Spenden eines Dilettanten

von Florian

Also gut, ich will versuchen, Ihre Fragen zu beantworten. Im Stehen, denn ich habe wirklich wenig Zeit, das werden Sie begreifen. Zeit ist zwar nicht Geld, denn Zeit ist immer knapp, haha, aber gerade deshalb.

Selbstverständlich spekuliere ich an der Börse, wie Sie sagen. Und richtig ist schon auch, dass ich zu diesem Zweck dreihundert Millionen Reichsmark von einem Freund geliehen bekommen habe. Aber immerhin konnte ich sie vermehren! Und dann sehen Sie sich mein Engagement fürs Gemeinwohl an. Denn Geld verdienen, ohne Geld zu spenden, von der Hausse profitieren, während andere kein Dach über dem Kopf haben, das ist, wie soll man sagen, ich weiß es nicht.

Wenn Sie meinen, setze ich mich eben. Ist Rauchen gestattet? Nehmen Sie ruhig auch eine Zigarre, beste Qualität von einem Geschäftspartner in Honduras. Wo war ich stehengeblieben. Ihre Vermutungen über meine Gewinne sind wirklich viel zu hoch gegriffen. Beispielsweise ist es mir zwar gelungen, zwischenzeitlich den Kurs für Kohle zu drücken, doch war nur noch ein einziges Papier dieser Sorte am Markt, als ich endlich zu kaufen Gelegenheit hatte. Ein Anfängerfehler – ja, ich bin nur ein ungeschickter Dilettant!

Hab & Gut

Den Sturmlauf auf Kautschuk habe ich komplett verpasst. Da haben ganz andere die dicken Gewinne eingestrichen, warum sprechen Sie nicht vielleicht mal mit dem Kollegen D., der die Millionen doch nur so aus dem Handgelenk schüttelte. Oder mit M., der das Doppelte verdient haben dürfte, weil er einfach jeden Trend erschnüffelte. Und es ist zwar richtig, dass ich mit Tee gute Gewinne machen konnte, aber Frau N. hatte viel mehr davon!

Worauf wollen Sie denn hinaus, wenn Sie sagen, ich hätte am Ende mehr gehabt als anfangs! Das war ja kaum zu vermeiden. Das offenbart doch schon ein Blick auf die Kursverläufe der letzten Wochen. So gut wie jedes Papier steht heute doppelt so hoch wie zu Beginn meiner Spekulationen. Sie wollen mich doch nicht für die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung verantwortlich machen. Nur mein Nachbar N., dessen Kasse seine Schwester verwaltet, ja, der hatte zum falschen Zeitpunkt zu wenig Bares auf der Hand, um den Aufschwung mitzunehmen. Einer der Gründe, warum ich lieber allein agiere.

Sehen Sie es einfach philosophisch. Tatsache ist doch, man kann nicht viel mehr als hoffen, dass man am Ende etwas weniger der ist, als der man begonnen hat. Als armer Schlucker.

Wie bitte? Nein, also nein, von Steuern war nicht die Rede, als man mir die Spielregeln erklärt hat! Ich nehme an, dieser Punkt ist mit den von mir verteilten Spenden mehr als abgegolten. Und wenn ich gewusst hätte, wie wenig die anderen geben, ich hätte mehr für mich behalten!

Das ist doch letztlich eine Frage der Perspektive. So wie Sie es darstellen, habe ich vielleicht im Endeffekt einen Fehler gemacht. Aber halten Sie bitte einfach einmal meine Verdienste dagegen. Und die Salzaktie hat doch wirklich nie ihr volles Potenzial ausgeschöpft. Noch eine Zigarre gefällig?

Gute Frage: Ob ich mich das nächste Mal anders verhalten würde. Da fällt mir gleich eine ganze Reihe von Antworten ein, aber ich kann unmöglich entscheiden, welche wohl die richtige ist. Vielleicht sind sie alle falsch.