Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Splendor

Das Wetter der letzten Tage

by Florian

Im Regen gestanden

Am Sonntag gegen halb vier Uhr nachmittags überfällt Nicole und mich erstmals der Gewitterregen. Etwa 300 Meter vor uns eine Kirche, die wir routiniert mit unseren Rädern ansteuern. Leider geschlossen, aber wir drücken uns ins Portal, und – o Wunder – neben dem Portal liegt ein Regenschirm, der uns zusätzlich vor den dicken Tropfen schützt.

Wir sind auf dem Rückweg nach Vierkirchen, via Kaufbeuren, wo wir vielleicht zwischenübernachten wollen. 10 Kilometer haben wir seit dem Ende eines Spielewochenendes in Kempten erst zurückgelegt. Kein Wunder, dass wir die Zeit für einen ersten Rückblick nutzen. Ich erzähle noch einmal von meiner Anreise vier Tage zuvor, meinem Sonnenbrand und der Ankunft in der Jufa Kempten.

An der Rezeption haben sie mir gesagt, die Schlüssel hat alle Organisator Thorsten, und der ist gerade beim Kaffeetrinken. War mir nicht unrecht, Kuchenhunger und Kaffeedurst hatte ich. Allerdings war ich noch vom Radeln verschwitzt und von kleinen Insekten umkreist, als ich mich zu Heiko, Peter, Thomas und Thorsten gesellte.

Nach dem Duschen spielte ich Royal Goods mit Peter und Thorsten – und nach den neuen Regeln, die mehr Strategie versprechen. Tatsächlich gewann Peter, der die beste Produktionskette hatte. Zur Überbrückung trat ich anschließend gegen Peter in dem einfachen Konfliktsimulationsspiel Test of Fire an, das ich trotz Würfelglücks nach einer Dreiviertelstunde in aussichtsloser Position aufgab.

Den Rest des Abends bestritten wir mit dem nicht uninteressanten, aber zumindest für mich ziemlich verwirrenden City of Iron. Peter: „Das geht bestimmt viel schneller und macht viel Spaß, wenn alle es erst mal können.“ Ich: „Das Problem ist nur: Wie viele Spiele hast Du im Schrank, die reizvoll wären, wenn man sie fünf- bis zehnmal in gleicher Besetzung durchspielen würde?“ Peter nickte.

Am nächsten Morgen gab es ein Roll for the Galaxy, und während Funkenschlag bist Du dann ja gekommen.

Zweiter Anlauf

Inzwischen hat der Regen fast aufgehört. Wir hoffen auf die Rückkehr der Sonne und schwingen uns auf die Räder. Wenige Hügel weiter beginnt es erneut zu schütten. Wir setzen unseren Rückblick in einer kleinen Hütte fort, deren Tür fehlt und die nur noch von Spinnen genutzt wird. Nicole berichtet, wie sie als erstes Dietmar Roll for the Galaxy beibrachte und gleich mal verlor. Meine Antwort:

Ja, schon 2014 in Nördlingen haben sie mir gesagt, dass Dietmar jedes Spiel gewinnt, aber damals wollte ich es nicht recht glauben. Diesmal hab ich es gesehen, er hat ja auch gegen mich in Roll for the Galaxy gewonnen, in Mombasa ohnehin, und selbst in Codenames war er gut. Verloren hat er nur einmal im kooperativen Warhammer Quest, also zusammen mit allen anderen. Das hätte ich übrigens gerne mitgespielt, aber dann war ich grade in einer anderen Partie, als eine Runde startete.

175 Punkte hatte er in Marco Polo, habe ich mir sagen lassen. Das würde ich auch gern mal erreichen. Martin war stolz auf seinen zweiten Platz, bei dem er nicht von Dietmar überrundet wurde. Selbst ein 7 Wonders ist anscheinend für alle unberechenbar, nur für Dietmar nicht.

