Russische Regale

von Florian

Die Welt schuldet dem russischen Zarenreich gleich regalweise Dank. Die Zensur zwang damals schließlich Iwan Turgenjew, das versteckt sozialkritische Meisterwerk Aufzeichnungen eines Jägers zu schreiben. Fjodor Dostojewskij wurde ins Lager gesteckt, um Material für Aufzeichnungen aus einem Totenhaus sammeln zu können. Und Zar Nikolaj I. übernahm sogar Alexander Puschkins Schulden, nachdem das Geschwätz an seinem Hof den Dichter in ein Duell mit tödlichem Ausgang getrieben hatte.

Erstaunlich eigentlich, dass es den Kommunisten später trotz der imposanten Vorlage gelang, nahtlos an diese Erfolge anzuknüpfen. Isaak Babel wurde – wie Dostojewskij hundert Jahre zuvor – zu Tode verurteilt, das Urteil aber nicht wie bei jenem in letzter Minute, sondern erst 14 Jahre nach der Hinrichtung aufgehoben. Boris Pasternak publizierte wie Turgenjew bestenfalls im Westen, und auch Wladimir Majakowskij nahm sich das Leben, als er die Schikanen nicht mehr aushielt.

Nicht nur Bücher-, auch Spieleregale hat Russland bereichert. Russian Railroads hat den deutschen Spielepreis 2014 gewonnen. Zehn Jahre vorher war dies Sankt Petersburg aus dem gleichen Verlag gelungen, mit einer bis heute begeisternden Grafik von Doris Matthäus. (Gerade ist eine Neuauflage erschienen, allerdings auch mit neuer Grafik.) Eine der besten Dampfross-Karten der Laurin-Ausgabe von 1992 ist die des russischen Reichs. Und was die Kommunisten angeht: Das Zweipersonenspiel Twilight Struggle über den Kalten Krieg führt bei Boardgamegeek die Liste der besten Spiele aller Zeiten an.

Russisch-Lexikon

Wer diese und andere gute russische Spiele im Regal stehen hat, möge sie mitbringen – zum nächsten Vierkirchner Spieleabend am 17. November 2014. Wie immer sind natürlich auch andere Spiele herzlich willkommen.