Große Erwartungen

von Nicole

Montag, 13. Januar 2014, 18.33 Uhr
Ich bin gerade von der Arbeit nach Hause gekommen. Noch 87 Minuten, bis der erste Spieletreff des Jahres beginnt. Und damit das erste ernsthafte Training für die Regionalvorentscheidung zur Deutschen Brettspielmeisterschaft Ende Februar. Die Spiele sind eingepackt, natürlich Village, Kingdom Builder, Race und Im Wandel der Zeiten – das Würfelspiel, dann noch die eine oder andere Ergänzung, nicht zu kompliziert und für Zweier-, Dreier- oder Viererrunden geeignet. Doch Fette Autos, Drachenherz, selbst Qwixx interessieren mich heute weniger. Ich will Village. Und zwar zu viert.

Zum zweiten Mal in meinem Leben übrigens. Die Vierer-Premiere in den Weihnachtsferien misslang. Da gibt es Optimierungspotenzial. Ich habe mir so meine Gedanken gemacht. Diesmal will ich auf jeden Fall ein Familienmitglied der ersten Generation auf dem Hof behalten, damit es von dort in die Dorfchronik wandert. Das Rathaus ist auch ganz wichtig, für die Chronik und zum Punkten. In der Kirche soll es ebenfalls besser laufen, am liebsten mit drei, vier Verwandten, die dank ihrer reichlichen Getreidespenden immer mehr Einfluss gewinnen. Die praktisch Veranlagten lernen ein Handwerk, und wann immer es passt, verkaufe ich Ochse und Schriftrolle auf dem Markt. Die Wagen allerdings behalte ich, um einen der Meinen auf Reisen zu schicken. Möglichst überall hin. Der einzige Ort in unserem Dorf, den ich nicht besuchen will, ist der Armenfriedhof.

Willidsch

22.26 Uhr
Die Jugend sagt auch Massengrab zu den hinter der Kirche ausgehobenen Gruben. Sie zu meiden, gelingt mir tatsächlich. Michael, Florian und Jana teilen die namenlosen Gräber unter sich auf. Ich bringe fünf Mann in der Familienchronik unter und hole die maximalen zwölf Siegpunkte heraus, Florian ebenfalls. Doch der Reihe nach: Bevor meine Familienmitglieder das Zeitliche segnen, haben sie sich durchaus nützlich gemacht.

Dank meiner Schriftrollen ziehe ich sofort ins Rathaus ein, Jana bringt sogar zwei Figuren in der ersten Runde in der Dorfverwaltung unter. In der Kirche tun wir beide uns ebenfalls um, doch für die Reise reicht die Zeit vorerst nicht. Florian schaut sich dafür in der Welt um, und Michael beginnt gleich, mit Ochs und Pflug Getreide zu scheffeln. Eher aus der Not heraus, denn eigentlich wollte er wie jedesmal den Bürgermeister geben. Doch ins Rathaus traut er sich ziemlich schnell nicht mehr rein, das haben Jana und ich für uns. Dafür beginnt Michael, Waren auf dem Markt zu verkaufen, immer und immer wieder. Florian versucht, mitzuhalten, Jana zieht nach, als ihr größerer Bruder ihr rät, möglichst viele Marktplättchen zu sammeln. Nur ich ignoriere das bunte Treiben um die Stände. Dafür reise ich dann doch ein wenig, allerdings erst mit der zweiten Generation. Und mangels Geld kann ich das höchste Rathaus-Privileg, Münzen in drei Siegpunkte umzuwandeln, nur einmal nutzen.

Die Dorfchronik füllt sich, das Massengrab ebenfalls. Zwei Reisestationen fehlen mir noch, als Michael den letzten armen Schlucker verbuddelt. Jeder andere kommt noch genau einmal dran. Das bringt mir die fünfte Station und damit 14 Punkte. In der Schlussabrechnung liege ich lange vorne, bis dann die Marktplättchen ausgewertet werden: Jana, die erst spät umgesattelt hat aufs Händlertum, bringt es auf 16 Punkte, Florian auf 18 und Michael setzt sich mit sagenhaften 39 Punkten an die Spitze der Siegpunktleiste. Jetzt habe ich viel, worüber ich bis nächste Woche nachdenken kann. Aber heute nicht mehr. Mir brummt der Kopf.

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