Baden gegangen

Da die schwarzen Wolken sich nicht verziehen wollen, beschließen wir, den nächsten Bahnhof anzusteuern: Günzach, die erste Station hinter Kempten. Gerade einmal 20 Radkilometer entfernt. Geschoben vom Gewitterwind erreichen wir den nüchternen Bahnhof und ziehen samt Rädern in einen kahlen Wartesaal ein, um über die Kemptener Unterkunft und weitere Partien zu sprechen.

Dass die Jufa ans Bad grenzt und der Eintritt jeden Tag frei, ist schon wirklich super, auch wenn wir nur zweimal schwimmen waren. Trotz des schönen Wetters. In die Stadt haben wir es gar nicht geschafft. Wir Banausen!

Aber es stimmt, dafür haben wir viele neue Spiele kennengelernt. Between Two Cities fand ich witzig, zumindest für einige Partien dürfte der Reiz halten. Wir optimieren eine vier mal vier Plättchen große Siedlung, wie in Cities, aber immer einem mit dem linken und eine mit dem rechten Nachbarn zusammen. Das ist doch mal ein origineller Dreh für das Take-It-Easy-Genre, das mit Karuba immerhin erneut auf der Nominierungsliste für Spiel des Jahres vertreten ist. Grafisch fand ich Between Two Cities zwar klar, aber wenig ansprechend.

Hansa Teutonica habe ich jetzt zum zweiten Mal gespielt, das hat sich in Spielerkreisen offenbar wirklich auf Dauer durchgesetzt, wie Carsten meinte. Für zwei soll es nicht so gut sein, ist ja auch eine Art Mehrheitenspiel – sonst würde ich es mal auf den Einkaufszettel setzen. Und schön auch, dass wir mal Among Nobles spielen konnten, das schon in Ruppertshofen 2015 beliebt war. Ich finde das Prinzip adeliger Stammbaum-Pflege charmant umgesetzt. Die von der Spielbox beanstandeten historischen Schwächen haben mich auf Anhieb nicht irritiert.

Donner folgt auf Blitz

Die Bahn kommt so pünktlich, wie der Donner auf den Blitz folgt. Das Radabteil im Regionalexpress ist leer. Der Schaffner rügt uns, wir hätten ja ein schönes Wetter mitgebracht. Wir zweifeln an unserer Schuld. Wetter Online meldet Gewitterwarnungen der höchsten Stufe in Bayern und dem Osten Baden-Württembergs. Die Fahrt nach München nutze ich für eine längere philosophische Erörterung eines Spielegenres, das mich derzeit besonders beschäftigt: komplexe Kartenspiele mit viel Text.

Wenn man die zwei Vertreter dieses Genres mischt, die wir in Kempten gespielt haben, nämlich das Game-of-Thrones-Kartenspiel und Nebel über Valskyrr, kommt ungefähr mein aktuelles Lieblingsspiel heraus: das Herr-der-Ringe-Kartenspiel. Allen ist letztlich ein enormer Aufwand für die Einarbeitung gemeinsam. Beim Herrn der Ringe mache ich nach mehr als 30 Partien noch Fehler, etwa weil ich den Text irgendeiner ausliegenden Karte übersehe und also nicht berücksichtige. Und die beiden Spiele von Thomas haben uns auch erstmal ganz schön gefordert. Man muss die Karten ja nicht nur lesen, sondern die Schlüsselwörter und Terminologie lernen, die Phasen des Spiels kennen, um zu wissen, wann man seine Fähigkeiten am besten einsetzt.

Um Game of Thrones ernsthaft zu spielen, bräuchte es meiner Meinung nach die größte Investition an Zeit. Schließlich müsste man neben den eigenen Karten auf der Hand und in der Auslage auch die aller Mitspieler zumindest grob kennen. Nach etwa zehn Partien könnte das wirklich interessant werden. Dagegen sind Valskyrr und Herr der Ringe kooperativ, und ein großer Teil des Spiels besteht letztlich darin, sich abzusprechen und den anderen die eigenen Fähigkeiten nahezubringen.

Der große Aufwand lohnt sich, weil die individuellen Texte und Effekte der vom Spiel erzählten Geschichte Tiefe verleihen. Unsere Partie von Game of Thrones war wirklich wie eine alternative Version der Romane. Ich spielte Haus Baratheon; als mein Anführer Stannis starb, war das ein das komplette Spiel prägendes Ereignis, eine Wende. Und das durch eine Spielmechanik: Plötzlich konnten wieder alle statt nur zwei Karten am Rundenende reaktiviert werden.

Zugleich denke ich, dass es sich kaum lohnt, mehrere Spiele dieser Art parallel zu spielen. Am besten eines anschaffen, wie wir es ja mit Herr der Ringe haben, und das wiederholt auf den Tisch bringen, um die Regeln im Kopf zu behalten.

Für uns dürfte Herr der Ringe sogar die beste Wahl sein, weil kooperativ und optimal mit zwei Spielern. Du sagst, Game of Thrones wäre Dir zu konfliktreich. Und mir wäre es mit mehr als zwei Spielern zu unübersichtlich. Mit der Zahl der Spieler steigt schließlich auch die Zahl der Karten. Das würde ich bei Valskyrr kritisieren: Ich finde weniger und dafür stärkere Monster interessanter.

Mir gefallen alle drei Spiele gut. Dass sich die Kennenlernpartie ein wenig zieht, muss man bei dem Genre hinnehmen. Immer noch besser als etwa ein Im Wandel der Zeiten mit 27 Stunden Bruttospielzeit. In einem Vergleich würde ich Valskyrr auf den dritten Platz setzen, weil es für meine Begriffe die schwächste Geschichte hat.

Bier und Brezelstangen

Kurz vor München erwacht die während meines Vortrags weggedöste Nicole. Wir erwägen, in Pasing auszusteigen und nach Obermenzing hinüberzuradeln, was das Umsteigen erleichtern und die Fahrtdauer etwas verkürzen würde. Da wieder einmal Platzregen einsetzt, verwerfen wir diese Überlegungen und bleiben bis zum Hauptbahnhof sitzen.

Dort profitieren wir ausnahmsweise von Bauarbeiten. Unsere S-Bahn fährt vom Nebengleis statt im Tiefgeschoss – mit schwer bepackten Fahrrädern ein großer Vorteil. In der Bahn kommen wir auf unsere Bier-und-Brezel-Kartenspielrunde zu sprechen, zusammen mit Carsten und Peter.

Die beiden haben ja zuvor immer ihre 18XX-Spiele gespielt. Hast Du mal in den Raum hineingeschaut? Sah aus wie eine Konferenz in der Firma, mit Beamer, alle starren aus die Leinwand, ein Brett hatten sie glaube ich gar nicht. Auch der Schienenbau passierte in der App. Es muss wohl was dran sein an diesen Spielen, aber ich spiele vorerst lieber ohne Rechner.

Jedenfalls hatte ich bei den anschließend zur Erholung anberaumten Kartenspielen meine wenigen Erfolgserlebnisse. Abluxxen hab ich gewonnen, ein Tichu nach dem anderen durchgebracht, und Ihr wart im Negativen, als Peter und ich die 1000 Punkte erreichten. Ha! Nur beim Schafkopfen mit verkürztem Kartensatz, mit Siebenern statt Neunern, habe ich erst ein kleines Vermögen gewonnen und dann ein größeres verspielt. Zum Glück ging es nur um Punkte.

Schafkopf hatte ich seit Jahren nicht mehr gespielt. Ich finde, im Rahmen eines solchen Wochenendes mit erfahrenen Brettspielern macht es sich ganz anders als im Biergarten mit Leuten, die nie etwas anderes spielen. Carstens Ausspruch werde ich in Erinnerung behalten: „Jetzt weiß ich, wie man beim Schafkopfen Erster wird, man gewinnt einmal ein großes Solo und spielt den Rest der Zeit so vor sich hin.“ Ob ich aber Peters Strategietipps verinnerliche, weiß ich nicht. Er hat sich ja selbst nicht immer dran gehalten. Und auch damit hatte er meistens Recht.

Mit Hansa Teutonica am einen Abend und Splendor am anderen folgte ja jeweils noch ein ordentliches Spiel. Da konnte man noch mal zeigen, dass man auch was anderes als karteln kann. Ich wurde in beiden Letzter.

Die S-Bahn fährt in den Bahnhof Vierkirchen ein. Nicole sieht hinaus: „Der Bahnsteig ist trocken. Hier hat es noch gar nicht geregnet!“ Das ändert sich, sobald wir den Zug verlassen. Platzregen setzt ein. Auf einigen hundert Metern werden wir bis auf die Haut nass. Der Schaffner hatte Recht: Wir sind es, die das schlechte Wetter mitbringen. Und in Kempten, die vier Tage Sonne? Die muss Thorsten organisiert haben.

Zum Nachlesen:

In- und auswärts gespielt im November 2014

by Florian

Erst verpasste ich Zug um Zug, weil ich noch nach Kleingeld suchte. Dann erwischte ich aber doch die Russian Railroads mit Zwischenhalt in Firenze. Nicht sehr luxuriös, aber in dem Zug gibt’s immer Jaipur und umsonst. Vom Bahnhof kam ich mit Thurn und Taxis geradewegs zum Palazzo des Rosenkönigs. Ohne zu zögern klopfte ich Andor Tür.

„Camel up“, rief jemand über die Sprechanlage. Yay, dachte ich mir, das höre ich von solchen Royals auch nicht jeden Tag.

Der Rosenkönig sah ehrlich gesagt aus, als hätte er gerade sein Drachenherz an die Staufer verloren. Vor ihm stand eine halb verdaute Portion Haggis. Ihm waren so viele Haare ausgefallen, dass ihn der leider nicht ganz so diskrete englische Butler hinter seinem Rücken nur noch als Skull King bezeichnete. Aller Splendor war gone.

Etwas verwirrt fragte der King zur Begrüßung nach der Uhrzeit. Ich kam ihm frech: „Schätzen Sie mal!“ Und er: „Anno Domini 2014.“ Da konnte ich schwer widersprechen.

„Nur immer Heiterkeit, Chef“, rief ich, „und etwas Concordia kann natürlich auch nicht schaden. Verlassen Sie das Tal der Könige, treten Sie aus dem Drachenschatten, seien Sie ein Sonnenkönig, brechen Sie auf nach Indien und besehen Sie seine 7 Wonders!“

„Das wäre bestenfalls was für einen R-Öko wie Sie“, sagte er und schüttelte den Kopf. „Wenn schon, dann gleich Top Race. Aber genau das ist ja das Problem. Neulich ging ich wirklich mal in meinen Port Royal, um eine Space Mission zu starten, und dann hatte das Raumschiff ein Loch.

‚Wie kann das denn sein‘, fragte ich, und sie sagten mir: ‚Bora Bora.‘ Wer, wollte ich noch wissen. Der diensthabende Aufseher sagte nur: ‚Des san Juan-Söhne.‘ So eine Schweinebande, die werden mir noch alles abluxxen.“

Spielewochenende November

Weiterlesen:

Im Schlemmerparadies

by Nicole

In Vierkirchen gibt es eine neue Speise-, pardon, Spielstätte – die Trattoria vicino al cimitero. Für unsere Publikation hat Florian ein Menü probiert und seine Eindrücke festgehalten.

„Mit Splendor kredenzte man uns ein vermeintlich leichtes Antipasto. Einige meiner Tischgenossen machten aber den Fehler, sich zu viel davon auf den Teller zu häufen. Dadurch gingen erstmals die Edelsteine der ersten Stufe aus.

Phileas Fogg & Co. rühmt sich, mit seinen 80 Gewürzen die ganze Welt zu umrunden. Optisch schlicht auf dem Teller angerichtet, steckt mehr drin, als man glauben möchte. Das mussten Vincent und Nicole erfahren, als der auf den zweiten Platz abonnierte Jules Verne in der Schlusswertung an ihren Spielfiguren vorbeizog.

Das Acht-Minuten-Imperium wurde uns auf der Europakarte serviert. Es überzeugt durch beste Zutaten. Der durchaus bekömmliche Zwischengang eignet sich auch als Fastfood, was sich im gesteigerten Interesse einer jungen Zielgruppe niederschlägt.

Kartoffelbasierte Nachtische gehören weiterhin zu den seltenen Erscheinungen der internationalen Küche. Seinen süßen, aromatischen Charme offenbarte Potato Man vor allem Sergej, der nach vorsichtigem Probieren so viel Geschmack daran fand, dass er sich die Speise letztlich säckeweise einverleibte.“

Weiterlesen:

Neue Namen

by Nicole

Tom aus Ebersbach war schon das letzte Mal da gewesen. Dabei lief da noch die Fußball-WM. Diesmal hatte er Bastian mitgebracht, und Magnum Sal. Ein Brocken, der fast die Dimensionen des Vierkirchner Spieletreffs sprengt. Die beiden Neuzugänge brauchten denn auch gemeinsam mit den Stammspielern Christian und Antonia zweieinhalb Stunden, um ihre Salzminen auszubeuten. Da blieb keine Zeit für Vorglüher oder Absacker.

Daniela hatte sich nach drei, vier Einsätzen über ein Jahr lang nicht mehr sehen lassen. Und nun saß sie wieder an einem der Tische. Comeback nach der Babypause.

Kevin aus Neufahrn zögerte. Mit seinem Smartphone beschäftigt, wollte er sich zunächst keiner Spielerunde anschließen. Er wartete noch auf Helme. Im sozialen Netzwerk Spontacts hatten sich die beiden für ihren ersten Abend in Vierkirchen verabredet.

Helme? Kam mit Verspätung, hatte sein Auto am neuen Pfarrsaal abgestellt, in den Vierkirchen verspielt erst im September abwandert, dort die Sitzung des Pfarrgemeinderats gesprengt und erfahren, dass er dreimal ums Eck muss, um zu den Brettspielern zu gelangen. Helme präsentierte ebenfalls einen aufwändigen Kracher: Spyrium von Caylus-Autor William Attia. Doch dafür würde die Zeit kaum reichen, also spannte er Carmen, den anderen Florian, Daniela und Kevin als Tester für ein Spiel ein, das er gerade entwickelt.

image

Und dann war da noch Benjamin. Der junge Norweger, derzeit zu Gast in Vierkirchen, saß am mit neun Leuten stark besetzten Tisch der Jugendlichen, die sich erst durch den Wilden Westen würfelten und dann im Düsterwald herumtrieben, diesmal allerdings auf Englisch, um Benjamin die Werwolf-Jagd ein wenig zu erleichtern.

Nico, Jana, Felix und Michael versuchten sich an Augustus. Die Regeln des Vierkirchner Sommerhits 2013 hatten sie nicht mehr präsent, doch da konnte Vincent helfen, wenn er nicht gerade Florian und mir die begehrtesten Edelsteine wegschnappte und Adlige an sich band, auf die ich es ebenfalls abgesehen hatte. Nach zwei Runden Splendor und zweimal Love Letter wurde Vincent abgeholt. Auch Carmen, der andere Florian, Jana, Nico, Felix und Karen verabschiedeten sich, dann die Jugendlichen. Ganz ungewohnt: Nach dem Exodus reichte es immer noch für drei Erwachsenen-Tische: die unvermindert emsigen Minenarbeiter, ein Abgeluxxt-Trio, und ich stellte mich zum dritten Mal an diesem Abend einem Wettkampf um die schönsten Edelsteine. Kevin versuchte sich bei seinem Splendor-Debüt an einer destruktiven Strategie. Er hortete alle Smaragde, um zu sehen, ob sich dadurch das Spiel kaputtmachen ließe. Experiment gescheitert, ich kam auch ohne Grün auf meine 15 Punkte.

25 Spieletreff-Besucher stellen keine Rekord dar, vergangenen Sommer haben wir es schon mal auf 30 gebracht. Doch zwölf Erwachsene sind eindeutig ein Spitzenwert. Ganz zu schweigen von fünf Neuen auf einen Schlag. Wenn jetzt noch Alt-Spieletreffler wie Jochen, Volker, Annmarie oder Dominik dazustoßen, wird’s eng. Zum Glück ziehen wir bald um.

Weiterlesen:

150 Minuten voll wie Kartoffelsäcke

by Nicole

Die Glocken von Sankt Jakobus erklingen erst vier-, dann achtmal, der letzte Spieletreff vor den Pfingstferien beginnt, 150 Minuten, um abzutauchen in die Welt der Manschgerl und Würfel, der Karten und Siegpunktleisten. Die Zeit läuft, und wir haben den Pfarrsaal noch nicht erreicht.

147 Minuten, die Fahrräder sind abgeschlossen, die Spieletasche wird ausgepackt. „Habt ihr Auf geht’s dabei?“ Aber klar doch, Felix. Wir haben uns ja selbst schon darauf gefreut, wie Magdalena Neuner am Anstieg zu skaten, um dann ruhig und konzentriert die fünf Kugeln am Schießstand zu versenken. Zögern außenrum, der Massenstart vom letzten Mal hat einige verschreckt. Doch da kommt Jochen und darf gleich in die Loipe, vier Athleten sind beisammen, es kann losgehen. Felix überzeugt mit Technik und Taktik, Florian muss sich knapp geschlagen geben, Jochen zeigt eine souveräne Schießleistung, komplett ohne Nachladen, und ich werde wieder Letzte, aber immerhin drehe ich am Ende des Spiels nicht noch meine Strafrunden, sondern biege ebenfalls schon auf die Zielgerade ein.

Knollen und Juwelen

112 Minuten, am Nebentisch werden Edelsteine gesammelt, Zeit für einen kleinen Potato Man. Kaum hat Florian das Wichtigste zu den 52 Kartoffelkarten und den fiesen roten Evil Potatoes gesagt, da muss er schon weiterziehen, um Michael, Carmen und dem anderen Florian bei der Erschließung Santa Cruz‘ zu helfen. Jochen, Felix und ich ringen weiter um die Kartoffelsäcke. Felix hat den Dreh am besten raus und am Ende weit über 40 Säcke, Jochen, der lange abgeschlagen war, 26 und ich 25.

70 Minuten, Felix zieht es als ungeschlagenen Sieger nach Hause, alle anderen sind beschäftigt, die Santa Cruz-Entdecker drehen ein Ortsplättchen nach dem anderen um und die große Ohne Furcht und Adel-Runde meuchelt und stiehlt, was das Zeug hält. Jochen und ich entscheiden uns für Splendor. Mit den weißen Edelsteinen will es nicht so recht klappen, aber die grünen und roten fallen mir geradezu in den Schoß, dazu noch drei schwarze, und der erste Adlige gesellt sich zu mir. 16 Punkte nach 26 Minuten.

Vögel und Roboter

44 Minuten, der andere Florian hat gerade dank seiner Glücksfee Carmen das Ricochet Robots-Los gezogen, muss aber noch Vogelplättchen auf der Insel zählen. Da nutzen Jochen und ich die Gelegenheit, entzückende kleine Roboter gegen Banden prallen zu lassen, immer auf der Suche nach dem kürzesten Weg zum Ziel. Bei Splendor habe ich davon profitiert, dass ich das Spiel schon kannte. Bei Ricochet Robots hilft mir das gar nichts. Ein Symbol nach dem anderen wandert auf Jochens Seite. Als er fünf hat und ich erst eins, packen wir zusammen, denn auch die neuen Besitzer der Roboter wollen sich auf den Heimweg machen.

21 Minuten, alles räumt zusammen, nur Florian wirbt noch für einen Absacker. Qwixx zu viert. Ich beginne stark mit einer weißen Elf und einer Kombinationszwölf in Grün. Doch Jochen und Michael haben ein besseres Händchen beim Würfeln und ein Gespür dafür, welche Zahl wann anzukreuzen ist. Erst machen beide gleichzeitig die blaue Reihe zu, dann schließt Jochen Grün mit einer Zwei ab – sagenhafte 95 Punkte im ersten Versuch.

Schluss und aus

4 Minuten, Michael macht das Licht aus und schließt die Tür zum Pfarrsaal ab.

22.30 Uhr, die Fahrräder stehen in der Garage, die Spieletasche liegt im Flur. Bis zum nächsten Spieletreff sind es noch 21 Tage minus 150 Minuten.

Weiterlesen:

Live aus der Biathlon-Arena

by Florian

Guten Abend, liebe Zuschauer an den Bildschirmen. Ich begrüße Sie zu einer weiteren Liveschaltung, diesmal aus der Golf- und Biathlon-Arena Gut Häusern. Im Sommer marschieren hier die Herrschaften hinter fliegenden kleinen Bällen her, jetzt im Winter aber ist alles auf Ski und Schießen ausgerichtet!

Im Hintergrund sehen Sie bereits einen ersten Wettbewerb. Mir liegen dazu leider keine ausführlichen Informationen vor. Denkbar, dass es sich um Freizeitsportler handelt. Vielleicht eine Familie, ein Vater mit zwei Söhnen und einer Tochter … Egal, das Nähere können Sie morgen in Ihrer Lokalzeitung nachlesen. Wir wollen uns auf den Sport konzentrieren.

Na, da sehen wir doch einige Probleme mit dem Schießen bei allen vier Läufern. In der Loipe dagegen scheinen sie mühelos voranzukommen. Die beiden jungen Männer liegen vorn. Sie gehen in den Spurt. Der Blonde gewinnt! Der Braunhaarige wird Zweiter, das Mädchen folgt an Position drei.

Das war doch schon eine schöne Einstimmung, meine Damen und Herren! Bevor das Hauptrennen startet, ist jetzt noch Gelegenheit für eine kurze Konsuminformation.

Ein Werbespot zeigt ein riesiges weißes Designersofa. Plötzlich, mit einem Satz, springt von links ein schlammbedecktes Schwein ins Bild. Von rechts hüpft ein piepsendes Küken darauf, das unterwegs noch ein paar Federn verstreut. Ein Kater macht einen Satz in Richtung Küken, ein Hund beißt nach dem Schwanz des Katers, und dann jagen ein Esel und ein Schaf heran, die um die Wette an der Rückenlehne des Sofas knabbern – als eine Kuh vom Himmel fällt und alles unter sich begräbt. Eine tiefe Männerstimme sagt:

Wenn Sie wollen, dass Ihre Haustiere sich wirklich wohlfühlen, gönnen Sie Ihnen Oink! Oink – das Futter für einen Haufen glücklicher Tiere!

Zoom auf die Schweineschnauze, die unter der Kuh herausragt.

Auf geht's

Willkommen zurück beim Biathlon, meine Damen und Herren. Da sind auch schon die Athleten, und wir sollten uns mit der Startaufstellung vertraut machen. In Orange im Bild der Läufer Felix Einser – hoppla, das ist ja der Gewinner des Vorlaufs! Den jungen Mann sollten wir im Auge behalten. Da ist er schon gestartet. Hinter ihm fetzt Karen Zweier auf die Spur, verfolgt von Florian Dreier und Jana Vierer. Auch Nicole Fünfer und Carmen Sechser mühen sich nach vorn, doch was ist das, ein Stau im Anstieg! Florian Siebener kommt nicht am Feld vorbei und muss Tempo herausnehmen.

Gerade noch ausweichen konnte offenbar Michael Achter, der jetzt die Führungsarbeit übernimmt. Felix Einser und Karen Zweier ziehen mit. Diesmal ist es Florian Dreier, der ausgebremst wird und als Vorletzter zum Schießen kommt.

Das ist die typische Nervosität des ersten Schießens, was wir hier sehen, meine Damen und Herren. Doch mit einmal Nachladen sind die meisten ohne Strafrunde wieder in der Loipe. Auch gut zu erkennen: Diejenigen, die doch Strafrunden laufen müssen wie hier Carmen Sechser, lassen richtig Körner, um nur ja nicht den Anschluss ans Feld zu verlieren.

Während die zweite Runde beginnt, geben wir noch einmal ein paar Meter hinüber ins Studio für eine kurze Unterbrechung.

Kaufhausumgebung. Arrogante Adlige mit finsteren Mienen stehen am Wühltisch. Darin nicht etwa Socken oder Unterhosen im Fünferpack, sondern fette Juwelen. Eine etwas raue Frauenstimme flüstert:

Der Adlige von Welt, der etwas auf sich hält, lässt heute bei Splendor sein Geld! Splendor – der Juwelier Ihres Vertrauens. Hier finden auch Sie, was Sie immer gesucht haben.

Eine der Käuferinnen schnappt sich drei blaue, drei grüne und drei weiße Gemmen, die sie an einer Kette aufreiht. Die anderen blicken neidisch.

Wir sind kurz vor dem zweiten Schießen, meine Damen und Herren. Felix Einser und Florian Dreier haben im Anstieg das Tempo bestimmt. Ihrem anschließenden Antritt konnte nur Michael Achter folgen, der jetzt als Erster ins Schießen geht. Fehlerfreie Leistung! Während das Feld heranrauscht, schießt auch Felix Einser fünfmal ins Schwarze. Florian Dreier am Schießstand: Der erste geht daneben! Die anderen vier Schüsse sitzen. Jetzt heißt es nachladen. Wieder daneben! Das bedeutet eine Strafrunde.

Inzwischen beeindrucken Florian Siebener und Karen Zweier mit herausragenden Schießleistungen. Nicht ganz so sicher sehen wir hier Carmen Sechser, während Nicole Fünfer fast von der Spitze überrundet wird. Wie aus Protest gibt sie noch einmal alles und gerät zumindest für den Augenblick wieder außer Sichtweite.

Da ist auch Jana Vierer heran. Es wird noch einmal eng!

Michael Achter prescht unvorsichtig vor. Aus seinem Windschatten heraus beschleunigen erneut Felix Einser und Florian Dreier, gleich hinter ihnen aber Florian Siebener.

Felix Einser setzt alles auf eine Karte, um nicht noch zurückzufallen. Davon profitiert Florian Dreier! Er ist fast im Ziel! Fast gleichauf jetzt der andere Florian – Florian Siebener. Doch was ist das? Karen Zweier wird vom Publikum mit Auf geht’s! so heftig angefeuert, dass sie längst verlorene Kräfte mobilisiert und gewinnt!

Hinter ihr kommen Florian Dreier und Florian Siebener ins Ziel. Als Vierter jubelt Michael Achter – hat doch mit Karen Zweier eine Teamgefährtin gewonnen, die er begeistert abklatscht.

Jetzt müsste eigentlich die Siegerehrung erfolgen. Stattdessen Diskussion bei der Rennleitung – was ist passiert? Es scheint, als wäre Karen Zweier nicht ganz regelkonform nach vorne geflogen! Das Publikum hat sie offenbar in nicht erlaubtem Maß angeschoben, das Ergebnis muss korrigiert werden!

Jetzt ist Florian Dreier doch Sieger – wenn auch nur am grünen Tisch. Die Holzmedaille geht nun an Felix Einser, der doch so ambitioniert ins Rennen gestartet war. Er scheint sich zu sagen: Wartet nur, der nächste Winter kommt bestimmt!

Meine Damen und Herren, die Kollegen unten im Zielbereich suchen schon nach Interviewpartnern, aber wir müssen den Läufern auch einen Moment zum Verschnaufen gehen. Zum Glück sitzt neben mir eine angesehene Expertin, die uns sicher eine fundierte Analyse der Ereignisse geben kann. Was mich am dringendsten interessiert: Wie fühlt es sich denn so an, wenn man die Karriere beendet hat und nun nur noch von der Tribüne aus die Rennen verfolgt, Magdalena Neuner?

Weiterlesen: