Die Lehren der Vergangenheit

von Florian

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitarbeiter und Freunde, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf: Ihre Gesichter spiegeln die scheinbare Finsternis unserer Lage wider. Um sie ein wenig aufzuhellen, möchte ich gern einige Beispiele aus der Historie nennen, die zeigen, wie leicht sich das Blatt mit den Schicksalsrunen darauf wenden kann.

Vielleicht ist Ihnen der Fall der Oligarchin Antonia von Arkadien ein Begriff. Im herrlichen Klima der Landschaft im Herzen des Peloponnes gediehen Schafe und Bevölkerung gleichermaßen, doch versäumte es die Herrscherin zunächst, sich auch ausreichend um die Kultivierung von Getreide zu bemühen. Eine Hungersnot schlug eine Kerbe in die Bevölkerungspyramide, mit den erwartbaren Konsequenzen. Jedenfalls zogen Konkurrenten wie das reiche Sparta und das vielseitig entwickelte Patras vorbei, bedrängten Arkadien von beiden Seiten.

Arkadische Menschen

Nun setzte Antonia ganz auf den Weizen. Sie wusste, die Bevölkerung würde sich von allein prächtig entwickeln, wenn sie nur nicht erneut einer Nahrungsknappheit ausgesetzt wäre! Die Kehrtwende gelang, und Arkadien beendete die Krise als Sieger. Auf der Skala des Historikers Bernd Eisenstein erreichte Arkadien damals sogar einen rekordverdächtig hohen Kulturindexwert von 30 Punkten.

Wer die Geschichtsbücher kennt, weiß natürlich, dass dies kein Einzelfall war. Denken wir etwa an den römischen Cäsar Florianus, jenen Nachfahren des großen Augustus, der zwischen Severus Alexander und Aurelian für eine kurze neuerliche Blüte des Imperiums sorgte. Langsam und bescheiden startete er, während seine Rivalen um die Kaiserwürde die ersten Provinzen rafften oder Senatoren für sich gewannen. Am Ende übte er ja doch mehr Einfluss aus als seine Widersacher zusammen!

Diesen beiden sehr bekannten geschichtlichen Anekdoten lassen Sie mich bitte noch eine etwas obskurere hinzufügen: den Fall des japanischen Feuerwerkers Gewô Miao. Er sollte ein Hanabi – damit meinen die Japaner ein Feuerwerk – veranstalten für einen Shogun der Tokugawa-Dynastie, dessen Name mir gerade entfallen ist. Miao und seine Kollegen jedenfalls improvisierten glänzend, aber schon früh mussten sie Fehlzündungen verzeichnen. So fielen beide Raketen der vierten Stufe am rechten Flügel (als grünes Segment bezeichnet) aus, und kurz darauf verloren sie auch in der linken Hälfte an Feuerkraft, nämlich die einzige Rakete der fünften Stufe im roten Segment.

Auch wenn man die Fachsprache der Feuerwerker nicht kennt, wird aus der Beschreibung hoffentlich klar, eine perfekte Show konnte man schon zu einem frühen Zeitpunkt nicht mehr erwarten. Statt eine Blamage zu akzeptieren oder gleich Seppuku zu begehen, konzentrierten sich Miao und Kollegen nun von Neuem. Sie harmonierten prächtig, jeder spürte intuitiv, was der jeweils andere mit seinen spärlichen Hinweisen meinte, und so kam ihre Darbietung doch noch auf 22 von 25 Punkten auf der Hanabi-Skala – den höchsten erreichbaren Wert nach den frühen Pannen.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, weitere Beispiele erübrigen sich. Wenn wir uns trotz aller Widerstände auf die Gegenwart konzentrieren, können wir auf eine bessere Zukunft hoffen. Irgendwann muss doch diese verflixte Brettspiel-Welle enden. Ganz sicher sogar kommen Sommergewitter und Herbststürme, und dann werden auch wieder mehr Menschen unsere Spielkonsolen kaufen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.