Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Kingdom Builder

Ratten, Seuchen, Invasionen

by Nicole

Der Abend beginnt friedlich, Blümchen, Wiesen, Wälder, dazwischen Oasen und Pferdekoppeln. Nico kennt Kingdom Builder noch nicht, Dominik hat Vorbehalte, Florian liebt es, Plättchen zu sammeln, um ein Reich in Königsblau aufzubauen.

Und ich? Ich bin zuversichtlich, habe ich doch neulich erst auf dem Tablet zweimal gewonnen. Aber es kommt anders. Ich besitze zwar eine Oase, hänge aber im Canyon fest. Ich begreife nicht den Wert der springenden Pferde, werde vom Steinkreis abgeschnitten und kann nur mühsam an Berg und Wasser bauen, um mich dann in Geduld zu üben, während die anderen ein Plättchen nach dem anderen nutzen. Dritter Platz, knapp vor Nico und weit hinter Dominik und Florian.

Ist Kingdom Builder vielleicht zu friedlich? Nicht genug Elend, Krankheit und Armut? Dann eben Rattus, Europa im Jahr 1347, der Schwarze Tod breitet sich aus. 25 Millionen Menschen, ein Drittel der Bevölkerung wird bis 1353 dahingerafft. Und ich mitten drin, mal die Pest nach Spanien importierend, mal die Ratten samt ihrer Erreger in die Türkei verfrachtend. Autsch, das tut weh, auch meine Klötzchen werden von der Karte gefegt.

Es steht schlecht um mein Volk, das sich so wenig auf die Privilegien von König, Bauer oder Mönch versteht. Zum Glück vergessen meine Mitspieler meine kleine Kolonie in Skandinavien, so dass am Ende doch noch sieben Grüne überleben. Zweiter Platz, punktgleich mit Florian, hinter Nico.

Wenn eine Seuche allein nicht reicht, um zu gewinnen, dann ergänzt man sie besser noch um Dürre, Invasion und Aufstand. Fertig ist die Aufzählung der Katastrophen, die einem bei Im Wandel der Zeiten – das Würfelspiel widerfahren können. Nicht zu vergessen der Hunger, der herrscht, wenn nicht genug Getreide herangeschafft wird.

Zum ersten Mal überhaupt vollende ich die Große Mauer, am Obelisk bin ich auch dran, doch Dominik ist schneller. Und Florian erwirbt dank Münzprägung eine punkteträchtige Errungenschaft nach der anderen, ohne dabei die Hängenden Gärten aus den Augen zu verlieren. Obwohl die Städter fast nie etwas zu futtern bekommen, schneidet seine Zivilisation schließlich am besten ab.

Jetzt bin ich ratlos, drei Spiele, null Siege, alles ausprobiert von Friede, Freude, Eierkuchen bis hin zum Sensenmann. Vielleicht liegt es nicht am Thema, sondern am Ort. Die Erde ist zu klein für mich. Weltraum, ich komme!

Die Vier vom Dorf

by Florian

Der Zugang ist beantragt, das Verfahren läuft. Aber derzeit hat Spielen in Vierkirchen leider noch keinen Zugriff auf das Internet-Komplettauswertungsprogramm „Tempora“ des britischen Geheimdiensts GCHQ. Die folgende Angabe beruht daher auf einer Schätzung.

Ein Blick auf die leider anonymen Blog-Statistiken also lässt vermuten, dass hier auf diesen Seiten wöchentlich zirka zwei Besucher vorbeikommen, die keine Vierkirchner Mitspieler sind. Hallo und herzlich willkommen!

Ich muss euch beide jetzt aber schwer enttäuschen. Anders als ihr aufgrund mancher Beiträge sicher vermutet habt, sind wir nicht das Zentrum der weltweiten Spieleszene, sondern halt doch nur ein Provinzspieletreff aus dem Großraum München.

Ein Abend auf dem Lande

Montag dieser Woche zum Beispiel. Was ist mit diesem Essen? Bei uns kein großes Thema. Nur Carmen und Florian fahren hin. Wir haben keine Neuerscheinungen diskutiert, keine ersten Neuvorstellungen gespielt – obwohl Nauticus und Kashgar von Kosmos beispielsweise schon erhältlich wären und manche Schlauberger sie bereits rezensiert haben.

Die RegVor-Spiele sind raus! Das stand ja sogar bei uns im Blog. Trotzdem wusste es nicht jeder. Die große Diskussion um Kingdom Builder musste verschoben werden. Auf Im Wandel der Zeiten – das Würfelspiel kam als einzige Reaktion: „Sowas habt Ihr?“

Überhaupt, wir waren nur vier Erwachsene. Das dürfte Minusrekord fürs ganze Jahr sein. Zumal auch die Jugend nur drei kleine Tische besetzen konnte. Und kein einziger Mitspieler war aus München angereist!

Die da waren, kümmerten sich aber nicht groß um München oder Kashgar. Wir wollten spielen! Und mal nicht an gewisse ärgerliche Alltagsgegenstände denken. (Das weiß ich zumindest von mir. Wenn das GCHQ endlich das Zugangspasswort schickt, kann ich hier nächstes Mal auch aus dem Seelenleben der Mitspieler erzählen.)

Ein Königreich für ein Dorf

Nicole durfte ausnahmsweise die Regeln erklären. Den Anwesenden gefiel Kingdom Builder. Michael wollte es sogar gleich noch ein zweites Mal spielen, und Carmen protestierte immerhin nicht. Mit deutlichem Vorspung vor den Anfängern konnte ich zudem zeigen, dass Kingdom Builder kein Glücksspiel ist, bei dem man „nur eine Karte zieht und von ihr vorgeschrieben bekommt, was man machen kann“, wie gelegentlich behauptet wird. Nicht in Vierkirchen, sondern im Internet.

Anschließend brachten wir mit dem Wandel-der-Zeiten-Würfelspiel den Tisch zum Wackeln. Die monströsen Holzwürfel verunsicherten Carmen so, dass sie bei der Berechnung der Summe von 11 und 12 auf 26 kam. Ihre Zivilisation baute sie aber geschickt genug auf, um den zweiten Platz zu machen. Vor mir zum Beispiel. Nicole gewann.

Michael dagegen holte in den drei Partien drei vierte Plätze. Frustriert kündigte er an, bei der RegVor diesen Winter nur als Ersatzspieler mitzumachen. Am Tag darauf allerdings hatte er sich erholt und verschickte eine Rundmail: „Macht Euch doch bitte beizeiten Gedanken, wer bei der Meisterschaft dabei sein will. Wir haben den Titel des bundesweit teilnehmerstärksten Dorfes zu verteidigen :-)“.

Das Leben im Dorf hat seine Höhen und Tiefen. Nächstes Mal sollten wir uns Village vornehmen.