Zweimal Beten reicht

von Nicole

Die Seuchen lassen uns nicht los. Nachdem wir uns beim letzten Spieletreff um die Pestkranken von Kingsbridge gekümmert hatten, mussten wir diesmal höllisch aufpassen, dass die krankheitsbringenden Ratten nicht die Überhand gewinnen in unseren Pariser Stadtvierteln. In Notre Dame von Stefan Feld bemühten sich Dominik, Michael, Florian und ich als Bürger im 14. Jahrhundert, unser Quartier möglichst souverän zu verwalten, auf dass es prosperiere. Gleichzeitig wollten wir mit ein bisschen Geld Einfluss in der Kathedrale Notre Dame gewinnen und, wie gesagt, ein Auge auf die Nagetiere haben.

All das diente nur dazu, unser Prestige zu steigern, um nach dreimal drei Runden als Sieger dazustehen. Dabei waren wir stets von unseren Mitspielern abhängig, denn von den drei Karten auf unserer Hand durften wir immer nur eine behalten, gaben zwei an den Hintermann weiter und bekamen dafür zwei vom Vordermann, behielten wieder nur eine und erhielten schließlich eine dritte. Aus diesen drei zusammengestöpselten Aktionsmöglichkeiten mussten wir zwei wählen.

Die Ausgangslage ist nicht allzu üppig mit vier Einflusssteinen und drei Geldmünzen, doch es reicht, um sich erst einmal zurechtzufinden. Florian ging gleich in den Park. Ihm lag weniger an Blumen, Büschen und Bäumen, als daran, rasch dank zweier in den Grünanlagen platzierter Einflusssteine bei jeder Prestigepunktwertung einen extra zu bekommen. Dominik konzentrierte sich auf die Residenz, die ebenfalls gut fürs Prestige war, und sahnte im ersten Durchgang schon einmal drei Punkte ab.

Michael fragte zur Sicherheit noch einmal nach, was der Park zu bedeuten habe, nur um ihn zu ignorieren. Und ich setzte mir in den Kopf, immer genug Geld für den Klerus zu haben, um mir ja keine der insgesamt drei Möglichkeiten, Einlass in Notre Dame zu finden, entgehen zu lassen. Schließlich werden da sechs Prestigepunkte verteilt, die ich ungern einem anderen allein überlassen wollte.

Notre Dame

Dominik und ich zogen bald nach und bevölkerten ebenfalls die Parkanlagen unserer Stadtteile. Außerdem versorgten wir unsere Hospize, wann immer es ging, mit Pflegepersonal. Nebenbei sprang auch schon einmal eine kleine Kutschfahrt raus. Michael kümmerte sich ums Geld und dann um die Steine, sein Hospiz vernachlässigte er ein wenig. Doch als die zur Bestechung bereitstehenden Personen einmal sechs Ratten mitbrachten, war er zur Stelle, schichtete Einflusssteine um und entging der Strafe. Ich hielt mich ebenfalls wacker und bezahlte zweimal den Medikus, um mein Viertel rattenfrei zu halten. Florian musste einmal Einflussstein und Prestigepunkte abgeben, weil bei ihm zu viele haarige kleine Biester mit langem Schwanz die Straßen unsicher machten. Dominik ebenfalls. Er ließ sich aber bewusst darauf ein, weil er im Gegenzug sechs Prestigepunkte einheimsen konnte.

Als Michael schließlich auch die Parks für sich entdeckte, sammelten sich immer mehr Punkte auf seinem Platz. Mein kleiner Haufen wuchs nicht mehr ganz so schnell an, sah aber noch manierlich aus. In der letzten der drei großen Runden musste ich mich gleich zu Beginn zwischen Geld, von dem ich fast nichts mehr hatte, und Notre Dame entscheiden. Da ich zuvor immer wieder Notre-Dame-Karten der Mitspieler bekommen hatte, verließ ich mich darauf, dass sie auch diesmal diese Möglichkeit, Punkte zu holen, nicht nutzen würden. Ich besorgte mir Geld und hoffte auf eine spätere Gelegenheit zur Kathedralenbesichtigung. Doch daraus wurde nichts. Michael hortete die Notre-Dame-Karten und stand am Ende mit zwei Holzklötzchen in der Kirche. Da blieben für Dominik, der ebenfalls die Rosette von innen betrachtete, nur null Punkte in der Schlusswertung.

Es reichte trotzdem noch für einen Sieg meinerseits. Auch dank der letzten Möglichkeit der Bestechung. Acht Punkte holte ich, weil jeder der sieben Abschnitte meines Quartiers besetzt war. Dafür gab es je einmal Prestige. Und dann war da natürlich noch dieser wunderbare Park mit seinem Zusatzpunkt.

Wenn wir, zurück im 21. Jahrhundert, bald mal wieder durch Paris radeln, werde ich auf einer Seine-Brücke innehalten, mich an der Silhouette von Notre Dame erfreuen und gleichzeitig schauen, wo der nächste Park versteckt ist. Damit habe ich beste Erfahrungen gemacht.