Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Kategorie: Spielbericht

März 2021: Eine Ziege mit zwei Köpfen

by Florian

Ende der Achtzigerjahre gab es eine Rollenspiel-Convention namens Munich One, die trotz ihres Namens in Gräfelfing stattfand. Ich habe dort ein Robin-Hood-Abenteuer nach den Regeln von Runequest 3 und ein Diebesabenteuer mit einem selbst entwickelten Minimal-System mit Münzen geleitet, das heute als verschollen gelten muss. Zum Glück.

Seit jenem Tag war ich nicht mehr Spielleiter einer öffentlich ausgeschriebenen Runde, im März 2021 dann gleich zweimal: einmal Brindlewood Bay und einmal Trophy Gold. Weil es letzten Monat schon ausführlich um Brindlewood ging, erzähle ich heute von Trophy.

Straßenkinder von Ur-Hadad

Eine Fantasy-Metropole. Drei versprengte Mitglieder einer Straßenbande auf der Flucht. Mit dem Maskottchen einer fremden Bande. Ein langer Heimweg durch die abendliche Stadt. Ein Fest im Karawanenpark. Ein vermisster Feuerschlucker. Das waren die Elemente, die mir die Zufallstabellen aus Edgar Johnsons Street Kids of Ur-Hadad an die Hand gaben.

Ich hatte eine Reihe von Einstiegsfragen vorbereitet. Meine Spieler – Dominic, Eric und Waldemar – brauchten die gar nicht. Sie fingen während der Figurenerstellung von selbst an, ihren Hintergrund auszufabulieren. Drei Geschwister wollten sie sein, und bei dem eroberten Maskottchen sollte es sich um eine doppelköpfige Ziege handeln.

ur-hadad-logo

Das ursprünglich für Dungeon Crawl Classics geschriebene Abenteuer lief von selbst. Das Spielsystem Trophy Gold ist darauf ausgelegt, Old-School-Szenarien mit überschaubaren Mitteln zu spielen und die Spieler über die Aktionen ihrer Figuren hinaus am Ablauf der Geschichte zu beteiligen.

Als Trophy-Anfänger machte ich einige kleine Fehler, wollte wohl auch die Gefahrenwürfe (Risk Roll) zu sehr mit Bedeutung aufladen, zu viel originelle Wendungen einbauen. Das war nicht nötig, ich hatte ja die skurrilen Vorgaben des Abenteuers und die Ideen der Spieler. Tipp an mich selbst fürs nächste Mal: Mach’s nicht zu umständlich. Wähle die offensichtlichen Gefahren, Teufelspakte und Komplikationen.

Zum Glück ist Trophy robust. Die Erzählung floss weiter, im Lauf der nächsten Szene gerieten die überzähligen Komplikationen in Vergessenheit. Es war kein spektakulärer, aber ein schöner Abend, und ich freue mich auf meine nächste Runde Trophy – nicht erst in 30 Jahren.

Mörk Borg und andere Grausamkeiten

Sechs Abende im März habe ich als Spieler in Runden anderer mitgemacht. Das waren ausnahmslos Höhepunkte: Als griechischer Priester kämpfte ich in Agon gegen eine Riesenschlange, als Ritter der Tafelrunde scheiterte ich in Chalice an meinem Stolz. In Mörk Borg spielte ich einen dummen Adligen mit klugem Pferd und anschließend (weil ich schnell starb) einen Mönch mit Fistelstimme. Mein Messerwerfer gab in Dungeon World seine Abschiedsvorstellung (siehe Februar-Bericht), und in Trophy Dark erkundete ich die Höhen des Schwarzwalds auf der Suche nach Hexenkulten.

Schließlich verfolgte ich in Call of Cthulhu als sowjetischer Politkommissar Achmerow Misswirtschaft im Sowchos Krasivyj Oktabyr. Nächste Woche wird sich zeigen, was grusliger ist, die Menschen oder die lovecraftischen Monster. Schließlich agieren meine Mitstreiter und ich im Namen von Stalins Innenministerium, dem NKWD.

Kingdom Builder

Was Brettspiele anging, haben Nicole und ich endlich die Codenames-Web-App erprobt. Die macht das Onlinespielen wirklich einfacher. Niemand muss mehr Karten auslegen und jede Runde einmal abfotografieren. Selbst zu zweit spart man sich die Mühe des Aufbaus. Allerdings stellten wir fest, dass die Konzentration nicht so hoch ist wie am Tisch vor ausgebreiteten Karten.

Dazu haben wir Kingdom Builder mal wieder aus dem Regal geholt, eins unserer langjährigen Lieblingsspiele. Es steckt voll aktueller Erkenntnisse. Ein Herrscher hat es schwer. Nimm das, sagt das Schicksal maliziös grinsend, und gibt dir eine lächerliche Karte in die Hand. Mach das beste draus!

Als Regierender muss man sich den Fakten stellen, die Lage studieren, die Siegbedingungen im Kopf halten und von Runde zu Runde entscheiden, wo nachhaltiger Punktgewinn möglich ist. Wie als Spielleiter in Trophy Gold gilt: Mach’s dir einfach, halte dich an die naheliegenden Optionen. Tu, was getan werden muss. Hör auf die Stimme der Vernunft.

Ach ja. Es war ein guter Monat – zumindest spieletechnisch.

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Februar 2021: Zwischenbericht aus Bad Bründlholz

by Florian

Hier geht es weiter wie angekündigt: mit einer neuen Rollenspielkampagne, aber auch einem komplexen Brettspiel. Ach, Februar, wärst du nur nicht so kurz.

Brindlewood Bay

In Brindlewood Bay klären die Ermittlerinnen (sämtlich ältere Damen) Mordfälle auf. Die Besonderheit: Es gibt in jedem Szenario eine Liste Verdächtiger, aber der Täter steht zu Spielbeginn nicht fest. Mit einem Spielzug namens Theoretisieren können die Detektiv-Damen versuchen, den Fall zu lösen.

Das ist in der Praxis so faszinierend, wie es klingt. Mit einer Einschränkung. Den Rätselcharakter von Sherlock Holmes – Criminal Cabinet, Call of Cthulhu oder Mythos Tales hat es nicht. Solche Spiele wird Brindlewood Bay für mich nicht ersetzen. Das hatte ich auch nicht erwartet.

Bad Bründlholz

Brindlewood Bay in Bad Bründlholz

Die ersten fünf Abende sind gespielt, die ersten Eindrücke gesammelt. Ich habe das Gefühl, das ist alles noch sehr vorläufig, da gibt es noch viel zu entdecken. Unter diesem Vorbehalt ein paar Anmerkungen:

  • Wir spielen im fiktiven bayrischen Ferienort Bad Bründlholz, idyllisch am See und am Fuß hoher Berge gelegen. Einfach weil mir der amerikanische Hintergrund nicht so zusagte.
  • Eigentlich wollte ich nur die Originalabenteuer ein bisschen lokalisieren, aber sowas ufert ja immer aus. Außerdem ist bei uns Sommer, in den Originalabenteuern Winter.
  • Die Regeln von Brindlewood sind kurz und nicht komplex, aber dicht. Bisweilen fehlen mir ein paar ergänzenden Erläuterungen. Was heißt es konkret, wenn nach erfolgreichem Theoretisieren der Spielleiter „eine Möglichkeit schafft, dem Täter das Handwerk zu legen“?
  • Ich habe noch nicht rasend viel Erfahrung mit modernen Erzählspielmechanismen wie PbtA. Ich fühle mich als Spielleiter in Brindlewood ganz schön gefordert. Bei einem Erfolg mit Komplikation beim häufigsten Spielzug, der Ermittlung, muss ich sowohl einen Hinweis an die Situation anpassen und schildern als auch die besagte Komplikation benennen. Puh!
  • Im Original passen die Fälle dank kleiner Schrifttype auf zwei Seiten. Ich habe mir meine Fälle bequem mit viel Weiß auf je fünf Seiten ausgedruckt. Blöde Idee, da ist man die ganze Zeit am Blättern. Alles sollte möglichst gleichzeitig im Blick sein.
  • Ich bin nicht der Einzige, der noch lernt. Meine Spieler begeistern sich für Hintergrund und Ermittlungsarbeit. Ihre Vorgeschichte und ihre heimische Ausstattung zu ihrem Vorteil ins Spiel zu bringen, fällt ihnen bisweilen noch schwer.
  • Weil die Spieler aus Angst vor schlechten Würfelergebnissen stets weit mehr Hinweise sammeln, als sie eigentlich benötigen, haben sich bereits zwei Angehörige der dunklen Verschwörung enttarnt, die Gegenstand der finalen Episode sein wird.

Im März werde ich erstmals eine andere Gruppe als meine Stamm-Mitspieler (Nicole, Carsten und Tilo) nach Bad Bründlholz begleiten. Ich bin schon gespannt.

Andere Welten

Als Spieler habe ich im Februar drei Rollenspielsysteme erlebt:

  • In Dungeon World, geleitet von Sal, bin ich ein freundlicher, umgänglicher, messerwerfender Dieb. Mein Name ist Chon Burch, ich stamme aus der Kalten Steppe. Ein Magier namens Fenfaril und der Barde Baldur begleiten mich in den Minen von Farad-Dul. Ich konnte meine Spezialkenntnisse schon gewinnbringend einsetzen. Heute folgt der dritte und leider letzte Teil.
  • In Trophy Dark nahm uns ein schrulliger alter Mann, vorgestellt von Spielleiter Christopher, in seine WG auf. Eine super Idee, bei den Mieten heutzutage. Wir sollten sogar Geld bekommen, wenn wir fünf Tage durchhielten. Für meine Figur die Chance auf ein Grundkapital, um meine Erfindung endlich zu verwirklichen: ein multidimensionales Spektiv. In Wirklichkeit herrschten Ratten über Haus und Bewohner, und ich musste froh sein, lebend davonzukommen: mit einem Sprung aus dem ersten Stock in die Rosenbüsche.
  • Auch in Mythos World überlebte ich, obwohl sich riesige Fischwesen über mich, meine Begleiter und meine Rieslingvorräte hermachten. Eine Demütigung ohnegleichen für Gabriel von Conz, den Lebemann aus gutem Hause. Es fing alles so gut an. Mit dem expressionistischen Maler Erich Dreifuß, dem Bühnenzauberer Claas Holm alias „Il Magnifico“ und dem Kleingauner Max Klee reiste ich auf die Nordseeinsel Kraakeog. Erste Ernüchterung: Hier gibt’s kein Hotel … Tja, und von da ging es immer nur bergab.

Hallertau

Diverse Codenames-, Just One– und Kneipenquiz-Runden via Discord machten auch im Februar den Großteil unseres Soziallebens aus. Außerdem erarbeitete Nicole für uns die Regeln eines neuen Brettspiels: Hallertau von Uwe Rosenberg.

Die Hopfenlandschaft liegt quasi vor unserer Haustür. Ich kenne mich aus, ich fahre da gelegentlich zwischen den Hügeln Rad. Was ich noch nie gesehen habe: Häuser, die regelmäßig weiter nach rechts rutschen, sobald der Wohlstand der Bewohner zunimmt. Muss ich bei der nächsten Tour mal drauf achten.

