Inder in Irkutsk

von Nicole

Ob ich schon mal in Indien war? Nein, ich fliege nicht gerne, und mit dem Schiff dauert die Reise einfach zu lange. Aber ich habe mir viel erzählen lassen. Ja, sogar Dias habe ich schon gesehen. Und ich mag Indien, zumindest so, wie ich es kenne, aus Filmen und Büchern, vorzugsweise Kochbüchern. Ich habe auch schon einmal einen Abend mit Indern verbracht. Fast wäre es zum Streit gekommen, weil ich geschworen hätte, Lana Turner spielt in Doktor Schiwago mit. Die Inderin auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches, ebenfalls Hollywood-Kennerin, sah das anders.

Das Gespräch fand übrigens am Baikalsee statt, damals auf unserer Transsib-Tour. Als Edmund Stoiber Wahlkampf gegen Gerhard Schröder machte, zuckelten wir gemütlich von West nach Ost und trafen nahe Irkutsk die indische Reisegruppe, die von Ost nach West unterwegs war. Als Edmund Stoiber knapp verloren hatte, saßen wir am Pazifik und sahen Marinekadetten bei der Ausbildung zu. Die Inder waren da vermutlich schon in Moskau.

Was das alles in einem Spieleblog zu suchen hat? Naja, heute zeigte sich Vierkirchen wieder verspielt. Zumindest an drei Tischen im Pfarrheim St. Jakobus. An einem wurde Auf nach Indien gespielt, am anderen Zug um Zug Europa und am dritten Russian Railroads. Auf nach Indien hatten wir zwar mitgebracht, aber wir kamen nicht dazu, mit Segelschiffen vor der Küste des Subkontinents zu kreuzen, um mit Gold und Gewürzen zu handeln. Das blieb anderen vorbehalten.

Auf nach Indien

Auf nach Indien

Gereizt hätte es mich schon, aber noch lieber wollte ich Gleise bauen, und zwar im Osten, nicht in Europa. Diesmal ging es darum, das Ganze anders aufzuziehen. Nicht sofort das Zusatzmännchen über die Kiew-Linie holen, sondern auf der Transsib schnell vorankommen. Auch keine Fabriken bauen. Weiße Gleise sollten her, möglichst früh, möglichst viele. Der Vorsatz hielt keine halbe Runde, schnell war ich wieder in meinem Kiew-Trott und wurschtelte mich so bis zum Ende durch, Fabriken inklusive.

In einer Welt, die sich rasend schnell ändert, in der es nur noch wenig gibt, worauf man sich verlassen kann. In der die Währung meiner Jugend Vergangenheit ist und Zahlen per Smartphone-App längst Alltag. In der egal welcher Geheimdienst egal was und wen ausspioniert und man das nicht einfach ignorieren kann, weil ein Whistleblower Verantwortungsgefühl zeigt. In der Arbeitsplätze nicht mehr sicher sind und die Schlangen vor den Tafeln und Tischen, die gratis Lebensmittel ausgeben, immer länger werden. In so einer Welt gibt es mir ein Gefühl der Sicherheit, auf Bewährtes zurückzugreifen. Und sei es nur die Kiewmedaille in Russian Railroads.