Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Carcassonne

September 2020: Stolpersteine überall

by Florian

Aus meinem Tagebuch:

30. September: Ist nicht demnächst der Monatswechsel?
1. Oktober: Das kam plötzlich. Aber gut, fange ich mal meinen Rückblick an. Als Vorspann schreibe ich einfach: „Juhu, pünktlich!“
2. Oktober: Jetzt nicht nachlassen. Den Einstieg werde ich wohl noch mal ändern müssen …

Deadline

Mythos Tales haben wir abgeschlossen, im September folgte die erste kooperative Ermittlung in New York. Eine von zwölf. Die Mechanik von Deadline gefällt, der Fall war fast zu leicht. Vor der nächsten Partie muss ich noch mal in die Regel schauen. Darf man die Partie frühzeitig abbrechen, wenn man glaubt, alles zu wissen, oder müssen wir stumpfsinnig alle Örtlichkeiten abarbeiten?

Details der Titelbilder von Ulm, Deadline, Carcassonne, Castles of Tuscany

Septemberspiele 2020

Ulm

Auch in Ulm trägt man jetzt Maske. Es wurde im Vierkirchner Treff gespielt. Michael fiel die Gewöhnung ans Schieben von Aktionssteinen schwer, Felix stieß nach Anfangsproblemen auf Platz zwei vor, hinter Nicole.

Neulich habe ich die BGG-Solovariante probiert und knapp verloren. Vor allem aber spielen wir es weiter zu zweit.

Castles of Tuscany

Es stimmt, was sie sagen: Die Regeln sind nicht in jedem Sonderfall eindeutig. Wir haben anscheinend trotzdem alles richtig gespielt.

Manches in Tuscany ist wie in Burgen von Burgund, vieles anders. Insbesondere setzt Castles of Tuscany bei der an Bubu vielfach kritisierten thematischen Einbettung noch eins drauf. In der Regel steht, Hintergrund sei die Toskana des 17. Jahrhunderts, auf der Schachtel ist vom 15. Jahrhundert die Rede. Hauptsache Italien!

Carcassonne

Neuer Solo-Highscore: 75 Punkte. Läuft.

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April 2020: Bericht muss entfallen

by Florian

Nein, ich kann nichts schreiben. Diesen Monat habe ich nichts zu erzählen. Immer die gleichen alten Spiele. Und die neuen Spiele sind auch wie die alten. Und ab der zweiten Partie nicht mehr neu. Und immer habe ich nur daheim gespielt, im Vierkirchner Wohnzimmer. Immer mit derselben Mitspielerin. Nicht dass ich mich beschweren möchte. Manche sitzen schließlich ganz ohne Mitspieler in ihrer Wohnung und vermissen ihren wöchentlichen Brettspieltreff.

Race for the Galaxy

Was könnte ich schon erzählen? Hey, wir haben Race gespielt. Ein Spiel, über das hier im Blog jede Menge dummes Zeug steht. Und andernorts erst …

Ich könnte euch schildern, wie ich heute die verlorene Partie herumgerissen habe. In der es von Anfang an schlecht für mich lief. Und gut für Nicole. Ständig habe ich erkundet, meist +5. Auf der Suche nach militärischer Stärke. Auf der Suche nach Militärwelten. Gefühlt war es nie genug.

Selbst in der letzten Runde habe ich mit der Hand voll wertloser Karten Erkunden +5 und Entwickeln gespielt. Mein Vorsatz: Die beste 6er-Entwicklung, die ich erwische, baue ich. Es kam die neue galaktische Ordnung, die zu meiner unsichtbaren Festung passte. Wir zählten. Das Spiel stand auf dem Kopf. 42 zu 39 für mich.

Ja, die Geschichte könnte ich euch erzählen. Ausgerechnet 42 Punkte! Das alles konnte kein Zufall sein. Aber würdet ihr das lesen wollen, dummes Zeug über Race for the Galaxy?

Der Herr der Ringe – das Kartenspiel

Ich könnte euch einmal mehr von diesem Living Card Game vorschwärmen. Sicher, das Herr der Ringe-Kartenspiel lässt FFG in China herstellen, und die internationalen Warenflüsse sind mit Schuld an der schnellen Verbreitung des Virus. Und sicher kennt ihr dieses Spiel entweder aus eigener Erfahrung und habt viel bessere Kartenkombos als wir, oder ihr scrollt eh jeden Monat über meine begeisterten Berichte hinweg, weil ihr es nicht mehr hören könnt und so ein LCG außerdem auf niedrige Sammelinstinkte setzt und viel zu teuer kommt, oder weil Arkham Horror LCG eurer Meinung nach die besseren Szenarien hat.

Ist ja gut. Lasst uns nicht streiten.

Carcassonne

Einen Geheimtipp würde ich noch loswerden. Carcassonne. Schon davon gehört? Spiel des Jahres 2001. Klaus-Jürgen Wrede. Innovativer Mechanismus: Plättchen legen, Figuren abstellen, werten.

Nein, nicht so. Natürlich kennt ihr Carcassonne. Aber ganz neu ist die offizielle Solo-Variante, und die ist noch besser als die inoffiziellen, die ich auch schon Dutzende Male gespielt habe. Die ist so schwer, dass ich mich mit so bescheidenen Punktzahlen abfinden musste, dass ich sie nicht veröffentlichen kann. Und schwer ist bei solo immer gut.

Aber wenn ihr selbst auch gern solo spielt, habt ihr sicher davon gehört, die Variante vielleicht sogar ausprobiert? Es war zu befürchten. Oder alles ist anders, und es geht euch wie diesem Spielbox-Kritiker, der die 7 (von 10) für die Durchschnittsnote hält – und Solospiele für dämlich.

So oder so, mit Carcassonne solo brauche ich euch wahrscheinlich auch nicht zu kommen.

Kneipenquiz

Ich könnte sogar von einem Spieleabend in großer Runde erzählen. Kneipenquiz zu acht, dazu eine Spielleiterin. Kein Problem mit Mindestabstand. Sandra hat’s auf Twitter angeleiert. Sie macht das jede Woche. Über Discord.

Ich hätte auch gar nichts Schlechtes zu sagen. Es war nett. Etwas schade, dass man die Leute nicht sehen konnte, die man da kennenlernte und mit denen man im Team war. Aber hmm, Kneipenquiz übers Chatprogramm? Mit fremden Leuten und ohne Smalltalk? Ohne Bier, oder zumindest ohne Anstoßen?

Das alles fühlte sich seltsam an. Das Schlimmste waren aber einige Quizfragen, die ich kannte. Wir haben das Kneipenquiz ja auch schon öfter gespielt, und einige Fragen hatte ich garantiert schon einmal gehabt, das wusste ich sicher.

Aber die Antworten, die wusste ich nicht mehr. Darum breite ich über die Geschichte auch lieber den Mantel des Schweigens.

Vielleicht nächsten Monat wieder.

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März 2019: Allein auf der Wiese

by Florian

Im März haben wir die ersten Partien von Hadara und Die Tavernen im tiefen Thal gespielt, denn in Emmering trainiert man für die Deutsche Meisterschaft. Und wenn ich über diese hoch gehandelten Neuerscheinungen etwas schriebe, würden sich vielleicht mehr Leute für diesen sonst so ruhigen Blog interessieren.

Aber der März war der Monat nach dem Wettbewerb. Ein ruhiger Monat. Ein Monat für kooperative Spiele und Solo-Varianten.

Roll Player, Steam, Adventure Island

Carcassonne

Carcassonne für eine Person geht ganz einfach: Fang in der Mitte an. Bau ein Feld aus 7 mal 7 Plättchen. Das Spiel endet mit dem letzten, oder wenn du das dritte Plättchen beiseite legen musst, weil es nicht passt. Ab 130 Punkten zählt es als Sieg.

„Carc Island“, so heißt die Variante, hat einige Vorteile gegenüber dem Standardspiel. Erstens entsteht eine geschlossene Landschaft. Ästhetisch stören mich die Lücken, für die gute Carcassonne-Spieler mit fiesen Zügen bewusst sorgen.

Zweitens dauert „Carc Island“ eine Viertelstunde. Das passt gut in die Mittagspause. Und drittens macht mir auf der Insel keiner die Wiesenwertung streitig. Ich muss nur rechtzeitig daran denken, einen Bauern abzulegen.

„Carc Island“ ist jetzt mein zweitliebstes Carcassonne. An erster Stelle steht das steinerne Original.

Age of Steam: Barbados

Ich kickstarte keine Spiele, aber dass gerade eine neue Version von Age of Steam vorfinanziert wird, ist mir nicht entgangen. Zehn Karten sind dabei. Toll sieht sie aus.

Während die Unterstützer noch Monate und vielleicht Jahre warten müssen, bevor sie für ihr Geld etwas bekommen, habe ich die Gelegenheit genutzt, mal wieder die Solo-Karte Barbados von Ted Alspach zu spielen – und zwar erstmals nach den Age-of-Steam-Regeln statt denen des Nachfolgers Steam.

Ja, es ist kompliziert: Nach einem Rechtsstreit der Autoren gibt es zwei sehr ähnliche Spiele, Age of Steam oder kurz AoS von John Bohrer und Steam von Martin Wallace. Das ist jetzt auch schon wieder Jahre her. Ich will da keine toten Hunde ausgraben. Oder wie geht der Spruch?

Nur eines kann man ohne Versteigerungen spielen. Nur eines erlaubt es den Spielern, Kredite zurückzuzahlen. Der entscheidende Unterschied ist aber nach meiner Ansicht, dass AoS einen automatischen, zufallsgesteuerten Warennachschub vorsieht, während bei Steam die Spieler alles selbst in der Hand haben. Für eine Solo-Karte wie Barbados bedeutet das: In Steam könnte man ab Runde eins die komplette Partie durchplanen, wenn man den Kopf dafür hätte. Es ist ein Rätsel ohne Unwägbarkeiten. Dass man überhaupt noch spielt, liegt an der Unübersichtlichkeit des Entscheidungsbaums.

AoS ist anders: Ich weiß von Anfang an, wo welche Waren landen müssten, aber nicht, ob und wann. Ich muss meine langfristige Planung anpassen, muss reagieren. Und jetzt, da ich beides ausprobiert habe, weiß ich: Solo gefällt mir AoS mit seinem taktischen Element wesentlich besser. Wenn ich keinen Mitspieler habe, der mich zum Improvisieren zwingt, muss es der Zufall tun.

Adventure Island

Hier endet der Solo-Teil des Monatsrückblicks. Das kooperative Adventure Island von Lukas Zach und Michael Palm könnte man zwar solo spielen, indem man mindestens zwei auf einer Robinson-Insel gestrandete Charaktere übernimmt. Ich habe das aber nicht probiert. Nein, Nicole und ich haben Adventure Island zu zweit durchgespielt. 14 Partien haben wir gebraucht, um alle fünf Szenarien zu bestehen.

Wie der Name schon sagt: Es ist ein Abenteuerspiel. Es lebt von der Überraschung, von Karten und Ereignissen, die man nicht kennt. Von Würfelproben, deren Ausgang spannend ist. Wer strategische Entscheidungen erwartet, wird nicht glücklich werden.

Ich habe eine Geschichte und Überraschungen erwartet. Beide Hoffnungen wurden erfüllt. Nach der ersten Partie war ich begeistert. Adventure Island ist das Spiel, das TIME Stories sein wollte. Spannender, einfacher, eleganter.

Aber dann wurde es schwieriger. Schwierigere Aufgaben, das fand ich gut. Die komplexeren Karten weniger. Texte mit Lücken, halb ausformuliert in der Kürze, die Karten halt erfordern. Nein, das ist nicht „bei einem solchen Spiel immer so“, wie es irgendwo auf Boardgamegeek entschuldigend heißt. Fantasy Flight Games macht es (meistens) vor: Auch kurze Kartentexte können eindeutig sein.

Am Ende würde ich also doch nur drei von fünf Sternen vergeben. Oder nein, sagen wir vier, mit einem Extra-Sternchen: Auf Twitter hat einer der beiden Autoren, Michael Palm, geduldig meine Regelfragen beantwortet.

Roll Player

Super Wortspiel, oder? In diesem Spiel würfeln wir uns wie in D&D-Tagen mit 3W6 eine Rollenspielfigur aus. Nicht wirklich … aber das ist das Spielthema. „Roll Player“, hahaha!

Nicole und ich haben noch einen draufgesetzt. Es begann nämlich mit dem Entschluss, mal den Spieleladen Gunship Games in Freising zu besuchen. An einem sonnigen Märzsamstag. Mit den Rädern.

Hat jemand von euch schon mal einen gutsortierten Spieleladen zum ersten Mal aufgesucht und nichts gekauft? Genau, wir auch nicht. Die Entscheidung fiel auf Roll Player. Wir packten es in die Ortliebtasche und radelten heim, um loszuspielen. Und die ganze Zeit sangen wir auf unseren Ledersätteln: „Rolling, rolling, rolling …“

Tatsächlich beschreibt das aus Blues Brothers bekannte Lied „Rawhide“ das Spiel ganz genau. „Move’em on, head’em up, head’em up, move’em on“: Würfel werden genommen, platziert, umgedreht, manipuliert und wieder und wieder umgesetzt. Am Thema vorbei serviert Autor Keith Matejka uns eine komplexe Rechenübung: „My heart’s calculatin'“. Nur das Versprechen „My true love will be waitin‘, be waitin‘ at the end of my ride“ stimmt so nicht. Am Ende haben wir eine neurotische, mit einer Armbrust bewaffnete und in Kettenrüstung gekleidete Zwergin, die auf dem Bauernhof aufgewachsen ist. Damit endet das Spiel. Wir kassieren Belohnungpunkte. Nicht mehr, nicht weniger.

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