Spielen in Vierkirchen

Brett- und Kartenspiele im Norden von München

Kategorie: Alles andere

Treff am Montag entfällt

by Florian

„Gib mir mal die Würfel rüber“ – ihr alle wisst es, Spielen ist nicht die ideale Aktivität, um die Verbreitung hochinfektiöser Viren zu stoppen. Der Vierkirchner Spieletreff am 16. März entfällt, der am 20. April voraussichtlich auch, wie Michael über den Mailverteiler angekündigt hat.

Perspektivisch stelle ich mal den Vorschlag in den Raum, im Herbst sozusagen zum Ausgleich einen Spieletag zu veranstalten, beispielsweise 15 bis 22 Uhr an einem Samstag oder Sonntag. Damit man was hat, worauf man sich freuen kann. Für Terminvorschläge ist es natürlich viel zu früh, aber was meint ihr grundsätzlich? Wenn ihr auch Lust darauf habt, lasst doch gern einen Kommentar da.

Weiterlesen

Herbsttreffen 2020: Anmeldezeitraum läuft

by Florian

Im November wird wieder gespielt. Dieses Jahr geht es nach Ruppertshofen ins Gästehaus Grüner Pfad – günstig zwischen Stuttgart (65 km), Nürnberg (140 km) und München (190 km) gelegen.

Bis 30. Juni könnt ihr euch anmelden. Aber Achtung: Im letzten Jahr waren alle Zimmer frühzeitig weg. Alles Nähere, auch der aktuelle Anmeldestand, findet sich auf einer Infoseite:

Fünf Partien

by Nicole

Wir sind gerade von unserem Jahresabschlussspaziergang zurückgekommen. Es war sonnig und erstaunlich mild. Wir gingen sehr langsam, die lange Wanderung von vorgestern steckte uns noch in den Knochen. Ideale Bedingungen, um ein ausführliches Jahresabschlussgespräch zu führen. Über Spiele. Mit dem Ziel, unser Spiel des Jahres zu benennen.

2008 hat Florian eine Liste angelegt mit all unseren Spielen. Inzwischen ist sie in der Papierversion auf neun Seiten angewachsen. Wurde ein Spiel in einem bestimmten Jahr gespielt, bekommt es ein Kreuzchen. In jeder Jahresspalte steht bei einem Spiel statt eines Kreuzchens ein SdJ – Spiel des Jahres. Im ersten Jahr war es Thurn und Taxis, im zweiten Agricola. Immer haben wir ein Spiel gefunden, das in dem Jahr etwas ganz Besonderes für uns war. Ob nun Die Burgen von Burgund 2012, Hanabi 2013 oder Codenames Duett 2018. Es musste keine Neuerscheinung sein.

So viele Kandidaten

Noch nie waren wir bei der Wahl unseres Spiels des Jahres so ratlos wie heuer. Das lag nicht an den insgesamt 629 analogen Mehrspieler-Partien. Die Zahl war in den Vorjahren ähnlich. Auch einen eindeutigen Spitzenreiter gab es: 66 Partien Die Crew reist gemeinsam zum 9. Planeten. Zu zweit sind wir bei Level 33. Wir haben es auch einen ganzen Abend lang in Emmering zu fünft gespielt. Oder zu dritt oder zu viert. Ein kooperatives Stichspiel mit gar nicht mal so schlechten Flavourtexten, das die Spieler vor zunehmend unlösbar wirkende Aufgaben stellt, die dann doch irgendwie bewältigt werden. Die Crew zählte auf jeden Fall zum Favoritenkreis, aber am häufigsten haben wir es zu zweit mit Dummy gespielt. Und in dieser Variante ist es zwar gut, aber am schwächsten.

32-mal haben wir Jump Drive von Tom Lehmann gespielt, Race for the Galaxy in schneller. Für Florian, der zudem seine Mittagspausen für etliche Solopartien nutzte, wäre es sein ganz persönliches Spiel des Jahres, für mich eine nette Abwechslung zu Race.

Ganz schön clever haben wir nicht erst 2019 entdeckt, aber auch oft gespielt, noch bevor es zum Regvor-Spiel gewählt wurde. 24 Partien reichen für Platz 3 im Jahresranking. Adventure Island spielten wir 23-mal mit Begeisterung, aber Regellücken und missratene Ausstattung lassen auch uns zögern, die wir alles andere als eine weltbekannte Jury sind.

22-mal haben wir uns dem Herr-der-Ringe-LCG gewidmet, das schon einmal unser Spiel des Jahres war, nämlich 2016. Einmal versuchten wir es zu dritt, in Nördlingen im Juni mit Tilo, dann wieder zu zweit ab 6. November. Wenn ich mich entscheiden müsste, welches Spiel für zwei Personen ich auf eine Insel mitnehme, würde ich sofort Herr der Ringe sagen. Mit sämtlichen Kampagnen natürlich. Doch zu dritt hat es nicht so richtig gezündet, was schade war.

Was ganz anderes

Fünfmal kam 2019 Steam bei uns auf den Tisch. Vernachlässigbar selten, könnte man sagen. Platz 30, zusammen mit Star Realms und Pairs. Aber jede einzelne Steam-Partie ist im Gedächtnis geblieben: Erst die Amerika-Karte von Ted Alspach im Juni in Nördlingen mit Thomas S. und Carsten. Dann am gleichen Wochenende die Rückseite des Plans – Europa. Ende August folgte Carstens selbst entworfene Alpen-Karte bei seinem ersten und hoffentlich nicht letzten Besuch in Vierkirchen. Carsten notierte sich die Erkenntnisse aus dem Test auf einem der Zettel mit blauem Fisch, die unser Lieblingsspieleversender netterweise oft zusätzlich ins Paket legt.

Es folgten die Brüssel-Karte bei einem Aufenthalt bei Thomas S. im September und schließlich beim ersten von mir organisierten langen Brettspielwochenende in Reimlingen nochmals die Alpen. Diesmal mit den Verbesserungen auf dem Fisch-Zettel. Tilo und Thomas B., der Steam inzwischen auch schätzt, haben mitgebaut. Thomas B. begann im Westen, in Frankreich. Tilo orientierte sich nach Osten und versorgte das Habsburgerreich mit Schienen, Florian verband München und Stuttgart, Carsten konzentrierte sich auf Po-Ebene und Piemont. Ich begann in Südtirol, also genau in der Mitte. Der Brenner war wieder mein – wurde aber zum zweiten Mal nicht zur Siegstrecke.

Steam

Unser Spiel des Jahres 2019: Steam

Von jeder Partie könnte ich ewig erzählen, etwa von Florians mitteleuropäischem Kreisel, dem Metrobau in Brüssel, der erfreulich für mich endete. Wie Tilo und Thomas B. auf den Flanken der Alpen großartig vorankamen und sich dann in der letzten Runde beim Wettbieten verzockten. Oder wie Florian mich auf der Amerikakarte in der ersten Runde vor einem folgenschweren Fehler bewahrte. Ich bin die einzige Frau in unseren Steam-Runden, kann nach wie vor nicht zählen – Florian würde sagen: die Gleisbaukosten zusammenrechnen – und genieße einen Bonus. Wenn ich sage: Zählt mal, dann wissen die Männer sofort, wie viel ich für meine Strecke zahlen muss. Dafür bin ich dankbar. Auch dafür, dass sie mir die richtigen Plättchen mit zwei, drei oder vier Ausgängen, engen und weiten Kurven oder übereinander verlaufenden Gleisen raussuchen.

Gefühlt waren es mehr als fünf Partien, und das nicht nur, weil wir auch einmal zu zweit Age of Steam auf der Alabama-Karte spielten. Oder weil Florian es fast ein wenig bereut, dass er nicht die Kickstarter-Deluxe-Neuauflage von Age of Steam mitfinanziert hat. Es wäre eine Grenzüberschreitung gewesen, die Kickstarterei ist nicht so das Unsere.

Steam war schon immer außergewöhnlich. Die Umbrien-Karte hat uns vor ein paar Jahren dazu inspiriert, nach Umbrien zu radeln. Dort liegen übrigens viel weniger Gleise als auf unserem Plan. Nun ist Steam unser Spiel des Jahres geworden. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem sich der Verlag Mayfair Games nach der Übernahme durch Asmodee praktisch in Luft aufgelöst hat und mit ihm das Spiel. Fürs Erste. Wir haben übrigens ganz dolli viele Spielpläne für ein bis sieben Personen und freuen uns über Steam-Besuch. Ich spiele am liebsten mit den orangen Lokomotiven.

Unsere Spiele des Jahres

Spielend für Toleranz

by Florian

Spielend für Toleranz

Kennt Ihr dieses Gefühl: Ich bin klein und schwach und kann nicht viel erreichen? Wenn ich auf einer Demo stehe mit 30.000 Menschen, denke ich mir: Ohne mich wären es 29.999 gewesen. Die Presse hätte wahrscheinlich aufgerundet.

Aber wenn alle so gedacht hätten, wäre keiner da.

Wir sind nur ein kleiner, nicht bei Google gelisteter Spieleblog, der außer aktuellen Terminen des örtlichen Treffs derzeit keine Updates erfährt. Aber auch uns ist Toleranz wichtig. Am Spieltisch und im restlichen Leben. Für jeden Menschen müssen die gleichen Regeln gelten: die Menschenrechte.

Gewalt ist keine Lösung. Ausgrenzen ist keine Lösung. Wegschauen ist keine Lösung.

Also stellt sich dieser kleine, verschlafene Blog in die hinterste Reihe der vielköpfigen Demo und ruft, so laut er eben kann: Spielend für Toleranz.

Enöff

by Nicole

Vier Jahre sind eine lange Zeit. In vier Jahre passen 98 Spieletreffs, im alten Pfarrsaal St. Jakobus, im neuen und einmal auch bei Spieletreff-Chef Michael im Garten. Da kommen hunderte Partien zusammen. Von Abluxxen über Fette Autos, Hanabi und Small World bis hin zum Zeitalter des Krieges. In vier Jahren kann man fünfmal Mannschaften zur Regionalen Vorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft entsenden. Erst drei, dann zwei, schließlich nur noch eine. Zunächst als Spielvereinigung Vierkirchen, später als Vierkirchen verspielt. Beim ersten Mal musste ich erkältet passen, jetzt, beim vorerst letzten Mal, wollte ich pausieren. Schön finde ich, dass es trotzdem einen Artikel gab, diesmal von Michael.

Die Regvor-Premiere, 2013, wird unvergessen bleiben, allein schon, weil Florian mit dem Bericht „Zwölf Vierkirchner spielen in München“ den Blog startete. Und sich gleich eine Themaverfehlung leistete. Denn eigentlich schreiben wir über Spielen in Vierkirchen.

Wollten wir schreiben. Doch weil wir so häufig spielen, zu Hause, bei anderen Treffs, auf Reisen und bei Brettspielwochenenden, in Jugendherbergen, Spielehotels, Waschsalons und bei Freunden, kam es zu Exkursen. Wir haben sogar über Partien geschrieben, die wir gar nicht gespielt haben. Die stattfanden, als wir noch nicht auf der Welt waren: über Dylan Thomas‘ Halma-Phase zum Jahreswechsel 1938/39, für ihn „ein dämonisches Spiel“.

Wir haben gerne geschrieben, Vorankündigungen, Jahresrückblicke, Spieletreff-Berichte, Regvor-Reportagen. Als Protokoll, Feature, Interview, Hörspiel, Märchen, Rezept, Multiple-Choice-Test. Wir hatten auch Leser, die meisten im Jahr 2014, wie die WordPress-Statistik verrät. Kommentiert wurde sparsam, Gefällt-mir-Sternchen gab es null. Das hat aber hoffentlich nur daran gelegen, dass die Funktion von vornherein ausgeschaltet blieb.

Wir spielen noch immer sehr gerne. Wir schreiben auch weiter gerne. Aber vorerst nicht mehr über Spiele. In Uwe Tellkamps Roman Der Turm beendet eine Tante ihre Redebeiträge regelmäßig mit einem „Enöff“. Dem möchte ich mich heute anschließen. Enöff. Genug. Erst mal.

Die Termine werden weiter nach bestem Wissen aktualisiert.

Der amerikanische Freund

by Florian

… war gerade mal 33 Stunden zu Besuch, hat in dieser Zeit Linie 1 und Il Vecchio, Kakerlakenpoker und Marco Polo mit uns gespielt. Ach ja, und Isle of Skye. Zuzüglich Sightseeing in Munich und Bierproben.

… war bei Kakerlakenpoker nicht ganz regelfest und hatte Probleme mit dem Verständnis von Linie 1, hat in Auf den Spuren von Marco Polo und Isle of Skye aber gleich um den Sieg mitgespielt und Il Vecchio gewonnen.

… musste Sonntagmorgen um halb sechs einen Zug nach Frankfurt nehmen, um den Flieger zurück nach Florida zu erwischen.

… hat inzwischen einen Blogbeitrag auf Boardgamegeek über unser Spielewochenende verfasst.

Il Vecchio

Das müssen wir üben

by Florian

Vincent hatte den richtigen Riecher, als er am Montagabend mit Dominion ankam. Das werden wir diesen Winter wieder öfter spielen. Auch Bubu kehrt zurück.

Die Spiele für die Regionale Vorausscheidung zur Deutschen Meisterschaft – kurz Regvor – 2016 sind:

  • Stefan Feld, Die Burgen von Burgund
  • Rüdiger Dorn, Istanbul
  • Rustan Hakansson, Nations – The Dice Game
  • Donald X. Vaccarino, Dominion

Quelle:

Spielen beim Marathontraining

by Florian

Alle paar Jahre stellt jemand Spielen in Vierkirchen eine Frage. Zu Spielen. Logisch. Und ebenso logisch versuchen wir sie zu beantworten. Die diesjährige lautete:

Ich brauche mal einen Spieletipp für einen Kollegen. Der ist nämlich Marathonläufer und spielt beim Training mit seinen Laufkumpanen manchmal Trivial Pursuit, damit das Laufen nicht so langweilig ist. Er steckt sich ein paar Kärtchen ein und liest die Fragen beim Laufen vor. Die anderen rätseln und diskutieren dann so lange, bis sie die Antwort haben. Kennt ihr vielleicht noch ein anderes Spiel, das man beim Laufen spielen kann?

Um es gleich klar zu sagen, wahrscheinlich ist es nicht möglich, wirklich während des Laufens ein Spiel zu spielen. Die Läufer spielen ja auch gar nicht Trivial Pursuit, sie fragen nur Karten ab.

Vielleicht überlegt man daher besser, welches Spiel Kärtchen enthält, die sich in ähnlicher Weise für ein während des Laufens durchführbares Fragen und Antworten eignen.

Die einfachste Lösung wäre also – ein weiteres Quiz. Es muss nicht einmal ein Spielbrett haben. Da gibt es hunderte, etwa bei Hutter und Moses zu Getränkesorten, für Feinschmecker, zu einzelnen Städten, Autoren usw. Wir selbst haben Weine und Goethe.

Daneben besteht auch Anno Domini aus Karten, wobei die Antwort immer eine Jahreszahl ist. Normalerweise muss man sie auf einem Tisch in korrekter Reihenfolge anordnen. Man kann beim Laufen ja ein „Wer kommt am nächsten ran?“ draus machen. Oder man zieht zwei oder drei Karten und fragt dann nach der Reihenfolge.

Sehr gut geeignet wären bestimmt Black Stories, die gelöst werden müssen – jene Rätsel, die eine Gruppe gemeinsam durch Fragen an einen Erzähler aufzuklären versucht, der aber immer nur mit ja oder nein antworten darf.

Kein Quiz ist auch das wortspielerische Fragespiel Der Heidelbär, in dem ein Begriff in höchstens sechs Wörtern umschrieben werden muss, der eine bestimmte Lautfolge enthält, nämlich in der Grundversion Bär: „Dieser Bär hat einen Propeller“ – Lösung ist Hubschraubär … Das besteht auch nur aus ein paar Karten.

Wenn man zwischendurch mal kurz (vielleicht für Gymnastik?) anhält, wäre ein Deduktionsspiel wie Vollmondnacht: Werwölfe (3 bis 10 Spieler, 10
Minuten) denkbar. Denn da muss man zur Klärung der Rollenverteilung anfangs die Augen zu- und dann reihum wieder aufmachen – ganz schlecht beim Laufen.

So lauteten unsere Tipps. Tja, liebe Leser, was spielt Ihr beim Marathontraining? Was könnt Ihr empfehlen? Die Fragestellerin ist übrigens letztlich davon abgekommen, ein Spiel zu schenken.

Solo-Projekt The Game

by Florian

Reinhard Staupe vom Nürnberger Spielkarten-Verlag will Zahlen sehen. Er glaubt, dass Menschen The Game besser spielen können als Computer. Oder zumindest als ein einfacher Algorithmus.

Sein Algorithmus kommt auf durchschnittlich 20 Restkarten im Solo-Modus: acht Karten auf der Hand, jede Runde mindestens zwei spielen. Das sollte zu schlagen sein, denke ich.

Reinhard will aber nicht nur die Zahlen, er will auch hören, welche Strategien ich einsetze. Ich spiel mal drauflos. Wird mir unterwegs schon eine Strategie einfallen.

Das Resultat

Sehr viel besser als der Computer bin ich nicht, der Schnitt beträgt über sechs Partien 16 Restkarten.

Konkret lautet die Sequenz: 15, 3, 17, 23, 25, 13 Restkarten. Auch wenn es mir einfach vorkam, als würden die Karten immer schlechter, wirkt die Folge im Nachhinein eindeutig so, als hätte die Konzentration nach der zweiten Partie nachgelassen. Nur im letzten Durchgang habe ich mich dann noch mal aufgerappelt – nach dem Motto „das kann jetzt nicht sein“.

The Game solo

zweifelhafte Tipps

Meine erste Empfehlung ist daher:

  • Nicht zu viele Partien in Folge spielen, wenn man kein Computer ist. Um sich auch mal zu merken, welche Karten noch im Stapel sein müssen, braucht man einen ausgeruhten Kopf.

Außerdem sage ich:

  • Immer darauf achten, dass die beiden Stapel einer Sorte (aufsteigend oder absteigend) unterschiedliche Bereiche anbieten, also ruhig so 20 Punkte auseinanderliegen. Dann hat man statistisch – und oft auch praktisch – doch mehr Möglichkeiten, Karten sinnvoll abzulegen, die frisch auf die Hand kommen. Genauso sollte man im zweiten Teil des Spiels, wenn die Stapel sozusagen aneinander vorbeiwachsen, auch auf unterschiedliche Legebereiche achten, soweit es natürlich die Karten zulassen.
  • In der Hoffnung auf Sprungmöglichkeiten ist es schon günstig, die verbleibenden Zahlen ungefähr zu kennen. Sprünge – vor allem doppelte – nach Möglichkeit nicht immer sofort spielen, sondern abwarten, ob man ein, zwei Karten dazwischenbekommt, die man dann quasi verlustfrei spielen kann.

Mit einem Körnchen Salz zu genießen … So richtig gut war ich schließlich nicht.

Weiterlesen:

In Brügge und an der Glasstraße

by Florian

Das Spiel Die Glasstraße ist an der Glasstraße herzlich unbekannt, das Spiel Brügge hingegen kann man in der Stadt Brügge für 39,90 Euro kaufen. Das ist das Ergebnis zweier Urlaube in den letzten drei Monaten.

Warum haben wir diese beiden Spieleorte besucht? Natürlich nicht nur wegen der Spiele. In den Bayerischen Wald (wo die Glasstraße verläuft) zieht es mich ohnehin immer wieder, und in Belgien haben wir eine zweiwöchige Rundfahrt gemacht. Die Spiele gehörten auch gar nicht zum streng limitierten Reisegepäck. Dennoch, die Werke von Uwe Rosenberg und Stefan Feld verstärkten vorab den Reisewunsch, sie waren unterwegs im Hinterkopf wie auch in unseren Gesprächen präsent, und im Fall der Glasstraße besuchten wir sogar ein in der Spielanleitung empfohlenes Museum, nämlich die Ziegelei in Flintsbach.

Der Spielwarenladen Krokodil in Brügge führt Brügge

Der Spielwarenladen Krokodil in Brügge führt Brügge zum Preis von 40 Euro (im Schaufenster ganz rechts).

Asche im Glas

Die Glasstraße macht Ziegel- und Glasproduktion im Bayerischen Wald zum zentralen Mechanismus. Jeder Spieler besitzt dafür zwei Rohstoffräder. Was für die Glasherstellung benötigt wird (vor allem große Hitze in Form von Kohle, Holz für die beigefügte Asche und Quarzsand), kann man im Spiel ebenso lernen wie im Museum von Frauenau.

Aber auch den Wald als Urwald und seine Vernichtung nimmt Die Glasstraße auf: Jedes Spielertableau enthält zu Beginn sechs große Waldstücke, die sich mit Personenkarten wie dem Holzfäller oder dem Brandroder in Rohstoffe umwandeln lassen. Es gibt jedoch keine Möglichkeit, solche Wälder zurückzugewinnen. Der Forstwirt und der Landbaumeister können zwar aufforsten, es entstehen aber nur kleinere, wirtschaftlich weniger bedeutende Gehölze.

Ziegel- und Kalk-Museum Flintsbach

Ziegel- und Kalk-Museum Flintsbach

Illustrator Dennis Lohausen hat dies wunderbar aufgegriffen. Der „Wald“ besteht aus dichten Tannen, „Gehölze“ sind luftiger Mischwald. Dass Lohausens Gebäudezeichnungen auf Originalen vor Ort basieren, betont die Anleitung. Die gewählten Gebäudenamen und ihre Funktionen tragen das Thema ebenfalls weiter, im Fall von Naturfreundehaus und Thermalbad – vielleicht mit einem Augenzwinkern – bis in die Moderne.

In den Kritiken des abgelaufenen Spielejahrs wurde viel über den Kartenmechanismus von Die Glasstraße gesprochen. Die thematische Tiefe habe ich wenig gewürdigt gesehen.

Wiedererkannt

Ganz anders Brügge. Als Thema für seine Mechanismen böten sich auch die Galaxis (besetze Raumschiffe mit Alien-Kapitänen, baue Handelsrouten) oder das römische Imperium an (besetze den Senat neu, baue ein Aquädukt). Der Hans-im-Glück-Verlag hat Brügge gewählt: besetze mittelalterliche Häuser mit Angehörigen diverser Stände und Berufsgruppen, baue Kanäle.

Und doch bin ich die ersten Meter durch die Straßen von Brügge gefahren und habe gerufen: Das ist ja wie in Brügge! Die als Kartenrückseiten gewählten Häuserfronten mit Stufengiebel finden sich wirklich überall in der Stadt. Dass sie im Spiel in fünf Farben vorkommen, lässt sich für Rot, Braun und Gelb noch rechtfertigen. Blaue und violette Exemplare sind zumindest sehr selten.

Ob zwischen den 164 Personen des Spiels und einzelnen Bürgern der Stadt Brügge Ähnlichkeiten bestehen, ließ sich in drei Tagen Aufenthalt nicht endgültig klären. (Die 165. Karte ist ein Hund.) Das Titelbild von Michael Menzel jedenfalls zeigt die Ansicht der Stadt vom Rozenhoedkaai, die täglich tausende Touristen knipsen. Allerdings gab es die Uhr auf dem Belfried im Mittelalter noch nicht.

Stadtansicht Brügge vom Rozenhoedkaai aus

Ansicht Brügges vom Rozenhoedkaai aus

Der Spielplan geht vom charakteristischen, bis heute erhaltenen Grundriss der Stadt aus. Das neben dem Belfried auf dem zentralen Platz abgebildete Gebäude ist aber nicht etwa das Rathaus, wie die Spielanleitung behauptet, sondern der neogotische Provinzialpalast – Baubeginn 1887.

Trotzdem: Brügge ist immer noch origineller als Venedig, die Grafik passt zur (heutigen) Stadt und das Thema zur Mechanik. Besser als im Fall des hochspannenden Russian Railroads im gleichen Verlag etwa, das die Langeweile einer Fahrt auf der transsibirischen Eisenbahn nur andeuten kann: Für den Bau dieser Strecke sind viele schwarze Gleisbewegungsaktionen nötig.

Weiterlesen: