Marco Polo muss warten

von Nicole

Ich habe mir am Montag eine neue Tasche gekauft. Die reicht, um Isle of Skye, Auf den Spuren von Marco Polo, Poison und Qwixx einzupacken. Isle of Skye, weil Neuzugang Monika vielleicht wieder vorbeischaut und es dann bereits kennt. Marco Polo, weil ich es sehr gerne mal wieder zu viert spielen würde, Poison und Qwixx, weil noch ein bisschen Luft in der Tasche ist. Die Tasche ist toll, doch beim nächsten Mal nehmen wir wieder die große von meinem Arbeitgeber gesponserte. Nicht, weil wir noch mehr Spiele in den Pfarrsaal schleppen möchten. Der Bodensatz fehlt einfach bei meiner neuesten Errungenschaft.

Einen Kugelschreiber haben wir dabei, aber die Stifte, die monatelang im Seitenfach der Stamm-Reisetasche darauf warten, hervorgeholt zu werden, gehen uns diesmal ab. Wir haben nämlich richtig viele Gäste. Aus dem ehemaligen Kindergarten nebenan schaut Betreuerin Monika mit fünf jungen Flüchtlingen vorbei. Und diejenige Monika, deretwegen wir spontan in den Osterferien einen Treff angeboten haben, schlägt wieder auf. Dazu Enrico. Enrico hat im Winter im Gemeindeheft „Vierkirchen aktuell“ von uns gelesen. Aber weil da stand, dass wir gerade für die Qualifikation zur Deutschen Brettspielmeisterschaft trainieren, hat er sich lieber noch ein bisschen Zeit gelassen.

Nun ist er da und spielt mit Philipp und Monika Wizard – rauf bis 20. Das macht man so, wenn man einen ganzen Abend Zeit hat. Philipp fragt mich nach einem Stift, aber wir benötigen unseren Kuli selbst. Denn ich will mit vier Jungs aus Eritrea Qwixx versuchen, während Michael der anderen Monika und den fünften Jugendlichen aus dem ehemaligen Kindergarten ein Spiel beibringt, dessen Namen ich vergessen habe, das aber mehr als 20 bunte Würfel beinhaltet. Das geht offensichtlich ohne Stift, ebenso Isle of Skye. Das spielen Florian, Tom, Vincent und Felix. Nicht unser Vierkirchner Felix, der ist gerade in Frankreich. Felix ist der Freund einer der Schwestern Vincents. Die kommt zwar selten zum Spieletreff, aber Felix ist gerade zu Besuch und hat „einfach Bock“ gehabt.

Spieleabend 4. April

Mein Kugelschreiber schreibt nicht. Abrahams in Einzelteilen aus der Hosentasche gefischter und wieder zusammengeschraubter Stift hält zwei Runden durch. Bleibt nur noch der Faserschreiber, den Philipp inzwischen irgendwo gefunden hat. Doch als ich ihn mir leihe, schaut Philipp so irritiert, dass ich ihn gleich wieder zurückgebe und vorschlage, statt Qwixx lieber 6 nimmt auszuprobieren. Das klappt ganz gut, auch wenn David nicht gleich versteht, dass man die Karten, die man abräumen muss, nicht auf die Hand nimmt. Wir haben alle nur noch zwei, er zehn, als ich es merke. Hagos gewinnt einmal allein und teilt sich einmal den Sieg.

Mein Tisch wünscht sich Uno. Das wäre mal ein Spiel, das mir die Jugendlichen erklären könnten. Ich erinnere mich, wie es unsere Neffen auf unserer Hochzeit mit Florians Brüdern und den Töchtern meines Cousins Uwe spielten. Die Neffen waren damals noch nicht in der Schule, inzwischen ist der ältere längst in der Lehre. Volljährig wird er diesen Sommer. Uno spielt er nicht mehr.

Weil Uno ausnahmsweise nicht in Michaels Sortiment ist, muss es Hanabi tun. Die Chips für Tipps und die Blitze lasse ich gleich weg. Dafür lege ich Wert darauf, dass man entweder die Zahl oder die Farbe nennt. Tja, wir legen ein gigantisches Feuerwerk hin, die Jungs begreifen auch, dass man die Wahl hat zwischen Tipp geben und Karte hinlegen. Aber ziemlich schnell deuten sie nur noch auf die Karte, die als nächstes gelegt werden soll. Das ist anstrengend genug. Sie verabschieden sich erschöpft und sehr höflich und gehen nach Hause, bevor ich anfangen kann, Poison zu erklären.

Poison für alle

Wizard ist noch in vollem Gange, Isle of Skye hingegen vorbei. Felix lag abgeschlagen hinten, kassierte aber so viel Geld, dass es reicht, um an allen vorbei an die Spitze zu stürmen. Zumal er mit seinen ganzen Münzen in der Wertung der Runden dreimal fünf Punkte abräumen kann. Als Absacker jetzt ein Poison zu sechst: Michael gesellt sich dazu, sein Tisch hat sich ebenfalls aufgelöst. Weil man den Stift nur jeweils nach der Runde benötigt, hat Philipp auch nichts dagegen, ihn ab und zu rüberzureichen.

Vincent sammelt gerne lila Tränke. Ich sammle meistens nicht genug von einer Sorte, um ohne Minuspunkte zu bleiben. Michael, der als Zuspätkommer die Regeln nicht zu 100 Prozent mitbekommen hat, schlägt sich ziemlich gut. Felix und Tom ebenfalls. Tom hat Pech in der letzten Runde, kein Gift, um variabel den einen oder anderen Kessel füttern zu können. Er muss immer wieder die Karten abräumen. Das wirft ihn aus dem Rennen um Platz eins. Florian setzt sich schließlich mit einem Minuspunkt weniger als Michael durch. Felix führt die zweite Hälfte an. Ich entscheide knapp den Kampf um Platz fünf für mich.

Beim nächsten Spieltreff am 18. April versuche ich es noch einmal mit Auf den Spuren von Marco Polo. Und falls ich dran denke, kontrolliere ich vorher, ob wirklich alle Stifte aus der Seitentasche schreiben. Vielleicht bringt Michael auch Uno mit. Dann kann nichts schiefgehen.

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