Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Sankt Petersburg

Bubu nicht für jedermann

by Nicole

Nico macht 2016 nicht bei der Regvor mit. Er geht am letzten Februarwochenende lieber zum Skifahren. „Das ist viel besser“, sagt Nico, was Michael gar nicht gerne hört. Nicos Begründung kann er dann aber doch akzeptieren. Nicht viel besser, sondern exakt doppelt so gut. Denn Ski gefahren wird zwei Tage, gespielt nur einen.

Nico ist nicht der Einzige, der 2016 andere Prioritäten hat. Ob Vierkirchen verspielt es tatsächlich noch einmal schafft, mit drei Mannschaften das teilnehmerstärkste Dorf zu geben, ist fraglich. Christian zum Beispiel spielt gerne und gut. Aber er mag den Konkurrenzkampf nicht, den Ehrgeiz, der die Regvor prägt. Deswegen will er bestenfalls als Springer zur Verfügung stehen. „Wenn ich mitmache, nur in dem Team, das nicht unbedingt gewinnen will.“Und dann ist da noch Jochen. Der Edeljoker. Zwei Jahre wurde er nachnominiert, zwei Jahre schnitt er glänzend ab, beide Male einer der besten Vierkirchner. 2015 nun war Jochen von Beginn an festes Mannschaftsmitglied – und die Unbefangenheit weg. In 7 Wonders wäre er sogar fast Fünfter geworden. „Ich sehe mich als Ersatzspieler“, sagt Jochen, der zudem ein gespaltenes Verhältnis zum Strategiespiel 2016 hat: Die Burgen von Burgund. „Ich bin bis jetzt jedesmal Letzter geworden. Also, nee, nee, nee.“ Jochen hat Bubu überhaupt erst dreimal in seinem Leben gespielt. Einmal am Abend vor der Regvor 2013, um es noch schnell zu lernen, dann beim Turnier selbst und schließlich zweieinhalb Jahre später am Montagabend beim Spieletreff. Mit Christian, Vincent und mir.

Spieleabend 7. Dezember 2015

Auch diesmal plätscherte das Leben im Burgund vor sich hin. Kühe wollten gemolken, Waren verschifft und Märkte abgehalten werden. Seine Besitztümer zu mehren brauchte Zeit. Andere ließen Petersburg mitsamt Hofmeisterin und ihrem Schreiber auferstehen, quälten in ihrem Herrschaftsbereich Missliebige mit Bürokraten, um dann wieder versöhnt und vereint den Feind, The Game, zu besiegen und dann ganz entspannt zu sagen: „Take it easy.“

Im Burgund gab es weder Kriege noch wurden Allianzen geschmiedet. Man nahm der Konkurrenz höchstens mal zwei Schafe oder drei Schweine weg, aber immer bestand die Möglichkeit, sich anderweitig zu behelfen. Hier eine Burg, da ein Schiff, dort eine Mine – das Herzogtum gedieh. Prächtige Gebäude, reiche Hühnerfarmen, eine wahre Freude. Spielen kann so schön sein. Mit und ohne Regvor.

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Nominierte und Vermisste

by Florian

Die Nominierten stehen seit heute fest. Colt Express, Machi Koro und The Game können Spiel des Jahres werden. Alle sind in Vierkirchen bekannt. Zwei bringe ich heute mit, eines ist vorübergehend in Ebersbach verschollen. Werden sie gespielt werden?

Neuheiten raus

Es ergeben sich ein Jugend- und ein Erwachsenentisch. Nix mit Nominierten. Die Erwachsenen lernen Sankt Petersburg und erfahren, dass man immer flüssig bleiben sollte. Die Jugend erobert Zwanzig-Minuten-Imperien, wie Michael das Acht-Minuten-Imperium umgetauft hat.

Das neue Sankt Petersburg mit seinen sechs Erweiterungen stellt uns vor Probleme. Wir wollen die Basisversion, ohne Schnickschnack, zwei Leute spielen das schließlich zum ersten Mal. Welche Karten sollen raus aus dem Ring? Welche rein? Wir finden in den beiden Anleitungsheften nur die Erklärung, welche Karte welchen Spieleautor zeigt.

Adel haut rein

Die Erwachsenen geben früh viel Geld für Gebäude aus – alle außer mir, denn damit bin ich letztes Mal reingefallen. Jochen kombiniert billige kleine blaue Gebäude mit einer grünen Rabattkarte für eben diese blauen Gebäude. Christian baut große Gebäude, aber nur, wenn er genug Geld hat, und lässt die Adligen nicht außer Acht. Schließlich ist es seine zweite Partie, und er will es besser machen.

Ich lasse die Gebäude bis auf eine Sternwarte und Schenke völlig außen vor. Zur Hälfte des Spiels habe ich noch keinen einzigen Punkt, später kommen ein paar über Adlige herein. Aber am Ende reicht es doch. Neun Adlige, während von den Gegnern keiner mehr als fünf hat.

Nur Michael ist enttäuscht. Das Spiel lief an ihm vorbei. Ein Klassiker? Er bleibt skeptisch.

Comeback der Colts

Die Jugend ist inzwischen zu sechst und spielt Colt Express. Doch noch ein nominiertes Spiel. Es endet fast zeitgleich mit Sankt Petersburg. Erst zehn Uhr? Ein The Game geht noch. Christian und Jochen erfahren, dass man sagen darf, „hier kann ich springen“, aber nicht „einstellig“, „zweimal so groß“ oder „Viertel“.

Vermisstenmeldung

Vermisst wurden zahlreiche Mitspieler, namentlich aber Sergej, für den Michael Crazy Race dabei hatte. Vermisst wurde auch der Besitzer von Machi Koro, nämlich Tom, nicht vermisst wurde hingegen Machi Koro selbst. Zumindest nicht von mir. Und ja, das musste ich dringend noch einmal erwähnen.

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Beim Drachen nebenan

by Florian

Eines wollte ich in Sankt Petersburg immer schon ausprobieren: in der ersten Runde ein Theater bauen, das jede Runde sechs Punkte bringt, und abwarten, wie lange der Punktevorsprung hält. Wer das Spiel kennt, weiß: Man ist dann ganz abgebrannt und braucht mindestens zwei Runden, um wieder flüssig zu werden. Theater ist eine brotlose Kunst, bringt aber Ansehen in Form von Siegpunkten.

Nach zwei Runden zog Antonia vorbei, die Feuerwehren für je drei Siegpunkte baute und damit flexibler war als ich mit dem doppelt so wertvollen Theater. Nach vier Runden zog Christian vorbei, der blaue Gebäude inzwischen billiger bekam und sie im Dutzend einkaufte – angefangen mit fünf Märkten, die er bevorzugt abriss, um sie mit edleren Gebäuden zu überbauen. Kurz darauf zog auch Nicole vorbei, deren Punkte von der Adelsriege samt Hofmeisterin kamen.

Alles auf eine Karte

Nicole gewann, die beiden Petersburg-Neulinge schlugen sich mit zehn bis 20 Punkten Rückstand achtbar, ich wurde klar Letzter. Nie wieder setze ich alles auf eine Karte.

Nie wieder – zumindest bis das Zeitalter des Krieges anbricht. Dummerweise hieß so unser nächstes Spiel. Und ich setzte alles auf Kasugayama. Diesen Namen trägt die am schwersten zu erobende Provinz Japans. Ich scheiterte dreimal, Christian ebenfalls zwei- oder dreimal. Er wechselte auf leichter zu erfüllende Karten, ich bekam schließlich doch noch Kasugayama – und in der letzten Runde ihre Schwesterprovinz Kitanosho dazu. Das brachte den überraschenden Spielsieg. Die anderen hatten jeweils ein Set gesammelt.

Es war zehn vor zehn, Vincent sollte gehen, fand Christian. Vincent hatte am Nebentisch gerade angefangen, Drachenschatten zu spielen, das er sich seit Wochen wünscht. Wir ließen ihn, denn mit Love Letter fanden wir dann doch noch Antonias Favoriten im Drachenhort – pardon, Spielestapel.

Ein Ring, sie zu knechten

Love Letter gibt es jetzt in der Hobbit-Edition – gleiches Spiel, anderes Thema. Wie bei Sankt Petersburg war es die alte Version, die in Vierkirchen auf den Tisch kam. Christian wollte als Einziger eine Übersichtskarte, obwohl er vor zwei Wochen an gleichem Ort Sieger geworden war. Er machte auch das erste Herz, wenn man das so sportlich ausdrücken kann. Was sammelt man wohl in der Hobbit-Edition? Der Eine Ring, sie zu knechten, reicht nicht ganz für eine Sammlung. Dann doch eher die sieben für die Zwergenherrscher in ihren Hallen aus Stein?

Wir spielten um Herzen. Christian und ich holten jeder nur eins. Nicole und Antonia flogen je zwei zu. Dann war der Drache besiegt – nicht von uns, wir hatten ja nicht die Smaug-Edition, sondern von Vincent am Nebentisch. Wir löschten die Lichter in der Höhle. Michael schloss die Tür ab. Die Schätze aber trugen wir in unseren Sporttaschen wieder nach Hause.

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Russische Regale

by Florian

Die Welt schuldet dem russischen Zarenreich gleich regalweise Dank. Die Zensur zwang damals schließlich Iwan Turgenjew, das versteckt sozialkritische Meisterwerk Aufzeichnungen eines Jägers zu schreiben. Fjodor Dostojewskij wurde ins Lager gesteckt, um Material für Aufzeichnungen aus einem Totenhaus sammeln zu können. Und Zar Nikolaj I. übernahm sogar Alexander Puschkins Schulden, nachdem das Geschwätz an seinem Hof den Dichter in ein Duell mit tödlichem Ausgang getrieben hatte.

Erstaunlich eigentlich, dass es den Kommunisten später trotz der imposanten Vorlage gelang, nahtlos an diese Erfolge anzuknüpfen. Isaak Babel wurde – wie Dostojewskij hundert Jahre zuvor – zu Tode verurteilt, das Urteil aber nicht wie bei jenem in letzter Minute, sondern erst 14 Jahre nach der Hinrichtung aufgehoben. Boris Pasternak publizierte wie Turgenjew bestenfalls im Westen, und auch Wladimir Majakowskij nahm sich das Leben, als er die Schikanen nicht mehr aushielt.

Nicht nur Bücher-, auch Spieleregale hat Russland bereichert. Russian Railroads hat den deutschen Spielepreis 2014 gewonnen. Zehn Jahre vorher war dies Sankt Petersburg aus dem gleichen Verlag gelungen, mit einer bis heute begeisternden Grafik von Doris Matthäus. (Gerade ist eine Neuauflage erschienen, allerdings auch mit neuer Grafik.) Eine der besten Dampfross-Karten der Laurin-Ausgabe von 1992 ist die des russischen Reichs. Und was die Kommunisten angeht: Das Zweipersonenspiel Twilight Struggle über den Kalten Krieg führt bei Boardgamegeek die Liste der besten Spiele aller Zeiten an.

Russisch-Lexikon

Wer diese und andere gute russische Spiele im Regal stehen hat, möge sie mitbringen – zum nächsten Vierkirchner Spieleabend am 17. November 2014. Wie immer sind natürlich auch andere Spiele herzlich willkommen.

Auswärts gespielt im Mai

by Florian

Vierkirchen verspielt ist natürlich der beste, klügste, schönste und freundlichste Spieletreff überhaupt. Das stand ja neulich sogar in der Zeitung. Aber …

Im Mai war ich dreimal auf anderen Spieletreffs, zweimal in Milbertshofen und einmal in Karlsfeld. Die vielleicht interessanteste Information: Dachau hat jetzt auch einen Spieletreff, der noch dringend nach Mitspielern sucht. Jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat. Vielleicht im Juni?

Den Hinweis bekam ich übrigens von einem Mitspieler, der auf allen drei von mir besuchten Veranstaltungen war. Dazu hat der Kerl zweimal in Dachau gespielt – und wer weiß wo noch. Warum zum Teufel haben wir ihn bisher nie in Vierkirchen gesehen?

Ende eines Arbeitseinsatzes

Den Anfang meiner Auswärtsspiele machte eine Fünferpartie Spyrium von William Attia – ein weiteres Arbeitereinsetzspiel mit Kniff. Schließlich war Attia derjenige, der mit Caylus die Arbeitereinsetzlawine so richtig losgetreten hat. Bei Spyrium setzen wir Arbeiter zwischen die Optionsfelder – so als könnte man in Stone Age seine Männchen zwischen Holz und Ziegel setzen, um erst später zu wählen, welches von beiden man nehmen möchte. Je mehr Konkurrenz vor Ort ist, desto teurer wird’s. An Geld aber kommt man durch die zweite Möglichkeit: Man nimmt sein Männchen ohne Aktion zurück und erhält so viele britische Pfund, wie man Nachbarn hat.

Spyrium zu fünft war lang und intensiv. Ganz anders das Bergwerksspiel Glück auf, das ich bewundernswert elegant fand. Der Arbeitereinsatz regelt hier alles, es gibt keine Sonderregeln etwa für Abtransport der Rohstoffe oder Einkommen. Hat ein anderer die gewünschte Aktion allerdings schon früher gewählt, steigt die Zahl der benötigten Figuren.

Spontan hätte ich Glück auf als starken Kandidaten fürs Kennerspiel des Jahres gesehen. Das war, wie sich inzwischen herausgestellt hat, eine Fehleinschätzung. Möglicherweise haben die Juroren die Arbeitereinsetzspiele inzwischen so ein bisschen satt. Die Autoren Wolfgang Kramer und Michael Kiesling schafften es darüber hinaus auch mit Abluxxen und Nauticus nicht auf die Nominierungs- und Empfehlungslisten 2014 – nur Kiesling alleine mit Sanssouci, das ich nicht kenne. Hallo Dachau, habt Ihr dieses Spiel?

Ärger mit zwei Hofmeisterinnen

Auf den letzten Auswärtstermin – erneut in Milbertshofen – begleitete mich Nicole. Veranstalter Andreas erklärte uns geduldig den Kennerspiel-Kandidaten Istanbul und den Spiel-des-Jahres-Kandidaten Camel Up. In beiden wird gewürfelt. Genug gesagt.

Als anschließend Kalle Schmiel nach Testern für die Neuausgabe von Sankt Petersburg suchte, sagte Nicole gleich „klar“. Ehrlich gestanden, ich spiele lieber fertige Spiele, schloss mich aber letztlich doch der Runde an. Immerhin hat Sankt Petersburg keine Würfel.

Die neue Version enthält eine fünfte Phase zwischen Handwerk und Adel, die in fünf Kategorien zusätzliche Punkte an die Führenden ausschüttet – je später im Spiel, desto mehr. Zu fünft kamen außerdem dauerhaft zehn Karten aufs Brett, was zusammen mit zwei Sternwarten in der ersten Runde dafür sorgte, dass nur vier Runden gespielt wurden, weil dann die grünen Karten ausgingen – meine nach Rundenzahl sicher kürzeste Petersburg-Partie bisher.

Zwar musste ich nicht würfeln, ein Erfolg blieb mir aber versagt: Eine in der ersten Runde aufgenommene Hofmeisterin (nominell eine der stärksten Karten) konnte ich erst in der dritten Runde spielen, sodass sie mir eher schadete als half, und um das Unglück perfekt zu machen, holte ich mir zwischendurch noch eine zweite Hofmeisterin auf die Hand, die ich in der vierten Runde auf den Tisch bekam. Das brachte mir Platz vier unter fünf Spielern ein – und eine Reihe deutlich formulierter strategischer Hinweise von Experten wie Andreas (über 4000 Partien) und Kalle (Autor der Petersburg-Erweiterung „Das Bankett“). Leider hatten sie Recht.

Nicole dagegen belegte Platz zwei – vor Kalle und knapp hinter Andreas. Nach Meinung der Experten hat sie das Spiel bei den neuen gelben Karten verloren, mit denen sie nur in einer Kategorie punkten konnte.

Spieleabend-Angebot im Juni: