Februar 2021: Zwischenbericht aus Bad Bründlholz

by Florian

Hier geht es weiter wie angekündigt: mit einer neuen Rollenspielkampagne, aber auch einem komplexen Brettspiel. Ach, Februar, wärst du nur nicht so kurz.

Brindlewood Bay

In Brindlewood Bay klären die Ermittlerinnen (sämtlich ältere Damen) Mordfälle auf. Die Besonderheit: Es gibt in jedem Szenario eine Liste Verdächtiger, aber der Täter steht zu Spielbeginn nicht fest. Mit einem Spielzug namens Theoretisieren können die Detektiv-Damen versuchen, den Fall zu lösen.

Das ist in der Praxis so faszinierend, wie es klingt. Mit einer Einschränkung. Den Rätselcharakter von Sherlock Holmes – Criminal Cabinet, Call of Cthulhu oder Mythos Tales hat es nicht. Solche Spiele wird Brindlewood Bay für mich nicht ersetzen. Das hatte ich auch nicht erwartet.

Bad Bründlholz

Brindlewood Bay in Bad Bründlholz

Die ersten fünf Abende sind gespielt, die ersten Eindrücke gesammelt. Ich habe das Gefühl, das ist alles noch sehr vorläufig, da gibt es noch viel zu entdecken. Unter diesem Vorbehalt ein paar Anmerkungen:

  • Wir spielen im fiktiven bayrischen Ferienort Bad Bründlholz, idyllisch am See und am Fuß hoher Berge gelegen. Einfach weil mir der amerikanische Hintergrund nicht so zusagte.
  • Eigentlich wollte ich nur die Originalabenteuer ein bisschen lokalisieren, aber sowas ufert ja immer aus. Außerdem ist bei uns Sommer, in den Originalabenteuern Winter.
  • Die Regeln von Brindlewood sind kurz und nicht komplex, aber dicht. Bisweilen fehlen mir ein paar ergänzenden Erläuterungen. Was heißt es konkret, wenn nach erfolgreichem Theoretisieren der Spielleiter „eine Möglichkeit schafft, dem Täter das Handwerk zu legen“?
  • Ich habe noch nicht rasend viel Erfahrung mit modernen Erzählspielmechanismen wie PbtA. Ich fühle mich als Spielleiter in Brindlewood ganz schön gefordert. Bei einem Erfolg mit Komplikation beim häufigsten Spielzug, der Ermittlung, muss ich sowohl einen Hinweis an die Situation anpassen und schildern als auch die besagte Komplikation benennen. Puh!
  • Im Original passen die Fälle dank kleiner Schrifttype auf zwei Seiten. Ich habe mir meine Fälle bequem mit viel Weiß auf je fünf Seiten ausgedruckt. Blöde Idee, da ist man die ganze Zeit am Blättern. Alles sollte möglichst gleichzeitig im Blick sein.
  • Ich bin nicht der Einzige, der noch lernt. Meine Spieler begeistern sich für Hintergrund und Ermittlungsarbeit. Ihre Vorgeschichte und ihre heimische Ausstattung zu ihrem Vorteil ins Spiel zu bringen, fällt ihnen bisweilen noch schwer.
  • Weil die Spieler aus Angst vor schlechten Würfelergebnissen stets weit mehr Hinweise sammeln, als sie eigentlich benötigen, haben sich bereits zwei Angehörige der dunklen Verschwörung enttarnt, die Gegenstand der finalen Episode sein wird.

Im März werde ich erstmals eine andere Gruppe als meine Stamm-Mitspieler (Nicole, Carsten und Tilo) nach Bad Bründlholz begleiten. Ich bin schon gespannt.

Andere Welten

Als Spieler habe ich im Februar drei Rollenspielsysteme erlebt:

  • In Dungeon World, geleitet von Sal, bin ich ein freundlicher, umgänglicher, messerwerfender Dieb. Mein Name ist Chon Burch, ich stamme aus der Kalten Steppe. Ein Magier namens Fenfaril und der Barde Baldur begleiten mich in den Minen von Farad-Dul. Ich konnte meine Spezialkenntnisse schon gewinnbringend einsetzen. Heute folgt der dritte und leider letzte Teil.
  • In Trophy Dark nahm uns ein schrulliger alter Mann, vorgestellt von Spielleiter Christopher, in seine WG auf. Eine super Idee, bei den Mieten heutzutage. Wir sollten sogar Geld bekommen, wenn wir fünf Tage durchhielten. Für meine Figur die Chance auf ein Grundkapital, um meine Erfindung endlich zu verwirklichen: ein multidimensionales Spektiv. In Wirklichkeit herrschten Ratten über Haus und Bewohner, und ich musste froh sein, lebend davonzukommen: mit einem Sprung aus dem ersten Stock in die Rosenbüsche.
  • Auch in Mythos World überlebte ich, obwohl sich riesige Fischwesen über mich, meine Begleiter und meine Rieslingvorräte hermachten. Eine Demütigung ohnegleichen für Gabriel von Conz, den Lebemann aus gutem Hause. Es fing alles so gut an. Mit dem expressionistischen Maler Erich Dreifuß, dem Bühnenzauberer Claas Holm alias „Il Magnifico“ und dem Kleingauner Max Klee reiste ich auf die Nordseeinsel Kraakeog. Erste Ernüchterung: Hier gibt’s kein Hotel … Tja, und von da ging es immer nur bergab.

Hallertau

Diverse Codenames-, Just One– und Kneipenquiz-Runden via Discord machten auch im Februar den Großteil unseres Soziallebens aus. Außerdem erarbeitete Nicole für uns die Regeln eines neuen Brettspiels: Hallertau von Uwe Rosenberg.

Die Hopfenlandschaft liegt quasi vor unserer Haustür. Ich kenne mich aus, ich fahre da gelegentlich zwischen den Hügeln Rad. Was ich noch nie gesehen habe: Häuser, die regelmäßig weiter nach rechts rutschen, sobald der Wohlstand der Bewohner zunimmt. Muss ich bei der nächsten Tour mal drauf achten.

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