Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Kingdom Builder

März 2021: Eine Ziege mit zwei Köpfen

by Florian

Ende der Achtzigerjahre gab es eine Rollenspiel-Convention namens Munich One, die trotz ihres Namens in Gräfelfing stattfand. Ich habe dort ein Robin-Hood-Abenteuer nach den Regeln von Runequest 3 und ein Diebesabenteuer mit einem selbst entwickelten Minimal-System mit Münzen geleitet, das heute als verschollen gelten muss. Zum Glück.

Seit jenem Tag war ich nicht mehr Spielleiter einer öffentlich ausgeschriebenen Runde, im März 2021 dann gleich zweimal: einmal Brindlewood Bay und einmal Trophy Gold. Weil es letzten Monat schon ausführlich um Brindlewood ging, erzähle ich heute von Trophy.

Straßenkinder von Ur-Hadad

Eine Fantasy-Metropole. Drei versprengte Mitglieder einer Straßenbande auf der Flucht. Mit dem Maskottchen einer fremden Bande. Ein langer Heimweg durch die abendliche Stadt. Ein Fest im Karawanenpark. Ein vermisster Feuerschlucker. Das waren die Elemente, die mir die Zufallstabellen aus Edgar Johnsons Street Kids of Ur-Hadad an die Hand gaben.

Ich hatte eine Reihe von Einstiegsfragen vorbereitet. Meine Spieler – Dominic, Eric und Waldemar – brauchten die gar nicht. Sie fingen während der Figurenerstellung von selbst an, ihren Hintergrund auszufabulieren. Drei Geschwister wollten sie sein, und bei dem eroberten Maskottchen sollte es sich um eine doppelköpfige Ziege handeln.

ur-hadad-logo

Das ursprünglich für Dungeon Crawl Classics geschriebene Abenteuer lief von selbst. Das Spielsystem Trophy Gold ist darauf ausgelegt, Old-School-Szenarien mit überschaubaren Mitteln zu spielen und die Spieler über die Aktionen ihrer Figuren hinaus am Ablauf der Geschichte zu beteiligen.

Als Trophy-Anfänger machte ich einige kleine Fehler, wollte wohl auch die Gefahrenwürfe (Risk Roll) zu sehr mit Bedeutung aufladen, zu viel originelle Wendungen einbauen. Das war nicht nötig, ich hatte ja die skurrilen Vorgaben des Abenteuers und die Ideen der Spieler. Tipp an mich selbst fürs nächste Mal: Mach’s nicht zu umständlich. Wähle die offensichtlichen Gefahren, Teufelspakte und Komplikationen.

Zum Glück ist Trophy robust. Die Erzählung floss weiter, im Lauf der nächsten Szene gerieten die überzähligen Komplikationen in Vergessenheit. Es war kein spektakulärer, aber ein schöner Abend, und ich freue mich auf meine nächste Runde Trophy – nicht erst in 30 Jahren.

Mörk Borg und andere Grausamkeiten

Sechs Abende im März habe ich als Spieler in Runden anderer mitgemacht. Das waren ausnahmslos Höhepunkte: Als griechischer Priester kämpfte ich in Agon gegen eine Riesenschlange, als Ritter der Tafelrunde scheiterte ich in Chalice an meinem Stolz. In Mörk Borg spielte ich einen dummen Adligen mit klugem Pferd und anschließend (weil ich schnell starb) einen Mönch mit Fistelstimme. Mein Messerwerfer gab in Dungeon World seine Abschiedsvorstellung (siehe Februar-Bericht), und in Trophy Dark erkundete ich die Höhen des Schwarzwalds auf der Suche nach Hexenkulten.

Schließlich verfolgte ich in Call of Cthulhu als sowjetischer Politkommissar Achmerow Misswirtschaft im Sowchos Krasivyj Oktabyr. Nächste Woche wird sich zeigen, was grusliger ist, die Menschen oder die lovecraftischen Monster. Schließlich agieren meine Mitstreiter und ich im Namen von Stalins Innenministerium, dem NKWD.

Kingdom Builder

Was Brettspiele anging, haben Nicole und ich endlich die Codenames-Web-App erprobt. Die macht das Onlinespielen wirklich einfacher. Niemand muss mehr Karten auslegen und jede Runde einmal abfotografieren. Selbst zu zweit spart man sich die Mühe des Aufbaus. Allerdings stellten wir fest, dass die Konzentration nicht so hoch ist wie am Tisch vor ausgebreiteten Karten.

Dazu haben wir Kingdom Builder mal wieder aus dem Regal geholt, eins unserer langjährigen Lieblingsspiele. Es steckt voll aktueller Erkenntnisse. Ein Herrscher hat es schwer. Nimm das, sagt das Schicksal maliziös grinsend, und gibt dir eine lächerliche Karte in die Hand. Mach das beste draus!

Als Regierender muss man sich den Fakten stellen, die Lage studieren, die Siegbedingungen im Kopf halten und von Runde zu Runde entscheiden, wo nachhaltiger Punktgewinn möglich ist. Wie als Spielleiter in Trophy Gold gilt: Mach’s dir einfach, halte dich an die naheliegenden Optionen. Tu, was getan werden muss. Hör auf die Stimme der Vernunft.

Ach ja. Es war ein guter Monat – zumindest spieletechnisch.

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Jugend trainiert (nicht) für Herne

by Florian

Unser Spieletreff-Chef Michael hat seinen WordPress-Zugang verlegt, weshalb dieser Beitrag nicht unter seinem Namen erscheint. Aber was soll’s – Hauptsache, wir erfahren endlich, wie es am Sonntag auf der Regvor in München gelaufen ist:

„Zu viel Training schadet nur“ schien die diesjährige Devise in der Vorbereitung auf die RegVor zu sein. Konkurrierende Termine hatten die Anzahl der Übungspartien auf ein ungewohnt niedriges Niveau gedrückt, trotzdem starten die Cracks von „Vierkirchen verspielt“ mit jugendlich unbekümmerter Zuversicht in den Tag. Kein Wunder, denn meine drei Mitspieler sind zusammengenommen genauso alt wie ich – fast ein waschechtes B-Jugend-Team.

Jo und seine Mannschaft haben wie immer ganze Arbeit geleistet und das Turnier perfekt organisiert. 15 Mannschaften haben diesmal den Weg ins Wirtshaus im Isartal gefunden – und alle pünktlich, trotz teilweise weiter Anreise – die „Kellerkinder“ waren bereits um halb sieben aufgebrochen.

Ernüchtert

Der erste Blick auf die Auslosung ist ernüchternd. Vierter bei Kingdom Builder und Zweiter bei Marco Polo, das hätte ich mir genau andersherum gewünscht. Felix ist erleichtert, dass er die Mannschaftskürzel von U++ und Spuiratzen nur bei Qwixx auf dem Zettel findet – im Glücksspiel sind die Chancen immer noch am höchsten, gegen die Seriensieger der letzten Jahre zu punkten.

Ich sitze schon beim Aufbau von Kingdom Builder, als mich von Vinnie die Frage erreicht, ob man das erste Plättchen zwingend am Rand einsetzen muss. Geht ja gut los, aber ich schiebe das Thema beiseite, denn ich habe entdeckt, dass es Schiffe gibt, die bei dem vor uns liegenden Spieltableau eine große Rolle spielen können. Schiffe sind knapp – und ich bin wie gesagt als Letzter am Zug.

Mit am Tisch sitzen Markus von „Dank überlegener Geisteskraft“, Nick von den Zugspitzzockern und Rainer von den Pandabeeren – seine kleidsame Pandastrickmütze mit Erdbeerbommeln legt er allerdings ab, um besser denken zu können.

Ebenbürtig

Und dann läuft es – besser als in meinen kühnsten Träumen erhofft. Ich bekomme als Erster die Schiffe, habe nach drei Runden fünf Bonusplättchen vor mir liegen und bin in allen vier Quadranten vertreten. So kann ich von Anfang an auf die Bauern hinarbeiten, die reichlich Punkte geben, wenn man sich gleichmäßig über das Spielfeld ausbreitet. Nebenbei erobere ich die horizontalen Reihen und die eine oder andere Stadt, die Bergleute vernachlässige ich, und obwohl ich im letzten Zug drei Punkte durch falsches Durchzählen der Bauern verschenke, reicht es knapp zum Sieg. Zweiter wird Markus, der mit nur zwei Bonusplättchen erstaunlich zäh dagegen gehalten hat.

Vinnie wird Vierter und Felix schrammt um einen Punkt am zweiten Platz vorbei. Im Gegenzug profitiert Karen von einem Tipp ihrer ärgsten Konkurrentin. Der zweite Platz mit zwei Punkten Vorsprung und das Gefühl, sich ausführlich entschuldigen zu müssen, sind der Lohn. Elf Mannschaftspunkte in der ersten Runde sind zumindest mal solider Durchschnitt.

Vor der Mittagspause stehen nun noch zwei Runden Qwixx auf dem Zettel. Totale Entspannung am Tisch, die Würfel fallen, wie sie wollen, und ich gewinne knapp die erste Runde. In der zweiten Runde läuft es dann genau umgekehrt, so dass in der Endabrechnung fast kein Unterschied festzustellen ist. Die Rangaddition ergibt je einmal 5,5 und 4,5, sowie zweimal 5 Punkte. Im Tie-Break werde ich damit Dritter, Sven von den „Fab Four“ gewinnt und Martin von „Ohne Risiko mit 4 Nebenwirkungen“ ist der glückliche Zweite, in Gedanken aber schon bei Marco Polo, das er nach über 200 Online-Trainingspartien gerne gewinnen möchte (was letztlich auch gelingt). Außerdem muss er des Längeren auf seine Rostbratwürstel warten, die dann auch noch kalt sind. Die Wirtin bedeutet ihm mit münchnerischer Höflichkeit, dass das sicher ganz allein seine Schuld sei, aber er nimmt es mit bemerkenswerter Gelassenheit.

Karen wird ebenfalls Dritte, Vinnie strahlt, dass er es mit seinem zweiten Platz „wieder gutgemacht“ habe, und Felix berichtet augenzwinkernd, dass er U++ und den Spuiratzen seine Taktik aufgezwungen und damit gewonnen habe.

Entspannt

Marco Polo spielt sich angenehm, auch wenn früh klar wird, dass ich mit dem „Kellerkind“ Daniel nur um Platz drei kämpfen werde. Es gelingt mir im Spielverlauf, fünfmal gegen Einsatz eines Kamels neu zu würfeln und jedes Mal das vorherige Ergebnis genau zu treffen – viermal die Eins und einmal die Zwei. Pech, aber ehrlich gesagt nicht spielentscheidend. An der Spitze ziehen Annett und Simon unaufhaltsam davon. Schachspieler Simon hat als Einziger eine Kombination von Bonuskarten entdeckt, die wir alle nicht erkannt haben, und löst als Kubilai Khan jede Runde zweimal einen reichen Bonussegen aus, der ihn mit Ressourcen geradezu überschwemmt.

Am Ende bedanken wir uns reihum für die nette Spielrunde – tatsächlich gilt das allerdings ausnahmslos für alle sechzehn Partien, bei denen ein Vierkirchner am Tisch saß. Keine verbissenen Wettkämpfer und keine ermüdenden Grübler – so macht Spielen Spaß.

Felix fehlt erneut ein Punkt, diesmal auf Platz drei, Vinnie wird wie ich Dritter – allerdings ist es dort deutlich knapper, den Ersten trennen nur 8 Punkte vom Vierten – und Karen gewinnt ihre Partie, womit wir als Team immer noch einen guten Schnitt spielen.

Erfolgreich

Und dann kommt Port Royal. Vinnie vertraut mir an, dass das sein Sorgenkind sei. Was ich nicht wusste: Er hat es noch nie gespielt, lediglich die Regeln gelesen und mit seinem Vater darüber diskutiert. Ich gebe ihm schnell noch den Tipp, es mit einem Admiral zu versuchen, wenn der passend auf den Tisch kommt, dann trennen sich unsere Wege.

Nachdem wir anfangs reihum ganze Flotten versenken, weil die gleichfarbigen Schiffe blöd im Stapel liegen, geht es für mich ganz gut los. Nach ein paar Runden liegen ein Matrose, ein Admiral und sogar ein Gouverneur vor mir, dann wird es aber überraschend etwas zäh. Xaver von „Fo(u)r get it“ sammelt munter Punkte und löst letztlich mit zwölf Punkten die Schlussrunde aus. „Erdbärin“ Sabrina hat schon keine Chance mehr, deckt aber fröhlich weitere Karten auf. Wenn dabei eine Dreierkarte auftaucht, ist klar, dass Christian von „Dani und die Ackermänner“ sie sich unter den Nagel reißen und damit den entscheidenden zehnten Punkt im Kampf um Platz zwei machen wird. Ich sitze ganz hinten und habe nur drei Gold, also keine Chance mehr, zu kontern. Und so kommt es. Sabrina scheint damit zur (Vize-)Königsmacherin zu werden, allerdings sind zwischenzeitlich noch ein Boot mit zwei Gold und eine Viererkarte aufgetaucht. Jetzt ist auf einmal Xaver in der Rolle des Königsmachers, was uns aber erst auffällt, als er das Schiff durchgelassen hat, wodurch ich auf einmal fünf Gold zur Verfügung habe, den zehnten Punkt erwerbe und mit dem übrigen Gold den Tie-Break für mich entscheide. Christian ist nur kurz etwas verärgert, gefühlt wäre hier ein geteilter zweiter Platz das Fairste gewesen.

Felix gelingt es im letzten Zug, mit einer erfüllten Expedition vom vierten noch auf den geteilten ersten Platz vorzustoßen, Karen gewinnt (und wird damit mit 15 Punkten erfolgreichste Vierkirchnerin) und Vinnie – gewinnt! – und zwar mit dem Admiral. Das ist der Hammer, Training wird tatsächlich völlig überbewertet. 17 Teampunkte im letzten Spiel katapultieren uns weit nach vorn. Mit insgesamt 50 Punkten reicht es für Platz drei, hinter „Fo(u)r get it“ und „Schachmatt“ mit 54 beziehungsweise 52 Punkten, die jetzt zum Finale nach Herne fahren dürfen. Glückwunsch!

Damit setzen wir die stolze Vierkirchner Tradition fort, von jeder RegVor mit mindestens einem Spiel als Preis heimzufahren. In diesem Fall komplettiert Vinnie die Familienspielesammlung mit Istanbul, und wir nehmen Evolution mit. Gleich morgen beim „normalen“ Spieleabend werden wir das ausprobieren.

Ältere Regvor-Berichte:

Alea-Schachtel auf Eisplatten unterwegs

by Florian

Die Ausgangsbedingungen: Eisregen fällt wie vorhergesagt. Nicole und ich brauchen doppelt so lange wie sonst, um uns Fußlänge für Fußlänge über schlittschuhglatte Wohnstraßen zu schieben.

Das Publikum: Wir haben einen neuen Mitspieler namens Micha. Er kommt aus Fahrenzhausen rund zehn Kilometer weit angeradelt. Der Radweg sei eisfrei gewesen, sagt er. In seinem Rucksack stecken sogar ein paar Spiele, und da er neu in der Gegend ist, wird er sicher öfter vorbeischauen.

Die Spiele: Ein Tisch ist fix beisammen: Marco Polo mit Christian, Vincent, Nicole und Michael. Was aber sollen wir am zweiten spielen?

Michas Spielesammlung steckt in einer Alea-Schachtel, nämlich der von Knizias Klassiker Ra. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren. Vielleicht nächstes Mal. Stattdessen fangen Felix, Micha und ich mit Willkommen im Dungeon an, einem nett aufgemachten Bluffspiel.

Der Sieger des Abends: Ich finde ja, das ist Felix. Er gewann Willkommen im Dungeon und stellte bei Kingdom Builder seine persönliche strategisch-taktische Weiterentwicklung unter Beweis, die für die Regvor Hoffnung macht. Aber man darf das nicht laut sagen. Als ich während der Partie mehrfach seine Züge lobte, etwa mit „nicht schlecht für einen Machi-Koro-Spieler“, fühlte er sich verspottet. Was ich schon auch verstehe. Ich kann einfach besser meckern als loben.

Der Verlierer des Abends: Ein Nachbar, dem es in unserer Straße auf den Eisplatten nicht gelang, sein Fahrzeug auf die eigene Einfahrt zu lenken.

Die Bewertung: Nicole hat ihr Ziel verfehlt. Für eine zweite Partie Marco Polo fehlte die Zeit. Aber alle Beijing-Reisenden haben offenbar neue Erkenntnisse gewonnen. Das ist erfreulich. Bei uns herüben war es einfach lustig.

Der Ausblick: Durch die wöchentlichen Termine hat sich eine gewisse Routine eingeschliffen. Und das meine ich positiv. Eigentlich ist es egal, was wir spielen. Auch altes Zeug wie Port Royal macht weiter Spaß. Trotzdem reizen mich Safranito und Ra in den nächsten Wochen.

Weiterlesen:

  • Der Nachfolger von Ra heißt Yangtze
  • Am Wochenende beliebt bei Familienspielern: Gift Trap
  • Zweite Erweiterung für Port Royal in Sicht

Fehlende Pferde

by Florian

Die Ausgangsbedingungen: Die Bauernregel sagt: „Spielst du viel im Januar, wird’s ein gutes Spielejahr. Wer aber wart‘ bis Februar, steht meist als Verlierer da.“

Das Publikum: Vier Spieler. Da könnte man von der perfekten Zahl sprechen. Genau ein Tisch. Die meisten Spiele sind für vier optimiert, und bei der Regvor wird an Vierertischen gespielt. Aber der Pessimist in mir sagt: Wären vier Tische mit je vier Spielern nicht noch besser?

Spieleabend 9. Januar 2017

Die Spiele: An Weihnachten überraschte sich Michaels Familie mit gleich drei Exemplaren des kleinen Spiels Halt mal kurz. Keines fand den Weg in unseren Spieletreff. Michaels Augustus ist bestellt, aber noch nicht eingetroffen. Unseres war vor Ort, blieb aber ungespielt. Schließlich ist Mitte Februar Regvor, und dort heißen die vier Disziplinen: Auf den Spuren von Marco Polo, Qwixx, Port Royal und Kingdom Builder.

Der Sieger des Abends: „So gut wird es nie wieder laufen“, sagte Michael über das Kingdom, das er gebuildet hatte. Ich kann bestätigen, dass man in dem Spiel nicht jeden Tag zwölf Punkte vor Nicole landet. Selbst lag ich weitere fünf Punkte dahinter, Felix war wegen fehlender Pferde abgeschlagen.

Der Verlierer des Abends: Wie der Bauer weiß, gab es jede Menge Verlierer. Nämlich alle Mitspieler, die zu Hause saßen. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass Ihr einen schönen Abend hattet!

Die Bewertung: Urteile sind immer so schwierig. Ihr kennt die Geschichte mit dem halb vollen oder halb leeren Glas. Meine Version geht so: 23 Punkte in Hanabi, hey, wir hätten es fast geschafft, sagt die Optimistin neben mir. 23 Punkte in Hanabi, Mist, ich würde es gern einmal zu dritt gewinnen, sage ich.

Aufgrund dieser meiner negativen Disposition kann ich den Spieleabend auch nur mit 23 Feuerwerkspunkten von 25 bewerten.

Der Ausblick: Auf nach Beijing: Marco Polo muss trainiert werden. Felix wünscht sich Auf geht’s, und ich wünsche mir Der Name der Rose. Damit steht fest: zu viel Programm für nur vier Leute.

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Ohne Leinwand

by Florian

Die Ausgangsbedingungen: Kein Schnee, aber das Biathlonspiel Auf geht’s ist trotzdem dabei. Außerdem hatte sich jemand im Adventskalender der Spiele-Offensive Helmut Ohleys First Class geschnappt …

Das Publikum: … nämlich Helme, die erste personelle Überraschung des Abends. Auch Karen und Jochen kamen vorbei, wir hatten also eine Festtagsbesetzung. Wer würde den Nikolaus und wer den Krampus geben, wer Hirte und Engel, Ochs und Esel?

Spieleabend 20. Dezember 2016

Die Spiele: Schon vor zwei Wochen habe ich ein einleitendes Pairs unterschlagen, Nicole schnappte sich diesmal zielstrebig elf Punkte, um die Wartezeit als Verlierer zu beenden. Zu einer Revanche in Medici kam es hingegen nicht.

Der Sieger des Abends: Michael sprintete in Auf geht’s aus Felix‘ Windschatten heraus zum Sieg, Felix wurde Zweiter, Jochen vervollständigte das Podest. Anschließend holte Michael sich die Piratenmedaille in Gold bei Port Royal und zuletzt auch noch in Kingdom Builder sechs Punkte mehr als ich.

Am Nebentisch baute Nicole mit 182 Punkten den luxuriösesten Orient-Express.

Der Verlierer des Abends: Jochen hat seinen zweiten Ehering mit Hilfe der ersten und einzigen Ehefrau inzwischen hoffentlich wiedergefunden. Was die Spiele angeht: Karen und ich hatten beide in Auf geht’s zu viele Fehlschüsse und müssen noch mit dem allseits bewunderten hölzernen „Gewehr“ von Walter Toncar trainieren.

Die Bewertung: Besser als eine Drei-Meter-Leinwand im Wohnzimmer, von der Felix und Michael schwärmten. Großartig, mal wieder selbst Biathlon zu machen, auch wenn sportlich noch Luft nach oben ist.

Der Ausblick: 2016 ist durch. Frohe Feiertage! Am 9. Januar 2017 geht es weiter. Ob das Regvor-Team anschließend im Wochenrhythmus trainieren will, ist noch nicht sicher. Ich persönlich würde mich im äußersten Notfall als Sparringspartner zur Verfügung stellen.

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Respekt für Knizia

by Florian

Die Ausgangsbedingungen: Die Seitenabrufe der vergangenen Woche lassen erwarten, dass der Platz im Pfarrsaal arg knapp wird. Müssen wir demnächst in die Josef-Wallner-Halle ausweichen?

Das Publikum: Doch nur die üblichen Verdächtigen. Plus Oliver, der ambitioniert Mombasa anschleppt. Von Michael kommt die Information, dass die wohl einzige Regvor-Mannschaft der Saison jetzt steht. Mit Felix und ihm meldet sich die Hälfte des Teams anwesend.

Die Spiele: Mombasa würde uns am Montagabend überfordern. Stattdessen kommt auf den einen Tisch Kingdom Builder, auf den anderen Um Krone und Kragen. Es folgen Medici und Abluxxen für alle.

Spieleabend 5. Dezember 2016

Der Sieger des Abends: Das ist Autor Reiner Knizia: Sein Versteigerungsspiel Medici von 1995 kommt heute noch an, jeder war sichtlich konzentriert nach vorn gebeugt und fieberte beim Nachziehen mit.

Auch will ich meine Spielfehler nicht durch einen Hinweis auf den Glücksanteil relativieren. Ich hatte in der dritten Runde bereits eine Ware auf dem Schiff und bot dann (wenn auch nicht sehr hoch) auf ein nur solides Paket, das mir drei weitere Warensorten brachte. Gerade in der letzten Runde muss man sich aber wohl spezialisieren, um mindestens einen – möglichst hohen – Warenbonus zu holen. Oliver ließ das erwähnte Paket durch und gewann zu Recht. Dass er beim Ziehen eine Portion Glück hatte, erhöhte nur den Abstand zu den Nachdrängenden, nämlich Christian und Michael, die noch an mir vorbeizogen.

Der Verlierer des Abends: Meine Geduld ging verloren, als ein Mitspieler in Kingdom Builder wechselweise seine Startplatzwahl und das Kartenglück verfluchte, sich für Hinweise auf einen denkbaren Zusammenhang unzugänglich zeigte, Tipps ignorierte und im Folgezug immer noch weniger machen konnte.

Bei dieser Gelegenheit darf ich mal wieder für Respekt für Spiele werben. Heute steckt zum Glück in so gut wie jedem Titel ein Haufen Arbeit, an der Mechanik, der Balance und dem Fluss. Sofort als solche erkennbare Nieten kommen kaum auf den Markt, und die Jury verlost den Titel „Spiel des Jahres“ nicht. Wer nach zehn Minuten den Eindruck hat, dass ein Spiel total kaputt und unausgewogen und eigentlich unspielbar ist, täuscht sich möglicherweise.

Die Bewertung: Am anderen Tisch gute Laune: Nicole gewann die Krone, niemandem platzte der Kragen. Medici und Abluxxen konnten anschließend auch für uns die Stimmung drehen, und der Abend endete versöhnlich.

Der Ausblick: Ich könnte mir zum Spieljahresabschluss ein Biathlontraining mit Auf geht’s vorstellen. Vielleicht schneit es ja sogar.

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Entspannung beim Strandsport

by Florian

Wieder spät dran. Felix und Julian hängen schon im Garten ab. Alles easy, alles entspannt heute. Die Sonne ist zwar nicht mehr warm, aber so relaxt, die mag auch noch nicht so bald ins Bett.

Wahrscheinlichkeitsrechnung geht nicht auf

Walter Müllers Brettfußball von 1974 ist ein Würfelspiel, das zu 90 Prozent mit der besseren Taktik gewonnen wird. Steht auf der Schachtel. Auf Walter Müllers Internetseite ist nur noch von 80 Prozent die Rede. Felix will es unbedingt ausprobieren – und ich freue mich, mal einen Mitspieler dafür zu haben.

Felix glaubt an höchstens 40 Prozent Taktik und 70 Prozent Glück nach der höheren Mathematik von Walter Müller. Und natürlich glaubt Felix, er verliert, weil er Pech hat. Ich gewinne, weil ich so gut würfle? Denkste! Ich mache es wie Walter Müller, baue Reihen und Kreuze aus Männchen, passe vor und zurück, dann zweimal vor, noch mal quer. Mit einer Drei oder höher wäre der Ball drin. Im dritten Versuch fällt sie endlich. Yo, 1:0!

Glänzend kombiniert, Van-Gaal-Schule. Ich muss mir mal das Taktikheft von Walter Müller bestellen, das kostet 1 Euro 40, glaube ich. Aber Felix will schon ein anderes Fußballspiel ausprobieren. Das Problem wird weiterhin bestehen: Eine ordentliche Partie Brettfußball dauert zwei bis vier Stunden. Die will doch wieder keiner aufbringen – für ein entspanntes Würfelspiel.

Wenn Zwillinge bluffen

Wir wählen Tor von Reiner Knizia, Blindbieten mit einem Satz Karten. Simpler kann Fußball nicht sein. Aber wir sind relaxt. Inzwischen ist Karen vom richtigen Fußballtraining gekommen und kann gleich einsteigen. Wir machen ein Turnier. Jeder gegen jeden.

In der ersten Partie zwischen Karen und Felix steht es zur Pause 0:0. In der zweiten Halbzeit fällt dann das einzige Tor für Felix durch einen Fernschuss – Glückstreffer! Das Publikum gähnt. So eine Partie dauert wenigstens nicht vier Stunden, sondern eher vier Minuten. Schnarchnasenfußball ist das!

Ich gegen Karen. Früh bluffe ich, versenke einen Fernschuss, genau wie Felix eben. Yo, 1:0. Bis zur Pause kann ich die Führung halten. Dann macht Karen Druck, und unser Trainer trifft eine falsche Entscheidung nach der anderen. Es geht 1:1 aus.

Gegen Felix liege ich schnell 0:1 hinten. Ich entlasse den Trainer: Die Karten werden nicht mehr ausgewählt, ich ziehe sie zufällig. Klappt, Treffer, Ausgleich!

Klappt nur kurz. Felix erhöht noch vor der Pause auf 2:1. Und nach der Pause haut er mir die Bude voll. Nur weil er sich dabei verausgabt, kann ich kurz vor Schluss noch ein 2:4 erzielen.

Felix und Karen sind im Endspiel, das ich nur noch halb mitbekomme, ich wechsle an den Nebentisch zu Kingdom Builder. Aber Zwischenergebnisse erfahre ich durch Triumphrufe, und auf dem Zettel wird auch alles fixiert: 1:1 nach der ersten Halbzeit, 2:2 nach der zweiten. So ist das, wenn Zwillinge versuchen, sich gegenseitig zu bluffen. In der Verlängerung ist es Karen, die das Golden Goal erzielt und den Pokal gewinnt.

Relaxt in der Wüste

In Kingdom Builder lässt der Zufall bei mir Strandatmosphäre aufkommen. Ich ziehe die ersten drei Runden Wüste. Her mit dem Sand! Dank einem Schiff und ab der dritten Runde auch einer Pferdekoppel – vielleicht ist es ausnahmsweise ein Kamelgehege – komme ich trotzdem in alle Ecken, während andere nur beim größten zusammenhängenden Siedlungsgebiet punkten. Als nächstes hole ich mir zwei Turm-Plättchen. Fertig ist die Sandburg.

Easy plaudern wir anschließend 20 Minuten, während nebenan abgeluxxt wird. Dann entscheidet sich die Sonne für die Nachtruhe – und nur sie. Wir packen noch ein Hanabi aus. Die Koordination klappt leider nicht, Carmen versteht meine Hinweise nicht. Und als Florian eine Fünf auf der Abwurfposition hat, muss Michael gerade eine Karte ausspielen, ich habe auch Wichtigeres zu tun und Carmen weiß da noch einen ganz anderen Tipp. Die Fünf geht baden. So kann man sich auch mit Hanabi-Karten gegenseitig den Schwarzen Peter zuspielen.

Aber apropos Schwarz, in der hellen Mittsommernacht würde selbst ein richtig tolles Feuerwerk wenig Effekt machen. Wir bleiben relaxt. War doch easy! Und jetzt nichts wie der Sonne hinterher.

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SV5 vor SV7 vor SVM

by Nicole

22. Februar, 8.35 Uhr: Die S-Bahn kommt in zwei Minuten, zwei Mann fehlen noch, dazu ein kompletter Spielesatz, Michael wird nervös. Nicht so die U15. Die hat komplett bei ihm genächtigt, letzte Teambuilding-Maßnahme vor der Regvor. Prächtige Stimmung bei Karen, Felix, Lukas und Nico.

