Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Tag: Auf den Spuren von Marco Polo

Vielleicht doch nicht so schlecht

by Nicole

Das Spieljahr 2020 hört Mitte März auf, ein gutes zu sein. Nach dem Regvor-Trainingswochenende der Großen Alten im Januar, dem Ausflug zum Brettspieltag im Erdinger Nachbarschaftstreff, der Regvor selbst im Februar, meiner Partyspielparty ein Wochenende später, mit der wir in meinen 49. Geburtstag hineinfeiern. Und nach dem Sonntag, den wir Anfang März bei unserem Freund Carsten im Kreis Ludwigsburg verbringen. Spielend, versteht sich. Da sind wir mit dem Zug zum Rainald-Grebe-Konzert nach Stuttgart gereist, gehen vorher essen und sitzen hinterher bei einem Glas Weißwein in der Bar des Theaterhauses. Corona kann nicht so schlimm sein, denke ich. Das ist ja nicht die Pest, sage ich.

Ich müsste es besser wissen, denn vom 27. Januar an haben wir in der Lokalausgabe der Tageszeitung, für die ich arbeite, fast täglich über das Virus berichtet. Stockdorf und die Webasto-Firmenzentrale als Schauplatz des ersten deutschen SARS-CoV-2-Falls liegt nicht mal zwei Kilometer von unserer Redaktion entfernt.

Wir hören auf, Menschen zu treffen und mit anderen zu spielen. Wir kaufen uns Roll for Adventure als unser Corona-Spiel. Öfter als siebenmal spielen wir es nicht. Die verstörenden Nachrichten, die Verunsicherung sind der Konzentration abträglich. Als im Juni das liebgewonnene Brettspielwochenende Nördspiel ausfällt, verlegen wir es immerhin vom Ries zu uns nach Hause, mit Klassikern wie Steam, Kneipenquiz und Codenames. Alles zu zweit.

Im Juli besuchen wir für ein Wochenende Freunde in Hessen, die ähnlich zurückgezogen leben. Es tut gut, Flamme Rouge, Burgen von Burgund oder das kleine Rollenspiel Risus anzugehen.

Pandemie-Spieletreff

Mehr Platz im Pfarrsaal als vorgeschrieben

Die Zahl der Neuinfektionen ist niedrig im Sommer. Zaghaft nimmt Vierkirchen verspielt wieder seinen Betrieb auf, erst draußen vor dem Pfarrsaal, nach den Ferien drinnen bei geöffneten Schiebetüren, mit FFP2-Maske. Es geht.

Weil die Inzidenz lange Zeit nicht steigt, wage ich zu hoffen, das von mir organisierte lange Brettspielwochenende Anfang November in Ruppertshofen könnte vielleicht doch stattfinden. Wenn Florian und ich immer FFP2-Maske tragen, hat meine Ärztin keine Einwände. Sie sagt, es sei wichtig, mal rauszukommen. Doch am Ende gelten verschärfte Maßnahmen. Wir überweisen den zwölf Mitspielern, die das Treffen genauso gerne wie wir durchgezogen hätten, das Geld zurück.

Wir versuchen nicht, Ruppertshofen in unser Wohnzimmer zu holen, aber laden am eigentlichen Abreisetag alle Ruppertshofen-Angemeldeten zum Kneipenquiz auf Discord. Zu neunt spielen wir, erst das Quiz, dann Schätzen Sie mal und zuletzt Just One.

Die Seuche hat auch bei uns für einen Digitalisierungsschub gesorgt. Nicht nur, dass wir uns inzwischen wöchentlich mit Tilo und Carsten zum Rollenspiel Beyond the Wall auf Discord treffen. Alle drei Wochen kommt eine größere Runde zu Kommunikationsspielen zusammen. Kneipenquiz haben wir zuletzt auf der schwierigsten Stufe geschafft. Und heute, am Silvesterabend, wollen wir zu siebt Concept angehen. Das gibt es neuerdings auf Board Game Arena. Da bin ich inzwischen Premiummitglied. Auf BGA kann man auch Marco Polo 2 spielen. Das mache ich oft und gerne. Und Die Crew, Kennerspiel des Jahres 2020 und – tatatataa! – auch unser Spiel des Jahres.

Die etwa 20 Partien neulich auf BGA nicht mitgezählt, haben wir es heuer 110-mal gespielt. Auch live zu viert während der Pandemie mit Birgit und Patrick. Für Die Crew wäre Florian sogar bereit, auf BGA zu spielen.

110 Partien entsprechen fast einem Viertel all unserer 2020 gespielten Partien. Auf Platz zwei folgt Hanabi (28). Wir haben auch sehr gerne Auf den Spuren von Marco Polo (21), Paleo (13), Nova Luna (13), Ulm (8) und besonders Cooper Island (5), im Oktober das erste komplexe Spiel seit Beginn der Seuche, auf den Tisch gebracht. Insgesamt waren es 89 verschiedene Spiele und 460 Partien.

2019 waren es 629 Partien. Auch das ist ein Grund, warum ich sage, 2020 hat Mitte März aufgehört, ein gutes Spieljahr zu sein. Aber so schlecht war es vielleicht doch nicht. Wir sehen uns auf Discord oder BGA.

Unsere Spiele des Jahres

Sunday Bloody Sunday

by Nicole

Es ist Montagmorgen, 1.59 Uhr. Die Regvor liegt acht Stunden zurück. Ich schlafe schlecht, wenn ich viel spiele. Also auch in der Nacht vor der Regvor und in der danach. Eigentlich könnte ich noch dreieinhalb Stunden im Bett liegen bleiben, bevor wir eine Kanne Kaffee kochen, damit Thomas nicht ohne Frühstück nach Stuttgart fahren muss. Falls S-Bahnen und Züge verkehren. Die Deutsche Bahn versorgt uns seit Donnerstag gefühlt im Minutentakt mit Warnungen vor Sturmtief Sabine und den zu erwartenden Beeinträchtigungen im Schienenverkehr.

Das waren aber nicht die einzigen eingehenden Nachrichten. Noch nie haben uns so viele Leute Glück, Erfolg oder Spaß gewünscht vor einer Regionalen Vorentscheidung zu Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel. Ihnen allen, vom Kollegen über die Freundin und unseren Edeljoker Carsten, dessen Bereitschaft einzuspringen wir nicht in Anspruch nehmen mussten, bis hin zu Annett, unserer Erdinger Spieletreff-Bekannten, sei gesagt: Tilo hat die Erwartungen erfüllt, die der Rest des Teams an ihn hatte. Mit zwei ersten und zwei zweiten Plätzen war er der beste Große Alte. Wir alle vier konnten uns mindestens einmal als Sieger fühlen. Das ist uns eigentlich das Wichtigste, ein Spiel zu gewinnen.

