aushängte. Von den zeitgleichen Sorgen Karls des Fünften wissen weitaus weniger Menschen. Am Folgetag, dem 1. November 2019, ging er auf den Mauern der uneinnehmbaren Festung von Besançon auf und ab. Nachdem er lange nachgedacht hatte, traf der Herrscher über das Habsburgerreich, in dem die Sonne nie unterging, seine Entscheidungen. Es waren schlechte Entscheidungen. Wie es Politikern eben zu gehen pflegt, schätzte er die Weltlage falsch ein.

Er hatte keine Ahnung. Das lag daran, dass ich dieser Habsburger war. Weil ich noch eine Partie Splendor angefangen hatte, während die anderen frühstückten, verteilten sie ohne mich die Reiche. Ja, ich spielte Karl den Fünften. Ich stand überall, war jedermanns Nachbar, jedermanns Feind. Ich nahm Metz ein, erzürnte die Franzosen, flüchtete mich nach Besançon, in meine prächtige Lieblingsstadt am Flusse Doubs. Dort konnte mir nichts geschehen. Vaubans Verteidigungsanlage war uneinnehmbar. Aber ich hatte Zeit vertrödelt. Aus dem Osten kamen die Osmanen.

Die Osmanen kamen übers Mittelmeer. Meine Flotte war zu klein. Sie bestahlen mich, ich fütterte sie mit Siegpunkten und Karten. Sie rückten nun auch über Land vor, standen vor Wien. Ich hatte nicht genug gerüstet. Sie eroberten Wien, die Bürger erhoben sich gegen die Fremden in der Stadt. Das war eine Falle, die ich gestellt hatte – eine aufgehobene Karte. Leider eine Runde zu kurz aufgehoben. Wenn ich sie eine Runde später gespielt hätte, wäre es den Osmanen an den Kragen gegangen und Wien wäre wieder habsburgisch gewesen. Aber so konnten die Osmanen die Stadt ein zweites Mal erobern, ihre Nachschublinie sichern.

In der Zwischenzeit ging es hoch her. Luther, Zwingli, Calvin und Hobbes Bucer argumentierten, polterten, übersetzten Testamente. Die aufeinanderfolgenden Päpste, alle gespielt von Thomas O., exkommunizierten. In England drüben heiratete Heinrich der Achte dreimal, bis er endlich einen Sohn hatte, und freute sich über den Eifer der Reformatoren in seinem Land, der ihm geschenkte Siegpunkte brachte.

In der letzten Runde schlug ich endlich einmal zurück gegen meinen Plagegeist. Wien blieb verloren, aber ich scheuchte die Schiffe der osmanischen Piraten. Ich reduzierte ihre Flotte, und ich nahm ihnen Athen. Es war ein rasantes Finale, doch nicht mehr als ein Achtungserfolg. In der Punktwertung wurde ich Letzter. Bodo gewann mit Frankreich knapp vor Tilo als Luther und Thomas B. als Henry VIII.

Das Spiel, das wir spielten, heißt Here I Stand, nach Luthers berühmten Diktum auf dem Reichstag von Worms: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Es dauerte von 10 bis 22 Uhr, einschließlich Regelerläuterungen. Es war ein Erlebnis, und ich verstehe die Begeisterung mancher Mitspieler gut, aber ehrlich gesagt: Es war mir zu lang. Schließlich gehe ich ganz gern einmal am Tag vor die Tür und bewege mich ein Stündchen. Ich bin sicher auch nicht der geduldigste Spieler, das merke ich jedes Jahr bei der Regvor.

Warum lief es so lang? Wir spielten zu sechst. Drei der Mitspieler waren Neulinge, darunter ich. Wir fragten immer wieder nach, uns fehlten Details, uns fehlte die Übersicht übers Ganze. Aber Here I Stand ist so komplex, dass selbst die drei Regelexperten bisweilen minutenlang in der Anleitung blätterten.

Dann gibt es auch noch Verhandlungsphasen. Die waren aber gar nicht das Problem, sie wurden in weiser Voraussicht zeitlich streng begrenzt. Ich persönlich hatte nicht viel zu verhandeln. Dazu fehlte mir zu sehr der Überblick. Dieses Element will mir auch nicht recht zu diesem komplexen Spiel passen. Ich mag Verhandlungsspiele sehr. Erfolgreiche Verhandlungsspiele haben aber typischerweise sehr einfache Regeln, damit die Spieler sich auf ihre Allianzen und Verträge konzentrieren können. Ich denke an Diplomacy.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die beiden Ebenen, die Here I Stand zu verbinden sucht: die militärische und die konfessionelle Eroberung. Es bleibt beim Versuch: Über weite Strecken laufen diese Eroberungen parallel, ohne sich zu berühren. Als geplagtem Habsburger war es mir fast egal, dass meine Bevölkerung lieber evangelisch sein wollte. Außerdem scheint es einen blinden Fleck im System zu geben: Der Islam spielt nicht mit. Wien wurde von den Osmanen besetzt, aber es blieb lutherisch.

Schließlich finde ich es schade, wenn die Narration, die historische Erzählung, die Here I Stand so faszinierend macht, unter einem Regelbrei verschwindet. Am nächsten Tag spielten wir A Brief History of the World. Das hat natürlich einen ganz anderen Maßstab, ist strategisch und taktisch viele Stufen harmloser, und ich will es nur insofern mit Here I Stand vergleichen, dass hier die Erzählung schwungvoll voranschreitet. Sollte es nicht möglich sein, auch die Geschichte der Reformation in einem Spiel ohne Stocken vorzutragen? Wenn das ginge, wäre ich gern dabei.

Here I Stand und Steam in Reimlingen

Here I Stand und Steam in Reimlingen

Der dritte Tag ohne Achim

Um es schlicht und streng festzuhalten: Achim ist nicht gekommen. Und ich will wie selbstverständlich hinzufügen: Er hatte gute Gründe.

Neun Zimmer konnten die Spieler sich in Reimlingen sichern, dazu einen Spieleraum hell und warm mit großen Fenstern, um die die Maler nebenan sie beneideten. Doch mehr hätten sie gebraucht. Maddie und Thomas und Dietmar mussten auswärts schlafen. Sie kamen nur zum Spielen und blieben, wenn sie wollten, zum Essen. Peter hatte wenigstens bis Freitag ein Zimmer im Bildungshaus. Am dritten Tag der Veranstaltung hätte er ausziehen müssen. Nur Christina und Rüdiger hatten kein Zimmer und wollten auch keins. Rüdiger wohnt in Nördlingen, vier Kilometer vom Tagungshaus entfernt. Sie blieben gern Tagesgäste.

Die neun Zimmer waren zu knapp. Und doch blieb eines leer. Es war das Zimmer von Thorsten und Achim. Thorsten war verhindert, das wussten wir. Von Achim wussten wir es nicht. Wir wussten überhaupt nicht viel. Er war der einzige angemeldete Teinehmer, den wir nicht kannten. Wir waren gespannt auf Achim.

Es war Mittwochabend. Nur Achim fehlte noch. Die Rezeption schloss, Nicole bekam Achims Zimmerschlüssel. Sicherheitshalber, falls er noch auftauchte. Achim kam nicht.

Es wurde Donnerstag. Als wir beim Essen zusammensaßen, wunderten wir uns. Am Abend machten wir uns Sorgen. Was mochte Achim zugestoßen sein?

Dann traf eine Nachricht ein, wenn auch nicht von Achim. Wir hörten, dass Achim mit gutem Grund am Vortag nicht gekommen war. Und dass er heute kommen wollte. Heute war fast vorbei. Niemand konnte Achim erreichen.

Es wurde Freitag. Wir frühstückten. Uns fiel auf: Es war der dritte Tag ohne Achim.

Es wurde Mittag. Achim kam nicht. Aber er meldete sich. Er hatte gute Gründe. Sein Zimmer spendete er. Es stand nicht mehr leer. Peter konnte bleiben. Leer blieb nur das Zimmer in Peters Pension.

Es wurde Samstag. Es wäre der vierte Tag ohne Achim gewesen, aber das bemerkte keiner. Wir haben ihn nicht kennengelernt.

Spaß am Spiel

In Reimlingen lagen alte und neue Spiele auf dem Tisch. Irgendeiner konnte immer die Regeln erklären. Nur bei Marco Polo II nicht. Peter hatte es frisch von der Messe in Essen mitgebracht. Er und Nicole pöppelten dankbar die Stanztafeln aus, während Carsten die Regeln studierte.

Es gab kurze und lange Spiele. Das Zepter von Zavandor gehört beiden Kategorien an. Es dauert nämlich Sabine zufolge eine Stunde. Also ein kurzes Spiel? Brigitte präzisierte: eine Stunde pro Mitspieler …

Eigentlich eine tolle Sache, wenn man 150 oder 200 ganz verschiedene Spiele zur Auswahl hat, auf Tischen an der Wand ringsum in Kisten gestapelt, geschichtet, gestopft. Da sollte doch für jeden etwas dabei sein?

Ja, nein, ähm, nicht ganz. Je länger die Leute spielen, desto stärkere Eigentümlichkeiten und Einschränkungen, Vorlieben und Vorurteile haben sie. Ich ganz besonders. Ich brauche bisweilen auch Abwechslung, um meinen Kopf auszuruhen. Es ist wirklich schwierig mit mir.

Besonders einmal. Das war am Donnerstag. Ich hatte am Morgen mit Maria ein nicht ganz triviales strategisches Spiel erstmals gespielt. Dann war mein Kopf voll. Nach dem Mittagessen hatte ich mich für anderthalb Stunden Radfahren absentiert. Nun stand ich mit Heiko, Thomas B. und Carolin, die ebenfalls für eine Partie offen waren, vor den Stapeln und Kisten. Aber es wollte sich partout nichts finden, was allen getaugt hätte. Einen gab es immer, der dazu keine Lust hatte – oder „nur im Notfall“.

Insbesondere neigen Thomas und Heiko zu ernsten langen, Carolin und ich zu kurzen lustigen Spielen, wie ich mal verallgemeinernd sagen will, auch wenn es Ausnahmen gibt und die Definitionen da weit auseinandergehen. Als alle meine Vorschläge abgeschmettert wurden, als immer mehr Strategiehämmer genannt wurden und ich schon ein dutzendmal gesagt hatte, das sei mir jetzt zu anstrengend, verfiel ich auf eine neue Argumentation: „Das ist nichts für Carolin.“

Es ist natürlich kein guter Stil, die vermutete Meinung anderer vorzuschieben, um die eigene Position zu stärken. Zum Glück ist Carolin nicht nachtragend. Dummerweise nannte Thomas dann ein Spiel, ich weiß nicht mehr welches, das nach meiner Meinung auch nichts für Carolin war. „Das finde ich eigentlich ganz gut“, widersprach Carolin lachend.

Wir einigten uns letztlich auf ein Mittelgewicht: London. Im Laufe der fünf Tage Reimlingen waren unter den leichten, lustigen Spielen das Rennen Lemminge und das kooperative Stichspiel Die Crew besonders beliebt. Lemminge spielte sogar Thomas S. zweimal, der es sonst möglichst komplex mag. Bei Katakomben dagegen, eigentlich ein Spannungs- und Lachgarant, wenn auch mit langer Spielzeit, ging es uns allen wie einem Querfeldeinläufer, der stolpert und mit dem Gesicht voraus in die Pfütze fällt. Wir hatten wohl nicht die richtige Runde beisammen.

Immer von neuem überrascht mich Lovecraft Letter – in Reimlingen wieder. Das ist eine etwas strategischere Loveletter-Variante, die mit einem Minimum an Entscheidungen auch unter Vielspielern zündet. Beim Versuch, einem Mitspieler einen Gehirnzylinder in den Kopf zu schrauben, hatte etwa Heiko großen Spaß.

Tichu ist sicher kein Spiel für jeden und sorgt auch nicht für lautes Gelächter, ich habe unsere ruhige Samstagnachmittagsrunde aber als ein Highlight erlebt. Sabine und Nicole traten gegen Brigitte und mich an. Im entscheidenden Spiel sagte erst ich, dann Sabine Tichu an. Ein einziger Stich entschied, wer zuerst die tausend Punkte überschreiten sollte. Ich sage herzlichen Glückwunsch, denn wir waren es nicht.

An den Abenden punkteten Just One und Codenames, aber das Konsensspiel nach 23 Uhr war doch immer wieder das Kneipenquiz. Am letzten Abend wollten wir es wissen. Mit „In your dreams“ wählten wir die schwierigste Stufe. Schließlich hatten wir vielerlei Kompetenzen am Tisch: Tilo wusste, dass Max Frisch Architekt gewesen war und Freibäder gebaut hatte. Peter war bekannt, dass ein Belebungsbecken nicht ebendort, sondern in einer Kläranlage zu suchen ist. Und wie oft Elizabeth Taylor verheiratet war, beantworteten zwei Damen gleichzeitig wie aus der Pistole geschossen: „Achtmal!“

Die Vorleser wechselten. Marcus und Carsten ließen ihre sonoren Stimmen erklingen. Es konnte nichts schiefgehen. Oder doch?

Wir scheiterten um einen einzigen letzten Schritt. Wir hätten nur richtig beantworten müssen, wie der europaweit größte Autohof heißt, der zwischen Nürnberg und Würzburg liegt. Ich fahre selten Auto, aber ich kenne den Steigerwald gut. Ich schlug Geiselwind und Herzogenaurach vor. Wir rieten Herzogenaurach. Geiselwind wäre richtig gewesen.

Der König der Eisenbahn und andere Sieger

Dabei sein ist alles, na klar, aber letztlich kommt doch immer wieder die Frage: Wer hat gewonnen?

Die in Kriegsspielen erfolgreichste Nation des Wochenendes war vermutlich Frankreich. Mit der Tricolore in der Hand triumphierte ich in Maria und Bodo in Here I Stand. Vive la France!

Wie sah es mit Einzelpersonen aus? Nicole hat wahnsinnig oft gewonnen an dem Wochenende. Dietmar bestimmt auch. Aber der König der Eisenbahn war diesmal Carsten. Schon als er in Russian Railroads Erster wurde, sagte er, jetzt könne er beruhigt nach Hause fahren, tat es aber nicht, sondern machte auch noch den ersten Platz in 1844 Schweiz und auf gleichem Terrain in Steam, als wir die Alpenkarte ausprobierten, der er selbst vor mehr als 15 Jahren zusammengepuzzelt hat. Es lag wohl an seiner genauen Kenntnis des Geländes.

Was mich selbst angeht, hat mich mein Sieg in Brief History of the World überaus gefreut. Das Spiel macht mir großen Spaß, aber bisher landete ich immer im hinteren Teil des Feldes. Diesmal habe ich die richtige Welle erwischt.

Der Sieg, um den ich einen anderen am meisten beneidete, war der von Thomas B. im Radrennspiel Flamme Rouge. Im rosa Trikot schloss er den Bergaufsprint so souverän ab wie Julian Alaphilippe im vergangenen Frühjahr die Strade Bianche.

Die nächste Saison

Um metaphorisch beim Radsport zu bleiben: Reimlingen war das dritte Herbsttreffen. Die von Marcus gegründete Veranstaltung kann jetzt schon als Halbklassiker gelten und gehört fest zum Rennkalender.

Auch wenn das Tagungshaus in Reimlingen nächsten November keinen Platz für uns hat, hoffe ich, 2020 dennoch wieder am Start stehen zu können. Psst: Ich habe heute ein Telefonat auf unserem Flur belauscht, und ich kann euch verraten: Es könnte andernorts was werden …

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Oktober 2019: Geheimnisvolle blaue Schachteln

by Florian

Dieser Blog ist so klein unbek elitär, dass sich jeder neue Leser durch signifikante Klickzahlenanstiege ankündigt. Dadurch kennen wir aber auch alle persönlich. Diesen Monat darf ich Sebastian aus Eckernförde in unserem Kreis begrüßen, mit dem mich eine kurze, aber intensive Brieffreundschaft verbindet. Huhu, Sebastian!

Die Crew

Das missionsbasierte kooperative Stichkartenspiel Die Crew von Thomas Sing spielt derzeit jeder, aber hey, wir haben den geheimnisvollsten Karton. Geheimnisvoll wie das Raum-Zeit-Kontinuum. Blauschwarz wie der Weltraum, aber an einer Ecke ein Riss. Niemand weiß, woher. Ich hab mich nicht draufgesetzt, der kam schon so.

Durch den ständigen Einsatz wird das Spiel nicht besser. Die Karten sind arg weich. Bald dürften sie auch vom ständigen Mischen müffeln. Das Finish bei Kosmos genügt den Ansprüchen von Schafkopffreunden und anderen Intensivspielern leider nicht.

Auf der Schachtel von Die Crew findet sich eine Spielerzahl von 3 bis 5 angegeben. Eine Zweipersonenvariante liege bei, heißt es in einem Zusatzhinweis. Die Redaktion wollte wohl Enttäuschungen vorbeugen. Tatsächlich wird zu zweit wie beim Offiziersskat ein Dummy mit teils offenem, teils verdecktem Blatt ausgelegt. Nicole und ich finden, dass das prima funktioniert. Es ist längst nicht so schwer wie in der Fünferbesetzung, in der wir in Emmering bis Mission 13 (von 50) vordrangen. In seltenen Fällen kann das Dummy-Blatt allerdings einen Sieg von vornherein unmöglich machen, wenn nämlich die rosa Fünf unter der gelben Acht liegt, aber vor dieser einen Stich machen müsste.

Carpe Diem

Ich habe Carpe Diem gekauft, weil es neu auf Yucata ist und ich dort zahlreiche Einladungen erhalten habe. Ich lerne Spiele am liebsten aus der Anleitung, am Tisch, mit Spielplan und allem Material vor mir. Regelvideos dürfen andere anschauen. Das geht bei mir innerhalb von Sekunden zum Auge rein und beim Blinddarm raus.

Es gab aber auch sonst ein paar Gründe. Eins der besten Spiele von Stefan Feld sei Carpe Diem, schreibt ein Spiel-des-Jahres-Jurymitglied. Ob das stimmt, weiß ich noch nicht, werde es aber herausfinden.

Res Arcana

Tom Lehmanns Res Arcana war im Oktober auch mal im Pfarrsaal Vierkirchen. So viel ich gehört habe, hat es ihm gut dort gefallen. Und umgekehrt.

Michael, Christian und Vincent spielten allerdings noch zu viele Artefakte aus, um zu gewinnen. Christian sogar alle acht. Mit fünf Runden lief die Partie relativ lang, dann war ich endlich fertig. Auch Vincent überschritt die Zehn-Punkte-Grenze und präsentierte sich damit als künftiger Sieg-Anwärter.

Was die strategische Seite von Res Arcana angeht, bin ich inzwischen übrigens ein großer Drachenfreund, obwohl noch kein Mitspieler Angst vor den Tierchen bekommen hat. Die punkten gut, und zum durch Drachenhort und Drachenzahn und Drachenei ermäßigten Preis sind sie auch bezahlbar.

Pandemic Legacy: Season 2

Mit dem Kampagnenspiel von Matt Leacock und Rob Daviau ging es nicht so schnell weiter wie erhofft. Im Oktober verloren wir den Juli und gewannen den August.

Mein Verdacht: Season 2 wirkt freier, ist aber in Wahrheit stärker geführt als Season 1. Ich kann das einigermaßen ohne Spoiler erklären. Bisweilen baut einem das Spiel wichtige Projekte vor der Nase weg, für die man diesmal einfach nicht die passenden Karten hatte. Trotz aller Vorsorgemaßnahmen. Dadurch fühlen sich Siege wie Niederlagen an. Und wenn man sich ein anderes Mal auf bestimmte Ziele konzentriert, führt Pech mit den Ausbruchskarten vielleicht zu einer Niederlage, die einem wie ein Sieg vorkommt. Das passt nicht ganz zusammen.

Zwei Überraschungen sind sicher: An Weihnachten und in Legacy-Spielen dürfen wir immer wieder neues Zeug auspacken. Aber Überraschungen nutzen sich ab, wenn man damit rechnen kann. Weihnachten hat seinen Glanz verloren, und so toll wie in Season 1 wird es nie mehr sein, eine geheimnisvolle blaue Pappschachtel zu öffnen.

Ich weiß jetzt, ich mag am liebsten schwierige kooperative Spiele, die man zurücksetzen kann – und muss, weil man einzelne Abenteuer frühestens im dritten Anlauf gewinnt. Der Triumph ist umso größer. Als Erlebnis möchte ich auf Pandemic Legacy: Season 2 nicht verzichten, aber anschließend spielen wir wieder das Herr der Ringe-LCG. Da freu ich mich schon drauf.

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September 2019: Es ist wieder diese Jahreszeit

by Florian

Auch wenn sie die Bezeichnung „Season“ trägt, beginnt in Pandemic Legacy jede Staffel mit dem Januar und endet mit dem Dezember. Gut, es mag nicht ungewöhnlich sein, sich an den gregorianischen Kalender zu halten. Aber andererseits nimmt das Spielejahr für die meisten im Oktober seinen Anfang, mit der Messe in Essen.

Für mein Gefühl startet die jährliche Brettspielsaison noch etwas früher, nämlich im September. Dann kommt der Herbst herangeblasen und der Drang ins Freie lässt nach. Klar, wir spielen auch im Sommer, aber im September rücken vielstündige Brettspiele wieder in den Bereich des Denkbaren.

Es gibt noch einen Grund. Weil dann auch das Schuljahr beginnt, nehmen im September die meisten Brettspiel-Treffs ihren Rhythmus wieder auf. Zum Beispiel in Vierkirchen, wo Nicole und ich die Saisoneröffnung allerdings verpasst haben.

Res Arcana, El Grande, Ein Fest für Odin

Res Arcana, El Grande, Ein Fest für Odin

Ein Fest für Odin

Für den Prototypen des Uwe-Rosenberg-Monsters Ein Fest für Odin wurden einst beim Yucata-Treffen in Wiesbaden Tester gesucht. Ich habe damals und seither einen großen Bogen darum gemacht, auch wenn ich Rosenbergs Spiele eigentlich schätze. Die langen unter ihnen sind nur so, hm, verdammt lang.

Jetzt erst im September habe ich bei einem Besuch in Ludwigsburg Thomas‘ Werbung für Odin nachgegeben. Und siehe da, das Spiel war so gut, dass wir es am Folgetag gleich noch einmal gespielt haben. Und auch gar nicht so monströs.

Haben die Wikinger ihre Beute wirklich als Mosaik ausgebreitet? Die Archäologen bezweifeln es. Aber immerhin verbreiten die Aktionen Walfang und Raubzüge ein wenig Tran- und Brandgeruch.

El Grande

Den Klassiker El Grande von Wolfgang Kramer und Richard Ulrich hatte David im Emmeringer Spieletreff dabei. Er hat ihn kürzlich geerbt. Als El Grande 1996 Spiel des Jahres war, war er wohl noch zu klein dafür.

Verschreckt von den Kämpfen um die teuren Regionen zog er sich mit seinem Granden bald nach Galizien zurück. Das brachte Nicole darauf, vier meiner Caballeros ausgerechnet dorthin, in den äußersten Nordwesten des Landes zu verschieben, wo sie ihr nicht gefährlich werden konnten. Mir blieb nichts übrig, als in Davids bescheidenem Eck wenigstens für vier Punkte die Mehrheit zu holen.

Nein, David hatte kein Glück mit seinem Spiel. Dafür gewann er das nächste …

Res Arcana

In Tom Lehmanns Zaubererstreit kam David ohne einen der fünf Orte der Macht aus. Eine schöne Kombination aus nur zwei Karten, darunter der teure Stein der Weisen, verschaffte ihm genug Gold, um Monumente serienweise zu kaufen. Dabei hatte er sich noch unnötig durch eine dritte Karte ausgebremst, die er dann gar nicht nutzte. Trotzdem kam er schneller an Siegpunkte als ich mit meinem Drachenhort.

Mit jeder Partie wird es deutlicher: Viele Karten braucht man nicht, um in Res Arcana eine Maschine zum Laufen zu bringen. Aber zusammenpassen müssen sie. Dann kann es schnell vorbei sein. Ich glaube, wir haben nur vier Runden gespielt.

Pandemic Legacy: Season 2

Der Herbst naht, da wagen Nicole und ich uns an ein größeres Projekt: In nächster Zeit wird bei uns wenig anderes als Pandemic Legacy: Season 2 von Matt Leacock und Rob Daviau gespielt werden. Wir wollen schließlich wissen, wie die Staffel ausgeht.

Während Season 1 in der Welt der Gegenwart begann, macht Season 2 einen Sprung in die Zukunft. Wir sind die Anführer einer kleinen Gruppe von Überlebenden auf der postapokalyptischen Erde. Wobei wir über die zurückliegende Katastrophe wenig wissen. Unsere Aufgaben sind recht prosaisch. Von Atlantis, Avalon und Andratx aus versorgen wir einige wenige Städte im Mittelmeer und an den Ufern des Atlantiks mit Vorräten, die immer knapper werden.

Um die Regeln zu verinnerlichen, gibt es einen Prolog. Zwei Testläufe haben wir unternommen und gleich mal einen davon verloren. Es folgten die Monate Januar bis April, die wir allesamt im ersten Anlauf gewannen, wenn auch knapp: „Wenn jetzt die falsche Karte kommt“, hieß es jedesmal in der letzten Infektionsphase. Und dann kam doch eine andere. Oder es kam die böse Karte, und wir hatten uns verrechnet, es war alles gar nicht so schlimm.

Da dieses Legacy-Spiel schwieriger wird, je öfter man gewinnt, erwarten wir für kommenden Monat eine Niederlagenserie. Aber das wird uns von nichts abhalten. Wir retten die Welt, und wenn wir es nicht schaffen, reißen wir sie mit uns ins Verderben.

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