U15

Die U15 rückt zusammen

Philipp sitzt in der S-Bahn bei seinen U17-Freunden, mit denen er heuer nicht in einer Mannschaft spielt. Die Mixed Masters brauchen den Gymnasiasten. Und zu den Masters, Sportdeutsch für Senioren, geht er jetzt nach hinten. „Nicole, was ist unser Ziel?“

Vier Spiele – drei Ziele

Gut, dass mich jemand fragt. Ich bin der Kapitän der Mixed Masters. Das war ich schon vergangenes Jahr. Da hatte ich auch genaue Vorstellungen, was mindestens herausspringen muss bei der Regionalvorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft, doch eine Bronchitis verhinderte meinen Auftritt. Das vergangene Jahr habe ich genutzt, um die Erfolgsschritte zu formulieren. 1. Fünf Punkte, also maximal drei vierte Plätze, denn dafür gibt es jeweils einen Punkt, und dazu ein dritter Platz. 2. Wenn das geschafft ist, peilt jeder seinen ganz persönlichen ersten Platz an, also fünf Punkte auf einen Schlag. 3. Danach darf die Punktzahl auch noch zweistellig werden.

Philipp zuckt bei der Erwähnung eines ersten Platzes zusammen. Ein solcher war ihm vergangenes Jahr versagt geblieben: „Das wird schwer.“ Ich will ihn nicht unter Druck setzten: „Zwei zweite Plätze à drei Punkte sind genauso gut wie ein erster und ein vierter Platz.“ Er sieht nicht überzeugt aus.

Vierkirchner Duell bei Village

Das erste Vierkirchner Duell bei Village

Am Veranstaltungsort angekommen, machen wir uns mit unseren Kürzeln vertraut. Die U17 heißt SV7, die U15 folglich SV5, die Masters fast wie die Stadtwerke: SVM. Darauf folgt jeweils die teaminterne Nummer des Spielers: SV52 beispielsweise ist der zweite Spieler der Mannschaft „Spielvereinigung Vierkirchen verspielt U15“. Einen ganz so umständlichen Namen haben wir eigentlich nicht, aber wir wissen, wer gemeint ist. Und dürfen weiter Felix zu ihm sagen.

Tisch 7 im Nebenraum ist der Stammplatz der Mixed Masters. Als Nummer eins, SVM1, begrüße ich 4IG1, Zug4 und NGA3 zu Village. Alle konzentriert – und nett. Wer Getreide holen will, aber kein Manschgerl auf dem Hof hat, darf sich noch mal überlegen, ob er nicht besser woanders ein Klötzchen nimmt. Im Lesen der Messe bin ich großartig. Immer kommt mein Gelber aus dem Sack, nur der Blaue und der Weiße verstecken sich hinter den vier Schwarzen. Das kostet Blau in der letzten Runde nach eigener Aussage fünf Punkte. Es reicht trotzdem noch für Rang zwei hinter Weiß und vor Gelb.

Auf Espresso folgt Würfeln

Dritter Platz, das Primärziel ist geschafft. Die Gegner waren wirklich gut. Links und rechts wird noch gespielt. Langsam trudeln Ergebnisse ein. Michael (SVM) Zweiter – er hat zum Schluss das falsche Manschgerl sterben lassen. Christian (SVM) Zweiter, Jochen (SV7) Zweiter, Sarah (SV7) Dritte, Lukas (SV5) Zweiter, Karen (SV5) Vierte. Noch kein einziger Sieger. Bis Simon (SV7) seine Partie beendet. Im Vorjahr Letzter der internen Vierkirchner Wertung, startet er exzellent ins Turnier. Und das mit der Reise-Strategie, die bei uns als allzu aufwändig gilt. Vor der Auswertung der Marktplättchen elf Punkte vorne, reicht ihm der Vorsprung, um den ersten Platz zu verteidigen.

Und dann die nächste gute Nachricht: Philipp Erster! Ziel eins ist kein Thema mehr, Ziel zwei schon vor dem Mittagessen erreicht. Rechts wird endlich Felix (SV5) fertig, Dritter mit 42 Punkten, einen Punkt vor Ralf. Ralf gehört zu den Schrobenhausenern, wohnt aber in Unterschleißheim. Und was liegt auf der Landkarte in der Mitte? Vierkirchen. E-Mail-Adressen werden ausgetauscht, Blog-Links verschickt.

Der Großteil isst bereits, links von mir kämpft Nico (SV5) immer noch. Aber es lohnt sich: erster Platz mit 53 Punkten. Damit hat aus jedem Vierkirchner Team einer den Strategiekracher zum Auftakt des Turniers gewonnen. Bitte weiter so.

U17

Die U17 spielt in Rautenformation

Im Wandel der Zeiten – das Würfelspiel an Tisch 8, zu Gast bei Gipfelistürmer 3 aus der Zentralschweiz. Es gäbe noch viel mehr zum Volksentscheid zu sagen, aber die Nebentische sind schon durch, bevor wir überhaupt anfangen. Der Espresso hilft nicht, die Würfel machen, was sie wollen. Zu viele Seuchen, die nur mich betreffen, weil ich ja unbedingt die Architektur statt der Medizin kaufen musste. Zwölf Punkte, vierter Platz.

Sarah (SV7) geht es nicht besser. Michael (SVM) liegt in der Schlussabrechnung auf Rang zwei, der Meldezettel ist unterzeichnet, da fällt einer Mitspielerin auf, dass sie noch einkaufen gehen könnte, wenn man sie denn ließe. Man lässt sie, und Michael ist nur noch Dritter. Damit hat er immer noch einen Punkt mehr als Sarah, meine Wenigkeit oder Lukas (SV5). Der schießt den Vogel ab: minus sechs. Bei Karen (SV5) läuft es besser als in Village: Platz zwei mit 14 Punkten. Felix (SV5), der Tempo macht, reichen zehn zum ersten Platz, und Nico (SV5) setzt sich mit 29 Punkten und dem zweiten Sieg in Folge an die Spitze der Vierkirchner.

Ordnung im Weltall

Die Mogelmotte 4 aus dem Badischen begrüßt mich an Tisch 5 zu Race for the Galaxy. Wow, die Karten sind sauber eingetütet. Und statt eines abgekauten Kugelschreibers steht ein ganzes Federmäppchen zur Verfügung. Da leihe ich mir doch gleich mal Grün aus, um Notizen für den Blog zu machen. Zum ersten und einzigen Mal treffe ich außerdem auf einen Vierkirchner: Felix (SV5). Der hat schon sieben Punkte geholt, ich erst drei, trotzdem gebe ich mich selbstbewusst.

Die Emmeringer Hölzlhexe 1 an Position zwei siedelt, was das Zeug hält. Felix‘ (SV52) Strategie kann ich nicht nachvollziehen, auch was die Mogelmotte so treibt, verstehe ich nicht, nur dass sie öfter erkundet und ich dann dank Sondereigenschaft eine Karte mehr behalten darf, finde ich gut. Gleich am Anfang habe ich zwei Sechser-Entwicklungen, zu früh, um sie aufsparen zu können. Danach kommt nichts mehr. Mit doppelten Siegpunkten lässt sich das eine oder andere Pünktchen machen.

„Ja!“ Arme in die Höhe, Irritation an den Nachbartischen, meine Freude über den Sieg mit 34 Punkten fällt nicht lautlos aus. Felix verpasst den zweiten Platz um einen Punkt. Ein paar Tische weiter beutet dagegen seine Schwester Karen (SV5) eine Sechser-Entwicklung optimal aus, die ihr über 20 Punkte beschert – und damit Rang eins. Christian (SVM) bringt es an seinem Tisch auf 38 Punkte, was aber nur zum vierten Platz reicht. Trotzdem macht ihm Race von allen Spielen an diesem Tag am meisten Spaß. Das kann man von seinem Teamkollegen Michael nicht sagen: Die Karten laufen gegen ihn, Rang vier, kurz kommt die Erinnerung an 2013 hoch. Für ihn als einen der stärksten Vierkirchner Spieler war die Regvor damals eine Enttäuschung.

Mixed Masters

Anders als 2013 werden die Mixed Masters ihrem Namen gerecht

Doch es folgt noch Kingdom Builder. Und in diesem Spiel sichert sich Michael seinen ersten ersten Platz. Christian (SVM) trägt mit einem geteilten dritten Platz eineinhalb Punkte zum Mannschaftsergebnis der Mixed Masters bei. Die Bürger sind so gar nicht seins. Felix (SV5) trifft auf Simon (SV7). Arbeiter, Händler, Bergarbeiter. Da lässt sich was machen. Tatsächlich beendet Simon das Turnier, wie er es begonnen hat: als Erster. Mit einem Punkt weniger landet Felix auf Rang zwei. Ebenfalls Vize wird Sarah (SV7), die nach einem dritten und zwei vierten Plätzen die Pause vor der letzten Partie des Tages zur Meditation genutzt hatte – mit einem dicken Buch auf den Knien. 62 Punkte. Drei mehr schafft Dominik (SV7) und teilt sich damit in seiner Runde den ersten Platz.

Und ich? Als ich es vor zwei Jahren kennenlernte, lag mir Kingdom Builder gar nicht. Immer wurde ich Letzte, bis ich begann, am Tablet gegen Künstliche Intelligenzen anzutreten. Eine Sucht und eine exzellente Vorbereitung. Fischer, Arbeiter und Bauern, keine Pferdchen, keine Schiffe, dafür Hütten, Oasen, Grenztürme und Wiesen. Ich sitze an vierter Position, eigentlich ein Nachteil, wenn man nicht gerade bei den Lords mit einem Häuschen hier und da Entscheidungen im letzten Zug herbeiführen kann. Erst eine Wiese, dann ein Grenzturm, schließlich eine Hütte. Und immer die Bauern im Auge, bloß keinen Quadranten frei lassen. Ich bin schnell in allen vier Teilen vertreten, sonst läuft es so lala. Nur achten die Mitspieler mehr auf die Nähe zum Wasser und zur Stadt als auf eine gleichmäßige Verteilung. Michael (SVM) kommt, um die letzten Züge mitzuverfolgen. Er sieht, dass ich Schwarz habe, schaut sich die Gewinnziele an, die Positionen auf dem Spielplan und fängt zu lächeln an. Tatsächlich liege ich schon vor der Bauern-Zählerei in der Schlusswertung knapp vorne. Und dann kommen noch mal 27 Punkte dazu, während die Konkurrenz neun, sechs und null macht.

Senioren freuen sich zu früh

Vierkirchner verfolgen die Siegerehrung

Spannung vor der Siegerehrung

Während Jo vom Veranstalter Spuiratzn die letzten Ergebnisse eingibt, rechnet die U15 (SV5) die Vierkirchen-Rangfolge im Kopf aus. Jubel! Die Jüngsten kommen auf 45 Punkte und damit Rang eins vor der U17 (SV7) und den Masters (SVM), die beide 44 Punkte vorweisen können.

Dann zählen die Senioren nach – und klatschen sich begeistert ab: Der Kapitän, nur bis zur fünften Klasse wirklich gut in Mathe, ermittelt ein Ergebnis von 46 Punkten. Jo später bei der Siegerehrung leider nicht. Es sind tatsächlich nur 44, und aufgrund des Tiebreakers – je weniger erste Plätze, desto besser – springt Vierkirchen-intern der dritte Platz sowie im Gesamtklassement der 18 Teams Rang neun heraus. Hinter der U17 und der U15. Damit bleiben wir auch meilenweit hinter den Herne-Plätzen eins und zwei zurück. Aber an dem Wochenende feiert sowieso mein Neffe Konfirmation.

Respekt, zwei Teilnehmer holen die maximalen 20 Punkte. Dafür gibt es ein Spiel als Preis. Russian Railroads sucht der eine aus. Gute Wahl, sagen wir – zum Glück ist es in Vierkirchen schon vorhanden. Das Siegerteam kommt auf beeindruckende 60 Punkte. Das wäre mal ein Ziel. Einen fantastischen Tag hatten wir ja schon. Und für die geschlossene Mannschaftsleistung gab’s sogar vom Veranstalter Lob und netterweise viel Applaus von der Konkurrenz.

Dreimal 14 Punkte

Dreimal 14 Punkte verabschieden sich

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Auf geht’s, Jungs und Mädels

by Nicole

Kapitäne und Mannschaften, der große Tag steht kurz bevor. Monate haben wir darauf hingearbeitet, nicht nur die Anzahl der Übungseinheiten verdoppelt, sondern auch immer wieder den vorgesehenen Zeitrahmen überzogen, am Wochenende mit Sparringspartnern Taktik und Technik vertieft, ja sogar ein Höhentrainingslager veranstaltet. Wir haben Theorie gepaukt, Regeln diskutiert, Spielpläne vermessen und fast jeden Zug analysiert. Am 22. Februar ist es so weit: Der Spieletreff Vierkirchen verspielt nimmt zum zweiten Mal in seiner Geschichte an der Regionalvorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft teil. Zeigen wir, dass wir unsere Stärken auch unter Wettkampfbedingungen abrufen können!

Vierkirchen verspielt: energisch, ...

Die Vorbereitung begann bereits im Herbst, die Teams wurden jedoch erst in den vergangenen Wochen zusammengestellt, dreimal jeweils die Besten zu einer Einheit geformt. Mannschaftliche Geschlossenheit kennzeichnet U15, U17 und die Mixed Masters. Einer für alle, alle für einen, und wie wessen Race-Karton eingeräumt werden muss, weiß jeder blind. Doch auch die individuellen, fast magischen Qualitäten der Spieler sind beeindruckend. Der eine beherrscht die Würfel, würfelt Getreide, wenn er Getreide braucht, und Arbeiter, wenn der Obelisk kurz vor der Vollendung steht. Der andere schafft es ohne Investitionen immer wieder, dass genau sein Männchen aus dem schwarzen Kirchen-Beutel gezogen wird.

Die U15 wird angeführt von Karen, die schon im vergangenen Jahr durch ihre ruhige und zielstrebige Art etliche Regvor-Gegner verzweifeln ließ. Auch bei ihrer ersten Race-Übungspartie bestach sie durch ihre schnelle Auffassungsgabe und ließ dank Doppelte-Siegpunkte-Strategie die Mitspieler Lichtjahre hinter sich. Die U17 musste kurzfristig umbesetzt werden, doch die beiden Neuen, Dominik und Jochen, bewährte Edeljoker von 2013, haben sich blendend eingefügt. Von einer Schwächung kann gar keine Rede sein, auch wenn beide deutlich Ü17 sind. Village-Spezialistin Sarah wurde zur Mannschaftsführerin bestimmt. Sie besitzt die Fähigkeit, ihr Team so mitzureißen, dass jeder über sich hinauswächst.

... strategisch ...

Nicole trägt die Kapitänsbinde bei den Mixed Masters. Ihr wurde diese Ehre zuteil, obwohl sie als Einzige im Team Regvor-Neuling ist. Sie ist sich der Verantwortung bewusst und hat größtes Vertrauen in ihre drei erfahrenen Kameraden.

Das Abschlusstraining ist gelaufen. Michael (Mixed Masters) hat in Race for the Galaxy sagenhafte 67 Punkte geholt. Oder waren es 68? Auf jeden Fall Spieletreff-Rekord. Jochen (U17) setzte sich in Village durch, Christian (Mixed Masters) gewann Im Wandel der Zeiten – Das Würfelspiel, Nicole (Mixed Masters) konnte zumindest am Tablet in Kingdom Builder die künstlichen Intelligenzen deklassieren, wenn sie sich auch am Montag live am Tisch Nachwuchsstar Vincent geschlagen geben musste.

... und stets konzentriert.

Das ist vielversprechend. Es besteht absolut kein Anlass, nervös zu werden. Vermeidet Eigenfehler. Überlasst in Village niemandem alleine den Markt, behaltet in Kingdom Builder alle drei Gewinnziele im Auge, passt in Race for the Galaxy eure Strategie den Karten an und beschert den Gegnern in Im Wandel der Zeiten großzügig die Seuche. Aber erst am Samstag. Entspannt euch jetzt, schaltet die letzten Stunden vor dem Turnier ab und spielt dann konzentriert, aber locker auf. Wir haben nichts zu verlieren, und wenn wir gewinnen, ist es umso schöner. Es kommt nicht darauf an, um jeden Preis Erster zu werden. Wir wollen am Ende sagen können: „Was für ein fantastischer Tag!“

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Umzingelt von amoklaufenden Robotern und Weltraumnomaden

by Nicole

Wir befinden uns im Jahr 2014 nach Christus. Der ganze Pfarrsaal St. Jakobus in Vierkirchen ist von galaktischen Händlern und Söldnern besetzt. Der ganze Pfarrsaal? Nein! Ein von unbeugsamen Dachauer Hinterländlern besetzter Tisch ignoriert die Eindringlinge. Statt Landungsschiffe abzusetzen, um präintelligente Rassen zu jagen, widmet er sich dem Guten wie Schönen im Leben: Glücksspiel, Königreich und Feuerwerk.

Um in Las Vegas zu zocken, bedarf es der inneren Ruhe. Die kann Michael heute nicht aufbringen. Er dreht sich nach links, nach rechts und ruft: „Bei Race For The Galaxy bin ich dabei.“ Derart unkonzentriert, schneidet er im ersten Würfeldurchgang nur mäßig ab. Den Glücksspielern ist schnell klar: Das wird so nix. Sie legen ihm nahe, doch ins All abzuwandern, damit ein Platz frei wird für Karen, eine das Risiko liebende Hasardeurin. Und wie sie sich in die Gefahr stürzt! Legt ihre Würfel immer dahin, wo schon ein anderer den Gewinn sein Eigen glaubte. Carmen räumt souverän gleich mehrere Zahlen ab, während Florian rücksichtslos das Damenkränzchen auf der Eins sprengt und Nicole in der letzten Runde ganz leer ausgeht. Dass sich Karen mit ihr am Ende den letzten Platz hinter Siegerin Carmen und dem knapp darauf folgenden Florian teilt, liegt an Michaels Hypothek aus der ersten Runde.

Rechts und links wird weiter zwischen der Investition in radioaktive Welten und Terraforming-Robotern abgewogen. Der Tisch in der Mitte stellt sich voll und ganz auf Entdecker, Bürger und Fischer ein. Karen bleibt in ihrem Kingdom-Builder-Eck, um ein möglichst großes zusammenhängendes Gebiet zu schaffen. Florian ist auch eher festgelegt, Carmen schaut sich mal hier, mal da um, erschließt die eine oder andere Stadt. Nicole springt dank ihrer beiden Pferdeplättchen, wohin sie will. Obwohl sie nur lauter kleine Siedlungen erschafft, reicht es dank Städten, Fischern und Entdeckern schließlich für Platz eins.

Das krönende Hanabi zum Abschluss findet ohne Karen statt. Florian, Carmen und Nicole zünden voller Begeisterung Raketen in allen fünf Farben, in Gelb und Weiß sogar den ganzen Satz.

Und das galaktische Wettrennen außenrum? Das ist noch immer in vollem Gange, als die letzte Feuerblume längst verloschen ist.

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