Live aus der Biathlon-Arena

von Florian

Guten Abend, liebe Zuschauer an den Bildschirmen. Ich begrüße Sie zu einer weiteren Liveschaltung, diesmal aus der Golf- und Biathlon-Arena Gut Häusern. Im Sommer marschieren hier die Herrschaften hinter fliegenden kleinen Bällen her, jetzt im Winter aber ist alles auf Ski und Schießen ausgerichtet!

Im Hintergrund sehen Sie bereits einen ersten Wettbewerb. Mir liegen dazu leider keine ausführlichen Informationen vor. Denkbar, dass es sich um Freizeitsportler handelt. Vielleicht eine Familie, ein Vater mit zwei Söhnen und einer Tochter … Egal, das Nähere können Sie morgen in Ihrer Lokalzeitung nachlesen. Wir wollen uns auf den Sport konzentrieren.

Na, da sehen wir doch einige Probleme mit dem Schießen bei allen vier Läufern. In der Loipe dagegen scheinen sie mühelos voranzukommen. Die beiden jungen Männer liegen vorn. Sie gehen in den Spurt. Der Blonde gewinnt! Der Braunhaarige wird Zweiter, das Mädchen folgt an Position drei.

Das war doch schon eine schöne Einstimmung, meine Damen und Herren! Bevor das Hauptrennen startet, ist jetzt noch Gelegenheit für eine kurze Konsuminformation.

Ein Werbespot zeigt ein riesiges weißes Designersofa. Plötzlich, mit einem Satz, springt von links ein schlammbedecktes Schwein ins Bild. Von rechts hüpft ein piepsendes Küken darauf, das unterwegs noch ein paar Federn verstreut. Ein Kater macht einen Satz in Richtung Küken, ein Hund beißt nach dem Schwanz des Katers, und dann jagen ein Esel und ein Schaf heran, die um die Wette an der Rückenlehne des Sofas knabbern – als eine Kuh vom Himmel fällt und alles unter sich begräbt. Eine tiefe Männerstimme sagt:

Wenn Sie wollen, dass Ihre Haustiere sich wirklich wohlfühlen, gönnen Sie Ihnen Oink! Oink – das Futter für einen Haufen glücklicher Tiere!

Zoom auf die Schweineschnauze, die unter der Kuh herausragt.

Auf geht's

Willkommen zurück beim Biathlon, meine Damen und Herren. Da sind auch schon die Athleten, und wir sollten uns mit der Startaufstellung vertraut machen. In Orange im Bild der Läufer Felix Einser – hoppla, das ist ja der Gewinner des Vorlaufs! Den jungen Mann sollten wir im Auge behalten. Da ist er schon gestartet. Hinter ihm fetzt Karen Zweier auf die Spur, verfolgt von Florian Dreier und Jana Vierer. Auch Nicole Fünfer und Carmen Sechser mühen sich nach vorn, doch was ist das, ein Stau im Anstieg! Florian Siebener kommt nicht am Feld vorbei und muss Tempo herausnehmen.

Gerade noch ausweichen konnte offenbar Michael Achter, der jetzt die Führungsarbeit übernimmt. Felix Einser und Karen Zweier ziehen mit. Diesmal ist es Florian Dreier, der ausgebremst wird und als Vorletzter zum Schießen kommt.

Das ist die typische Nervosität des ersten Schießens, was wir hier sehen, meine Damen und Herren. Doch mit einmal Nachladen sind die meisten ohne Strafrunde wieder in der Loipe. Auch gut zu erkennen: Diejenigen, die doch Strafrunden laufen müssen wie hier Carmen Sechser, lassen richtig Körner, um nur ja nicht den Anschluss ans Feld zu verlieren.

Während die zweite Runde beginnt, geben wir noch einmal ein paar Meter hinüber ins Studio für eine kurze Unterbrechung.

Kaufhausumgebung. Arrogante Adlige mit finsteren Mienen stehen am Wühltisch. Darin nicht etwa Socken oder Unterhosen im Fünferpack, sondern fette Juwelen. Eine etwas raue Frauenstimme flüstert:

Der Adlige von Welt, der etwas auf sich hält, lässt heute bei Splendor sein Geld! Splendor – der Juwelier Ihres Vertrauens. Hier finden auch Sie, was Sie immer gesucht haben.

Eine der Käuferinnen schnappt sich drei blaue, drei grüne und drei weiße Gemmen, die sie an einer Kette aufreiht. Die anderen blicken neidisch.

Wir sind kurz vor dem zweiten Schießen, meine Damen und Herren. Felix Einser und Florian Dreier haben im Anstieg das Tempo bestimmt. Ihrem anschließenden Antritt konnte nur Michael Achter folgen, der jetzt als Erster ins Schießen geht. Fehlerfreie Leistung! Während das Feld heranrauscht, schießt auch Felix Einser fünfmal ins Schwarze. Florian Dreier am Schießstand: Der erste geht daneben! Die anderen vier Schüsse sitzen. Jetzt heißt es nachladen. Wieder daneben! Das bedeutet eine Strafrunde.

Inzwischen beeindrucken Florian Siebener und Karen Zweier mit herausragenden Schießleistungen. Nicht ganz so sicher sehen wir hier Carmen Sechser, während Nicole Fünfer fast von der Spitze überrundet wird. Wie aus Protest gibt sie noch einmal alles und gerät zumindest für den Augenblick wieder außer Sichtweite.

Da ist auch Jana Vierer heran. Es wird noch einmal eng!

Michael Achter prescht unvorsichtig vor. Aus seinem Windschatten heraus beschleunigen erneut Felix Einser und Florian Dreier, gleich hinter ihnen aber Florian Siebener.

Felix Einser setzt alles auf eine Karte, um nicht noch zurückzufallen. Davon profitiert Florian Dreier! Er ist fast im Ziel! Fast gleichauf jetzt der andere Florian – Florian Siebener. Doch was ist das? Karen Zweier wird vom Publikum mit Auf geht’s! so heftig angefeuert, dass sie längst verlorene Kräfte mobilisiert und gewinnt!

Hinter ihr kommen Florian Dreier und Florian Siebener ins Ziel. Als Vierter jubelt Michael Achter – hat doch mit Karen Zweier eine Teamgefährtin gewonnen, die er begeistert abklatscht.

Jetzt müsste eigentlich die Siegerehrung erfolgen. Stattdessen Diskussion bei der Rennleitung – was ist passiert? Es scheint, als wäre Karen Zweier nicht ganz regelkonform nach vorne geflogen! Das Publikum hat sie offenbar in nicht erlaubtem Maß angeschoben, das Ergebnis muss korrigiert werden!

Jetzt ist Florian Dreier doch Sieger – wenn auch nur am grünen Tisch. Die Holzmedaille geht nun an Felix Einser, der doch so ambitioniert ins Rennen gestartet war. Er scheint sich zu sagen: Wartet nur, der nächste Winter kommt bestimmt!

Meine Damen und Herren, die Kollegen unten im Zielbereich suchen schon nach Interviewpartnern, aber wir müssen den Läufern auch einen Moment zum Verschnaufen gehen. Zum Glück sitzt neben mir eine angesehene Expertin, die uns sicher eine fundierte Analyse der Ereignisse geben kann. Was mich am dringendsten interessiert: Wie fühlt es sich denn so an, wenn man die Karriere beendet hat und nun nur noch von der Tribüne aus die Rennen verfolgt, Magdalena Neuner?

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