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Januar 2021: Wieder Rollenspieler

by Florian

Manchmal passieren Dinge, die hat keiner vorhergesehen. Nicht mal Bill Gates oder Christian Drosten.

18 Jahre lang habe ich mit wechselnder Intensität Rollenspiele gespielt. Mit Stift und Zettel statt Computer. Ihr wisst schon.

Dann habe ich 18 Jahre Pause gemacht. Ich dachte, das Kapitel wäre abgeschlossen.

Seit ein paar Monaten bin ich wieder Rollenspieler.

Den ruhenden Stein brachten Twitter-Bekanntschaften ins Rollen, die neben Brettspielen auch Rollenspiel spielen. Insbesondere Sandra und Moritz. In den Runden dieser beiden durfte ich 2020 mindestens einmal mitmachen.

Dazu kam die Erkenntnis, dass sich das Hobby in den letzten 18 Jahren weiterentwickelt hat. Neugierig geworden, erwarb ich Beyond the Wall, das Old-School-Regeln mit neuen Konzepten (insbesondere „Playbooks“, fragebogenartigen Spielhilfen für die Figurenerschaffung) kombiniert.

Beyond the Wall/Switch & Signal

Beyond the Wall

Mit Tilo, Carsten und Nicole gründete ich eine Beyond the Wall-Runde. Nach zehn Folgen ging die Mini-Kampagne im Januar zu Ende. Für Interessierte folgen einige meiner Erkenntnisse:

  • Die Regeln sind schön einfach gehalten. Die Figurenerschaffung von Beyond the Wall gibt den Figuren eine Portion Hintergrund, eine gemeinsame Vorgeschichte. Das hat uns einen fliegenden Start ermöglicht.
  • Meine Spieler wollten nicht gerne Gewalt anwenden. Selbst Tonfiguren zu zerschlagen, war ihnen unangenehm. Sie haben kaum gekämpft, wahrscheinlich weniger als andere Gruppen gewürfelt. Entsprechend waren die Schicksalspunkte (fünf pro Abenteuer für Schurken, drei für andere Klassen) zu reichlich. Ich würde sie im Wiederholungsfall auf zwei beziehungsweise einen Punkt kürzen.
  • Mit den Abenteuern von Beyond the Wall bin ich nicht warm geworden. Zu wenig stimmungsvoll, zu wenig Rätsel. Herausragende Erlebnisse boten hingegen die konvertierten Szenarios „The Darkness Before Dawn“ (Dragon Warriors) und „The Portal Under the Stars“ (Dungeon Crawl Classics).
  • Aufgrund der speziellen Gruppenzusammensetzung (zwei Magier, eine Waldläuferin) lag es nahe, selbst Abenteuer zu schreiben. Das tat ich auch. Das erste war prima, das zweite ging an der Gruppe vorbei. Zufällig bekam ich in dieser Phase das Buch Play Unsafe von Graham Walmsley in die Hände. Ich glaube, das hat meine Spielleiter-Fähigkeiten einen Riesenschritt vorangebracht. Vor allem der Hinweis, jede Idee aufzugreifen und weiterzuspinnen. Seither sage ich regelmäßig: „Ja, genau so ist es! Und außerdem …“
  • Da ich gleichzeitig als Spieler diverse andere Systeme ausprobierte, kam ich auf die Idee, für besondere Szenen „Spielzüge“ in die D&D-artigen Regeln von Beyond the Wall zu übernehmen. Das ist mit etwas Vorbereitung verbunden, aber es lohnt sich, und ich kann ein solches Experiment jedem, der ein vergleichbares System spielt, nur empfehlen. Hier ein Beispiel:

Im Waldsee nach einem magischen Ring tauchen:
Mach eine Probe gegen GE (Fertigkeiten wie Schwimmen oder Tauchen geben Bonus). Auch bei einem Misserfolg findest du den Ring, aber wähle eins:

  • 1W6 Sumpfegel saugen sich an deinen Armen fest.
  • Du bleibst in Schlingpflanzen hängen und musst gerettet werden.
  • Der Ring rutscht dir durch die Finger, du kehrst ohne ihn ans Ufer zurück.

Libreté

Dreimal habe ich im Januar als Spieler Libreté von Vivien Féasson gespielt, in einer Viererbesetzung unter der Leitung von Eike. Das französische Rollenspiel rückt in der Tradition des Comics Seuls und von Peter Pan eine Schar Kinder in den Mittelpunkt. Sie müssen in einer dystopischen Welt ohne Erwachsene überleben. Meine Figur Clotaire trug zwar einen Namen aus dem Petit Nicolas von Goscinny (und eines Merowingerkönigs), war aber an Ralph aus Goldings Lord of the Flies angelehnt. Ich habe mir für ihn auch ein Bild der Sechzigerjahreverfilmung von Peter Brook ausgeliehen.

Unser Zufluchtsort – unsere Libreté – war ein alter Bahnhof, der sich für uns vier als unerwartet gefährlich erwies. Eine Gruppe von „Dungeoneers“, denen unterirdische Aufräumarbeiten oblagen, rebellierte gegen gegen unsere Anführerin, La Reine Madeleine. Und man stelle sich vor, diese Verräter hielten sich eine Giftschlange als Haustier, die eine von uns biss!

Schlimm fing es an, schlimm ging es weiter: Wir konnten die Absetzung Madeleines nicht verhindern, die Dungeoneers nur mühsam in die Schranken weisen, und im Durcheinander schlug ich, wütend mit einer Metallstange fuchtelnd, die Glasdecke des Bahnhofs kaputt. Regen drang ein und, mit ihm die gefährlichen Sirenen.