51 Punkte reichten zu Platz vier der 20 Mannschaften beim Turnier in München. Und der brachte uns sogar das von uns im Vorfeld gewünschte Newton als Preis ein. Zur Qualifikation für die Meisterschaft im Juni in Bad Nauheim reichten sie nicht. Dorthin fahren der Turniersieger Team Kaiserschmarrn (64,5 Punkte) und die Rauchenden Würfel (53,5) auf Platz zwei. Glückwunsch!

Blau voll

This song is not a rebel song. This song is Sunday Bloody Sunday. In der S-Bahn auf dem Weg zum Wirtshaus im Isartal, wo Jo Jahr für Jahr souverän die Münchner Regvor ausrichtet, kommen wir auf U2 und die Worte, die Bono dem Lied bei Auftritten vorausschickt. Florian findet, das sei ein schlechtes Omen, aber ein guter Titel für den Turnierbericht. Finde ich auch. Ein Eyecatcher in der Unübersichtlichkeit des Internets. Dabei geht es wenig blutig zu am Isarufer, wenn man von Pauls Steak absieht, das er „medium rare“ bestellt. Paul sitzt an meinem Marco Polo-Tisch. Dazu gleich mehr.

Begrüßen, Hände schütteln, umarmen – die Regvor hat inzwischen etwas von einem Klassentreffen. Von meinen Ganz schön clever-Mitspielern kenne ich FF3 (The fab four) noch von First Class vor zwei Jahren. Er ist mit Abstand der Jüngste in der Runde und so nett, uns auf vergessene Wiederwürfler hinzuweisen. Nur mein Blatt sieht er schlecht, da steht mein Kamillentee im Weg. Als mir mit Verspätung ein Wiederwürfler auffällt, ist das aber auch kein Problem. Das einzige Manko sind die ausgelaugten Minifilzstifte, zum Glück ich bin mit eigenem Faserschreiber ausgerüstet.

Es läuft, wie laufen soll. Blau voll, dazu die beiden mittleren Reihen in Gelb, die 28 in Grün, 35 Punkte in Orange, 26 in Lila und vier Füchse, macht 279 Punkte. Für D&A2 (Dani & die Ackermänner) sieht es lange Zeit noch besser aus, doch am Ende entscheiden die Füchse. Mit zweien kommt er auf 259 Punkte und wird Zweiter.

Perfekter Vormittag

Ganz schön clever ist das Spiel der Großen Alten. Noch nie hat unsere Mannschaft drei Siege und einen zweiten Platz geschafft. Tilo erwürfelt sogar 290 Punkte, Florian reichen 234, um zu gewinnen. Mit dem Glück des Dreisten, der im letzten Wurf eine blaue Zwei oder Sechs braucht und auch bekommt. Thomas hat das Pech, in der letzten Runde weder in Gelb noch in Weiß die Drei zu schaffen, die er so dringend benötigt.

Auf den Spuren von Marco Polo führt mich an den Tisch von <Hier Teamname einfügen> aus Tüßling. Ihre violetten Hoodies mit dem Mannschaftsnamen in Pink vorne und dem Spielernamen hinten bekommen den Preis fürs coolste identitätsstiftende Outfit. Caro gibt einen hervorragenden Tischchef und bringt es fertig, mit ihren beiden Zielkarten 25 Punkte zu machen. Als Startspielerin hat sie nur zwei Charaktere zur Auswahl und entscheidet sich für Berke Khan – den, der nie draufzahlt. Vor ihr hat Lukas von den Kellerkindern 2 aus Lindau Raschid ad-Din Sinan gewählt, der seine Würfel dreht, wie er mag. Paul (Bodensee Brettspiel Trolle) sucht sich Wilhelm von Rubruk aus.

Mir verhelfen Matteo Polo und sein weißer Zusatzwürfel fast jede Runde zu zwei Reisen. Der neue Auftrag zu Rundenbeginn bleibt meistens unerfüllt. Ich habe einfach nicht genug Würfel. Meine Punkte mache ich über Xian, wo die drei Siegpunkte liegen. Über die Nordroute kommend, treffe ich dort in der dritten Runde ein. Dank der Stadtaktion in Karakorum kann ich sie mehrfach einheimsen. Dazu zehn Punkte durch zwei Aufträge, sieben als Zweiter in Peking, 15, weil ich alle Häuschen auf den Plan gebracht habe, und 18 für die Zielkarten: Moskau – Xian und Lhan-Zhou – Kochi. Ach, in Karachi hole ich in der letzten Runde noch Punkte für meine Häuschen. Ich würfle eher mäßig, kein einziges Mal kann ich mir drei Gold und einen Reiseschritt leisten, aber diesmal wird dank des Kamels, mit dem ich das Wiederwürfeln finanziere, aus einer 1 eine 5.

71 Punkte sind nicht die Welt, aber weil es bei Paul so gar nicht läuft (13), Lukas (57) seine Zielkarten lediglich als Anregung versteht und Caro (64) massiv investieren muss, um von Sumatra nach Adana zu kommen, gewinne ich. Perfekter Vormittag. Tilo wird Zweiter mit Raschid, Thomas Vierter mit Johannes Caprini und Florian (Matteo Polo) spielt noch, da habe ich schon mit meinen Espresso nach dem Schnitzel getrunken. An ihm liegt es nicht, dass sein Tisch als letzter fertig wird.

Leider kommt der Nachmittag

Leider kommt noch der Nachmittag. Und mit ihm 6 nimmt. Um es kurz zu machen: Hannes vom Turniersieger Team Kaiserschmarrn gewinnt wegen der Regvor-Regelmodifizierung, dass die Summe der Plätze in den einzelnen Runden entscheidend ist. Die wenigsten Hornochsen hat Andreas von den Kellerkinden. Ihm bleibt aber nur Platz drei hinter Agnes und vor mir.

Der alte Go-Spieler Tilo und auch Thomas gewinnen jeweils ihre Partien. Sie sind so früh fertig, dass sie kiebitzen kommen und ich mit einem herzhaften „Haut ab!“ erst irritierte Blicke, dann zaghaftes Lachen an meinem Tisch ernte. Sie hauen übrigens tatsächlich ab, meine Autorität als Kapitänin ist unangefochten, aber das hilft mir auch nicht. Florian wird wie in Marco Polo und schließlich noch in Alhambra Dritter. Er findet den Nachmittag ebenso mühselig wie ich.

Tja, Alhambra. Noch ein letzter Platz. Tilo hat das Spiel erst an unserem Trainingswochenende Anfang Januar gelernt und erreicht in der vierten Partie seines Lebens den zweiten Rang. Für ihn fühlt es sich an wie ein Sieg. Ich find‘s großartig, ebenso wie Thomas‘ zweiten Platz. Zum Abschluss noch einen Haselnussschnaps im Team samt Erinnerungsfoto (danke David!), und das war‘s dann.

Haselnussschnaps Haselnussschnaps

Sabine naht

Es ist 4.06 Uhr. Der Wind ist stärker geworden. Sturmtief Sabine naht. Falls Vierkirchen noch ÖPNV-technisch von der Außenwelt abgeschnitten wird, hoffe ich stark, dass Tilo im Dachgeschoss die Newton-Regeln gelesen hat, statt zu schlafen. Das Spiel wollte ich schon lange mal probieren. Als bester Großer Alter wird Tilo es vorbereiten und im Juni zur NördSpiel mitbringen.

4.13 Uhr. Ob ich mir schon mal einen Kaffee koche?

Zehn Stunden später. Sabine hat uns noch einen Vormittag mit Race for the Galaxy, Pax und – ja tatsächlich – Ganz schön clever beschert. Allerdings mit dem neuen Block „Challenge 1“ mit Minuswerten in Orange und zwei Siebenern in Blau. Für Newton fehlte die Konzentration. Inzwischen sitzen Tilo und Thomas im Zug. Es ist fast drei.

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Ältere Regvor-Berichte:

Januar 2020: In 6 nimmt fast unschlagbar

by Florian

Uwe Rosenberg ist vor unserer Haustür unterwegs. Zumindest spielerisch. Im Herbst erscheint bei Lookout sein neues Werk Hallertau – lass mich raten, ein komplexes Arbeitereinsetzspiel rund um Hopfen und Malz? Das ist so gut wie gekauft …

6 nimmt

Der Januar begann mit einem Übungswochenende unserer Regvor-Mannschaft Die Großen Alten. Ich kann die Konkurrenz nur warnen: Unser Neuzugang Tilo ist ein ganz Abgezockter und in 6 nimmt schwer zu schlagen. Die merkwürdige Regvor-Regeländerung, dass nicht die Minuspunkte, sondern die einzelnen Rundengewinne über die Platzierung entscheiden, wird seinen Gegnern auch nicht helfen, sie verwirrt schließlich alle gleichermaßen.

Nicole, Thomas, Florian und Tilo

Die Großen Alten

Auf den Spuren von Marco Polo

Gut, in anderen Regvor-Spielen haben wir als Mannschaft noch Defizite. In Ganz schön clever werde ich immer schlechter, schaffe oft nicht mal mehr die 200-Punkte-Grenze. In Alhambra verliere ich auch jede Partie, egal ob gegen Künstliche Intelligenzen oder gegen Nicole.

Dagegen lief es in Marco Polo zwischenzeitlich ganz gut. Insbesondere als sich Michael im Spieletreff Vierkirchen freundlicherweise zu einer Übungspartie bereit erklärte. Ich fürchte aber, meine Leistungsspitze überschritten zu haben. Es kann nur noch bergab gehen. Ich habe da auch so eine klitzekleine Schwachstelle: Ich komme eigentlich nur mit drei der sieben Charaktere klar. Am schlimmsten finde ich den Schnorrer alias Mercator ex Tabriz. Der sollte sich eigentlich von selbst spielen, aber ich verzettle mich, wenn ich so viele Geschenke kriege.

Pitchcar Mini

Das Freizeit-Highlight des Trainingswochenendes war ein Autorennen. Klassische Aufgabenverteilung: Nicole kochte, Tilo, Thomas und ich schnippten die PS-starken Boliden um den Rennkurs. Seither denke ich über eine Erweiterung nach … oder gleich ein zweites Exemplar, um doppelt so lange Strecken zu bauen. Aber vielleicht lohnt es sich auch nicht, beim nächsten Mal habe ich womöglich Küchendienst.

Die Crew

Ich habe ja schon öfter über die Kartenqualität des bei Kosmos erschienenen Die Crew gelästert. Weitere zwanzig Partien später kann ich sagen: Mh, die Karten flutschen jetzt und lassen sich wieder besser mischen. Muss so eine Schweiß-und-Fett-Patina sein. Kenne ich! Haben die Karten unseres ersten Hanabi-Exemplars auch …

Im Januar sind wir zu zweit beim 9. Planeten angekommen, untersuchen ihn aber noch und nehmen ein paar Proben. Die letzten, die härtesten Missionen folgen im Februar. Parallel konnten wir dem Spiel bei Annetts und Christinas vierteljährlichem Treff in Erding ein paar neue Freunde gewinnen.

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Jugend trainiert (nicht) für Herne

by Florian

Unser Spieletreff-Chef Michael hat seinen WordPress-Zugang verlegt, weshalb dieser Beitrag nicht unter seinem Namen erscheint. Aber was soll’s – Hauptsache, wir erfahren endlich, wie es am Sonntag auf der Regvor in München gelaufen ist:

„Zu viel Training schadet nur“ schien die diesjährige Devise in der Vorbereitung auf die RegVor zu sein. Konkurrierende Termine hatten die Anzahl der Übungspartien auf ein ungewohnt niedriges Niveau gedrückt, trotzdem starten die Cracks von „Vierkirchen verspielt“ mit jugendlich unbekümmerter Zuversicht in den Tag. Kein Wunder, denn meine drei Mitspieler sind zusammengenommen genauso alt wie ich – fast ein waschechtes B-Jugend-Team.

Jo und seine Mannschaft haben wie immer ganze Arbeit geleistet und das Turnier perfekt organisiert. 15 Mannschaften haben diesmal den Weg ins Wirtshaus im Isartal gefunden – und alle pünktlich, trotz teilweise weiter Anreise – die „Kellerkinder“ waren bereits um halb sieben aufgebrochen.

Ernüchtert

Der erste Blick auf die Auslosung ist ernüchternd. Vierter bei Kingdom Builder und Zweiter bei Marco Polo, das hätte ich mir genau andersherum gewünscht. Felix ist erleichtert, dass er die Mannschaftskürzel von U++ und Spuiratzen nur bei Qwixx auf dem Zettel findet – im Glücksspiel sind die Chancen immer noch am höchsten, gegen die Seriensieger der letzten Jahre zu punkten.

Ich sitze schon beim Aufbau von Kingdom Builder, als mich von Vinnie die Frage erreicht, ob man das erste Plättchen zwingend am Rand einsetzen muss. Geht ja gut los, aber ich schiebe das Thema beiseite, denn ich habe entdeckt, dass es Schiffe gibt, die bei dem vor uns liegenden Spieltableau eine große Rolle spielen können. Schiffe sind knapp – und ich bin wie gesagt als Letzter am Zug.

Mit am Tisch sitzen Markus von „Dank überlegener Geisteskraft“, Nick von den Zugspitzzockern und Rainer von den Pandabeeren – seine kleidsame Pandastrickmütze mit Erdbeerbommeln legt er allerdings ab, um besser denken zu können.

Ebenbürtig

Und dann läuft es – besser als in meinen kühnsten Träumen erhofft. Ich bekomme als Erster die Schiffe, habe nach drei Runden fünf Bonusplättchen vor mir liegen und bin in allen vier Quadranten vertreten. So kann ich von Anfang an auf die Bauern hinarbeiten, die reichlich Punkte geben, wenn man sich gleichmäßig über das Spielfeld ausbreitet. Nebenbei erobere ich die horizontalen Reihen und die eine oder andere Stadt, die Bergleute vernachlässige ich, und obwohl ich im letzten Zug drei Punkte durch falsches Durchzählen der Bauern verschenke, reicht es knapp zum Sieg. Zweiter wird Markus, der mit nur zwei Bonusplättchen erstaunlich zäh dagegen gehalten hat.

Vinnie wird Vierter und Felix schrammt um einen Punkt am zweiten Platz vorbei. Im Gegenzug profitiert Karen von einem Tipp ihrer ärgsten Konkurrentin. Der zweite Platz mit zwei Punkten Vorsprung und das Gefühl, sich ausführlich entschuldigen zu müssen, sind der Lohn. Elf Mannschaftspunkte in der ersten Runde sind zumindest mal solider Durchschnitt.

Vor der Mittagspause stehen nun noch zwei Runden Qwixx auf dem Zettel. Totale Entspannung am Tisch, die Würfel fallen, wie sie wollen, und ich gewinne knapp die erste Runde. In der zweiten Runde läuft es dann genau umgekehrt, so dass in der Endabrechnung fast kein Unterschied festzustellen ist. Die Rangaddition ergibt je einmal 5,5 und 4,5, sowie zweimal 5 Punkte. Im Tie-Break werde ich damit Dritter, Sven von den „Fab Four“ gewinnt und Martin von „Ohne Risiko mit 4 Nebenwirkungen“ ist der glückliche Zweite, in Gedanken aber schon bei Marco Polo, das er nach über 200 Online-Trainingspartien gerne gewinnen möchte (was letztlich auch gelingt). Außerdem muss er des Längeren auf seine Rostbratwürstel warten, die dann auch noch kalt sind. Die Wirtin bedeutet ihm mit münchnerischer Höflichkeit, dass das sicher ganz allein seine Schuld sei, aber er nimmt es mit bemerkenswerter Gelassenheit.

Karen wird ebenfalls Dritte, Vinnie strahlt, dass er es mit seinem zweiten Platz „wieder gutgemacht“ habe, und Felix berichtet augenzwinkernd, dass er U++ und den Spuiratzen seine Taktik aufgezwungen und damit gewonnen habe.

Entspannt

Marco Polo spielt sich angenehm, auch wenn früh klar wird, dass ich mit dem „Kellerkind“ Daniel nur um Platz drei kämpfen werde. Es gelingt mir im Spielverlauf, fünfmal gegen Einsatz eines Kamels neu zu würfeln und jedes Mal das vorherige Ergebnis genau zu treffen – viermal die Eins und einmal die Zwei. Pech, aber ehrlich gesagt nicht spielentscheidend. An der Spitze ziehen Annett und Simon unaufhaltsam davon. Schachspieler Simon hat als Einziger eine Kombination von Bonuskarten entdeckt, die wir alle nicht erkannt haben, und löst als Kubilai Khan jede Runde zweimal einen reichen Bonussegen aus, der ihn mit Ressourcen geradezu überschwemmt.

Am Ende bedanken wir uns reihum für die nette Spielrunde – tatsächlich gilt das allerdings ausnahmslos für alle sechzehn Partien, bei denen ein Vierkirchner am Tisch saß. Keine verbissenen Wettkämpfer und keine ermüdenden Grübler – so macht Spielen Spaß.

Felix fehlt erneut ein Punkt, diesmal auf Platz drei, Vinnie wird wie ich Dritter – allerdings ist es dort deutlich knapper, den Ersten trennen nur 8 Punkte vom Vierten – und Karen gewinnt ihre Partie, womit wir als Team immer noch einen guten Schnitt spielen.

Erfolgreich

Und dann kommt Port Royal. Vinnie vertraut mir an, dass das sein Sorgenkind sei. Was ich nicht wusste: Er hat es noch nie gespielt, lediglich die Regeln gelesen und mit seinem Vater darüber diskutiert. Ich gebe ihm schnell noch den Tipp, es mit einem Admiral zu versuchen, wenn der passend auf den Tisch kommt, dann trennen sich unsere Wege.

Nachdem wir anfangs reihum ganze Flotten versenken, weil die gleichfarbigen Schiffe blöd im Stapel liegen, geht es für mich ganz gut los. Nach ein paar Runden liegen ein Matrose, ein Admiral und sogar ein Gouverneur vor mir, dann wird es aber überraschend etwas zäh. Xaver von „Fo(u)r get it“ sammelt munter Punkte und löst letztlich mit zwölf Punkten die Schlussrunde aus. „Erdbärin“ Sabrina hat schon keine Chance mehr, deckt aber fröhlich weitere Karten auf. Wenn dabei eine Dreierkarte auftaucht, ist klar, dass Christian von „Dani und die Ackermänner“ sie sich unter den Nagel reißen und damit den entscheidenden zehnten Punkt im Kampf um Platz zwei machen wird. Ich sitze ganz hinten und habe nur drei Gold, also keine Chance mehr, zu kontern. Und so kommt es. Sabrina scheint damit zur (Vize-)Königsmacherin zu werden, allerdings sind zwischenzeitlich noch ein Boot mit zwei Gold und eine Viererkarte aufgetaucht. Jetzt ist auf einmal Xaver in der Rolle des Königsmachers, was uns aber erst auffällt, als er das Schiff durchgelassen hat, wodurch ich auf einmal fünf Gold zur Verfügung habe, den zehnten Punkt erwerbe und mit dem übrigen Gold den Tie-Break für mich entscheide. Christian ist nur kurz etwas verärgert, gefühlt wäre hier ein geteilter zweiter Platz das Fairste gewesen.

Felix gelingt es im letzten Zug, mit einer erfüllten Expedition vom vierten noch auf den geteilten ersten Platz vorzustoßen, Karen gewinnt (und wird damit mit 15 Punkten erfolgreichste Vierkirchnerin) und Vinnie – gewinnt! – und zwar mit dem Admiral. Das ist der Hammer, Training wird tatsächlich völlig überbewertet. 17 Teampunkte im letzten Spiel katapultieren uns weit nach vorn. Mit insgesamt 50 Punkten reicht es für Platz drei, hinter „Fo(u)r get it“ und „Schachmatt“ mit 54 beziehungsweise 52 Punkten, die jetzt zum Finale nach Herne fahren dürfen. Glückwunsch!

Damit setzen wir die stolze Vierkirchner Tradition fort, von jeder RegVor mit mindestens einem Spiel als Preis heimzufahren. In diesem Fall komplettiert Vinnie die Familienspielesammlung mit Istanbul, und wir nehmen Evolution mit. Gleich morgen beim „normalen“ Spieleabend werden wir das ausprobieren.

Ältere Regvor-Berichte:

Alea-Schachtel auf Eisplatten unterwegs

by Florian

Die Ausgangsbedingungen: Eisregen fällt wie vorhergesagt. Nicole und ich brauchen doppelt so lange wie sonst, um uns Fußlänge für Fußlänge über schlittschuhglatte Wohnstraßen zu schieben.

Das Publikum: Wir haben einen neuen Mitspieler namens Micha. Er kommt aus Fahrenzhausen rund zehn Kilometer weit angeradelt. Der Radweg sei eisfrei gewesen, sagt er. In seinem Rucksack stecken sogar ein paar Spiele, und da er neu in der Gegend ist, wird er sicher öfter vorbeischauen.

Die Spiele: Ein Tisch ist fix beisammen: Marco Polo mit Christian, Vincent, Nicole und Michael. Was aber sollen wir am zweiten spielen?

Michas Spielesammlung steckt in einer Alea-Schachtel, nämlich der von Knizias Klassiker Ra. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren. Vielleicht nächstes Mal. Stattdessen fangen Felix, Micha und ich mit Willkommen im Dungeon an, einem nett aufgemachten Bluffspiel.

Der Sieger des Abends: Ich finde ja, das ist Felix. Er gewann Willkommen im Dungeon und stellte bei Kingdom Builder seine persönliche strategisch-taktische Weiterentwicklung unter Beweis, die für die Regvor Hoffnung macht. Aber man darf das nicht laut sagen. Als ich während der Partie mehrfach seine Züge lobte, etwa mit „nicht schlecht für einen Machi-Koro-Spieler“, fühlte er sich verspottet. Was ich schon auch verstehe. Ich kann einfach besser meckern als loben.

Der Verlierer des Abends: Ein Nachbar, dem es in unserer Straße auf den Eisplatten nicht gelang, sein Fahrzeug auf die eigene Einfahrt zu lenken.

Die Bewertung: Nicole hat ihr Ziel verfehlt. Für eine zweite Partie Marco Polo fehlte die Zeit. Aber alle Beijing-Reisenden haben offenbar neue Erkenntnisse gewonnen. Das ist erfreulich. Bei uns herüben war es einfach lustig.

Der Ausblick: Durch die wöchentlichen Termine hat sich eine gewisse Routine eingeschliffen. Und das meine ich positiv. Eigentlich ist es egal, was wir spielen. Auch altes Zeug wie Port Royal macht weiter Spaß. Trotzdem reizen mich Safranito und Ra in den nächsten Wochen.

Weiterlesen:

  • Der Nachfolger von Ra heißt Yangtze
  • Am Wochenende beliebt bei Familienspielern: Gift Trap
  • Zweite Erweiterung für Port Royal in Sicht

Gute Besserung

by Nicole

Die Ausgangsbedingungen: Alles deutet auf einen vergnüglichen Abend hin. Florian freut sich seit einer Woche auf Safranito mit Sergej, ich hoffe, einen Platz am Marco-Polo-Tisch zu ergattern. Auch wenn ich dieses Jahr nicht an der Regionalvorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft teilnehme, habe ich Spaß daran, Montag für Montag Auf den Spuren von Marco Polo zu wandeln. Naja, ganz ehrlich, ich habe erst einmal den Sparringspartner für Michael gegeben, bin aber voll motiviert. Fragt mich in drei Wochen noch mal.

Das Publikum: Vincent schafft es endlich vorbeizuschauen. Christian ist auch da. Doch einer fehlt: Florian liegt plötzlich ganz elend im Bett, statt mit Sergej, Karen und Felix um Gewürze zu schachern.

Die Spiele: Es hat auch seine Vorteile, zwei Minuten zu spät zu kommen. Marco Polo ist schon aufgebaut. Und als ob ich mich an widrige Turnierbedingungen gewöhnen müsste, habe ich Blau statt Gelb und muss kopfüber lesen. Dabei sind es Michael und Vincent, die sich vorbereiten. Für Vincent ist es das erste Mal. Er wählt den Schmarotzer. Christian spielt Marco Polo zum zweiten Mal, weiß das aber nicht mehr. Zumindest erinnert er sich nicht mehr daran, im Herbst mit dem Schmarotzer ordentlich Aufträge erfüllt zu haben. Er gibt den Weißwürfelmann. Michael grübelte in der Vorwoche noch intensiv über die Stärken des Beijingstarters nach. Diesmal will er es wissen und entscheidet sich für Kublai Khan. Ich habe die Wahl zwischen dem Charakter, der nie draufzahlt, und dem Duo, das getrennt reist.

Der Sieger des Abends: Fluggesellschaften, die Beijing bedienen, dürften vier Kunden gewonnen haben. Denn jetzt wissen wir, dass es von da ein Katzensprung nach Sumatra ist. Dort warten ertragreiche Goldminen auf Sechserwürfler. Und seien wir ehrlich: Sind wir das nicht alle ab und an? Das Gold lässt sich gleich noch mit einem Kamel als Dreingabe für Siegpunkte verticken. Michael zieht auf diese Weise einmal 20 und einmal zwölf Schritte davon. Das ist besser als alle Aufträge, und auch das Erreichen sämtlicher Ziele genügt nicht, um den Goldmagnaten noch einzuholen.

Der Verlierer des Abends: Yucata. Keine Zeit, online ein paar Züge zu machen in meinen diversen Marco Polos und dem Zweier-Bubu, das mein Gegner und ich beim Sonntagsfrühstück mit dem Vorsatz begonnen hatten, zügig zu spielen. Nun ja, heute Abend könnte es zu einem Ende kommen.

Die Bewertung: Ein Marco Polo am Abend ist fein. Nächste Woche steigern wir uns auf zwei Partien, in Ordnung? Schließlich kennt jetzt jeder die Regeln.

Der Ausblick: Sämtliche Teilnehmer hoffen, Florian nächsten Montag wieder als Mitspieler begrüßen zu dürfen. An dieser Stelle die besten Genesungswünsche vom Marco-Polo-Tisch.

Weiterlesen:

  • Kein Ersatz für eine Partie: das Regelheft von Safranito
  • Aktuelles Trendspiel: Terraforming Mars
  • Florian hat auch die Regeln mal wieder studiert: Dungeoneer

Starke Konkurrenz

by Florian

Die Ausgangsbedingungen: Ich schrieb letzte Woche was von Stefan Felds Der Name der Rose. In Wirklichkeit bin ich dann nicht mal dazu gekommen, erneut die Anleitung zu lesen.

Das Publikum: Drei Mann mehr als vor sieben Tagen liefen in den Saal ein: Christian, Sergej und Thomas. Wir hätten passend zur WM eine Handballmannschaft aufbieten können. Aber dann wären wir ohne Gegner dagestanden.

Die Spiele: Michael hatte Marco Polo schon aufgebaut, als wir eintrafen. Nicole setzte sich sofort dazu. Dabei blieb es: „Starke Konkurrenz“, seufzte Michael. Zu fünft gingen wir in ein weiteres Biathlonrennen: Auf geht’s, hieß es.

Spieleabend 16. Januar

Der Sieger des Abends: „Nie gewinne ich das Spiel“, sagte Felix über Auf geht’s, „aber ich werde immer Zweiter. Das ist auch ziemlich gut.“ Es triumphierte Sergej, sein Fluchtbegleiter.

Felix war als Erster ins letzte Schießen gegangen und (bei einem Nachlader) fehlerfrei geblieben. Ich brachte ihn auf eine Idee: „Wenn du deine Fünf spielst und keiner von uns fehlerfrei bleibt, bist du durch.“ Das wollte er probieren, und vielleicht hätte es geklappt, wenn Sergej nicht erneut perfekt geschossen und sich sogar die Nachladerkarte aufbewahrt hätte.

So hängte Sergej sich in Felix‘ Windschatten, sprintete unwiderstehlich den Berg hinauf, und auf den letzten Metern des Anstiegs ließ er ihn stehen. Am Ende konnte er es locker angehen lassen und sogar noch die überzählige Nachladekarte als Einserschritt nutzen. „Er fährt rückwärts über die Ziellinie“, kommentierte Felix.

Der Verlierer des Abends: Angesichts der starken Konkurrenz gab es letzte Plätze, aber keine Verlierer. Trotz Felix‘ Kommentar, an der Laufleistung müsse ich noch arbeiten, hat mir Auf geht’s wieder großen Spaß gemacht. Christian hatte in Drachenschatten sein Erfolgserlebnis, er fing Sergej noch ab, der erneut wie der sichere Sieger aussah. Und Thomas war nach dem ersten Uptown enttäuscht, aber mit einem zweiten Platz bei einer direkt anschließenden Revanche recht zufrieden.

Die Bewertung: Beim Biathlon werden keine Haltungsnoten vergeben. Aber es müsste wohl die höchste sein: So früh konnte sich in Auf geht’s noch nie jemand absetzen. Ich staune, was in dem Spiel alles steckt.

Der Ausblick: Sergej bringt kommende Woche Safranito mit. Das wollte ich schon lange kennenlernen. Der Name der Rose kann weiter warten.

Weiterlesen:

Das Wetter der letzten Tage

by Florian

Im Regen gestanden

Am Sonntag gegen halb vier Uhr nachmittags überfällt Nicole und mich erstmals der Gewitterregen. Etwa 300 Meter vor uns eine Kirche, die wir routiniert mit unseren Rädern ansteuern. Leider geschlossen, aber wir drücken uns ins Portal, und – o Wunder – neben dem Portal liegt ein Regenschirm, der uns zusätzlich vor den dicken Tropfen schützt.

Wir sind auf dem Rückweg nach Vierkirchen, via Kaufbeuren, wo wir vielleicht zwischenübernachten wollen. 10 Kilometer haben wir seit dem Ende eines Spielewochenendes in Kempten erst zurückgelegt. Kein Wunder, dass wir die Zeit für einen ersten Rückblick nutzen. Ich erzähle noch einmal von meiner Anreise vier Tage zuvor, meinem Sonnenbrand und der Ankunft in der Jufa Kempten.

An der Rezeption haben sie mir gesagt, die Schlüssel hat alle Organisator Thorsten, und der ist gerade beim Kaffeetrinken. War mir nicht unrecht, Kuchenhunger und Kaffeedurst hatte ich. Allerdings war ich noch vom Radeln verschwitzt und von kleinen Insekten umkreist, als ich mich zu Heiko, Peter, Thomas und Thorsten gesellte.

Nach dem Duschen spielte ich Royal Goods mit Peter und Thorsten – und nach den neuen Regeln, die mehr Strategie versprechen. Tatsächlich gewann Peter, der die beste Produktionskette hatte. Zur Überbrückung trat ich anschließend gegen Peter in dem einfachen Konfliktsimulationsspiel Test of Fire an, das ich trotz Würfelglücks nach einer Dreiviertelstunde in aussichtsloser Position aufgab.

Den Rest des Abends bestritten wir mit dem nicht uninteressanten, aber zumindest für mich ziemlich verwirrenden City of Iron. Peter: „Das geht bestimmt viel schneller und macht viel Spaß, wenn alle es erst mal können.“ Ich: „Das Problem ist nur: Wie viele Spiele hast Du im Schrank, die reizvoll wären, wenn man sie fünf- bis zehnmal in gleicher Besetzung durchspielen würde?“ Peter nickte.

Am nächsten Morgen gab es ein Roll for the Galaxy, und während Funkenschlag bist Du dann ja gekommen.

Zweiter Anlauf

Inzwischen hat der Regen fast aufgehört. Wir hoffen auf die Rückkehr der Sonne und schwingen uns auf die Räder. Wenige Hügel weiter beginnt es erneut zu schütten. Wir setzen unseren Rückblick in einer kleinen Hütte fort, deren Tür fehlt und die nur noch von Spinnen genutzt wird. Nicole berichtet, wie sie als erstes Dietmar Roll for the Galaxy beibrachte und gleich mal verlor. Meine Antwort:

Ja, schon 2014 in Nördlingen haben sie mir gesagt, dass Dietmar jedes Spiel gewinnt, aber damals wollte ich es nicht recht glauben. Diesmal hab ich es gesehen, er hat ja auch gegen mich in Roll for the Galaxy gewonnen, in Mombasa ohnehin, und selbst in Codenames war er gut. Verloren hat er nur einmal im kooperativen Warhammer Quest, also zusammen mit allen anderen. Das hätte ich übrigens gerne mitgespielt, aber dann war ich grade in einer anderen Partie, als eine Runde startete.

175 Punkte hatte er in Marco Polo, habe ich mir sagen lassen. Das würde ich auch gern mal erreichen. Martin war stolz auf seinen zweiten Platz, bei dem er nicht von Dietmar überrundet wurde. Selbst ein 7 Wonders ist anscheinend für alle unberechenbar, nur für Dietmar nicht.

Baden gegangen

Da die schwarzen Wolken sich nicht verziehen wollen, beschließen wir, den nächsten Bahnhof anzusteuern: Günzach, die erste Station hinter Kempten. Gerade einmal 20 Radkilometer entfernt. Geschoben vom Gewitterwind erreichen wir den nüchternen Bahnhof und ziehen samt Rädern in einen kahlen Wartesaal ein, um über die Kemptener Unterkunft und weitere Partien zu sprechen.

Dass die Jufa ans Bad grenzt und der Eintritt jeden Tag frei, ist schon wirklich super, auch wenn wir nur zweimal schwimmen waren. Trotz des schönen Wetters. In die Stadt haben wir es gar nicht geschafft. Wir Banausen!

Aber es stimmt, dafür haben wir viele neue Spiele kennengelernt. Between Two Cities fand ich witzig, zumindest für einige Partien dürfte der Reiz halten. Wir optimieren eine vier mal vier Plättchen große Siedlung, wie in Cities, aber immer einem mit dem linken und eine mit dem rechten Nachbarn zusammen. Das ist doch mal ein origineller Dreh für das Take-It-Easy-Genre, das mit Karuba immerhin erneut auf der Nominierungsliste für Spiel des Jahres vertreten ist. Grafisch fand ich Between Two Cities zwar klar, aber wenig ansprechend.

Hansa Teutonica habe ich jetzt zum zweiten Mal gespielt, das hat sich in Spielerkreisen offenbar wirklich auf Dauer durchgesetzt, wie Carsten meinte. Für zwei soll es nicht so gut sein, ist ja auch eine Art Mehrheitenspiel – sonst würde ich es mal auf den Einkaufszettel setzen. Und schön auch, dass wir mal Among Nobles spielen konnten, das schon in Ruppertshofen 2015 beliebt war. Ich finde das Prinzip adeliger Stammbaum-Pflege charmant umgesetzt. Die von der Spielbox beanstandeten historischen Schwächen haben mich auf Anhieb nicht irritiert.

Donner folgt auf Blitz

Die Bahn kommt so pünktlich, wie der Donner auf den Blitz folgt. Das Radabteil im Regionalexpress ist leer. Der Schaffner rügt uns, wir hätten ja ein schönes Wetter mitgebracht. Wir zweifeln an unserer Schuld. Wetter Online meldet Gewitterwarnungen der höchsten Stufe in Bayern und dem Osten Baden-Württembergs. Die Fahrt nach München nutze ich für eine längere philosophische Erörterung eines Spielegenres, das mich derzeit besonders beschäftigt: komplexe Kartenspiele mit viel Text.

Wenn man die zwei Vertreter dieses Genres mischt, die wir in Kempten gespielt haben, nämlich das Game-of-Thrones-Kartenspiel und Nebel über Valskyrr, kommt ungefähr mein aktuelles Lieblingsspiel heraus: das Herr-der-Ringe-Kartenspiel. Allen ist letztlich ein enormer Aufwand für die Einarbeitung gemeinsam. Beim Herrn der Ringe mache ich nach mehr als 30 Partien noch Fehler, etwa weil ich den Text irgendeiner ausliegenden Karte übersehe und also nicht berücksichtige. Und die beiden Spiele von Thomas haben uns auch erstmal ganz schön gefordert. Man muss die Karten ja nicht nur lesen, sondern die Schlüsselwörter und Terminologie lernen, die Phasen des Spiels kennen, um zu wissen, wann man seine Fähigkeiten am besten einsetzt.

Um Game of Thrones ernsthaft zu spielen, bräuchte es meiner Meinung nach die größte Investition an Zeit. Schließlich müsste man neben den eigenen Karten auf der Hand und in der Auslage auch die aller Mitspieler zumindest grob kennen. Nach etwa zehn Partien könnte das wirklich interessant werden. Dagegen sind Valskyrr und Herr der Ringe kooperativ, und ein großer Teil des Spiels besteht letztlich darin, sich abzusprechen und den anderen die eigenen Fähigkeiten nahezubringen.

Der große Aufwand lohnt sich, weil die individuellen Texte und Effekte der vom Spiel erzählten Geschichte Tiefe verleihen. Unsere Partie von Game of Thrones war wirklich wie eine alternative Version der Romane. Ich spielte Haus Baratheon; als mein Anführer Stannis starb, war das ein das komplette Spiel prägendes Ereignis, eine Wende. Und das durch eine Spielmechanik: Plötzlich konnten wieder alle statt nur zwei Karten am Rundenende reaktiviert werden.

Zugleich denke ich, dass es sich kaum lohnt, mehrere Spiele dieser Art parallel zu spielen. Am besten eines anschaffen, wie wir es ja mit Herr der Ringe haben, und das wiederholt auf den Tisch bringen, um die Regeln im Kopf zu behalten.

Für uns dürfte Herr der Ringe sogar die beste Wahl sein, weil kooperativ und optimal mit zwei Spielern. Du sagst, Game of Thrones wäre Dir zu konfliktreich. Und mir wäre es mit mehr als zwei Spielern zu unübersichtlich. Mit der Zahl der Spieler steigt schließlich auch die Zahl der Karten. Das würde ich bei Valskyrr kritisieren: Ich finde weniger und dafür stärkere Monster interessanter.

Mir gefallen alle drei Spiele gut. Dass sich die Kennenlernpartie ein wenig zieht, muss man bei dem Genre hinnehmen. Immer noch besser als etwa ein Im Wandel der Zeiten mit 27 Stunden Bruttospielzeit. In einem Vergleich würde ich Valskyrr auf den dritten Platz setzen, weil es für meine Begriffe die schwächste Geschichte hat.

Bier und Brezelstangen

Kurz vor München erwacht die während meines Vortrags weggedöste Nicole. Wir erwägen, in Pasing auszusteigen und nach Obermenzing hinüberzuradeln, was das Umsteigen erleichtern und die Fahrtdauer etwas verkürzen würde. Da wieder einmal Platzregen einsetzt, verwerfen wir diese Überlegungen und bleiben bis zum Hauptbahnhof sitzen.

Dort profitieren wir ausnahmsweise von Bauarbeiten. Unsere S-Bahn fährt vom Nebengleis statt im Tiefgeschoss – mit schwer bepackten Fahrrädern ein großer Vorteil. In der Bahn kommen wir auf unsere Bier-und-Brezel-Kartenspielrunde zu sprechen, zusammen mit Carsten und Peter.

Die beiden haben ja zuvor immer ihre 18XX-Spiele gespielt. Hast Du mal in den Raum hineingeschaut? Sah aus wie eine Konferenz in der Firma, mit Beamer, alle starren aus die Leinwand, ein Brett hatten sie glaube ich gar nicht. Auch der Schienenbau passierte in der App. Es muss wohl was dran sein an diesen Spielen, aber ich spiele vorerst lieber ohne Rechner.

Jedenfalls hatte ich bei den anschließend zur Erholung anberaumten Kartenspielen meine wenigen Erfolgserlebnisse. Abluxxen hab ich gewonnen, ein Tichu nach dem anderen durchgebracht, und Ihr wart im Negativen, als Peter und ich die 1000 Punkte erreichten. Ha! Nur beim Schafkopfen mit verkürztem Kartensatz, mit Siebenern statt Neunern, habe ich erst ein kleines Vermögen gewonnen und dann ein größeres verspielt. Zum Glück ging es nur um Punkte.

Schafkopf hatte ich seit Jahren nicht mehr gespielt. Ich finde, im Rahmen eines solchen Wochenendes mit erfahrenen Brettspielern macht es sich ganz anders als im Biergarten mit Leuten, die nie etwas anderes spielen. Carstens Ausspruch werde ich in Erinnerung behalten: „Jetzt weiß ich, wie man beim Schafkopfen Erster wird, man gewinnt einmal ein großes Solo und spielt den Rest der Zeit so vor sich hin.“ Ob ich aber Peters Strategietipps verinnerliche, weiß ich nicht. Er hat sich ja selbst nicht immer dran gehalten. Und auch damit hatte er meistens Recht.

Mit Hansa Teutonica am einen Abend und Splendor am anderen folgte ja jeweils noch ein ordentliches Spiel. Da konnte man noch mal zeigen, dass man auch was anderes als karteln kann. Ich wurde in beiden Letzter.

Die S-Bahn fährt in den Bahnhof Vierkirchen ein. Nicole sieht hinaus: „Der Bahnsteig ist trocken. Hier hat es noch gar nicht geregnet!“ Das ändert sich, sobald wir den Zug verlassen. Platzregen setzt ein. Auf einigen hundert Metern werden wir bis auf die Haut nass. Der Schaffner hatte Recht: Wir sind es, die das schlechte Wetter mitbringen. Und in Kempten, die vier Tage Sonne? Die muss Thorsten organisiert haben.

Zum Nachlesen:

Verlorene Zeit

by Florian

Erstmals, seit ich dabei bin, fand diese Woche der Vierkirchner Spieletreff ohne ein Mitglied der Veranstalterfamilie statt. Bei aller Dankbarkeit – es war trotzdem schön, es wird Zeit für einen Bericht.

Die G’schicht von der G’schicht

Wer das Straßenbahnbauspiel Linie 1 spielt, kommt bestimmt auch auf den öffentlichen Nahverkehr zu sprechen. Und jedesmal erzähle ich dann eine Anekdote, die geht ungefähr so:

Wisst Ihr noch, wie damals in München ein Bus in einen U-Bahn-Schacht gestürzt ist? Die Straße ist unter ihm eingebrochen. Da muss beim Tunnelbau die Statik nicht ganz gestimmt haben. Tja, kurz davor hab ich noch für die Firma Hochtief die U-Bahn-Baupläne zu den Baustellen gefahren …

Auch diesmal erzählte ich, denn mit Monika, Vincent und Dominik hatte ich noch nie Linie 1 gespielt, die kannten die Geschichte bestimmt noch nicht. Aber zwei von drei konnten sich überhaupt nicht an diesen prägenden Vorfall erinnern. Dominik sagte: „Wann soll das gewesen sein?“ Und Monika grummelte im Halbschlaf: „Das ist aber schon lang her. Warst Du da schon in München?“

Tatsächlich stellt sich heraus, dass das während meiner Studentenzeit war, 1994. Vincent war da noch nicht geboren und Dominik hatte gerade laufen gelernt. Für ihn gab es wohl Wichtigeres als Busunglück-Nachrichten. Mir kommt’s höchstens fünf Jahre her vor.

Und übrigens, ich bin gebürtiger Münchner.

Spieleabend April 2016

Herzlose Weltstadt

Anschließend einigten wir uns auf Ohne Furcht und Adel. Das habe ich bestimmt seit 1994 nicht mehr gespielt, aber das sollte ich nicht schreiben, sonst widerlegt mich wieder Wikipedia.

Monika fühlte sich überfordert von den vielen Regeln und wollte lieber nur zusehen. Das durfte sie nicht, und schlimmer, ich erzählte ihr nun jede Runde, dass die Regel sich darauf beschränkt, dass sie entweder zwei Geld oder zwei Karten nehmen und anschließend eine Karte ausspielen, sprich bauen darf. Es endete damit, dass sie – ohne auf mich zu hören – mit einem Haufen wertvollster Gebäude gewann. Sah mehr nach Gräfelfing als nach München aus, eine Villa an der anderen. Ich verlor mit meinen Aubinger Reihenhäusern über den Tiebreaker.

Und damit zurück nach Stuttgart

Am anderen Tisch verabschiedete sich der Stuttgarter Felix nach nur zwei Auftritten in unserem Spieletreff mit einer Glanzleistung. In Marco Polo holte er die meisten Aufträge und besuchte auch alle vier Zielstädte. Noch länger bleibt uns hoffentlich Enrico erhalten, der durch ein paar witzige Bemerkungen Pluspunkte sammelte, die er nur leider nicht auf der Leiste nach vorn gehen durfte.

Ich bekam als Zuschauer die Schlussphase mit und vermerke für Statistikfreaks wie den abwesenden Oliver: Christian spielte den Schnorrer und wurde Vierter, Nicole kam mit dem Würfeldreher auf den dritten Rang, Enrico hatte Matteo Mozzarella (naja, den mit dem weißen Würfel und jede Runde einer Extrapizza) und Felix gewann mit Panama-Pedro, der beim Einsetzen nie die fälligen Steuern zahlt.

Weiterlesen:

Pflichtübung mit Zählfehlern

by Florian

Diese Woche hatten wir Spaßspieler da. Oliver aus Freising nutzte einen Arbeitstermin in der Nähe, um sich anschließend mal den Vierkirchner Spieletreff anzusehen. Und Helme kam mit einem von Olivers aktuellen Lieblingsspielen an: Auf den Spuren von Marco Polo.

Beide wollten sich bei einer spannenden Partie vergnügen, einfach so – für manche von uns im Februar kaum denkbar. Nur Thomas und Christian waren froh über den trainingsfreien Abend und schlossen sich an. Thomas gewann gleich mal als Neuling und dachte laut über eine Anschaffung nach. Helme haderte mit den Würfeln.

Vorab hatten Christian, Thomas, Vincent und Julian schon ein schnelles 7 Wonders durchgezogen. Ich fühlte mich müde, aber pflichtbewusst. Auch Philipp wollte für die Regvor üben, wenn er nicht gerade „Lyrik“ in seine Chinakladde einpflegte. Und ebenso Michael, als er endlich den Weg in den Pfarrsaal gefunden hatte.

Spieleabend 1. Februar

Erneut herrschte fast militärische Disziplin, zur Irritation von Vincent, der zu jung dafür ist. Wenn ich denke, dass man heute nicht mal mehr verweigern muss! Das war so eine gesunde Übung für den Moralhaushalt junger Erwachsener.

Nur die Spielerzahlen wollten sich den Regvor-Anforderungen nicht fügen. Zuerst spielten Philipp und ich Dominion. Beim Zählen erwies sich prompt sogar die Anzahl Provinzen als falsch. Und apropos Zählen, als Vincent, Michael und Julian für eine zweite Partie hinzukamen, waren wir regelwidrige fünf Spieler.

Mit der gleichen Besetzung wurde Istanbul in Angriff genommen. War das voll da! So eine Partie wünsche ich mir noch mal kurz vor dem Turnier, um mich dann im Ernstfall über vergleichsweise viele Optionen und freie Felder zu freuen.

Den Abschluss machte 6 nimmt. Skandal, kein Regvor-Spiel. Es wurde natürlich nicht zum Vergnügen, sondern zur Überbrückung der Wartezeit auf Niccolo, Matteo und Marco gespielt, ich spürte dennoch etwas wie guilty pleasure.

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