Oktober 2018: Weltreise beendet

von Florian

Willkommen zurück, meine Damen und Herren, liebe Mitspieler. Wir fahren langsam und vorsichtig den Server wieder hoch, um über vier Spiele zu berichten, die unseren Oktober 2018 geprägt haben.

South African Railroads

Dieses Spiel von John Bohrer aus dem Jahr 2011 gilt heute als eines der besten Winsome-Spiele. Es wurde wie bei diesem Kleinverlag üblich als Teil eines Essen-Sets verkauft, als Katze im Sack mit insgesamt drei, vier neuen Eisenbahnspielen oder Erweiterungen zum Einheitspreis von 100 Euro. Abholung nur am ersten Messetag bis 12 Uhr!

Ganz so heftig in die Eisenbahnspielerszene involviert bin ich nicht, und nach Essen kriegt mich auch kein Winsome-Spiel, aber 2013 gab es einen Nachdruck, der von Pittsburgh aus um die Welt versandt wurde. Auf dem A4-Umschlag, den ich erhielt, stand übrigens wegen des Zolls als Wertangabe 20 Dollar. Drin waren handgeschnittene Tonpapier-Aktien und Holzwürfel für Streckenausbauten. Ein hässliches Sammlerstück. Ich legte es stolz ins Regal, wo es bis zu diesem Monat Staub ansetzte, und ignorierte die auf Boardgamegeek regelmäßig eingehenden Kaufanfragen. Das Spiel wurde nie wieder aufgelegt.

Jetzt im Oktober gab es im Vierkirchner Spieletreff die erste Partie. Drei Männer boten für die Aktien der sieben Gesellschaften. Ich erwarb die Central South African und führte sie Richtung Johannesburg. Michael kaufte eine Aktie der Cape Midland und machte sie so attraktiv, dass Christian einstieg. Sie entwickelte sich zur einzigen Gesellschaft, die im Lauf des Spiels alle fünf Aktien los wurde.

Die Regeln sind nicht kompliziert. Die Marktdynamik ist es. Wir stocherten im Nebel, jedoch immerhin jeder nach seinem System. Michael hatte die wenigsten, aber wertvolle Aktien und forcierte ein schnelles Spielende. Christian versuchte es mit Streubesitz und einer soliden Gesellschaft, die er allein für sich hatte. Ich lag dazwischen und verpasste, eine Versteigerung auszurufen, als die anderen beiden gerade kein Geld hatten.

Bei der Abrechnung vertaten wir uns erst einmal. Michael demonstrierte die hohe Kunst des Kopfrechnens, indem er die korrekte Dividende ausrechnete und die fälschlich ausgezahlten Beträge gleich wieder abzog. Fast gemein, dass er trotzdem nur auf dem dritten Platz landete. Christians breiter Aktienbesitz setzte sich am Ende durch.

Codenames Duett

Noch ein Codenames? Ich war skeptisch, als Codenames Duett vor einem Jahr die Spieleshops erreichte. Eine kooperative Zweispielervariante klingt ja gut, aber Nicole und ich spielen das normale Codenames doch schon oft und gern kooperativ.

Die positiven Stimmen im Web und Bekanntenkreis häuften sich. Ich erfuhr: Beidseitige Hinweiskarten sorgen für weniger Wartezeit. Ein Kampagnenmodus führt rund um die Welt. Hey, das ist ja fast wie Pandemic Legacy.

Zu meinem Geburtstag war es dann da. Ende Juli wurde die erste Partie gespielt. In achtzig Tagen wie bei Jules Verne, bis Mitte Oktober, spielten wir noch genau 68-mal und reisten dabei einmal mit Codenames Duett um die Welt.

Die Kampagne war geschafft: In allen Schwierigkeitsgraden, die Städtenamen tragen, hatten wir mindestens einmal gewonnen. Eines Tages werden wir das wiederholen. Aber dann mit den Karten aus dem Codenames-Basisspiel. Denn eine Beschwerde habe ich an den Verlag: Es sind einfach zu wenige Karten für fast 70 Partien in rund 10 Wochen. Wie oft lagen Hawaii und Bermuda auf dem Tisch. Ich kann sie nicht mehr sehen.

Die Frage, ob man zwei Codenames braucht, kann ich klar mit ja beantworten. Wer grübellastige Wörterspiele mag und sowohl zu zweit als auch in Gruppen zu vier oder mehr Leuten spielt, kann seinen Regalplatz nicht besser belegen als mit diesen beiden Schachteln.

Nur eine Warnung: Zu zweit hat Duett gegenüber dem normalen Codenames den riesigen Nachteil, dass nun nicht mehr einer die Küchenarbeit machen kann, während der andere über seinen Hinweis nachdenkt.

Istanbul – das Würfelspiel

Istanbul fand ich so lala, ganz nett, ein solides Spiel. Ich wollte es erst nicht kaufen, es wurde aber später zwecks Regvor-Vorbereitung angeschafft.

Im Herbst letzten Jahres kam das Würfelspiel auf den Markt. Ich lernte es auf der Spielwiesn. Nett, aber muss ich nicht daheim haben, war mein Urteil.

Elf Monate später gewann ich ein Exemplar.

Ja, seht ihr, über die Spiele für die Qualifikation zur Deutschen Brettspielmeisterschaft kann jeder mit abstimmen. Und unter allen, die abstimmen, verlost der Veranstalter zwei Spielepakete. Im Herbst 2018 war ich einer der Glücklichen. Mein Paket enthielt eben das Istanbul-Würfelspiel, Woodlands und Cuboro: Tricky Ways.

Keines dieser Spiele hat mich umgehauen. Alle drei machen Spaß. Aber richtig klasse ist es, so ein Spielepaket zu gewinnen. Wenn die Post die Wunderkiste bringt, und man weiß nicht, was drin sein wird. Ein paar Ladenhüter von vor vier Jahren, die die Verlagssponsoren loswerden mussten? Denkste. Drei aktuelle, drei richtig interessante Spiele. Einfach eine Kiste neues Material, um sich reinzulesen, reinzuspielen.

Nur die Wahl der Regvor-Spiele ist nicht ganz nach meinem Geschmack ausgegangen.

Star Realms

Im Juli waren wir wieder mal per Rad in Frankreich. Auf dem Rückweg kurz vor der Grenze trafen wir uns in Thionville mit Jenny und Thierry für einen Spieleabend. Zum Abschied gab uns Jenny Star Realms samt Erweiterung Colony Wars mit: Das würden sie nicht spielen, sagte sie, sie brauche Platz im Regal.

Wir revanchierten uns übrigens bald mit einem Paket, das die Quacksalber von Quedlinburg enthielt. Das Glückskeksspiel des Jahres fühlte sich für uns zu häufig frustrierend an.

Auch mit Star Realms wurde ich nicht gleich warm. Es ist ein Deckbauspiel, Dominion in einfach: Man kauft eine Karte, dann noch eine, möglichst von der gleichen Sorte, und hofft, beide zusammen auf die Hand zu bekommen, weil sie dann stärker sind. Hoher Glücksfaktor, wenig Entscheidungsspielraum.

Den Grundregeln nach spielt man Star Realms zu zweit mit dem Ziel, sein Gegenüber zu zerstören, vom Plan zu fegen beziehungsweise (so heißt es offiziell) seine Autorität zu untergraben.

Im Oktober entdeckte ich, dass man Star Realms auch solo und kooperativ spielen kann. Das geht zum Beispiel mit der neuen Erweiterung Frontiers, die mehrere Szenarien an Bord hat. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, sie zu kaufen, aber eines der Szenarien, eigentlich einfach nur eine doppelseitige Karte, ist im Blog des Verlags zu finden. Man kann die Regelgrafik herauskopieren und drucken und den Kampf gegen das „Nemesis Beast“ aufnehmen.

Zugegeben, gerade solo ist Star Realms ganz schön schwer, man darf sich nicht von der ausliegenden Kartenauswahl auf Abwege führen lassen. Einige verlorene Solopartien haben mich zu einem besseren Star-Realms-Spieler gemacht. Als nächstes probierten wir es gemeinsam gegen die Bestie und gewannen sogar neuen Spaß daran, ganz ohne das Beast mit dem Standardspiel aufeinander loszugehen.

Weiterlesen

Werbeanzeigen