150 Minuten voll wie Kartoffelsäcke

von Nicole

Die Glocken von Sankt Jakobus erklingen erst vier-, dann achtmal, der letzte Spieletreff vor den Pfingstferien beginnt, 150 Minuten, um abzutauchen in die Welt der Manschgerl und Würfel, der Karten und Siegpunktleisten. Die Zeit läuft, und wir haben den Pfarrsaal noch nicht erreicht.

147 Minuten, die Fahrräder sind abgeschlossen, die Spieletasche wird ausgepackt. „Habt ihr Auf geht’s dabei?“ Aber klar doch, Felix. Wir haben uns ja selbst schon darauf gefreut, wie Magdalena Neuner am Anstieg zu skaten, um dann ruhig und konzentriert die fünf Kugeln am Schießstand zu versenken. Zögern außenrum, der Massenstart vom letzten Mal hat einige verschreckt. Doch da kommt Jochen und darf gleich in die Loipe, vier Athleten sind beisammen, es kann losgehen. Felix überzeugt mit Technik und Taktik, Florian muss sich knapp geschlagen geben, Jochen zeigt eine souveräne Schießleistung, komplett ohne Nachladen, und ich werde wieder Letzte, aber immerhin drehe ich am Ende des Spiels nicht noch meine Strafrunden, sondern biege ebenfalls schon auf die Zielgerade ein.

Knollen und Juwelen

112 Minuten, am Nebentisch werden Edelsteine gesammelt, Zeit für einen kleinen Potato Man. Kaum hat Florian das Wichtigste zu den 52 Kartoffelkarten und den fiesen roten Evil Potatoes gesagt, da muss er schon weiterziehen, um Michael, Carmen und dem anderen Florian bei der Erschließung Santa Cruz‘ zu helfen. Jochen, Felix und ich ringen weiter um die Kartoffelsäcke. Felix hat den Dreh am besten raus und am Ende weit über 40 Säcke, Jochen, der lange abgeschlagen war, 26 und ich 25.

70 Minuten, Felix zieht es als ungeschlagenen Sieger nach Hause, alle anderen sind beschäftigt, die Santa Cruz-Entdecker drehen ein Ortsplättchen nach dem anderen um und die große Ohne Furcht und Adel-Runde meuchelt und stiehlt, was das Zeug hält. Jochen und ich entscheiden uns für Splendor. Mit den weißen Edelsteinen will es nicht so recht klappen, aber die grünen und roten fallen mir geradezu in den Schoß, dazu noch drei schwarze, und der erste Adlige gesellt sich zu mir. 16 Punkte nach 26 Minuten.

Vögel und Roboter

44 Minuten, der andere Florian hat gerade dank seiner Glücksfee Carmen das Ricochet Robots-Los gezogen, muss aber noch Vogelplättchen auf der Insel zählen. Da nutzen Jochen und ich die Gelegenheit, entzückende kleine Roboter gegen Banden prallen zu lassen, immer auf der Suche nach dem kürzesten Weg zum Ziel. Bei Splendor habe ich davon profitiert, dass ich das Spiel schon kannte. Bei Ricochet Robots hilft mir das gar nichts. Ein Symbol nach dem anderen wandert auf Jochens Seite. Als er fünf hat und ich erst eins, packen wir zusammen, denn auch die neuen Besitzer der Roboter wollen sich auf den Heimweg machen.

21 Minuten, alles räumt zusammen, nur Florian wirbt noch für einen Absacker. Qwixx zu viert. Ich beginne stark mit einer weißen Elf und einer Kombinationszwölf in Grün. Doch Jochen und Michael haben ein besseres Händchen beim Würfeln und ein Gespür dafür, welche Zahl wann anzukreuzen ist. Erst machen beide gleichzeitig die blaue Reihe zu, dann schließt Jochen Grün mit einer Zwei ab – sagenhafte 95 Punkte im ersten Versuch.

Schluss und aus

4 Minuten, Michael macht das Licht aus und schließt die Tür zum Pfarrsaal ab.

22.30 Uhr, die Fahrräder stehen in der Garage, die Spieletasche liegt im Flur. Bis zum nächsten Spieletreff sind es noch 21 Tage minus 150 Minuten.

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