Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Snowdonia

August 2019: Blitz, Dampf und Zauberverse

by Florian

Im August haben
wir ab und zu gespielt.
Dann kam Carsten.

Jump Drive

Das nennt man Fortschritt:
Jump Drive dauert halb so lang
wie Race – schwups – vorbei …

Res Arcana

Totenbeschwörung
ist für Zauberlehrlinge
die Top-Strategie.

Snowdonia

Ich wollte doch noch
so viele Gleise bauen
bei dem schönen Wetter!

Steam

Carstens Alpenplan
war für Age of Steam gedacht.
Ist uns doch egal.

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Daten aus Nördlingen

by Florian

Manche machen Notizen in Heften, kritzeln auf Zetteln oder füllen ihren Kalender. Andere nutzen ein Programm auf dem Smartphone, eine Textverarbeitung oder gleich eine Brettspiel-App. Der Rest verlässt sich auf sein Gedächtnis.

Bei einem fünftägigen Brettspiel-Wochenende fallen jede Menge Daten an. Gespielte Spiele. Ergebnisse. Punktestände. Spieldauer. Zahl und Namen der Mitspieler.

Nicht jeder interessiert sich für alle Daten. Auf einem alten Ergebniszettel, den wir in Thomas‘ Snowdonia-Karton fanden, standen nur Farben statt Namen. Uneinigkeit besteht auch, wie die Daten zu nutzen sind. Ein Mitspieler schlug am Wochenende vor, alle erzielten Punkte durch die individuelle Bedenkzeit zu teilen.

Peter

Typ: Mitspieler
Gemeinsam gespielte Partien: >15
Gemeinsam gespielte Spiele (Auszug): Pairs, Qwinto, Team Play, Exit – die verlassene Hütte

Nicole und ich waren am Mittag des 28. Oktober 2016 mit gewohntem Übereifer die ersten Spieletreff-Besucher in der Jufa Nördlingen. Als Dritter traf Peter ein, den wir von Kempten im Frühjahr kannten. Im Zug war er offenbar am Stau vorbeigefahren, von dem später der andere Peter berichtete. So konnten wir bei einem Kaffee die ersten kurzen Partien auf einem Tischchen im Empfangsbereich abwickeln.

Peter sagt, er bringt gerne ältere Spiele zu solchen Treffen mit. Gute Idee, vor allem Team Play zündete am Samstagabend. Bei K2 hatte er keine Zeit gefunden, vorab die Regeln zu studieren, was er nachholte, während andere noch ein Qwinto einschoben. Carsten mit dem schnellen Blick auch für unübersichtliche Regeln ergänzte gelegentlich Details.

Das Orakel von Delphi

Typ: Spiel
Autor: Stefan Feld
Erscheinungsjahr: 2016

Peter war das peinlich, und er äußerte später mehrfach, keine Regeln erklären zu können. Gänzlich ohne Zusammenhang möchte ich an dieser Stelle einen Hinweis an alle (darunter Peter) einschieben, die Das Orakel von Delphi von mir oder Nicole gelernt haben: Drei Details haben nicht gestimmt. So hat man nur die Wahl unter blauen Superhelden und Halbgöttern, und nicht unter allen, wenn man eine blaue Statue errichtet. Wer die Bootserweiterung zugelost bekommt, die erlaubt, dass alle Götter auf der ersten weißen Wolke starten, darf für seine vor Spielstart erhaltene Wundenkarte keinen weiteren Schritt vorgehen. Und wer beim Kampf mit einem Monster eine 0 würfelt, muss eine Wundenkarte nehmen.

Tja Leute, tut mir leid, das ist in der Kürze der Vorbereitungszeit trotz zwei Probepartien untergegangen. Aber geiles Spiel, oder?

Tilo

Typ: Mitspieler
Gemeinsam gespielte Partien: 5
Gemeinsame Stadtmauerumrundungen: 0,5

War Peter unser erster Mitspieler, so war Tilo der letzte, der zu unserer Runde stieß, denn er reiste erst am Sonntag an. Bis Veranstaltungsende am Dienstag folgten noch etliche Partien.

Tilo hat früher hauptsächlich Go gespielt und ist erst kürzlich zum normalen Brettspiel gewechselt – wegen der sozialen Komponente. Das lässt zutreffend vermuten, dass er ziemlich spielstark ist und einen guten Blick für sich bietende Gelegenheiten hat, aber wenigstens sind ihm manche Klassiker wie Russian Railroads noch vergleichsweise wenig vertraut.

Exit – die verlassene Hütte

Typ: Rätsel
Mitspieler: Nicole, Peter, Tilo
Benötigte Zeit: 71 Minuten
Benötigte Hinweise: 0

Der Trend zu Wegwerfspielen erreichte Nördlingen – Marcus brachte ihn in Form zweier Exit-Spiele von Kosmos mit. Nur das Wegwerfen entfiel. Die verlassene Hütte, in der Rätsel zu lösen sind, hinterließ Marcus uns gebraucht, aber saniert und bis auf einige dezente Knicke unversehrt, sodass eine Partie ohne große Hilfe möglich war. Und Junge, wir hatten Spaß.

Tilo machte den Teamleader. Das Handling der Lösungskarten habe ich bis zuletzt nicht ganz durchschaut, das übernahmen er und Nicole, und sie hatten auch immer den ersten Blick auf neue Hinweiskarten, ohne auf dem Kopf zu lesen. Das war aber gar nicht schlimm, auch Peter und ich trugen Ideen bei oder lösten bestimmte Rätsel allein – manchmal während andere noch bürokratisch beschäftigt waren. Dennoch der Hinweis an potenzielle Käufer, vier Mitspieler sind nach meiner Einschätzung das Maximum für ein Exit-Spiel, bei mehr wird es schwer, alle gleichermaßen einzubinden.

Das Spiel geht nominell gegen die Zeit, und uns vieren hat der leichte Zeitdruck durchaus Spaß gebracht. Bei weiteren Exit-Spielen würde ich im Zweifel aber immer lieber die Zeit außer Acht lassen und dafür versuchen, erneut ohne Hinweiskarten auszukommen. Selbst wenn man zwischendurch eine Pause und einen Stadtmauerspaziergang einlegen müsste, um auf neue Ideen zu kommen.

Great Western Trail

Typ: Spiel
Mitspieler: Thorsten, Carsten, Tilo
Dauer Regelerklärung: 35 Minuten
Spieldauer: 180 Minuten

Am Vorabend hatte ich mit Tilo Great Western Trail gespielt, den Mombasa-Nachfolger von Alex Pfister bei Eggertpiele. Und mit Erklärer Thorsten lernte ich einen zweiten neuen Mitspieler kennen. Kurz, ich war nicht begeistert, meine Mitspieler aber schon.

Ich finde die Symbolsprache auf den Häusern wenig einleuchtend, und das Thema Wild West – an sich nicht uninteressant – passt so dermaßen überhaupt nicht zu den Abläufen, dass es dem Spiel richtig im Weg steht. Und den Eindruck habe ich selten; Themen helfen mir meist, Regeln zu memorieren, auch wenn sie ein wenig aufgesetzt wirken.

Ja, und die Abläufe, immer wieder die gleiche Route quer über den Spielplan ziehen und dabei Rindviecherkarten sammeln. Ich fand das monoton. Mir ist klar, dass ich es schlecht gespielt habe: Wir reden von einem Alex-Pfister-Spiel! Und bei Carsten hat es sofort „klick“ gemacht, er landete bei über 90 Punkten, während wir drei jeweils etwas über 50 hatten.

Ich bin sicher, Great Western Trail kann großen Spaß machen, das kann nicht anders sein, aber ich müsste wahrscheinlich mindestens zehn weitere Stunden aufbringen, um langsam die Zusammenhänge zu durchschauen, und das scheint es mir nicht wert. Außerdem fehlen mir die Mitspieler. Ich bleibe bei Mombasa, das übrigens bis auf Autor und Verlag nichts mit Great Western Trail zu tun hat.

Teilnehmerliste

Typ: Metadaten
Zahl Einträge: >30
Häufigste Namen: Thomas, Peter, Thorsten, Florian

First-Class-Mitspieler

Wo ich gerade Carsten erwähnt habe, dieser fast schon alte Bekannte (zweieinhalb Jahre sind es inzwischen, seit er uns Caverna erklärte) war auch wieder da. Auf Nachfrage brachte er uns am Sonntag First Class von Helmut Ohley bei, das neue Hans-im-Glück-Spiel, und für eine zweite Partie am Dienstagmorgen gesellte sich mit dem anderen Peter ein weiteres Mitglied der berüchtigten Sommerschafkopfrunde von Kempten zu uns.

Manche anderen früheren Mitspieler sah ich diesmal leider nur von fern, darunter die immer gut gelaunten Sabine und Carmela, der grantenlnde Marcus und der schimpfende Bodo, aber auch der fleißige Veranstalter Thorsten. Wenn ich recht gesehen habe, hat er vor dem Gehen an der Rezeption über Termine für die nächste Auflage der Veranstaltung verhandelt.

Riesenfuss

Typ: Mitspieler
Klarname: Thorsten
Beiname: der Große
Gemeinsame Partien: 5

Den großen Thorsten kannte ich noch nicht, aber ich erkannte ihn anhand von Beschreibungen, als er groß und im Bass eine Regel erklärend plötzlich einen der drei Spieleräume dominierte, die uns der andere Thorsten organisiert hatte. Er erklärte mir und weiteren Mitspielern auch Jorvik, das sich von der Speicherstadt regeltechnisch nicht zu unterscheiden scheint, King’s Gold und Mystic Vale.

Mein Highlight darunter war Jorvik, zählt doch die Speicherstadt zu meinen Lieblingsspielen, und das Wikingerthema passt fast noch besser. Ich war auch schon zweimal in der namensgebenden englischen Stadt York. Und dann ist Thorsten selbst ein Wikinger, und man kann schön mit ihm flachsen, ihn ärgern und die Preise hochtreiben. Das machte ich häufig, ich saß schließlich direkt hinter ihm. Gewonnen hat er trotzdem, aber er trug ja auch ein Wikinger-T-Shirt.

Seine Partien protokolliert Thorsten vergleichsweise ausführlich, er notiert neben dem Spieltitel auch die Mitspielernamen und die Punktestände. Meine wesentlich kürzere Liste sah er durch. Da ein Stempel gerade nicht verfügbar war, setzte er als Ausdruck seiner Zufriedenheit eine Zeichnung eines Totenschädels mit herausgestreckter Zunge hinzu.

Spieleliste Nördlingen

Carolin und Florian

Typ: Mitspieler
Verwandtschaftsgrad: Geschwister
Bevorzugte Spiele: Galaxy Trucker, Roborally

Daten können langweilig sein für den, der ihre Bedeutung nicht kennt. Spätestens mit einer Aufzählung der Namen aller Teilnehmer würde ich eventuelle Leser verschrecken, die nicht in Nördlingen dabei waren und sich nur in diesen Bericht verirrt haben, vielleicht auf der Suche nach konsumrelevanten Informationen zu den neusten Brettspielen oder weil sie aus Vierkirchen stammen. Aber ein paar Mitspieler muss ich schon noch namentlich erwähnen, vor allem die beiden jüngsten, Carolin und Florian.

Mit Florian bildete ich eine starke Mannschaft in Team Play, nur um einen Punkt geschlagen von Carolin und Thomas. Dabei trug Thomas wenige Punkte bei. Ich vermute, eine erfolgreiche kleine Schwester kann recht anstrengend sein. Florian ließ sich aber nichts anmerken.

In Zoff im Zoo gewann Florian dann, weil ich mit meinen wechselnden Partnern so schlecht kooperierte, Chris nahm ich die ganzen Löwen weg (tut mir leid, aber manchmal muss man an sich selbst denken), und mit Carolin stürzte ich komplett ab.

In der Codenames-Runde Jungs gegen Mädels gab es mit Beteiligung des Spielernachwuchses dann ein Unentschieden. Und die Kutschfahrt zur Teufelsburg haben Nicole, Carolin und ich zusammen gewonnen, weil ich ahnte, dass Carolin kurz zuvor Nicole den Kelch weggenommen hatte.

Dem Spielernachwuchspaar gefiel offenbar auch mein am häufigsten gespieltes Spiel des Wochenendes gut: Automobiles. Gewonnen hat natürlich erst einmal wieder Carolin.

Automobiles

Typ: Spiel
Autor: David Short
Erscheinungsjahr: 2016
Zahl meiner Partien: 4

Bis auf den Dienstag machte ich jeden Tag eine Partie Automobiles, und mindestens zweimal wurde es ohne mich gespielt, sodass es statistisch vielleicht das beliebteste Spiel des Wochenendes war. An dieser Stelle einen besonders lieben Gruß an Tiffany, die im Kundensupport bei Alderac Entertainment arbeitet und mir zugesagt hat, den fehlenden fünften Beutel schnellstens in die Post zu stecken, damit ich bei maximaler Mitspielerauslastung nicht mehr Orléans plündern muss.

Automobiles ist ein ziemlich elegantes Rennspiel auf Basis eines Bagbuilding-Mechanismus. Karten erlauben, den farbigen Funktionswürfeln in jeder Partie eine andere Aufgabe zukommen zu lassen.

Einen besonderen Einfall hatte Heiko, der mir in einer Partie einfach alle violetten Würfel wegkaufte, sodass sich mir keinerlei Möglichkeit bot, braune Verschleißwürfel loszuwerden. Die Folge: Ich war durch braune Würfel bisweilen blockiert, Heiko ebenso oft durch violette Würfel. Der dritte Mitspieler, Tom, gewann – zugegeben nicht unverdient, mit einer ausgewogenen und durchdachten Würfelzusammenstellung.

Über Heiko und Tom könnte ich auch ganze Seiten vollschreiben. Von Tom lernte ich Chromosome, ein seiner Freundin gehörendes fieses Kampfspiel, das diese in Essen aufgrund seiner entzückenden thematischen Einkleidung – Molekularbiologie – überzeugt hatte. Mit Heiko, dessen Geschmack grundsätzlich zu konfrontativen Spielen tendiert, hatte ich dagegen Schwierigkeiten, ein gemeinsames Spiel zu finden, um 30 Minuten zu überbrücken. Letztlich wählten wir Thurn und Taxis, das Heiko eigentlich nicht spielen wollte, weil es da eine unschlagbare Gewinnstrategie gebe, gegen die er immer verliere und die er aber vergessen habe.

Nördlingen

Typ: Point of Interest
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Stadtmauer: vollständig erhalten
Sonstiges: Ort des 21. langen Brettspielwochenendes des Brettspieletreffs Stuttgart

Nur eine Partie, aber eine angenehm ruhige und vergleichsweise erfolgreiche habe ich mit Anja und Michael gespielt. Sie brachten Nicole und mir Dynasties bei, die letztjährige Essen-Neuheit von Hans im Glück: Ich wurde Zweiter hinter Dietmar.

Ich mag Spiele, bei denen einer teilt und ein anderer wählt, etwa Canal Grande und Aber bitte mit Sahne. Hans im Glück ist sowieso der beste Spieleverlag, das sage ich schon aus Patriotismus, aber Dynasties kommt uns dennoch nicht ins Haus, das kann man nicht zu zweit spielen. Schade eigentlich.

Anja und Michael schleppten zudem Attika mit nach Nördlingen, das zu lernen sich Nicole gewünscht hatte. Sie will ihre zu zweit begonnenen Studien nun auf Yucata weiterführen.

Snowdonia

Typ: Spiel
Erscheinungsjahr: 2012
Autor: Tony Boydell
Mitspieler: Matthes, Nicole, Thomas

Daten kann man für Prognosen nutzen, und ich möchte prognostizieren, dass Thomas, Nicole und ich auch beim nächsten Treffen wieder Snowdonia spielen werden. Wir sehen das als Tradition an, auch wenn wir es diesmal beinahe vergessen hätten.

Zu unserer selbst gestrickten Legende um das Worker-Placement-Spiel von Tony Boydell gehört es, dass wir die drei einzigen Menschen in Süddeutschland sind, die es zu schätzen wissen. Wie alle Legenden stimmt auch diese nicht so ganz, Matthes als vierter Mann schien ziemlich zufrieden mit dem Bau der Bahn auf den höchsten Berg von Wales. Seine Stahlhüttenbaustrategie sah gut aus, unterlag aber Nicoles Geröllschippen, das wir alle drei ihr nicht streitig machten. Wie das in Wales so ist, muss auch das Wetter passen, und wir blieben diesmal von Nebel verschont.

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Novemberspielen auf der Schwäbischen Alb

by Florian

Egal ob Barbiepuppen, Fußball oder Brettspiele – wer zweckfrei spielt, tut das am liebsten mit Freunden. Das ist wohl auch der Grund, warum es immer einen Hauch von Überwindung kostet, einen neuen Spieletreff zu besuchen: Was für Leute werden dort sein?

Nicht offen, aber heimlich habe ich mir diese Frage vorm Novemberwochenende des Brettspieltreffs Stuttgart in Ruppertshofen auf der Schwäbischen Alb gestellt. 2014 waren wir schon einmal mit den Stuttgartern in Nördlingen, aber das war im Sommer und nur für einen Tag. Und nur als Tagesgäste.

Splendor

Wie’s dann doch meistens ist, gerade unter Spielern: Wir wurden nett aufgenommen, unsere Spiele auch, und alle hatten vier schöne Tage. Dennoch möchte ich betonen, dass in Ruppertshofen immer darauf geachtet wurde, dass keiner je allein dastand, niemand ausgegrenzt wurde, dass sich immer Tische mit mindestens drei Leuten fanden, auch wenn man dafür mal umplanen und das Fünf-Personen-Lieblingsspiel aufschieben musste. Das ist auch in Vierkirchen selbstverständlich – aber nicht in jedem Treff. Fand ich gut!

Ebenfalls positiv: Weder Barbiepuppen noch Fußball waren an diesem Wochenende sonderlich wichtig.

Mitgebrachte Spiele

Ich werde nicht jede Partie zwischen Donnerstagmittag und Sonntagnachmittag aufzählen können, wenn dieser Bericht jemals fertig werden soll – die erste aber war Royal Goods, das wir übergangsweise zu zweit angefangen hatten, während die vor uns Gekommenen ihr Among Nobles beendeten. Peter und Thomas zeigten gleich Interesse, und ich glaube, es war nicht einmal geheuchelt: Peter hat im Lauf des Wochenendes mindestens zwei weitere Partien dieses kleinen Kartenspiels gespielt, bei dem Karten Produktionsstätten ebenso wie Güter sein und durch Produktionsketten veredelt werden können.

Roll for th Galaxy

Roll for the Galaxy kam ebenfalls so gut an, dass es auch ohne uns gespielt wurde, der eine erklärte es dem anderen, und am Samstag, als sich Nicole mal als Regelerklärerin übte, hätte Armin ihr mit Erläuterungen ausgeholfen, der das Spiel selbst seit ein paar Stunden von Peter oder Carsten kannte, wenn, ja, wenn wir ihn gelassen hätten.

Die Erweiterungen Orléans Invasion und German Railroads trafen ebenfalls den richtigen Nerv – Carsten hatte Orléans sogar selbst dabei. Schlimm, dass wir nur vier Tage Zeit hatten. Ich hätte gern noch einmal eine Bahnlinie von München nach Berlin gebaut. Oder nach Hamburg. Oder doch … hm, lasst mich noch mal eine Minute nachdenken.

Bekannte Spiele

Nicht nur wir, auch alle anderen hatten mehr gute Spiele dabei, als sich in vier Tage quetschen ließen. Einige dieser Spiele kannten und mochten wir. Endlich wollte mal jemand Snowdonia und Suburbia mit mir spielen! Das Erste habe ich zuletzt solo auf dem Tisch gehabt, das Zweite schon länger gar nicht mehr. Beide stammten aus dem Gepäck von Thomas, der auch Die Glasstraße dabeihatte und kompetent erklärte und somit zu meinem Ruppertshofen-Gesamterlebnis entscheidend beitrug. Aber warum nur musste er dermaßen oft gewinnen!

Nicole spielte parallel zu meinem Snowdonia das zweite Caverna ihres Lebens, zieht aber nach eigenem Bekunden im direkten Vergleich das zuhause gebliebene Arler Erde vor. Das ist ganz gut so: Arler Erde ist nur für zwei, Caverna aber für bis zu sieben Spieler ausgelegt. Wobei der Tisch schon zu fünft ein paar Stunden brauchte.

Caverna

Schön war für mich auch, wieder mal eine Runde Stille Post extrem zu spielen (wenngleich nicht sehr still, wie der Nebentisch monierte). Das Spiel hatte ich 2014 in Nördlingen kennengelernt – und auch damals war Sabine dabei.

Neue Spiele

Niemand kann uns also beschuldigen, in Ruppertshofen dem „Cult of the New“ gehuldigt zu haben – dem auf Boardgamegeek sprichwörtlichen Drang von Vielspielern, immer nur Neuheiten auszuprobieren und Altes zu schmähen. Trotzdem gab es natürlich auch für mich Neues.

Ganz oben auf meiner Wunschliste steht seither das von Sabine eingeführte 20-Minuten-Spiel Codenames. Ein Erklärer muss mit einem Wort einige wenige von 25 ausliegenden Wörterkärtchen zusammenfassen. Er sagt zum Beispiel „Grün 3“, und sein Team weiß dann, dass genau drei Karten gesucht werden, die grüne Gegenstände benennen. Beispielsweise „Kaktus“, „Wald“ und „Ökostrom“. Dumm nur, wenn auch „Fischer“ ausliegt und der Erklärer nicht an eine mögliche Assoziation gedacht hat.

Weniger begeistert hat mich leider Imperial Settlers, das aktuelle Lieblingsspiel meiner Vierkirchner Mitspieler Vincent und Dominik. Thomas hatte es dabei. Marcus kritisierte die Unübersichtlichkeit der vielen Karten mit dem kleinen Text. Gut, das ist bei Roll for the Galaxy nicht anders. Man muss nicht immer genau alle Karten der Gegner kennen, und nach einem Dutzend Partien erkennt man die wichtigen ohnehin auch von Weitem. Was mich mehr gestört hat: Es zieht sich, ich musste oft den anderen zusehen, zumindest zu viert – während in Roll alle gleichzeitig aktiv sind. Ich finde Imperial Settlers auch arg lang fürs Gebotene. Und oft hatte ich das Gefühl, eine naheliegende optimale Zugfolge mit den zugeteilten Karten auszuführen, also gespielt zu werden. Okay, ich kann mich getäuscht haben, ich wurde Letzter – hatte aber auch frühzeitig ein zentrales Gebäude an einen gegnerischen Vulkanausbruch verloren.

In einem will ich Marcus Recht geben: Hansa Teutonica, das wir beide ebenfalls erstmals spielten, ist eleganter als Roll for the Galaxy oder Imperial Settlers. Jeder hat jederzeit die vollständige Spielsituation im Blick. Klasse finde ich auch, dass die Verdrängungsaggression für das Opfer sogar Vorteile hat. Manchmal platziert man sich bewusst, um verdrängt zu werden. Und ebenfalls positiv: Aggressionen treten hier nie willkürlich auf, gegen den Führenden oder weil der da heute schon dreimal gewonnen hat. Nein, wer in Hansa Teutonica andere verdrängt, tut das klugerweise nur aus Eigeninteresse. Damit ist der Angriff absehbar – und eben nicht willkürlich.

Interessant war auch das Kartenspiel mit dem bizarren Thema, Die blutige Herberge, wo wir als zentralfranzösische Gastwirte entweder kleine Zimmerpreise einnehmen oder deutlich lukrativer die Reisenden ermorden – aber dann auch verscharren müssen, wegen der Polizeikontrollen. Tom (nicht zu verwechseln mit Thomas oder dem anderen Thomas) hatte es mitgebracht, und eine zweite Partie wäre sinnvoll gewesen. Es kam nicht dazu.

Eketorp

Ohne mich hatte Nicole am Donnerstagabend außerdem Keyflower gelernt und gleich mal gegen erfahrene Spieler gewonnen. Bei ihrem zweiten Überraschungscoup war ich dann dabei: dem Queen-Spiel Eketorp, das Tom am Samstag auflegte, eigentlich ein nicht sehr spannend klingendes Blindbieten, das aber am fortgeschrittenen Abend durchaus Spaß machte und eine denkwürdige Wendung nahm.

In Eketorp bauen wir nämlich eine Wikingerstadt mit einem Schutzwall aus billigen oder teuren Rohstoffen, um die wir uns notfalls mit Karten prügeln. Armin schien mit billiger Grasbauweise einen klaren Vorsprung herausgeholt zu haben, während die meisten – etwa ich – so dahin dümpelten oder andere – etwa Nicole – mühsam Holz, Lehm und Steine herbeikarrten. Kein Wunder, dass Armin bald von Möchtegern-Dieben belagert wurde. Und als dann die meisten seiner Männchen angeschlagen aussetzten, ritt Nicole die entscheidende Attacke, holte sich sechs grüne Steine auf einen Schlag und war im Handstreich mit ihrer Wikingermauer fertig. Spiel aus – gewonnen.

Verpasste Spiele

Vier Tage Dauerspielen klingen nach viel, sind aber doch zu wenig. Ich habe bereits erwähnt, dass mir eine zweite Partie Blutige Herberge entging, auch Caverna oder Keyflower fanden leider ohne mich statt. Daneben hätte ich gern mal Among Nobles ausprobiert, das produzierte so interessante Tischgespräche wie: „Ich muss dringend heiraten.“ – „Ich brauch ’nen Mann für meine Tochter.“

Auch Affentennis will ich seit Jahren probieren. Und von Battlestar Galactica habe ich keine Ahnung, ist das nun ein großartiges Spiel oder nur ein aufgemotztes Werwölfe? Ich hätte es gern herausgefunden. Jedenfalls war es am Sonntagmorgen noch Gesprächsthema beim Frühstück, als einer der beiden Verräter (ich glaube, sie heißen Zylone) schon gar nicht mehr da war – der sonst doch so unverdächtig und nett wirkende Tom.

Ein knapper Abschied

Die Burgen von Burgund

Nach diesem Sonntagsfrühstück gab es noch einmal eine entspannte, aber konzentrierte Runde mit Carsten, Thomas und Nicole. Wir testeten die kompetitive Orléans-Erweiterung Blütezeit, rollten noch einmal durch die Galaxis – und besuchten Die Burgen von Burgund. Mit dem knappsten Ergebnis, das ich je gesehen zu haben mich erinnere. Obwohl es Thomas‘ erste Partie war. Ich gewann, einen Punkt vor Nicole, vier vor Thomas und sieben vor Carsten. Dass ich ein Foto der Siegpunktleiste machte, ist wohl deutlicher als alles, was ich noch dazu sagen könnte.

Ob’s beim nächsten Mal wieder so schön wird, kann ich eigentlich nur bezweifeln. Man muss schließlich realistisch bleiben! Aber ich hoffe auf jeden Fall, bald wieder bei einem Wochenende der Stuttgarter Gruppe dabei zu sein.

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