Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Auf nach Indien

Lauter kleine Schachteln

by Nicole

Daniel ist sieben Jahre alt, Hans 84. Was die beiden gemeinsam haben? Sie schauten heute zum ersten Mal bei unserem Spieletreff vorbei. Daniel wusste von seinem Vater, dass ein Pegasus-Abend anstand, Hans hatte es aus der Zeitung. Beide stiegen mit Why first ein. Daniel war der Einzige in der Sechserrunde, der nie den zweiten Platz erreichte. Meistens lag er ganz vorne und blieb damit komplett ohne Punkte.

Hans schaffte es einmal auf Rang zwei, zusammen mit mir. Wir kassierten jeweils sieben Punkte, führten damit vor der fünften und letzten Runde und mussten unbedingt noch dafür sorgen, dass Annette an uns vorbeizog. Denn es gewinnt schließlich nur, wer Zweiter wird. Tatsächlich bekam Annette zu ihren sechs noch einmal vier Punkte dazu – und Hans und ich wurden gemeinschaftlich Vize, also Erster, naja, einigen wir uns auf Sieger.

Kunstsammler unter sich

Kunstsammler unter sich

Da Annette und Daniel nur auf ein Spiel bleiben konnten, wurden aus einem Sechser- und einem Vierer- zwei Vierertische. Ich ging zu Jochen, Florian und Karen. Philipp wechselte zu Michael, Felix und Hans. Seventh Hero wurde dort gegeben. Wir am Nachbartisch machten uns bei Duckomenta Art auf die Jagd nach den schönsten Kunstwerken.

Ich begann stark, verpulverte zwischendrin drei blaue Karten für nichts und wieder nichts und schaffte es in der letzten Runde gerade noch, Jochen auf Abstand zu halten. Karen mischte lange ganz vorne mit, brachte es auf satte 77 Punkte, musste aber Florian den Vortritt lassen, der souverän in den letzten beiden von vier Runden 33 und 36 Punkte holte. Am Ende kam er auf 93. Die Antike war es, die ihm zum Sieg verhalf.

Die Empire Engine rollt

Nun verabschiedeten sich auch Karen und Felix, blieben zwei Dreier-Tische. Philipp nutzte die Gelegenheit und überredete Michael und Hans zu Empire Engine, das er erst heute kennen- und gleich schätzen gelernt hatte. Ein konfrontatives Würfelchen-sammel-und-Zahnrad-dreh-Spiel, das Philipp gerne gewinnen würde bei der nächsten Verlosung.

Noch einmal Empire Engine

Noch einmal Empire Engine

Jochen, Florian und ich probierten es mit Auf nach Indien. Während Florian Festungen bemannte und dabei seine Schiffe immer weiter nach Indien trieb, konzentrierte sich Jochen auf Märkte, sammelte ohne Ende Geld und verdankte schließlich der Renaissance den Sieg mit einem Punkt Vorsprung vor Florian. Angemerkt sei, dass Gotteshäuser nicht einmal dann Glückseligkeit garantieren, wenn man ihren Wert durch eine Missionskirche verdoppeln kann.

Philipp und Hans hatten genug, blieb ein Vierertisch. Michael, Jochen, Florian und ich packten Port Royal aus. Michael schaffte sich ein Fräulein an und besaß am Ende das meiste Geld. Ich war mit vier Säbeln der Schrecken aller Handelsschiffe, Florian folgte zwei Expeditionsaufrufen und wurde reichlich dafür entlohnt. Jochen setzte früh auf eine Admiral, sammelte hier ein bisschen und dort.

Florian erreichte die zwölf Punkte, als nur noch Jochen an der Reihe war. Der hatte zu dem Zeitpunkt erst neun, aber das unverschämte Glück, vier verschiedenfarbigee Schiffe aufzudecken, damit eine Karte mehr kaufen zu dürfen und genug Geld für die letzten drei Punkte zusammenzubekommen. Da beide jeweils drei Münzen besaßen, endete der Abend, wie er begonnen hatte: mit einem geteilten Sieg.

Weiterlesen:

Inder in Irkutsk

by Nicole

Ob ich schon mal in Indien war? Nein, ich fliege nicht gerne, und mit dem Schiff dauert die Reise einfach zu lange. Aber ich habe mir viel erzählen lassen. Ja, sogar Dias habe ich schon gesehen. Und ich mag Indien, zumindest so, wie ich es kenne, aus Filmen und Büchern, vorzugsweise Kochbüchern. Ich habe auch schon einmal einen Abend mit Indern verbracht. Fast wäre es zum Streit gekommen, weil ich geschworen hätte, Lana Turner spielt in Doktor Schiwago mit. Die Inderin auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches, ebenfalls Hollywood-Kennerin, sah das anders.

Das Gespräch fand übrigens am Baikalsee statt, damals auf unserer Transsib-Tour. Als Edmund Stoiber Wahlkampf gegen Gerhard Schröder machte, zuckelten wir gemütlich von West nach Ost und trafen nahe Irkutsk die indische Reisegruppe, die von Ost nach West unterwegs war. Als Edmund Stoiber knapp verloren hatte, saßen wir am Pazifik und sahen Marinekadetten bei der Ausbildung zu. Die Inder waren da vermutlich schon in Moskau.

Was das alles in einem Spieleblog zu suchen hat? Naja, heute zeigte sich Vierkirchen wieder verspielt. Zumindest an drei Tischen im Pfarrheim St. Jakobus. An einem wurde Auf nach Indien gespielt, am anderen Zug um Zug Europa und am dritten Russian Railroads. Auf nach Indien hatten wir zwar mitgebracht, aber wir kamen nicht dazu, mit Segelschiffen vor der Küste des Subkontinents zu kreuzen, um mit Gold und Gewürzen zu handeln. Das blieb anderen vorbehalten.

Auf nach Indien

Auf nach Indien

Gereizt hätte es mich schon, aber noch lieber wollte ich Gleise bauen, und zwar im Osten, nicht in Europa. Diesmal ging es darum, das Ganze anders aufzuziehen. Nicht sofort das Zusatzmännchen über die Kiew-Linie holen, sondern auf der Transsib schnell vorankommen. Auch keine Fabriken bauen. Weiße Gleise sollten her, möglichst früh, möglichst viele. Der Vorsatz hielt keine halbe Runde, schnell war ich wieder in meinem Kiew-Trott und wurschtelte mich so bis zum Ende durch, Fabriken inklusive.

In einer Welt, die sich rasend schnell ändert, in der es nur noch wenig gibt, worauf man sich verlassen kann. In der die Währung meiner Jugend Vergangenheit ist und Zahlen per Smartphone-App längst Alltag. In der egal welcher Geheimdienst egal was und wen ausspioniert und man das nicht einfach ignorieren kann, weil ein Whistleblower Verantwortungsgefühl zeigt. In der Arbeitsplätze nicht mehr sicher sind und die Schlangen vor den Tafeln und Tischen, die gratis Lebensmittel ausgeben, immer länger werden. In so einer Welt gibt es mir ein Gefühl der Sicherheit, auf Bewährtes zurückzugreifen. Und sei es nur die Kiewmedaille in Russian Railroads.

Regvor’m Hirn

by Florian

Was ist von Leuten zu halten, die drei Partien 7 Wonders am Stück spielen und anschließend noch lange über Strategien diskutieren? Die das freundliche Familienspiel Las Vegas wegen seines Glücksanteils als Bedrohung wahrnehmen? Bei Russian Railroads, wo dreihundert und mehr Punkte je Spieler ausgeschüttet werden, jedem einzelnen verpassten hinterherweinen?

Sagen wir es freundlich, wir sind ein spezielles Volk – zumindest um diese Jahreszeit, wenn wir uns immer wieder die Spiele für die Regvor vornehmen. Und dazu kommt noch dieser wirre Blog, in dem auch mal erfundene Polen aus ihrer Jugend erzählen oder Filmstars interviewt werden, die es laut IMDB gar nicht gibt.

Aber wir können auch anders. Falls sich am Montag, 26. Januar, ein Normalspieler in den Pfarrsaal wagt, verspreche ich, bei Interesse gemütlich und in aller Ruhe Auf nach Indien zu erklären. Und ich bin sicher, es finden sich noch mehr Mitspieler für die Seefahrt ums Kap der guten Hoffnung, die vielleicht 45 Minuten dauert.

Falls nicht, werde ich diesmal in Russian Railroads mehr Punkte als Jochen und Nicole sammeln, das habe ich mir fest vorgenommen. Schon allein, um nicht wieder die ganze Nacht über meine Fehler nachgrübeln zu müssen.

image

Intensives Meisterschaftstraining

Weiterlesen:

In- und auswärts gespielt im November 2014

by Florian

Erst verpasste ich Zug um Zug, weil ich noch nach Kleingeld suchte. Dann erwischte ich aber doch die Russian Railroads mit Zwischenhalt in Firenze. Nicht sehr luxuriös, aber in dem Zug gibt’s immer Jaipur und umsonst. Vom Bahnhof kam ich mit Thurn und Taxis geradewegs zum Palazzo des Rosenkönigs. Ohne zu zögern klopfte ich Andor Tür.

„Camel up“, rief jemand über die Sprechanlage. Yay, dachte ich mir, das höre ich von solchen Royals auch nicht jeden Tag.

Der Rosenkönig sah ehrlich gesagt aus, als hätte er gerade sein Drachenherz an die Staufer verloren. Vor ihm stand eine halb verdaute Portion Haggis. Ihm waren so viele Haare ausgefallen, dass ihn der leider nicht ganz so diskrete englische Butler hinter seinem Rücken nur noch als Skull King bezeichnete. Aller Splendor war gone.

Etwas verwirrt fragte der King zur Begrüßung nach der Uhrzeit. Ich kam ihm frech: „Schätzen Sie mal!“ Und er: „Anno Domini 2014.“ Da konnte ich schwer widersprechen.

„Nur immer Heiterkeit, Chef“, rief ich, „und etwas Concordia kann natürlich auch nicht schaden. Verlassen Sie das Tal der Könige, treten Sie aus dem Drachenschatten, seien Sie ein Sonnenkönig, brechen Sie auf nach Indien und besehen Sie seine 7 Wonders!“

„Das wäre bestenfalls was für einen R-Öko wie Sie“, sagte er und schüttelte den Kopf. „Wenn schon, dann gleich Top Race. Aber genau das ist ja das Problem. Neulich ging ich wirklich mal in meinen Port Royal, um eine Space Mission zu starten, und dann hatte das Raumschiff ein Loch.

‚Wie kann das denn sein‘, fragte ich, und sie sagten mir: ‚Bora Bora.‘ Wer, wollte ich noch wissen. Der diensthabende Aufseher sagte nur: ‚Des san Juan-Söhne.‘ So eine Schweinebande, die werden mir noch alles abluxxen.“

Spielewochenende November

Weiterlesen: