Von denen, die Kapellen bauten und Steinwälle

von Nicole

Es war einmal ein König, der lebte in einer Burg hoch oben über seinem Reich. Ein mächtiger Bart zeugte von seinem Alter, die juwelenbesetzte Krone lastete auf dem Haupt. An seiner Seite saß die Königin und half ihm, das Land zu regieren. Umgeben waren die beiden von einem großen Hofstaat. Eines Tages sprach der König: „Meine Holde, ich habe viele Jahre meines Lebens darauf verwendet, alles wohl zu gestalten in unserem Reich. Es ist größer und größer geworden. Nun will ich vier Gouverneure ernennen, die ein Gutteil der Verantwortung in den fernen Landesteilen übernehmen sollen.“ So geschah es. Der König machte Florian den Schwarzen, Jochen den Blauen, Enrico den Grünen und Nicole die Gelbe zu seinen Stellvertretern und wies sie an, die hinzugewonnenen Provinzen aufzubauen und zu festigen.

Die Vier waren freundschaftlich verbunden, liebten es aber, sich miteinander zu messen. Als sie am Abend der Ernennung bei einem Glas Wein zusammensaßen, beschlossen sie, ein Spiel aus der neuen Aufgabe zu machen. Nach fünf Jahren wollten sie wieder zusammenkommen, um zu sehen, wessen Provinz am besten gediehen war.

Zäune gegen Zombies

Das erste Jahr begann, und der König gab jedem einen Rohstoff. Die einen entschieden sich für Stein, die anderen für Holz. Nur Gold wollte keiner. Sie besuchten Gutsherren, Baumeister und Händler. Zur Königin, die so viel für sie hätte tun können, drang keiner vor. Dafür schenkten Astronom und Edelfrau den Bitten um Unterstützung Gehör. Kneipen entstanden und Wachtürme. Weil Nicole die Gelbe um die Sicherheit ihrer Region besorgt war, ließ sie auch Palisaden errichten. Am Ende des ersten Jahres erwies sich das als kluge Entscheidung, denn Zombies fielen in den Provinzen ihrer Mitstreiter ein, nur Nicoles Palisaden konnten sie nicht überwinden. Jochen der Blaue, Florian der Schwarze und Enrico der Grüne fielen zurück, doch es standen noch vier lange Jahre bevor.

Im Frühling, Sommer und Winter kehrten die Gouverneure stets für kurze Zeit in die Hauptstadt zurück. Dort führten sie viele Gespräche mit Hofnarr, Schatzmeister und Meisterjäger. Die Königin hatte noch immer keine Zeit, aber der König hieß Florian den Schwarzen willkommen. Dieser ging auch bei Zauberer und Held ein und aus, sammelte er doch Material für eine prächtige Kirche. Und nach einem verheerenden Goblinüberfall im zweiten Jahre suchten alle zunehmend die Nähe von Hauptmann und Heerführer, um ihren Beistand zu erbitten.

Enrico der Grüne wog sorgfältig ab, was gebaut werden sollte. Weil er deswegen nicht so schnell vorankam wie die anderen, ließ ihm der König nicht nur regelmäßig Hilfe zukommen, sondern schickte auch immer wieder seinen Gesandten, der Enrico manchmal für die Dauer eines ganzen Jahres zur Seite stand. Enrico entschied sich, erst an der Befestigung zu arbeiten, ließ Schmieden, Ställe, einen Steinwall und schließlich eine Festung bauen. Jochen der Blaue war mehr darauf bedacht, den Wohlstand zu mehren. Er veranstaltete Märkte, ermöglichte billigeres Bauen durch einen Kran, machte sich an ein Rathaus und schließlich an die Botschaft. Florian der Schwarze investierte in eine Kneipe, vergaß aber auch die Religion nicht und errichtete als Erster eine Kapelle. Nicole die Gelbe bemühte sich weiter, ihre Provinz vor Feinden zu schützen. Dem emsigen Bürgertum verhalf sie zu Kran, Rathaus und schließlich Botschaft.

Orks plündern eine Festung

Im vierten Jahr war die sonst so umsichtige Nicole unaufmerksam. Es gab so viel zu tun bei den Stippvisiten am Hof. So verpasste sie es, Hauptmann oder Heerführer zu beehren, Das rächte sich bitterlich, denn als im Winter die Orks einfielen, zerstörten sie die Festung, kaum dass diese fertiggestellt war. Florian der Schwarze und Jochen der Blaue hatten klüger gehandelt und rückten zu ihr auf. Jochen der Blaue sah endlich eine Möglichkeit, im fünften und letzten Jahr den Sieg im edlen Wettstreit davonzutragen. Er sammelte für eine Kirche, Florian gar für eine Kathedrale. Jochens Kirche wurde gebaut, ebenso Enricos. Die Kathedrale erwies sich als zu ambitioniertes Projekt.

Und was tat Nicole? Die Wunden, die die Orks ihrer Provinz zugefügt hatten, schmerzten zu sehr. Die Festung ließ sich nicht so schnell wieder aufbauen. Also pendelte sie von Hauptmann zu Heerführer, wann immer sie am Hof war, um diese für sich gewogen zu stimmen. Das half, denn als am Ende des fünften Jahres mächtige Dämonen die Provinzen heimsuchten, war ihr Gebiet widerstandsfähig genug, wenn auch nicht so gut geschützt wie das von Enrico dem Grünen und Florian dem Schwarzen, die beide die Kirche im Kampf gegen das Böse auf ihrer Seite hatten. Jochen der Blaue hatte sich den gleichen Fehler wie Nicole im Jahr zuvor geleistet. Die Dämonen verwüsteten seine Botschaft. Das brachte ihn letztlich um den Sieg.

Am Tag der Endabrechnung, als alle vier Freunde wieder beisammen saßen, erwies sich, dass sie nahezu gleich gut ihre Provinzen verwaltet hatten. Nicole die Gelbe war einen Tick erfolgreicher gewesen. Enrico der Grüne hatte dank der Unterstützung des Königs noch zu den Mitstreitern aufschließen können und war gar an Florian dem Schwarzen vorbeigezogen. Der König war mit der Leistung seiner vier Gouverneure sehr zufrieden. Er gönnte ihnen nun einen kleinen Urlaub, verschonte sie mit dem Kampf gegen Piraten und dem Ringen imperialer Siedler. Das hatten andere erledigt. Doch am Montag, 20. Juni, sollen Jochen, Enrico, Florian und Nicole wieder bei Hof antreten. Dann warten neue Aufgaben auf sie.