Was interessieren mich die Pestkranken!

von Nicole

Zwei Stammspieler beim Elternabend, drei gerade auf Austausch in Frankreich, und für vier war es der Abend vor einer Matheschulaufgabe: Der Vierkirchner Spieletreff fand am 18. März in fast intimer Atmosphäre statt. Zwei Tische im Pfarrheim waren besetzt, am hinteren widmeten sich fünf mit Funkenschlag der Energieerzeugung im 21. Jahrhundert. Vorne durchschritten wir zu viert Die Tore der Welt zurück ins Mittelalter, um als guter Mensch von Kingsbridge mit prächtigen Bauten und der Heilung von Pestkranken möglichst viele Siegpunkte zu machen, natürlich immer dem König loyal verbunden, selbst wenn dieser am Ende jeder der vier Runden üppige Steuern erhob.

Wer bei Burgen von Burgund als Minimalziel hat, jedes Mal über 200 Punkte zu kommen, muss sich in Kingsbridge auf Magerkost einstellen. Der Sieger, Florian, erreichte am Ende knapp über 40 Punkte, dicht gefolgt von Michael. Mit größerem Abstand verharrten Dominik und ich in der 30er-Zone der Siegpunktskala.

Tore der Welt

Das Startspielerwappen wandert reihum in jedem der sechs Durchgänge der insgesamt vier Runden weiter. Damit darf immer jemand anders die Ereigniskarte mit ihren vier Vorteilen an den vier Ecken legen und damit festlegen, wer welchen Vorteil erhält, Wolle, Frömmigkeit, Stein, Geld oder Siegpunkt, alles ist möglich. Man hofft immer, dass das richtige Eck auf einen deuten wird. Bitte Frömmigkeit, bitte Getreide – oh, doch nur ein Siegpunkt.

Je nachdem kann man seine nachfolgende Aktion gestalten, ein Zunfthaus bauen, wenn Stein oder Holz da ist, Pacht einziehen, Wolle in Tuch verwandeln oder Tuch verkaufen. Natürlich nur, wenn die Ereigniskarten mitspielen und einem nicht den Tuchmarkt versperren oder die Pacht um die Hälfte reduzieren.

Warum es bei mir nicht zu mehr gereicht hat, kann ich schwer sagen. Ich war immer darauf bedacht, am Ende jeder der vier Runden meine Pflichtabgaben leisten zu können, um den Strafen, Buße, Betteln und königliches Gericht, zu entgehen. Jede Runde hat sechs Durchgänge, in denen es also galt, unbedingt zwei Getreide, zwei Frömmigkeitsplättchen und so viele Münzen zu organisieren, wie es der Steuerwürfel verlangte. Dabei kamen der Erwerb von Zunfthäusern und sich damit ergebenden Einkommensquellen sowie die Aneignung medizinischen Wissens ein wenig zu kurz.

Letzteres hortete Michael und heilte damit reichlich Pestkranke in der zweiten Spielhälfte, kassierte Siegpunkte und noch andere Annehmlichkeiten wie Getreide und Frömmigkeit. Und das, obwohl er ganz zu Beginn in Verkennung etwaiger Siegstrategien ausgerufen hatte: „Was interessieren mich die Pestkranken!“

Dominik hatte Pech mit der Versorgung, konnte bei einem Defizit am Zahltag das Schlimmste nicht mit Loyalitätsplättchen abwenden und musste so einmal komplett auf einen Zug verzichten. Direkt im Anschluss führte dann auch noch König Edward mit Frankreich Krieg, und wir durften alle vier unsere Aktionskarten ablegen, ohne sie nutzen zu können. Dominik hatte also statt der sechs nur vier Durchgänge Zeit, um alles für die Pflichtabgaben vorzubereiten.

Ganz sicher bin ich mir nicht, wie Florian letztlich zum Sieg kam. Er hatte nie zu viel Geld, gelegentlich Sorgen, was die Getreideversorgung anging, und eher wenig Loyalitätsplättchen. Vermutlich lag es an den Baustoffen, die ihm die Startspieler nacheinander zuschusterten, so dass er massiv an den großen Gebäuden mitarbeiten und für jeden Stein oder jedes Holz drei Siegpunkte kassieren konnte. Aber das Metall aus den königlichen Erzminen zur Vollendung des Kathedralenturms, das kam von mir als loyalster Untertanin des Königs.