Wir mussten die Libreté aufgeben. Mit einer Dampflok brachen wenigstens zwei von uns ins Unbekannte auf, ein neues Zuhause zu finden …

Und Brettspiele?

Ich vertrete die Meinung, dass sich Rollenspiele online viel besser als Brettspiele spielen. Nicole dagegen ist öfter auf Board Game Arena unterwegs, um mit Freunden Marco Polo II oder Terra Mystica zu spielen.

An freien Tagen bringen wir aber immer mindestens eine Partie unter. Zuletzt hat uns Switch & Signal hervorragend gefallen. Zudem schieben wir bisweilen ein Hanabi ein.

Mal sehen, was die Zukunft bringt, außer hoffentlich genügend Impfstoff. Ich könnte mir vorstellen, dass hier künftig öfter Rollenspiele Erwähnung finden.

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Vielleicht doch nicht so schlecht

by Nicole

Das Spieljahr 2020 hört Mitte März auf, ein gutes zu sein. Nach dem Regvor-Trainingswochenende der Großen Alten im Januar, dem Ausflug zum Brettspieltag im Erdinger Nachbarschaftstreff, der Regvor selbst im Februar, meiner Partyspielparty ein Wochenende später, mit der wir in meinen 49. Geburtstag hineinfeiern. Und nach dem Sonntag, den wir Anfang März bei unserem Freund Carsten im Kreis Ludwigsburg verbringen. Spielend, versteht sich. Da sind wir mit dem Zug zum Rainald-Grebe-Konzert nach Stuttgart gereist, gehen vorher essen und sitzen hinterher bei einem Glas Weißwein in der Bar des Theaterhauses. Corona kann nicht so schlimm sein, denke ich. Das ist ja nicht die Pest, sage ich.

Ich müsste es besser wissen, denn vom 27. Januar an haben wir in der Lokalausgabe der Tageszeitung, für die ich arbeite, fast täglich über das Virus berichtet. Stockdorf und die Webasto-Firmenzentrale als Schauplatz des ersten deutschen SARS-CoV-2-Falls liegt nicht mal zwei Kilometer von unserer Redaktion entfernt.

Wir hören auf, Menschen zu treffen und mit anderen zu spielen. Wir kaufen uns Roll for Adventure als unser Corona-Spiel. Öfter als siebenmal spielen wir es nicht. Die verstörenden Nachrichten, die Verunsicherung sind der Konzentration abträglich. Als im Juni das liebgewonnene Brettspielwochenende Nördspiel ausfällt, verlegen wir es immerhin vom Ries zu uns nach Hause, mit Klassikern wie Steam, Kneipenquiz und Codenames. Alles zu zweit.

Im Juli besuchen wir für ein Wochenende Freunde in Hessen, die ähnlich zurückgezogen leben. Es tut gut, Flamme Rouge, Burgen von Burgund oder das kleine Rollenspiel Risus anzugehen.

Pandemie-Spieletreff

Mehr Platz im Pfarrsaal als vorgeschrieben

Die Zahl der Neuinfektionen ist niedrig im Sommer. Zaghaft nimmt Vierkirchen verspielt wieder seinen Betrieb auf, erst draußen vor dem Pfarrsaal, nach den Ferien drinnen bei geöffneten Schiebetüren, mit FFP2-Maske. Es geht.

Weil die Inzidenz lange Zeit nicht steigt, wage ich zu hoffen, das von mir organisierte lange Brettspielwochenende Anfang November in Ruppertshofen könnte vielleicht doch stattfinden. Wenn Florian und ich immer FFP2-Maske tragen, hat meine Ärztin keine Einwände. Sie sagt, es sei wichtig, mal rauszukommen. Doch am Ende gelten verschärfte Maßnahmen. Wir überweisen den zwölf Mitspielern, die das Treffen genauso gerne wie wir durchgezogen hätten, das Geld zurück.

Wir versuchen nicht, Ruppertshofen in unser Wohnzimmer zu holen, aber laden am eigentlichen Abreisetag alle Ruppertshofen-Angemeldeten zum Kneipenquiz auf Discord. Zu neunt spielen wir, erst das Quiz, dann Schätzen Sie mal und zuletzt Just One.

Die Seuche hat auch bei uns für einen Digitalisierungsschub gesorgt. Nicht nur, dass wir uns inzwischen wöchentlich mit Tilo und Carsten zum Rollenspiel Beyond the Wall auf Discord treffen. Alle drei Wochen kommt eine größere Runde zu Kommunikationsspielen zusammen. Kneipenquiz haben wir zuletzt auf der schwierigsten Stufe geschafft. Und heute, am Silvesterabend, wollen wir zu siebt Concept angehen. Das gibt es neuerdings auf Board Game Arena. Da bin ich inzwischen Premiummitglied. Auf BGA kann man auch Marco Polo 2 spielen. Das mache ich oft und gerne. Und Die Crew, Kennerspiel des Jahres 2020 und – tatatataa! – auch unser Spiel des Jahres.

Die etwa 20 Partien neulich auf BGA nicht mitgezählt, haben wir es heuer 110-mal gespielt. Auch live zu viert während der Pandemie mit Birgit und Patrick. Für Die Crew wäre Florian sogar bereit, auf BGA zu spielen.

110 Partien entsprechen fast einem Viertel all unserer 2020 gespielten Partien. Auf Platz zwei folgt Hanabi (28). Wir haben auch sehr gerne Auf den Spuren von Marco Polo (21), Paleo (13), Nova Luna (13), Ulm (8) und besonders Cooper Island (5), im Oktober das erste komplexe Spiel seit Beginn der Seuche, auf den Tisch gebracht. Insgesamt waren es 89 verschiedene Spiele und 460 Partien.

2019 waren es 629 Partien. Auch das ist ein Grund, warum ich sage, 2020 hat Mitte März aufgehört, ein gutes Spieljahr zu sein. Aber so schlecht war es vielleicht doch nicht. Wir sehen uns auf Discord oder BGA.

Unsere Spiele des Jahres

September 2020: Stolpersteine überall

by Florian

Aus meinem Tagebuch:

30. September: Ist nicht demnächst der Monatswechsel?
1. Oktober: Das kam plötzlich. Aber gut, fange ich mal meinen Rückblick an. Als Vorspann schreibe ich einfach: „Juhu, pünktlich!“
2. Oktober: Jetzt nicht nachlassen. Den Einstieg werde ich wohl noch mal ändern müssen …

Deadline

Mythos Tales haben wir abgeschlossen, im September folgte die erste kooperative Ermittlung in New York. Eine von zwölf. Die Mechanik von Deadline gefällt, der Fall war fast zu leicht. Vor der nächsten Partie muss ich noch mal in die Regel schauen. Darf man die Partie frühzeitig abbrechen, wenn man glaubt, alles zu wissen, oder müssen wir stumpfsinnig alle Örtlichkeiten abarbeiten?

Details der Titelbilder von Ulm, Deadline, Carcassonne, Castles of Tuscany

Septemberspiele 2020

Ulm

Auch in Ulm trägt man jetzt Maske. Es wurde im Vierkirchner Treff gespielt. Michael fiel die Gewöhnung ans Schieben von Aktionssteinen schwer, Felix stieß nach Anfangsproblemen auf Platz zwei vor, hinter Nicole.

Neulich habe ich die BGG-Solovariante probiert und knapp verloren. Vor allem aber spielen wir es weiter zu zweit.

Castles of Tuscany

Es stimmt, was sie sagen: Die Regeln sind nicht in jedem Sonderfall eindeutig. Wir haben anscheinend trotzdem alles richtig gespielt.

Manches in Tuscany ist wie in Burgen von Burgund, vieles anders. Insbesondere setzt Castles of Tuscany bei der an Bubu vielfach kritisierten thematischen Einbettung noch eins drauf. In der Regel steht, Hintergrund sei die Toskana des 17. Jahrhunderts, auf der Schachtel ist vom 15. Jahrhundert die Rede. Hauptsache Italien!

Carcassonne

Neuer Solo-Highscore: 75 Punkte. Läuft.

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August 2020: Ein echter Glücksfall

by Florian

Dieses Mal bin ich richtig spät dran mit meinem Monatsrückblick. Das habe ich gestern gemerkt, als Alexander von Verspielte Rezensionen über seinen August berichtet hat. Das ist mir noch nie passiert. Rote Laterne!

Dabei habe ich durchaus was zu erzählen, habe im August spannende Sachen gespielt. Einmal sogar mit jenem Alexander, obwohl er aus Hannover kommt.

Private Eye

Wir haben uns einfach in London getroffen, im Hotel Langham. Sind uns auf dem Flur begegnet, vor einem Zimmer, in dem zufällig gerade einer gestorben war.

Ein echter Glücksfall. Als Coroner Edward Hamilton konnte ich dem von Alexander gespielten Krimiautor mal zeigen, wie so eine echte Ermittlung läuft. Und dass am Ende doch immer ein eifersüchtiger oder gieriger Mensch der Täter ist, und nicht ein Spinner, der den perfekten Mord begehen will, oder was sich diese Schmierfinken sonst so ausdenken. Ich gebe aber zu, mit Giften kannte sich dieser Münchhausen-Nachfolger halbwegs aus, und er hat mich auch vor einem sinnlosen Ausflug nach Cardiff bewahrt.

Ihr merkt, es war ein Rollenspiel, geleitet von Sandra, die damit erst 2020 begonnen hat. Ja, dieses Jahr. Ich konnte es auch kaum glauben. Aber sie hat das prima gemacht.

Das uralte System Private Eye basiert schwer auf Chaosiums Basic Roleplaying, vielleicht so sehr, wie das ohne Lizenz in den Achtzigern möglich war. Soweit ich weiß und jetzt beobachten konnte, sind seine Stärken nicht unbedingt die Regeln, sondern das Hintergrundmaterial und die Abenteuer. Wir haben auch weitgehend regelfrei gespielt, als wäre es ein Exit-Room oder eine Criminal-Cabinet-Ermittlung. Aber das habt ihr vielleicht schon bei Verspielte Rezensionen gelesen. Wenn nicht, findet ihr unten einen Link. Wie immer.

Ich gebe zu, ich war skeptisch, was Rollenspiel per Videokonferenz angeht. Jetzt wäre ich sofort wieder dabei.

August 2020: Hadara, Private Eye, Ulm

August 2020: Hadara, Private Eye, Ulm

Just One

Auch im oder besser vor dem Vierkirchner Pfarrsaal wurde endlich wieder gespielt. Diesmal noch überwiegend maskenfrei. Ich konnte Nicole und Julian im Wandel-der-Zeiten-Würfelspiel besiegen. Nicole zeigte uns, wie man in Ganz schön clever auf fast 300 Punkte kommt. Dann versuchten wir uns in einer Sechserrunde in Just One.

Wir hatten ein Talent dafür, von den fünf Begriffen auf der Karte den jeweils schwersten auszuwählen, was ja blind geschieht. Wir haben gestöhnt – und die schweren Begriffe als Extra-Motivation genommen. Wir lösten „Granatapfel“ und „Alcatraz“ korrekt auf. 12 von 13 Punkten waren die Belohnung.

Nächster Spieleabend in Vierkirchen ist der 21. September, wie in den Terminen vermerkt. Bitte Maske mitbringen und beim Eintreten Hände desinfizieren. Wie wir 1,5 Meter Abstand einhalten, wird noch spannend.

Hadara

Es mag dekadent klingen. Nicole und ich haben Hadara von Benjamin Schwer hauptsächlich erworben, um es auf Yucata spielen zu können. Wofür man es nicht braucht. Die Regeln sind ja auch online verfügbar. Sogar als Erklärvideo. Aber mit dem echten Material tun wir uns stets leichter.

Und natürlich spielen wir es auch am Tisch, jetzt wo wir es da haben. Wobei mir nach einem Arbeitstag manchmal Reserven fehlen, um allen Anforderungen der Zwischenwertungen zu genügen. Neulich musste ich in der zweiten Wertung wegen Versorgungsengpass fünf von 16 Karten abgeben. Ganz im Ernst: Das war ein Tiefpunkt meiner Spielerkarriere.

Jetzt aber wird alles besser, der Nebel in meinem Kopf lichtet sich. Vielleicht probiere ich mal die Soloversion, die der Verlag Hans im Glück als Teil seines Quarantäne-Pakets herausgebracht hat. Dann kann ich auch in Zweierpartien besser mithalten.

Nicht dass ihr denkt, das wäre unfair von mir. Nicole übt auch regelmäßig. Auf Yucata.

Ulm

Noch ein Yucata-Spiel hat uns in der Pappversion erreicht. Dieses Werk von Günter Burkhard, erschienen bei Huch, gibt es aktuell im Abverkauf für rund 15 Euro. Ich kann nur raten, holt es euch.

Ulm fühlt sich rasend schnell an. Zehnmal kommt man dran und macht genau drei Aktionen. Es hat einen wunderbaren Flow, zack ist es vorbei, wobei die letzten Züge sich auch mal ein klein wenig ziehen können, wenn einer mehr als eine Option hat und Punkte gegenrechnen muss.

Gut möglich also, dass Ulm auch im September-Bericht eine Rolle spielen wird.

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Juli 2020: Verlorene Paradiese

by Florian

Die letzte Brettspiel-Partie mit mehr als zwei Personen gab es Anfang März. Dennoch ist Corona nicht an allem schuld. Meine letzte Rollenspielrunde lag fünf bis sieben Jahre zurück, die vorletzte über zehn Jahre. Es fehlte an Mitspielern – und an der Bereitschaft, selbst Zeit zu investieren.

Dann kam der Juli. Endlich wieder ein Brettspielwochenende, im kleinen Kreis, unter Corona-Isolierten.

Flamme Rouge

Zunächst zur wichtigsten Nebensache der Welt: Radrennen. Mein Rouleur und mein Sprinteur jagten im Wettstreit mit den Teams von Anne, Nicole und Thomas über Kopfsteinpflaster. Auf Windschatten bedacht, platzierte ich meinen Sprinteur in der letzten Reihe des Startfelds, zwei hinter meinem Rouleur, der als Tempomacher vorgesehen war.

Pläne sind gut. Das Kopfsteinpflaster macht sie oft zunichte.

Die Damenmannschaften hielten das Tempo hoch. Thomas verlor seinen Sprinteur. Aussichtslos hing er im Niemandsland und schaffte erst im letzten Zug wieder den Anschluss ans Feld – viel zu spät, um in die Entscheidung einzugreifen. Dumm nur: Thomas‘ Rouleur hielt sich noch geschickter im Windschatten des Pulks als meine Jungs. Im Fotofinish musste ich mich geschlagen geben.

Meine erste Reaktion: Hätte ich nur meine Jungs vor dem Start ein Feld weiter nach vorn gestellt! Hätte, hätte, Fahrradkette. Das Rennen wäre ganz anders gelaufen. Auf Kopfsteinpflaster gibt es keine Zufallssieger. Mehr dazu am 25. Oktober, dem ungewöhnlichen Termin des diesjährigen Paris-Roubaix.

Risus

Am Samstagmorgen folgte die Pen-and-Paper-Rollenspielrunde. Als Regeln wählte ich Risus von S. John Ross, weil unkompliziert und kann ich selbst jetzt noch aus dem ff. Das Abenteuer stammt aus T&T Adventures Japan und heißt „Kitten-napped“. Die Spielfiguren werden magisch geschrumpft, um eine Katze aus einer Trollhöhle zu befreien.

Strichmännchen

Risus-Helden

Risus-Charaktere definieren sich durch Klischees. Ich hatte eine Tabelle mit hundert Fantasy-Klischees und hundert Adjektiven vorbereitet. Mein Vorschlag: Würfelt das erste Klischee aus und wählt die anderen passend oder denkt euch welche aus. Ein Adjektiv sollte nur das erste Klischee bekommen.

Guter Plan? Die Spieler hatten so viel Freude daran, mit dem W100 zu würfeln, dass jeder von ihnen alle vier Klischees jeweils inklusive Adjektiv zufällig bestimmte. Anne spielte beispielsweise Rafael, der aus einem Dorf im Dschungel namens Spanien stammt. In der Spielwelt kennt man ihn als kleingewachsenen Betrüger, aber auch als unberechenbaren Metzger. Sein Talent als gottloser Redner ist ausbaufähig („Du, du … du, du …. Trottel!“), und tja, auch als bartloser Seeräuber ist er nur im Nebenerwerb tätig.

Das Abenteuer verlief geradlinig, ja geradezu perfekt, hätte Alfred der unberechenbare Zauberer die Kobolde mit seiner Stimmenprojektion ablenken können. Nicht nur Zauberer sind unberechenbar, Würfel auch. Es war kein Wochenende, an dem Pläne aufgingen. Stattdessen lenkte der gottlose Redner schimpfend die Koboldwächter ab.

Auf dem Rückweg tobte sich Johny, der kaltblütige Barbar, im Kampf gegen eine Schlange aus. Alfred half, indem er Knoten in den Schlangenleib hexte. Endlich draußen, erlangten die Helden ihre gewohnte Größe zurück und strichen ihre Belohnung ein.

Mythos Tales

Ein rollenspielartiges Erlebnis liefert zumindest mir auch Mythos Tales von Hal Eccles und Will Kenyon. Die Lovecraft-Version von Sherlock Holmes Criminal-Cabinet spielt sich wie Call of Cthulhu ohne Spielleiter – oder zumindest die besseren Mythos Tales-Abenteuer.

Nicole und ich haben nun alle acht Abenteuer der Basisbox durch, und ohne Spoiler kann ich sagen: Sie sind nicht alle gleich gut.

Kein Rollenspielleiter antizipiert alle Ideen der Spieler. Bisweilen ist der „Keeper of Arcane Lore“, wie er bei Cthulhu heißt, zur Improvisation gezwungen. Nun kann, anders als ein Spielleiter, das Ermittlungsbuch von Mythos Tales schlecht vom gedruckten Text abweichen. Manche eigentlich gar nicht so abwegige Idee führt zu keinem Eintrag. Damit kann ich leben. Blöd wird es nur, wenn eine andere, mindestens genauso abgelegene Idee sich als idealer Weg der Ermittlung herausstellt.

Die besten Fälle sind meiner Meinung nach die breit angelegten mit zahlreichen Anlaufstellen, die mal mehr, mal weniger Informationen liefern. Nadelöhre in der Ermittlung hingegen machen die Szenarien nicht wirklich schwerer, sondern vor allem willkürlicher.

Maori

Das Wohlfühl-Spiel des Wochenendes war Maori von Günter Burkhardt, 2009 bei Hans im Glück erschienen. Die salzige Luft reinigte die Bronchien, die sanften Wellen revitalisierten den geschundenen Rücken. Und die Farben! Es war eine friedliche Bootsfahrt auf dem blauen Ozean. Nur für mich nicht. Ich bekam als Einziger keinen Blumenkranz ab. Von wegen Paradies.

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Miteinander lachen

by Nicole

Willkommen zurück zur Nördspiel 2020, Ableger Vierkirchen! Nieselregen, Starkregen, Dauerregen: Das Wetter lässt uns leichten Herzens akzeptieren, dass dieses Jahr auch die Abreise per Rad entfällt.

Abschiedstag: In den letzten Nördspiel-Stunden kommt regelmäßig ein bisschen Traurigkeit auf, denn das nächste lange Brettspielwochenende scheint unvorstellbar weit entfernt. Das ist auch diesmal so, mehr denn je. Denn wer weiß, ob das im November anvisierte Treffen in Ruppertshofen stattfinden kann.

Exit – Die Station im ewigen Eis: Vor Jahren habe ich mal gesagt: Es gibt Spiele, für die ich mich besser eigne. Ich weiß nicht mehr, um was es ging. Aber unser Freund Carsten zog damals in Erwägung, T-Shirts mit dem Spruch zu bedrucken.

Inzwischen sind die Worte fast zum running gag geworden. Dass ich während unserer Exit-Partie daran denken muss, hat Gründe. Ich mag Rätsel, vor allem, wenn ich sie lösen kann. Das ist bei der Station im ewigen Eis nicht der Fall. Dass wir nur fünf Tipps brauchen in den 104 Minuten, die es bis zu unserer Flucht nach draußen dauert, liegt an Florian. Ich trage kaum mehr als Administratives bei. Zum Glück kann ich flüssig vorlesen und überwiegend fehlerfreie Notizen erstellen.

Nördspiel Vierkirchen, Exit und Ausbeute auf dem Ofen

Nördspiel Vierkirchen, Exit und Ausbeute auf dem Ofen

Die Crew reist gemeinsam zum 9. Planeten: Ich mag auch Stichspiele. Als Kind habe ich im Familienurlaub Schafkopf gelernt, Skat kam später, Bridge nur ganz kurz und an Tichu arbeite ich noch. Die 50 Missionen der Crew haben wir schon einmal zu zweit mit Dummy Jarvis komplett durchgespielt, viele auch in Dreier-, Vierer- oder Fünferbesetzung ausprobiert. Ich wähle spontan Mission 37. Was soll ich sagen, Jarvis hat so schlechte Karten, dass er unmöglich das Schiff auf Kurs halten kann. Ich als Kommandant darf nicht. Also muss Florian ans Steuer und die vier vorbestimmten Stiche machen. Guter Mann!

Was gefehlt hat: Newton mit Tilo und Thomas. Wir, die Großen Alten, halb Bayern, halb Baden-Württemberg, haben das Spiel im Februar auf der Regvor in München als Preis für den vierten Platz unter 20 Teams gewonnen. Tilo, unser Bester, wollte es vorbereiten und nach Nördlingen mitbringen.

A Brief History of the World mit Carsten und wer sonst noch Geschichte neu schreiben möchte.

Gespräche und Lachen.

Vierkirchner Nördspiel 2020

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Fast schon vorbei

by Nicole

Willkommen zurück zur Nördspiel 2020, Ableger Vierkirchen! Dieses Jahr habe ich keine Angst, eine gute Partie zu verpassen, wenn ich mitten am Tag eine Runde radle, um Bewegung und frische Luft zu bekommen.

Fast-schon-vorbei-Tag: Es gibt Nördspiel-Teilnehmer, die verlassen das Hotelgelände fünf Tage lang kein einziges Mal. Die Terrasse betreten sie nur, um schneller in den Spieleraum zu kommen. Wir sind da anders. Mindestens einmal am Tag müssen wir raus, auf der Stadtmauer herumspazieren oder eine kleine Fahrradtour unternehmen. Zu Hause fehlt die Stadtmauer, also steigen wir aufs Rad.

Steam: Nördspiel ohne Eisenbahnspiel ist wie Kniffel ohne – ach, das hatten wir schon. Eisenbahnspiele sind jedenfalls essentiell für unseren Spaß an Brettspielwochenenden. Snowdonia zum Beispiel, aber auch Russian Railroads. Und natürlich Steam. Diesmal kommt Ted Alspachs Jamaika-Karte auf den Tisch. Weil die Insel so klein ist und es überhaupt nur sechs Städte gibt, von denen vier noch gebaut werden müssen, wird es unser schnellstes Steam ever, nach 45 Minuten und sechs Runden sind alle Würfelchen von der Karte weggeliefert. Das Spiel ist aus, ich bin Queen of Steam. Mit sagenhaften 14 Punkten. Florian, der diesmal bei einer symmetrischen Auslage vielleicht einen kleinen Startspielernachteil hat, kommt auf zwölf Punkte.

Nördspiel Vierkirchen, vierter Tag: Azul und Steam Jamaica

Nördspiel Vierkirchen, vierter Tag: Azul und Steam Jamaica

Azul: Allein schon wegen der Haptik spiele ich immer wieder gerne Azul. Es ist jedesmal ein kleines Erfolgserlebnis für mich, wenn ich am Rundenende einen Stein nach rechts schieben kann. Zu zweit ist es mehr ein taktisches Abwägen: Nimmst du das, nehme ich dies. Der Zufall spielt eine geringere Rolle als zu viert. Weil ich das nicht so abraffe, sammle ich in den letzten zwei Runden paar Minuspunkte zu viel. Ein gutes Gefühl war‘s trotzdem.

Vierkirchner Nördspiel 2020

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Der gemütliche Teil

by Nicole

Willkommen zurück zur Nördspiel 2020, Ableger Vierkirchen! Endlich das richtige Wetter, um sich abends mit einem Gläschen Wein auf der Terrasse auf die Partyspiele einzustimmen.

Der Brückentag: Wir haben auf den längst eingetragenen Urlaubstag verzichtet, den Kollegen mit den schulpflichtigen Kindern zuliebe, die in den Pfingstferien so gerne freinehmen. Haben am Brückenfreitag gearbeitet. Im Homeoffice im ersten Stock und im Dachgeschoss. Trotzdem wollen wir spielen, it‘s Nördspiel-Time. Was kompliziert ist, bleibt unangetastet, wir gehen gleich zum gemütlichen Teil über.

Codenames: Je mehr Mitspieler, desto größer die Gefahr, erste Eingebungen kaputtzureden. Ich spiele den Vlaada-Chvatil-Klassiker am liebsten zu viert oder sechst, aber zu zweit geht es auch ganz famos. Und wenn auf „Stückeln 2“ als Tipps „Säge“ und „Kürbis“ kommen, weiß man, dass man ähnliche Vorstellungen von Küchenarbeit hat.

Nördspiel Vierkirchen, dritter Tag: Partyspiele ohne Party

Nördspiel Vierkirchen, dritter Tag: Partyspiele ohne Party

3 Secrets: Bilder anschauen und anhand der drei farblich hervorgehobenen Details Geschichten erraten, wenn der Mitspieler nur mit ja, nein, nicht ganz und irrelevant antworten darf. Das Ganze unter Zeitdruck. Das fordert und macht Spaß, nur diesmal haben die beiden Heldinnen, die wir erwischen, einen Knall. Achtung, Spoiler: Die eine ist eine glückspielsüchtige Krankenschwester auf Diebestour, die andere eine mörderische Archäologin, die sich für eine wiedergeborene Pharaonin hält. Ich weiß nicht, wie oft ich „irrelevant“ sage. Und als ich mit dem Raten an der Reihe bin, will mir partout nichts zum Glatzkopf mit den Blumen einfallen.

Kneipenquiz: Als Absacker vorm Schlafengehen ein Kneipenquiz hat fast schon Tradition. Einmal haben wir in Nördlingen zu 14. die schwerste Stufe In your Dreams geschafft. Zu zweit fehlt uns ein Gutteil der Schwarmintelligenz, also wagen wir uns nicht ans Mittelgewicht It‘s Showtime, sonden machen es uns easy-peasy. Schwer genug, wenn man nicht weiß, dass Weltklasse-Tennisspieler Roger Federer derjenige ist, der sowohl Zwillingstöchter als auch Zwillingssöhne hat. Aber auf Frontex kommen wir dann doch noch. Auf den Linux-Pinguin sowieso, und natürlich Enzensberger, den alten Kaufbeurer. Mitte Februar auf meinem Geburtagsfest hätten wir übrigens zu neunt fast In your Dreams geschafft.

Um den Song „Covid-19/Sommer ‘20“ zu zitieren:

Weißt du noch, wie‘s früher war, eigentlich bis Februar.
Weißt du noch, wie schön das war, damals vor Corona.

Vierkirchner Nördspiel 2020

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