Ohne Aufwand

von Nicole

Heute sind die ersten Flüchtlinge in die Containerunterkunft in Vierkirchen eingezogen. Auf dem Weg von der S-Bahnstation nach Hause begegneten mir zwei von ihnen. Prima, dachte ich, wer Einkaufsmöglichkeiten erkundet, ist vielleicht auch neugierig auf den örtlichen Spieletreff. Also hatten wir abends auch einfachere Spiele dabei, für die man kein Deutsch können muss. Carcassonne Goldrausch zum Beispiel. Statt Wegen baut man Zuglinien, statt Gebäuden Berge. Prärien wären es statt Wiesen gewesen, aber in der Anleitung wird empfohlen, beim ersten Mal auf die Prärien zu verzichten. Schließlich stehen nur vier Cowboys zur Verfügung. Meine grünen waren schnell in aufwändige Projekte involviert. Nur mein Zelt verhalf mir über etliche Runden zu ein paar Nuggets. Christian sammelte davon noch viel mehr und hatte auch das Glück, genau das Plättchen, das sowohl Vincent als auch ich verzweifelt brauchten, gleich dreimal zu bekommen. Er verfolgte seine eigenen Interessen und legte es weder an Vincents noch meinem Berg an. Am Ende gewann er mit deutlichem Vorsprung vor Michael, mir und Vincent. Allerdings hatte Michael die Angewohnheit, die neu aufgedeckten Bergplättchen mit Nuggets aus seinem eigenen Besitz zu versehen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir ihn jedesmal davon abhalten konnten. Vielleicht hatte er eigentlich ein paar Punkte mehr. Gereicht hätte es trotzdem für Christian.

Es geht noch simpler und ist doch so vertrackt: Zahlen von 0 bis 10 in sechs Farben, dazu ein Papierbändchen, ebenfalls mit den Zahlen von 0 bis 10 versehen, fertig ist Parade. Die Zahl, die ich anlege, entscheidet darüber, ob und wie viele Karten ich nehmen muss. Habe ich am Ende die Mehrheit in einer Farbe, zählt jede Karte nur einen Minuspunkt. Wenn nicht, dann wird der aufgedruckte Wert genommen. Vincent bemühte sich im ersten Durchgang um jedwede Mehrheit. Dabei zerstörte er auch meine Hoffnung, in Orange nur wenige Minuspunkte zu machen. Die Sammelwut verhalf ihm nicht zum Sieg. Der ging an Michael. Aber das Spiel kam so gut an, dass wir es gleich noch einmal probierten. Diesmal begnügte sich Vincent mit einigen wenigen Mehrheiten und landete auf Platz eins. Michael wurde Letzter. Ich hatte mir da die Sache mit den Mehrheiten von Vincent abgeschaut und ihm noch über 20 fiese Punkte reingedrückt. In Orange natürlich.

Der Nebentisch beschränkte sich ebenfalls auf Spiele ohne großen Lektüreaufwand. Fits kam als erstes dran. Florian lag lange hinten, doch am Ende konnte er noch an der Jugend vorbeiziehen. Und dann Abluxxen: „Stark angefangen und stark nachgelassen“, war Florians Kommentar. Ich bin mir nicht sicher, ob Philipp gewonnen hat. Falls ja, lag es vielleicht an den beiden Zehnern, die er unter dem rechten Vorderbein seines Stuhls gebunkert hatte. Falls nicht, lag es daran, dass wir am Nebentisch petzen mussten und das Depot schnell wieder in den Nachziehstapel untergemischt wurde.

Unsere neuen Mitbürger haben übrigens nicht vorbeigeschaut. Vielleicht nächste Woche. Am Montag, 15. Juni, treffen wir uns wieder. Zum Hans-im-Glück-Abend. Zu gewinnen gibt es das eine oder andere Spiel aus dem Münchner Verlag. Carcassonne Goldrausch zum Beispiel. Beginn ist um 20 Uhr. Wir freuen uns über Besuch.