Oktober 2019: Geheimnisvolle blaue Schachteln

von Florian

Dieser Blog ist so klein unbek elitär, dass sich jeder neue Leser durch signifikante Klickzahlenanstiege ankündigt. Dadurch kennen wir aber auch alle persönlich. Diesen Monat darf ich Sebastian aus Eckernförde in unserem Kreis begrüßen, mit dem mich eine kurze, aber intensive Brieffreundschaft verbindet. Huhu, Sebastian!

Die Crew

Das missionsbasierte kooperative Stichkartenspiel Die Crew von Thomas Sing spielt derzeit jeder, aber hey, wir haben den geheimnisvollsten Karton. Geheimnisvoll wie das Raum-Zeit-Kontinuum. Blauschwarz wie der Weltraum, aber an einer Ecke ein Riss. Niemand weiß, woher. Ich hab mich nicht draufgesetzt, der kam schon so.

Durch den ständigen Einsatz wird das Spiel nicht besser. Die Karten sind arg weich. Bald dürften sie auch vom ständigen Mischen müffeln. Das Finish bei Kosmos genügt den Ansprüchen von Schafkopffreunden und anderen Intensivspielern leider nicht.

Auf der Schachtel von Die Crew findet sich eine Spielerzahl von 3 bis 5 angegeben. Eine Zweipersonenvariante liege bei, heißt es in einem Zusatzhinweis. Die Redaktion wollte wohl Enttäuschungen vorbeugen. Tatsächlich wird zu zweit wie beim Offiziersskat ein Dummy mit teils offenem, teils verdecktem Blatt ausgelegt. Nicole und ich finden, dass das prima funktioniert. Es ist längst nicht so schwer wie in der Fünferbesetzung, in der wir in Emmering bis Mission 13 (von 50) vordrangen. In seltenen Fällen kann das Dummy-Blatt allerdings einen Sieg von vornherein unmöglich machen, wenn nämlich die rosa Fünf unter der gelben Acht liegt, aber vor dieser einen Stich machen müsste.

Carpe Diem

Ich habe Carpe Diem gekauft, weil es neu auf Yucata ist und ich dort zahlreiche Einladungen erhalten habe. Ich lerne Spiele am liebsten aus der Anleitung, am Tisch, mit Spielplan und allem Material vor mir. Regelvideos dürfen andere anschauen. Das geht bei mir innerhalb von Sekunden zum Auge rein und beim Blinddarm raus.

Es gab aber auch sonst ein paar Gründe. Eins der besten Spiele von Stefan Feld sei Carpe Diem, schreibt ein Spiel-des-Jahres-Jurymitglied. Ob das stimmt, weiß ich noch nicht, werde es aber herausfinden.

Res Arcana

Tom Lehmanns Res Arcana war im Oktober auch mal im Pfarrsaal Vierkirchen. So viel ich gehört habe, hat es ihm gut dort gefallen. Und umgekehrt.

Michael, Christian und Vincent spielten allerdings noch zu viele Artefakte aus, um zu gewinnen. Christian sogar alle acht. Mit fünf Runden lief die Partie relativ lang, dann war ich endlich fertig. Auch Vincent überschritt die Zehn-Punkte-Grenze und präsentierte sich damit als künftiger Sieg-Anwärter.

Was die strategische Seite von Res Arcana angeht, bin ich inzwischen übrigens ein großer Drachenfreund, obwohl noch kein Mitspieler Angst vor den Tierchen bekommen hat. Die punkten gut, und zum durch Drachenhort und Drachenzahn und Drachenei ermäßigten Preis sind sie auch bezahlbar.

Pandemic Legacy: Season 2

Mit dem Kampagnenspiel von Matt Leacock und Rob Daviau ging es nicht so schnell weiter wie erhofft. Im Oktober verloren wir den Juli und gewannen den August.

Mein Verdacht: Season 2 wirkt freier, ist aber in Wahrheit stärker geführt als Season 1. Ich kann das einigermaßen ohne Spoiler erklären. Bisweilen baut einem das Spiel wichtige Projekte vor der Nase weg, für die man diesmal einfach nicht die passenden Karten hatte. Trotz aller Vorsorgemaßnahmen. Dadurch fühlen sich Siege wie Niederlagen an. Und wenn man sich ein anderes Mal auf bestimmte Ziele konzentriert, führt Pech mit den Ausbruchskarten vielleicht zu einer Niederlage, die einem wie ein Sieg vorkommt. Das passt nicht ganz zusammen.

Zwei Überraschungen sind sicher: An Weihnachten und in Legacy-Spielen dürfen wir immer wieder neues Zeug auspacken. Aber Überraschungen nutzen sich ab, wenn man damit rechnen kann. Weihnachten hat seinen Glanz verloren, und so toll wie in Season 1 wird es nie mehr sein, eine geheimnisvolle blaue Pappschachtel zu öffnen.

Ich weiß jetzt, ich mag am liebsten schwierige kooperative Spiele, die man zurücksetzen kann – und muss, weil man einzelne Abenteuer frühestens im dritten Anlauf gewinnt. Der Triumph ist umso größer. Als Erlebnis möchte ich auf Pandemic Legacy: Season 2 nicht verzichten, aber anschließend spielen wir wieder das Herr der Ringe-LCG. Da freu ich mich schon drauf.

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