Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Brindlewood Bay

Missionen und Meerschweinchen

by Nicole

2021 ist besser als 2020. Obwohl wir Großen Alten nicht wie im Vorjahr – kurz vor Beginn der Pandemie – an der Regionalen Vorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft teilnehmen. Damit fangen wir vielleicht wieder an, wenn das Turnier nicht virtuell, sondern in real life und mit Haselnusschnaps stattfindet. 2021 ist besser, auch wenn zum zweiten Mal die NördSpiel ausfallen muss, weil im Frühsommer die Zahl der Sars-CoV-2-Infektionen zu hoch und die Impfquote mangels Vakzin niedrig ist.

2021 ist ein gutes Jahr, weil wir viele schöne Momente haben. Zunächst beim Rollenspiel auf Discord, erst mit Beyond the Wall, dann beginnt unsere Brindlewood-Bay-Kampagne. 19 Mal treffe ich mich als backbegeisterte pensionierte Grundschullehrerin Bärbel Oberwallner mit meinen beiden zugereisten Freundinnen alias Carsten und Tilo sowie Florian als Rollenspielleiter in Bad Bründlholz, dem oberbayerischen Pendant zur US-Kleinstadt Brindlewood Bay, um Kriminalfälle zu lösen. Und ohne spoilern zu wollen, verrate ich euch: Das Schicksal des Meerschweinchens Knödel geht zu Herzen. Als die dunkle Verschwörung aufgedeckt ist, pausieren wir.

Fortan bin ich einmal wöchentlich verabredet, um digital und auf Discord plaudernd Brettspiele zu spielen mit Claudia, Carsten und Thomas. Ich lerne Yokohama, Viticulture, Deus und Praga Caput Regni kennen. Manchmal haben wir mehr Lust auf Klassiker, dann werden es die Burgen von Burgund, Race for the Galaxy oder Russian Railroads, Azul und Terra Mystica. Die Runde wird 2022 fortgesetzt. Hoffentlich auch mit Gaja Project, was es neuerdings auf Board Game Arena gibt. Ich freu mich drauf.

The Between und Die Crew - Mission Tiefsee
The Between und Die Crew – Mission Tiefsee

Irgendwann Mitte des Jahres sind die meisten in unserem Umfeld immunisiert, Familie, Freunde, Kollegen. Wir gewinnen Sicherheit, sehen wieder Menschen, fahren weg, besuchen den örtlichen Spieletreff (mit Maske) und spielen beim langen 2G-Wochenende im Herbst in Ruppertshofen fünf Tage durch – ohne Maske und wie aus der Zeit gefallen, während außenherum die Inzidenzen wieder steigen.

Auch unser Spiel des Jahres lernen wir dort kennen. Nachdem uns 2020 Die Crew – Reist gemeinsam zum 9. Planeten so gut gefallen hat, das wir es zu unserem Spiel des Jahres gemacht haben, setzt Die Crew – Mission Tiefsee noch eins drauf. Wir sind begeistert. Über 50 Partien werden es in den letzten beiden Monaten des Jahres, zu zweit, zu dritt, zu viert und zu fünft. Wie viele genau, wissen wir nicht, weil Florian aufhört, jede einzelne in der Statistik zu vermerken. Wir spielen Die Crew – Mission Tiefsee mit Vielspielern in Ruppertshofen und mit Freunden beim 2G-plus-Abend. Wir schenken es meiner Schwester und lassen den gemeinsamen 2G-plus-Spielenachmittag über Stunden damit ausklingen.

Autor Thomas Sing hat es noch einmal viel variabler gemacht. Selbst wenn wir alle Missionen irgendwann erfüllt haben, werden wir es sicher immer wieder hervorholen, so wie Hanabi oder Codenames Duett. Zwei kritische Anmerkungen habe ich dennoch: Ich bin keine langsame Spielerin, aber Hektik und Zeit stoppen sind mir zuwider. Das lassen wir weg. Und mit über 50 gewöhne ich mich nicht mehr so schnell an Neues. Tonoya soll der Dummy jetzt heißen. Für uns bleibt er der Jarvis aus der Reise zum 9. Planeten.

Mit Live-Spieleabenden sind wir zurzeit wieder vorsichtig. Unsere neue Rollenspielrunde auf Discord entschädigt dafür umso mehr. Diesmal ist es The Between. Seit Ende September versammeln wir uns regelmäßig mittwochs im London des 19. Jahrhunderts, um Übernatürliches zu besiegen. Manchmal vernichten wir es, manchmal haben wir Mitleid und schicken es nur nach Dänemark. 13 Mal sind wir schon zusammengekommen. Wie das ausgehen wird, weiß ich nicht, aber meine Dynamite Dotty von den Daltons aus Boston fühlt sich ziemlich wohl in der Gesellschaft ihrer Geisterjäger-Kollegen Baston und Geoffrey. Auch wenn beide, für amerikanische Verhältnisse, einen Riesenknall haben. Vielleicht aber auch gerade deswegen.

Unsere Spiele des Jahres

Februar 2021: Zwischenbericht aus Bad Bründlholz

by Florian

Hier geht es weiter wie angekündigt: mit einer neuen Rollenspielkampagne, aber auch einem komplexen Brettspiel. Ach, Februar, wärst du nur nicht so kurz.

Brindlewood Bay

In Brindlewood Bay klären die Ermittlerinnen (sämtlich ältere Damen) Mordfälle auf. Die Besonderheit: Es gibt in jedem Szenario eine Liste Verdächtiger, aber der Täter steht zu Spielbeginn nicht fest. Mit einem Spielzug namens Theoretisieren können die Detektiv-Damen versuchen, den Fall zu lösen.

Das ist in der Praxis so faszinierend, wie es klingt. Mit einer Einschränkung. Den Rätselcharakter von Sherlock Holmes – Criminal Cabinet, Call of Cthulhu oder Mythos Tales hat es nicht. Solche Spiele wird Brindlewood Bay für mich nicht ersetzen. Das hatte ich auch nicht erwartet.

Bad Bründlholz

Brindlewood Bay in Bad Bründlholz

Die ersten fünf Abende sind gespielt, die ersten Eindrücke gesammelt. Ich habe das Gefühl, das ist alles noch sehr vorläufig, da gibt es noch viel zu entdecken. Unter diesem Vorbehalt ein paar Anmerkungen:

  • Wir spielen im fiktiven bayrischen Ferienort Bad Bründlholz, idyllisch am See und am Fuß hoher Berge gelegen. Einfach weil mir der amerikanische Hintergrund nicht so zusagte.
  • Eigentlich wollte ich nur die Originalabenteuer ein bisschen lokalisieren, aber sowas ufert ja immer aus. Außerdem ist bei uns Sommer, in den Originalabenteuern Winter.
  • Die Regeln von Brindlewood sind kurz und nicht komplex, aber dicht. Bisweilen fehlen mir ein paar ergänzenden Erläuterungen. Was heißt es konkret, wenn nach erfolgreichem Theoretisieren der Spielleiter „eine Möglichkeit schafft, dem Täter das Handwerk zu legen“?
  • Ich habe noch nicht rasend viel Erfahrung mit modernen Erzählspielmechanismen wie PbtA. Ich fühle mich als Spielleiter in Brindlewood ganz schön gefordert. Bei einem Erfolg mit Komplikation beim häufigsten Spielzug, der Ermittlung, muss ich sowohl einen Hinweis an die Situation anpassen und schildern als auch die besagte Komplikation benennen. Puh!
  • Im Original passen die Fälle dank kleiner Schrifttype auf zwei Seiten. Ich habe mir meine Fälle bequem mit viel Weiß auf je fünf Seiten ausgedruckt. Blöde Idee, da ist man die ganze Zeit am Blättern. Alles sollte möglichst gleichzeitig im Blick sein.
  • Ich bin nicht der Einzige, der noch lernt. Meine Spieler begeistern sich für Hintergrund und Ermittlungsarbeit. Ihre Vorgeschichte und ihre heimische Ausstattung zu ihrem Vorteil ins Spiel zu bringen, fällt ihnen bisweilen noch schwer.
  • Weil die Spieler aus Angst vor schlechten Würfelergebnissen stets weit mehr Hinweise sammeln, als sie eigentlich benötigen, haben sich bereits zwei Angehörige der dunklen Verschwörung enttarnt, die Gegenstand der finalen Episode sein wird.

Im März werde ich erstmals eine andere Gruppe als meine Stamm-Mitspieler (Nicole, Carsten und Tilo) nach Bad Bründlholz begleiten. Ich bin schon gespannt.

Andere Welten

Als Spieler habe ich im Februar drei Rollenspielsysteme erlebt:

  • In Dungeon World, geleitet von Sal, bin ich ein freundlicher, umgänglicher, messerwerfender Dieb. Mein Name ist Chon Burch, ich stamme aus der Kalten Steppe. Ein Magier namens Fenfaril und der Barde Baldur begleiten mich in den Minen von Farad-Dul. Ich konnte meine Spezialkenntnisse schon gewinnbringend einsetzen. Heute folgt der dritte und leider letzte Teil.
  • In Trophy Dark nahm uns ein schrulliger alter Mann, vorgestellt von Spielleiter Christopher, in seine WG auf. Eine super Idee, bei den Mieten heutzutage. Wir sollten sogar Geld bekommen, wenn wir fünf Tage durchhielten. Für meine Figur die Chance auf ein Grundkapital, um meine Erfindung endlich zu verwirklichen: ein multidimensionales Spektiv. In Wirklichkeit herrschten Ratten über Haus und Bewohner, und ich musste froh sein, lebend davonzukommen: mit einem Sprung aus dem ersten Stock in die Rosenbüsche.
  • Auch in Mythos World überlebte ich, obwohl sich riesige Fischwesen über mich, meine Begleiter und meine Rieslingvorräte hermachten. Eine Demütigung ohnegleichen für Gabriel von Conz, den Lebemann aus gutem Hause. Es fing alles so gut an. Mit dem expressionistischen Maler Erich Dreifuß, dem Bühnenzauberer Claas Holm alias „Il Magnifico“ und dem Kleingauner Max Klee reiste ich auf die Nordseeinsel Kraakeog. Erste Ernüchterung: Hier gibt’s kein Hotel … Tja, und von da ging es immer nur bergab.

Hallertau

Diverse Codenames-, Just One– und Kneipenquiz-Runden via Discord machten auch im Februar den Großteil unseres Soziallebens aus. Außerdem erarbeitete Nicole für uns die Regeln eines neuen Brettspiels: Hallertau von Uwe Rosenberg.

Die Hopfenlandschaft liegt quasi vor unserer Haustür. Ich kenne mich aus, ich fahre da gelegentlich zwischen den Hügeln Rad. Was ich noch nie gesehen habe: Häuser, die regelmäßig weiter nach rechts rutschen, sobald der Wohlstand der Bewohner zunimmt. Muss ich bei der nächsten Tour mal drauf achten.

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